STAR TREK Episodenguide





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STAR TREK


Nach drei Jahren Arbeit enthält der Episodenguide nun endlich alle Folgen. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, plane aber, auch in Zukunft neue Erkenntnisse zu ergänzen, Fehler, die sich eingeschlichen haben, zu korrigieren und ggf. die Optik zu verbessern.
Da die bisherigen Bewertungen alleine auf meiner Meinung beruhen, ist ein System, wo jeder die Folgen bewerten kann, in Planung. - Stand: Dezember 2007; letzte Korrektur: 17. März 2009

Die hier gewählte Auflistung folgt der ursprünglichen Ausstrahlungsreihenfolge, nicht der Reihenfolge der in den einzelnen Episoden erwähnten Sternzeiten oder der Produktionsreihenfolge.

Texte: © 2005-2007 Zelda Scott
Texte dürfen gerne verwendet werden, sofern ein Hinweis auf mich und diese Seite erfolgt oder nach Rücksprache mit mir

Übersicht

Nr. Titel (OV) Titel (dt.) Bewertung
_________________________________________________________

"0" The Cage ["Der Käfig"] ****1/2*
1. Staffel
1 The Man Trap Das Letzte seiner Art **1/2*
2 Charlie X Der Fall Charlie ****
3 Where No Man Has Gone Before Spitze des Eisbergs ****
4 The Naked Time Implosion in der Spirale ****1/2*
5 The Enemy Within Kirk:2=? *****
6 Mudd's Women Die Frauen des Mr. Mudd ***1/2*
7 What Are Little Girls Made of? Der alte Traum ***1/2*
8 Miri Miri, ein Kleinling ***1/2*
9 Dagger of the Mind Der Zentralnervensystem- manipulator **1/2*
10 The Corbomite Maneuver Pokerspiele ****
11/12 The Menagerie - Part I/Part II Talos IV - Tabu I+II *****
13 The Conscience of the King Kodos, der Henker ***1/2*
14 Balance of Terror Spock unter Verdacht *****
15 Shore Leave Landurlaub ***1/2*
16 The Galileo Seven Notlandung auf Galileo 7
[DVD: Notlandung der Galileo 7]
****
17 The Squire of Gothos Tödliche Spiele auf Gothos ***
18 Arena Ganz neue Dimensionen ****
19 Tomorrow Is Yesterday Morgen ist gestern ***
20 Court Martial Kirk unter Anklage ****1/2*
21 The Return Of The Archons Landru und die Ewigkeit ***1/2*
22 Space Seed Der schlafende Tiger ****1/2*
23 A Taste of Armageddon Krieg der Computer ***1/2*
24 This Side of Paradise Falsche Paradiese ***1/2*
25 The Devil in the Dark Horta rettet ihre Kinder ****1/2*
26 Errand of Mercy Kampf um Organia ****
27 The Alternative Factor Auf Messers Schneide **
28 The City on the Edge of Forever Griff in die Geschichte ******
29 Operation -- Annihilate! Spock außer Kontrolle ****
2. Staffel
30 Amok Time Weltraumfieber (Pon Farr) ****1/2*
31 Who Mourns for Adonais? Der Tempel des Apoll ***
32 The Changeling Ich heiße Nomad ****
33 Mirror, Mirror Ein Parallel-Universum *****
34 The Apple Die Stunde der Erkenntnis ***
35 The Doomsday Machine Planetenkiller ****
36 Catspaw Das Spukschloss im Weltall **
37 I, Mudd Der dressierte Herrscher ***1/2*
38 Metamorphosis Metamorphose ***1/2*
39 Journey to Babel Reise nach Babel ******
40 Friday's Child Im Namen des jungen Tiru ***1/2*
41 The Deadly Years Wie schnell die Zeit vergeht ****
42 Obsession Tödliche Wolken *****
43 Wolf in the Fold Der Wolf im Schafspelz ***1/2*
44 The Trouble With Tribbles Kennen Sie Tribbles? *****
45 The Gamesters of Triskelion Meister der Sklaven ***
46 A Piece of the Action Epigonen ****1/2*
47 The Immunity Syndrome Das Loch im Weltraum ****1/2*
48 A Private Little War Der erste Krieg ***1/2*
49 Return to Tomorrow Geist sucht Körper ****1/2*
50 Patterns of Force [Schablonen der Gewalt]
51 By Any Other Name Stein und Staub ***1/2*
52 The Omega Glory Das Jahr des roten Vogels **1/2*
53 The Ultimate Computer Computer M5 ****
54 Bread and Circuses Brot und Spiele **
55 Assignment: Earth Ein Planet, genannt Erde ***
3. Staffel
56 Spock's Brain Spocks Gehirn *
57 The Enterprise Incident Die unsichtbare Falle ****
58 The Paradise Syndrome Der Obelisk ****
59 And the Children Shall Lead Kurs auf Markus 12 ***
60 Is There in Truth No Beauty? Die fremde Materie ***
61 Spectre of the Gun Wildwest im Weltraum **1/2*
62 Day of the Dove Das Gleichgewicht der Kräfte ****
63 For the World is Hollow and I Have Touched the Sky Der verirrte Pilot ***1/2*
64 The Tholian Web Das Spinnennetz ****1/2*
65 Plato's Stepchildren Platons Stiefkinder **1/2*
66 Wink of an Eye Was summt denn da? ***1/2*
67 The Empath Der Plan der Vianer ***1/2*
68 Elaan Of Troyius Brautschiff Enterprise ***1/2*
69 Whom Gods Destroy Wen die Götter zerstören **
70 Let That Be Your Last Battlefield Bele jagt Lokai ****1/2*
71 The Mark Of Gideon Fast unsterblich **1/2*
72 That Which Survives Gefährliche Planetengirls **1/2*
73 The Lights of Zetar Strahlen greifen an ***
74 Requiem For Methuselah Planet der Unsterblichen ***
75 The Way To Eden Die Reise nach Eden ***
76 The Cloudminders Die Wolkenstadt *1/2*
77 The Savage Curtain Seit es Menschen gibt **
78 All Our Yesterdays Portal in die Vergangenheit ***
79 Turnabout Intruder Gefährlicher Tausch ****

"80" DS9 No. 104:
Trials and Tribble-actions
DS9 Nr. 104:
Immer die Last mit den Tribbles
******

Episode "0": "The Cage"

Deutscher Titel: [Der Käfig] Bewertung: * * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 24.12.1988
Deutschland 25.10.1993
Drehbuch: Gene Roddenberry
Regie: Robert Butler
Darsteller: Jeffrey Hunter (Captain Christopher Pike), Susan Oliver (Vina), Majel Barrett (Number One/Nummer Eins), Laurel Goodwin (Yeoman Colt), John Hoyt (Doktor Philip Boyce), Peter Duryea‚ Clegg Hoyt, Anthony Joachim, Jon Lormer, Meg Wyllie, Leonard Mudie, Robert Phillips, Adam Roarke, Mike Dugan, Talosianer: Serena Sands, Georgia Schmidt, Barker

Handlung:

STAR TREK, die Ära vor Captain Kirk: Die Enterprise steht unter dem Kommando von Captain Christopher Pike, der der Verantwortung langsam müde wird. Er sehnt sich nach einem einfachen Leben, als die Enterprise einen Notruf vom Planeten Talos IV auffängt. Tatsächlich finden sie dort eine Gruppe von Überlebenden, die vor rund zehn Jahren dort notlanden mussten, allesamt alte Männer mit der Ausnahme einer jungen Frau: Vina.

Als Vina Captain Pike zeigen will, wie die Gruppe so lange überleben konnte, wird Pike von ihr in eine Falle gelockt und von Aliens gefangen genommen, die über telepatische Kräfte verfügen.

Die Talosianer wollen Pike gefügig machen, so dass er zusammen mit Vina eine neue Sklavenrasse gründet und lassen ihn mehrere Visionen durchleben, die großteils auf seinen Wünschen beruhen. Pike allerdings beugt sich nicht und auch die Enterprise unter der Führung des Ersten Offiziers "Nummer Eins" sucht nach ihrem Kommandanten…


Persönliches Fazit:

Die Handlung von "The Cage" sollte dem einen oder der anderen bekannt vorkommen: Sie wurde in der TOS-Doppelfolge "The Menagerie" (dt.: "Talos IV - Tabu") verwendet. Tatsächlich aber handelt es sich um Roddenberrys ersten Entwurf zu STAR TREK, der von NBC seinerzeit abgelehnt worden war.

Zum Hintergrund ist zu sagen, dass die 60er Jahre die Zeit der Westernserien waren. Der klassischste Vertreter dürfte wohl "Bonanza" sein, aber auch viele andere Serien feierten Siegeszüge. Alle diese Produktionen folgten in der Regel dem Muster des Kampfes "Gut gegen Böse".

Als Roddenberry die Idee zu STAR TREK verkaufen wollte, präsentierte er NBC daher sein Science Fiction-Konzept als "Wagenzug zu den Sternen". Die Verantwortlichen gaben schließlich "The Cage" als Pilotfilm in Auftrag, bekamen aber ganz und gar nicht das, was sie erwartet hatten. "The Cage" unterschied sich grundlegend von bekannten Konzepten und war mit Sicherheit alles, nur kein "Western im Weltraum". Daher wurde "The Cage" schließlich als "zu anspruchsvoll" abgelehnt. Was im Normalfall den Tod einer Serie noch vor der Entstehung bedeutet, machte STAR TREK zu etwas besonderem, bevor auch nur die erste Folge ausgestrahlt wurde: NBC gab einen zweiten Pilotfilm in Auftrag, der "mehr Action" beinhalten sollte. Das Ergebnis war die bekannte STAR TREK-Folge "Where No Man Has Gone Before" (dt.: "Die Spitze des Eisbergs"), in der Roddenberry seinem ursprünglichen Konzept treu blieb, aber das Personal nahezu vollkommen austauschte.

Während die STAR TREK-Geschichte ihren Lauf nahm, geriet "The Cage" als eigenständige Produktion weitestgehend in Vergessenheit und ist auch nie Bestandteil, wenn die Classic-Serie im Fernsehen ausgestrahlt wird. Erst mit der DVD-Aufarbeitung wurde auch "The Cage" quasi wiederentdeckt und dem Publikum verfügbar gemacht.

Als Pilotfilm genießt "The Cage" ebenso wie "Where No Man Has Gone Before" (dt.: "Die Spitze des Eisbergs") einen Bonus, da sich eine Serie erst finden muss, ebenso wie die Darsteller ihre Rollen und die Verhältnisse untereinander festlegen müssen. Aus damaliger Sicht war "The Cage" revolutionär, naturgemäß verändert sich diese Perspektive durch die inzwischen verstrichene Zeit. Der Kampf "Gut gegen Böse" ist zwar rudimentär vorhanden, allerdings sind die Talosianer keineswegs böse, hirnlose Aliens, ganz im Gegenteil. Ihre Position wird verständlich erläutert, ihre Motivation macht klar, dass mehr dahinter steckt als nur der Wunsch, Menschen zu unterjochen. Durch ihre Geisteskräfte sind sie den Menschen zudem überlegen, ebenfalls ungewöhnlich für eine Produktion dieser Zeit. Die mentalen Fähigkeiten der Talosianer geben der Handlung eine Note, die "The Cage" ganz entschieden von einem Western abhebt. Außerdem ist es Pike unmöglich, sich seinen Weg "freizuschießen", ein anderer Ausweg ist gefragt. Persönlich halte ich es zudem für mutig, bei Pikes Wünschen eine orionsiche Tänzerin zu zeigen :-).

Roddenberry beschränkte jedoch nicht damit, einfach nur eine etwas andere Story zu verfilmen, auch alles andere fiel aus dem Rahmen: der Erste Offizier ist eine hochintelligente Frau, "Number One" bzw. "Nummer Eins". Fans von TNG werden diese Bezeichnung kennen, sie wurde auf Commander Riker übertragen, den Ersten Offizier der Enterprise unter Captain Picard. Was heute (glücklicherweise) eine Normalität ist, nämlich eine Frau in einer Führungsposition, erregte damals selbst beim weiblichen Publikum Unverständnis. Das herkömmliche Rollenbild wird in "The Cage" selbst deutlich gemacht, als Pike sich über Frauen auf der Brücke beschwert, dabei aber vergisst, dass seine Stellvertreterin ebenfalls eine Frau ist. Um das Maß voll zu machen, erschuf Roddenberry zusätzlich den Charakter von Mr. Spock, dem satanisch aussehenden Vulkanier.

In vielerlei Hinsicht ist der Spock, wie er aus TOS bekannt ist, eine Symbiose aus seiner Rolle in "The Cage" und "Number One". Die kühle Selbstbeherrschung der Ersten Offizierin wurde auf ihn übertragen, ebenso das computergleiche Wissen und, nicht zuletzt, ihre Funktion als Stellvertreterin des Captains. Der Spock aus dem ersten Pilotfilm bleibt verhältnismäßig blass, "The Cage" konzentriert sich fast ausschließlich auf Captain Pike und ansatzweise auf Number One sowie auf die Gastdarsteller. Spocks Rolle mutet nahezu unbedeutet an. Das wenige, was von Spock zu sehen ist, lässt kaum ahnen, welch Potential in seinem Charakter steckt. Im Verhältnis zu seinem bekannten Verhalten ist der Vulkanier einerseits noch unpersönlicher, trägt seine Dialoge automatenhaft vor, andererseits aber auch viel emotionaler, er lächelt offen. Optisch ist er nicht so "geleckt" wie in TOS. Es ist also festzustellen, dass Spocks Charakter eindeutig gewann, leider aber auf Kosten von "Number One". Selbst das Kurze, was von ihr zu sehen ist, macht sie interessant und weckt Lust auf mehr. Majel Barrett, die diese Rolle verkörperte, wurde später zu Schwester Christine Chapel und zu Roddenberrys Frau.

Captain Pike und Captain Kirk teilen sich einige Charakterzüge, sind aber dennoch unterschiedliche Persönlichkeiten. Beide spüren die Last des Kommandos - während aber Pike sich weit weg wünscht, wird bei Kirk immer wieder deutlich, dass er in seinem Kommando die Erfüllung seines Lebenstraums sieht. Pike wird eher nachdenklich melancholisch portraitiert wird, Kirk dagegen meistens als lebenslustiger Draufgänger mit leisen Untertönen. Es ist schwer zu sagen, wie sich STAR TREK unter Captain Pike entwickelt hätte - sein Charakter ist nicht uninteressant, allerdings ist es eher schwer vorstellbar, eine Serie von einer Person tragen zu lassen, die ständig lieber woanders wäre.

Die Enterprise selbst ähnelt stark der bekannten Variante, die Grundzüge sind erhalten geblieben, auch wenn in diese erste Version nur 203 Leute reinpassen. Einiges wurde später verändert, so z.B. Details der Brücke oder des Besprechungsraums.

In Sachen fiktive Technik leistet "The Cage" Großartiges: in einer Zeit, wo Telefone so groß waren, dass man sie sich nicht auf den Fuß hätte fallen lassen sollen und lange Kabel gang und gäbe waren, wurden Ideen präsentiert, die heute Eingang in das Alltagsleben gefunden haben, z.B. Kommunikatoren und Computer, um nur zwei Sachen zu nennen. Darüber hinaus sind Transporter zu bewundern, ebenso "Laser" und "Phaserkanonen". Für einen einzigen Pilotfilm werden damit ungeheuer viele Dinge verwendet, die für das damalige Western-gewohnte Publikum tatsächlich Science Fiction waren. All diese neuen Geräte zu erklären ist keine leichte Aufgabe, wird aber von "The Cage" mit Leichtigkeit bewältigt.

Die fiktive Technik wurde nahezu eins zu eins in TOS übernommen und nur hier und da weiter verbessert, so z.B. das Aussehen des Kommunikators, der unter Kirk statt eines transparenten ein schwarzes Element enthält und nicht so klobig/kantig wirkt wie in "The Cage".

Bei den Uniformen gab es dagegen in TOS eher einen Rückschritt: Männer und Frauen sind in "The Cage" optisch gleichgestellt, während in TOS Frauen in unpraktische, dafür aber sexy Uniformkleidchen gesteckt wurden. Außerdem dauerte es bis zu den Kinofilmen, bis es jemanden auffiel, dass es durchaus praktisch ist, sich bei einem Landgang in Jacken zu hüllen wie hier statt wie bei TOS üblich in der Gegend herumzustehen und zu frieren. Vom Schnitt her sind die eigentlichen TOS-Uniformen aber deutlich gelungener und ermöglichen auch die differenzierte Unterscheidung der jeweiligen Dienstgrade.

Für die Talosianer wurde ein nettes Gimmick verwendet: um sie fremdartiger erscheinen zu lassen, wurden sie von Frauen gespielt, dann aber von Männern nachsynchronisiert.

Abschließend ist zu sagen, dass "The Cage" heute in zwei Versionen existiert: in einer kolorierten und in einer s/w-Fassung. Die s/w-Fassung enthält dabei aber ebenfalls farbige Szenen, die aus der Doppelfolge "The Menagerie" stammen. Durch die Nichtverwendung des Filmmaterials über so lange Jahre waren einige Sequenzen nur noch in s/w auffindbar, erst später fand sich die kolorierte Fassung wieder an. Die s/w-Version enthält einen netten Einleitungskommentar des inzwischen verstorbenen Roddenberry, unterscheidet sich aber ansonsten nicht von der kolorierten Fassung (jedenfalls nicht, dass ich feststellen konnte). Allerdings ist die Darstellung einer grünhäutigen Orionein in s/w nahezu witzlos, wobei gerade ihr Auftritt die Produktionskosten für "The Cage" in die seinerzeit schwindelerregende Höhe von 630.000 USD getrieben hatte: Im Labor war ihre Hautfarbe so lange nachbearbeitet worden, bis sie normal erschien, weil sie nicht als bewusstes Makeup erkannt worden war.

Wie "The Cage" in TOS von der Reihenfolge her einzugruppieren ist, ist unklar, oftmals erfolgt eine Voranstellung als 0. Folge. Aber auch andere Versionen werden praktiziert, so erscheint "The Cage" hier und da auch schon mal als erste Folge von TOS, wodurch sich alle weiteren Folgen um eine Nummer nach hinten verschieben. Tlw. werden die kolorierte und die s/w-Fassung als zwei separate Folgen gezählt.


1. Staffel


Episode 1: "The Man Trap"

Deutscher Titel: Das Letzte seiner Art Bewertung: * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 08.09.1966
Deutschland (SAT 1) 28.09.1987
Drehbuch: George Clayton Johnson
Regie: Marc Daniels
Gaststars: Alfred Ryder (Dr. Robert Crater), Jeanne Bal (Nancy Crater, die "Echte" jung und älter) Bruce Watson ( Green), Michael Zaslow (Darnell), Francine Pyne (Nancy Crater, die Blonde), Sharon Gimpel (Salzvampir), John Arndt, Eddie Paskey, Larry Anthony

Handlung:

Sternzeit 1513,1: Der Archäologe Dr. Robert Crater lebt zusammen mit seiner Frau Nancy allein auf dem Planeten 113, um dort Überreste einer alten Kultur zu studieren. Kirk, McCoy und Crewman Darnell beamen hinunter, um die routinemäßige medizinische Untersuchung durchzuführen und die beiden mit Vorräten zu versorgen. Während Dr. Crater sich abweisend verhält und auf der Aufstockung der Salzbestände pocht, trifft McCoy in Nancy Crater eine alte Liebe wieder. Was zu diesem Zeitpunkt außer Dr. Crater niemand weiß: die wahre Nancy ist seit langem tot, wurde von einem intelligenten Wesen getötet, das das Letzte seiner Art ist, Salz zum Überleben braucht und jede beliebige Gestalt vortäuschen kann.

Als der Salzbedarf des Wesens steigt und es keines bekommt, tötet es Crewman Darnell, um seinem Körper das Mineral zu entziehen - weitere Besatzungsmitglieder sterben und das Wesen gelangt an Bord der Enterprise anstelle eines gerade getöteten Besatzungsmitglieds…



Persönliches Fazit:

Als fünfte Folge produziert, hat "The Man Trap" die Ehre, die erste STAR TREK-Folge zu sein, die jemals über die Bildschirme flimmerte - verdient hat sie es allerdings nicht. Es überrascht etwas, dass nicht der eigentliche Pilotfilm, nämlich "Where No Man Has Gone Before" (dt.: "Die Spitze des Eisbergs"), als erstes ausgestrahlt wurde, sondern eine x-beliebige, doch eher unterdurchschnittliche Episode.

Die Charaktere werden somit nicht wirklich vorgestellt, obwohl einige Ansätze vorhanden sind, das Publikum mit auf die Enterprise zu nehmen. Einer davon ist Uhuras Diskussion mit Spock über seinen Planeten Vulkan, die ganz amüsant ist. Spock erwähnt beiläufig, dass Vulkan keinen Mond hat, was allerdings der Optik aus "STAR TREK - The Motion Picture" (dt.: "STAR TREK - Der Film") widerspricht - wohl eher ein Fehler des Films.

Als Einstieg in die Serie ist "The Man Trap" dennoch denkbar ungeeignet, wird Roddenberrys Konzept der friedlichen Zusammenarbeit aller Rassen und Kulturen hier doch seltsam ausgehebelt. Ein großer Teil der Handlung vergeht mit der Jagd nach der "Kreatur", ungeachtet der Tatsache, dass es sich dabei um ein intelligentes Lebewesen handelt, welches tatsächlich nur überleben will. Auf diese Weise in die Ecke gedrängt, ist seine Verhaltensweise nur als normal zu bezeichnen. Der Umgang mit dem "Salzvampir" ist daher für STAR TREK-Verhältnisse vollkommen untypisch. Das gleiche gilt für Kirk, der sich hier wie ein Schnösel verhält und McCoy gegenüber unnötig grausam ist. McCoy, der zu Beginn der Serie nicht als der tragende Charakter konzipiert wurde, der er schon bald werden würde, hat dagegen eine überraschend große Rolle. Der "offiziellen" Geschichte bzw. dem "Canon" zufolge hat der verschrobene Bordarzt eine Ex-Frau, die allerdings nicht mit der "Nancy" aus dieser Folge überein zu stimmen scheint.

Ein guter Ansatz ist die unterschwellige Kritik an der Ausrottung der Büffel auf der Erde, jeder gute Ansatz wird aber leider recht schnell in sinnloser Action ertränkt. In diese Kategorie fällt Kirks und Spocks Verfolgung von Dr. Crater auf dem Planeten. Kirk begeht so viele taktische Fehler, dass er nur deshalb lebendig aus der Sache herauskommt, weil Crater ihn nicht tatsächlich töten will. Ansonsten ist es ausgesprochen unklug, sich quasi UNTER ein zusammenbrechendes Gebilde zu retten. Die ganze Situation entbehrt natürlich einer gewissen Grundlogik: Kein Archäologe würde freiwillig seine eigenen Forschungsobjekte zerstören, außerdem wäre es für Kirk und Spock einfacher gewesen, hoch zu beamen und vom Schiff aus Crater mit den Phasern der Enterprise zu betäuben.

Als mildernden Umstand kann geltend gemacht werden, dass viele Möglichkeiten erst später erfunden wurden, daher sei auch darüber hinweg gesehen, dass einige technische Geräte sich etwas merkwürdig verhalten, allen voran das Interkom. Es wird dadurch nur deutlich, dass die Schauspieler eine Weile brauchten, sich mit ihrer Umgebung auseinanderzusetzen, die für die Verhältnisse der 60er tatsächlich viele futuristische Elemente enthielt. Nichts desto trotz ist die Leistung der Schauspieler ganz ordentlich, von einigen Ausnahmen mal abgesehen.

Der Anfangseffekt mit den drei Nancys zu Beginn ist dabei ganz hübsch eingefangen, leider fehlt eine weitergehende Erklärung. Crewman Darnell verhält sich derartig unprofessionell, dass es weh tut. Wieso er so aus dem Häuschen gerät ist nicht verständlich, wenn man sich vor Augen hält, wie (spärlich bekleidet) die Frauen auf der Enterprise herumlaufen. Zwar kann auch in dieser Folge quasi aus Versehen eine Frau in Hosen bewundert werden, ansonsten sind die bekannten Uniformkleider Standard und ganz sicher nicht weniger reizvoll als Darnells Nancy. Der Crewman wird beim Herunterbeamen von Kirk nicht mal erwähnt, seine Funktion ist unklar. Dabei trägt er nicht mal ein rotes Hemd :-).

Außer Kirk, der wie am Spieß brüllt, als der Vampir ihn angreift, sterben alle weiteren Opfer inkl. Darnell übrigens stumm, als sie dahingerafft werden. Ist das also Taktik von Kirk oder einfach nur so merkwürdig?

Ob es wirklich möglich wäre, durch spontanen Salzverlust zu sterben, ist mir nicht bekannt, interessant ist die Idee aber allemal. Nur: der Salzvorrat der Craters war zwar ziemlich niedrig, offensichtlich war aber noch etwas vorhanden. Wieso also die Morde, bevor sie nötig wurden? Das Wesen ist intelligent, riskiert unnötig viel. Mit den Replikatoren auf der Enterprise besteht zudem sicherlich die Möglichkeit, leichter an Salz zu kommen. Vermutlich waren die Replikatoren zu dem Zeitpunkt noch nicht erfunden, sind aber später in TOS zu sehen; sie hätten natürlich die ganze Folge dramatisch verkürzt.

Uhura, die im Laufe der Serie eher wenig zu tun hatte und recht schnell intensiv über einen Ausstieg nachdachte, hat eine verhältnismäßig große Rolle. Ihren hier vorgestellten "Traummann" halte ich für überzeichnet, nur ein Klischee wird bedient, was ziemlich schade ist. Als Ausgleich ist Sulu in seiner Freizeit im botanischen Labor zu sehen. Das Labor selbst ist nicht übermäßig gut gelungen, war aber wohl das Maximum, was seinerzeit (finanziell) realisierbar war.

Als Konsequenz ist "The Man Trap" für STAR TREK-Verhältnisse kein Highlight und nur ein mittelmäßiger Einstieg, aber mit einigen guten Ansätzen versehen.

Episode 2: "Charlie X"

Deutscher Titel: Der Fall Charlie Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 15.09.1966
Deutschland (ZDF) 09.02.1974
Drehbuch: D.C. Fontana
Regie: Lawrence Dobkin
Gaststars: Robert Walker jr. (Charlie Evans), Charles J. Stewart (Captain Ramart), Dallas Mitchell (Tom Nellis Erster Offizier der Antares), Patricia McNulty (Tina Lawton), Abraham Sofaer (der Thasianer), John Bellah, Don Eitner

Handlung:

Sternzeit 1533,6: Der 17-Jährige Charlie stürzte als Dreijähriger auf Thasus ab und überlebte 14 Jahre vollständig auf sich allein gestellt. Die Antares greift den Jugendlichen auf und übergibt ihn der Enterprise, wo sich Charlie erstmalig in eine menschliche Gemeinschaft einordnen muss. Die Frage, wie er die ganze Zeit überleben konnte, wird beantwortet, als Charlie mehr und mehr an Beherrschung verliert und dabei erstaunliche Fähigkeiten offenbart…


Persönliches Fazit:

Im Kern geht es bei "Charlie X" um die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Die Zerrissenheit, die Unsicherheit, die Großspurigkeit, all das wird von Robert Walker jr. toll vermittelt. Seine Wankelmütigkeit wird von der Crew soweit wie möglich toleriert, Charlies innerer Konflikt ist immer spürbar. Er ist damit kein klassischer Bösewicht, vielmehr eine gescheiterte Existenz, ein Opfer der Umstände. Als positive Randerscheinung verrät diese Folge viel über das Bordleben, zeigt die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und auch die Sporthalle der Enterprise. Uhura wird etwas in das Zentrum des Geschehens gerückt, als sie zu Spocks musikalischer Untermalung singt - für dt. Ohren nicht sofort erkennbar neckt sie den ersten Offizier mit dem Text, später dann Charlie. Meines Wissens hat Nichelle Nichols selbst gesungen und das mehr als nur akzeptabel! Spocks Gesichtsausdruck als Reaktion ist sehr gut eingefangen.

In einer anderen Szene spielen Kirk und Spock abermals Schach. Diese kleinen Gesten sind einer der großen Pluspunkte der Classic-Serie - zwar sind alle Folgen eigenständig, durch solche eingebauten Szenen wird dennoch viel ausgesagt. Das Schachspiel - alleine die Idee eines 3D-Schachs ist toll, was, anbei bemerkt, tatsächlich spielbar ist - gehört zu den zahlreichen Mysterien von TOS. Es ist ein intelligentes Spiel, das eine Verbundenheit zwischen Kirk und Spock demonstriert, die auf viele Fans eine scheinbar übernatürliche Anziehungskraft auszuüben scheint. Kirk kann Spock hier schlagen, obwohl der Vulkanier nicht damit gerechnet hatte. Wenn ich mich allerdings korrekt an die Regeln von normalem Schach erinnere und davon ausgegangen wird, dass sie für die 3D-Variante nur erweitert wurden, so muss Kirks Zug doch schon mehr als ungewöhnlich gewesen sein. Denn Kirk steht im Schach, als er Spock Matt setzt. Im Allgemeinen muss sich aber die bedrohte Partei immer zuerst aus dem Schach begeben. Kirks Zug muss also so genial sein, dass er seinen eigenen König sichert und gleichzeitig Spocks bedroht und zwar so, dass das dem Vulkanier nicht aufgefallen ist - nun ja, gestehen wir Kirk etwas Genialität zu. :-)

Wie auch in den anderen Folgen zu Beginn der Serie spielt Janice Rand als Kirks Yeoman eine ziemlich wichtige Rolle, kann aber auch trotz der Tatsache, dass sie im Zentrum von Charlies Aufmerksamkeit steht, keine wirklich gute Bildschirmpräsenz entwickeln. Es ist nicht so, dass sie stört sondern vielmehr, dass sie trotz ihres Anteils am Drehbuch nicht spürbar wird. Natürlich wird sie ziemlich auf ein Objekt der Begierde reduziert, abermals ist der Umgang mit dem Thema Sex und Fortpflanzung aus heutiger Perspektive unnötig verklemmt - der Bonus der 60er sollte aber zum Zuge kommen und es gibt tatsächlich bis heute so einiges, was man bei einem Mann machen kann, bei einer Frau aber möglichst unterlassen sollte. :-)

Neben der Sporthalle, die bis auf die etwas peinlichen Hosen der Männer (was besonders bei Kirk ohne Hemd auffällt) ganz gut eingefangen ist, ist erstmalig eine Zelle zu sehen. Was optisch mit dem Energiefeld eine schöne Neuerung ist, entzieht sich hartnäckig jeder Logik. Jemanden mit telekinetischen Kräften einsperren zu wollen ist ziemlich witzlos und von vornherein zum Scheitern verurteilt…

Des Weiteren muss es irgendwo auf der Enterprise irgendwelche "Läden" geben, die aber freilich in der ganzen Serie nie zu sehen sind. Allerdings werden sie erwähnt, als Charlie Janice Parfum schenkt. Denkbar wäre es, das Parfum mit einem Replikator herzustellen, den es zu Classic-Zeiten ja bereits gegeben hat und der auch mehrfach bewundert werden kann (z.B. in "The Trouble With Tribbles", dt.: "Kennen Sie Tribbles?").

Als weitere Neuerung muss im Turbolift ein Schrank versteckt sein, in dem Kirk sich umziehen kann - das ist natürlich ein Scherz, allerdings zeigt diese Folge einen hübschen Patzer. Während der Episode trägt Kirk abwechselnd seine beiden Uniformoberteile: das grüne, das für die Doppelrolle in "The Enemy Within" (dt.: "Kirk:2=?") entworfen und aufgrund des guten Optik beibehalten wurde, dann das normale gelbe. In einer Szene nun betritt Kirk den Turbolift - und kommt mit dem anderen Uniformoberteil auf der Brücke wieder raus…

Zu den Uniformen allgemein ist in "Charlie X" jedoch noch mehr festzustellen. Da wäre z.B. die wenig gelungene Version der Antares-Crew - während in späteren Serien das Enterprise-Emblem für alle Starfleet-Schiffe die Uniformen zierte, wurde zu Classic-Zeiten mehr unterschieden. Noch interessanter ist aber die Frau in Uniformhosen, die kurz in einem der Enterprise-Gänge zu sehen ist, vermutlich ein Überbleibsel aus "The Cage".

Auch kurz in einem Gang zu sehen ist ein guter Horror-Effekt, der bis heute nichts von seiner Wirkung eingebüßt hat: in seiner Wut nimmt Charlie einer Frau ihr Gesicht.

Als Konsequenz ist "Charlie X" eine gute Episode. Offen bleibt aber die Frage, woher die Informationen zu den Bewohnern von Thasus kommen, die Charlie aufgezogen haben und ob es nicht wirklich möglich gewesen wäre, ihn doch noch in eine menschliche Gesellschaft zu integrieren.

In der deutschen Version wurde aus Thanksgiving Ostern, was dazu führt, dass einige Dialoge entsprechend angepasst werden mussten. Während Thanksgiving in den USA ein recht großer Feiertag ist, erschien er den Übersetzen für den deutschen Sprachraum zu unbedeutend.

Episode 3: "Where No Man Has Gone Before"

Deutscher Titel: Spitze des Eisbergs Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 22.09.1966
Deutschland (ZDF) 06.10.1973
Drehbuch: Samuel A. Peeples
Regie: James Goldstone
Gaststars: Gary Lockwood (Gary Mitchell), Sally Kellerman (Dr. Elisabeth Dehner), Paul Carr (Lee Kelso), Paul Fix (Dr.Piper), Andrea Dromm (Yeoman Smith), Lloyd Haynes (Kommunikations-Offizier Alden)

Handlung:

Die Enterprise erkundet den Rand der Galaxis, wo 200 Jahre zuvor bereits die USS Valiant beim gleichen Versuch zerstört wurde. Der Flugrekorder der Valiant liefert einige Erkenntnisse, unter anderem auch, dass Anfragen nach ESP - Extra Sensual Perception (=außersinnliche Wahrnehmung) - gestellt wurden.

Bei dem Versuch, die galaktische Barriere zu durchbrechen, wird auch die Enterprise schwer beschädigt. Kirks bester Freund Gary Mitchell beginnt sich danach zu verändern und gewinnt immer mehr außersinnliche Fähigkeiten hinzu. Schließlich wird er so unberechenbar, dass Kirk sich dazu entschließt, Gary auf dem unbewohnten Planten Delta Vega auszusetzen…


Persönliches Fazit:

Obwohl erst als dritte Folge ausgestrahlt, ist "Where No Man Has Gone Before" die eigentliche erste Folge von STAR TREK. Nachdem "The Cage" von NBC als zu anspruchsvoll abgelehnt worden war, schrieb STAR TREK noch vor der eigentlichen Entstehung Geschichte, in dem vollkommen entgegen gängiger Praxis ein zweiter Pilotfilm in Auftrag gegeben wurde (natürlich nicht, ohne das Budget drastisch zu kürzen und die angepeilte Drehzeit zu reduzieren, um einen wöchentlichen Rhythmus zu gewährleisten).

Das Ergebnis wies zahlreiche Änderungen zu "The Cage" auf, allerdings war das zu Grunde liegende Prinzip erhalten geblieben. Der grundsätzliche Aufbau von Schiff und Mannschaftsstruktur blieb bestehen, als Darsteller schafften es jedoch nur "Mr. Spock" und in veränderter Form "Number One" in den neuen Pilotfilm. Spock erhielt neben seiner Rolle als Wissenschaftsoffizier zusätzlich den Posten als Stellvertreter des Captains, während Majel Barrett ("Number One" und Roddenberrys spätere Frau) zwar in "Where No Man Has Gone Before" nicht direkt auftauchte, dafür aber als Schwester Chapel zurückkehren sollte. Zudem ist sie seit "The Cage" im Original die Stimme des Enterprise-Computers und sicherte sich schon hier quasi Trek-Unsterblichkeit, bevor sie in TNG in einer anderen Rolle (L. Troi) wiederkehrte. Roddenberry begründete seine Entscheidung, Spocks Rolle zu vergrößern und die seiner Frau quasi auf eine Nebenrolle zu degradieren damit, dass es besser gewesen war, Spock zu befördern und Majel zu heiraten als umgekehrt. Dennoch ist die Entscheidung, Spocks Rolle zu vergrößern, ein (bewundernswertes) Risiko gewesen, da gerade in den religiösen Regionen der USA das "satanische" Äußere sehr leicht Ablehnung hätte hervorrufen können.

In vielerlei Hinsicht ist "Where No Man Has Gone Before" eine gänzlich untypische Episode, da in der Serie später viele Dinge verändert wurden. Bereits das (US-) Intro ist anders, es fehlt der berühmt-berüchtigte Eingangssatz "Space - The Final Frontier…", der von Shatner gesprochen und erst danach der Sequenz hinzugefügt wurde.
Optisch gibt es gravierende Unterschiede, am auffälligsten sind die Uniformen. Die Farbe rot fehlt noch vollkommen, es herrschen gelb und blau vor, wobei auch die späteren Zugehörigkeiten zu den einzelnen Abteilungen (Technik rot, Wissenschaft blau, Kommandostab gelb) fehlen. So trägt Spock statt blau gelb, Scotty statt rot ebenfalls gelb während Sulu, sonst in gelb, in blau zu bewundern ist. Auch die Streifen "stimmen" noch nicht, Kirk hat nur zwei statt drei, Spock nur einen. Alle Uniformen wirken leicht "plüschig" und sitzen nicht wirklich gut, außerdem wurde der Gelbton nicht überall gleich gut getroffen, besonders deutlich bei Gary Mitchell zu beobachten. Die Uniformkleider der Frauen (die in meinen Augen eher einen Rückschritt darstellen, da ich selbige im Alltag für hochgradig unpraktisch halten würde) sind noch nicht erfunden. Die Uniformen ähneln damit insgesamt denen aus "The Cage".

Sulu ist in dieser Episode zwar zu sehen und wird als Abteilungsleiter eingeführt, hinterlässt aber keinerlei bleibenden Eindruck. Sein Platz auf der Brücke wird mit Lee Kelso gefüllt, der diese Folge allerdings nicht überleben darf. Das gleiche Schicksal haben Dr. Dehner und Gary Mitchell, wobei übermäßig viel Zeit darauf verwendet wird, beide Figuren vorzustellen.

Besonders bei Mitchell, der als enger Freund Kirks charakterisiert wird, wird so unheimlich viel Potential vergeben. Die leichte Rivalität zu Spock, in der um Kirks Gunst gebuhlt wird, ist spürbar, ebenso ein leicht gemeiner Zug von Gary Mitchell. Es wäre ausnehmend interessant gewesen, den Konflikt zwischen beiden wachsen zu sehen und auch Kirks Schwierigkeit, Freundschaft und Pflicht gegeneinander abzuwägen.

Aber nicht nur die Uniformen sind gewöhnungsbedürftig, auch die Kulissen sind es. Kirks Kommandosessel hat eine Art Mikrofon-Anbau, der Konferenzraum kann sich mit einem Holztisch schmücken, der Dreiecksbildschirm fehlt komplett u.v.m.

Von der später vertrauten Crew sind neben Kirk und Spock nur Sulu und Scotty anwesend. Der leitende Schiffsarzt heißt Dr. Piper, sieht aber alt genug aus, um eine Versetzung in den Ruhestand nach dieser Episode für möglich zu halten. Spocks Augenbrauen sind steiler als gewohnt und gleich in der ersten Einstellung zeigt er zwei Gefühlsregungen, obwohl er insgesamt eher nicht-emotionaler portraitiert wird als noch in "The Cage". Trotzdem findet er nichts dabei, Kirk am Arm zu berühren, obwohl er als Vulkanier eigentlich etwas gegen Körperkontakte jeglicher Art haben sollte.

Wenn "The Cage" und "Where No Man Has Gone Before" direkt verglichen werden, so ist zumindest mir nicht ganz klar, warum der eine Pilotfilm abgelehnt und der andere angenommen wurde. Beide besitzen jeweils ein übernatürliches Element, der eine mit den Geisteskräften von Aliens, der andere mit den verstärkten ESPer-Fähigkeiten und sind daher gleichmäßig "anspruchsvoll". Als eigenständige Produktion halte ich "The Cage" sogar für besser, weil "Where No Man Has Gone Before" oft den Eindruck hinterlässt, die Charaktere seien sich über ihre Position untereinander noch nicht schlüssig. Zudem wurden viele gute Ansätze wieder zurückgenommen, seien es die Uniformen der Frauen, die später dem Motto "sex sells" zum Opfer fielen oder die ausgewogene Brückenbesatzung mit einer Frau als Erstem Offizier. Auch wurden praktisch alle interessanten Figuren in diesem zweiten Pilotfilm ins Jenseits befördert.

Der Anfang von "Where No Man Has Gone Before" braucht eine Weile, um in Gang zu kommen, zum Schluss wird etwas Action eingestreut, um NBC zufrieden zustellen. Dabei werden grobe Fehler gemacht. Wie Kirk sich die Verletzungen zuzieht, wird nicht gezeigt, ganz plötzlich ist Blut zu sehen. Später dann trägt er einen Verband um die Hand, die bis dato eigentlich unverletzt war, während im Gesicht keine Kratzer mehr zu sehen sind.

Der Grabstein Kirks ist das augenfälligste Merkmal, steht dort doch "James R. Kirk" zu lesen. In der Buchreihe "My Brother's Keeper" wird das R., das eindeutig dem später immer wieder vorkommenden T. für Tiberius widerspricht, als Insidergag zwischen Mitchell und Kirk (inoffiziell) erklärt.

Alles in allem darf man "Where No Man Has Gone Before" nicht nach heutigen Maßstäben beurteilen, ebenso muss man dem zweiten Pilotfilm zu Gute halten, dass er als erste Produktion einen Bonus genießt. Die Darsteller von Gary Mitchell und Dr. Dehner wirken glaubwürdig, besonders Gary, und haben alleine schon für die dicken Kontaktlinsen, die sie tragen mussten, meine ganzen Sympathien. Die Linsen hatten auch den Nebeneffekt, dass die Schauspieler mit erhobenen Köpfen durch die Szenerie spazierten, was zur Rolle gut passt, aber eigentlich nur deshalb nötig war, um unter den Linsen überhaupt noch etwas erkennen zu können.

Zwischen Pilot und Serie vergeht üblicherweise noch mal einige Zeit, die bei STAR TREK zu zahlreichen Verbesserungen genutzt wurde.

Für die damalige Zeit wurde aber ein Meilenstein mit einer SF-Serie geschaffen, die auf friedliche Erforschung fixiert war, einen gewissen Anspruch bot und nicht den Schwerpunkt auf große Raumschlachten setzte.

Episode 4: "The Naked Time"

Deutscher Titel: Implosion in der Spirale Bewertung: * * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 29.09.1966
Deutschland (SAT 1) 05.10.1987
Drehbuch: John D.F. Black
Regie: Marc Daniels
Gaststars: Bruce Hyde (Kevin Thomas Riley), Stewart Moss (Joe Tormolen), Frank da Vinci, John Bellah, William Knight

Handlung:

Der Planet Psi 2000 steht kurz vor seiner Zerstörung, die Enterprise soll ein Wissenschaftler-Team an Bord nehmen. Allerdings sind alle tot, die Umstände lassen nur den Schluss zu, dass die Wissenschaftler Amok gelaufen sind. Spock und Lieutenant Tormolen beamen in Schutzkleidung auf den Stützpunkt, bei dem sich Tormolen durch extreme Unvorsichtigkeit mit dem Virus infiziert. An Bord verbreitet sich das Virus und bewirkt das Ausleben tiefster Wünsche und Ängste, wodurch das Schiff Gefahr läuft, gemeinsam mit Psi 2000 zerstört zu werden…


Persönliches Fazit:

Mal abgesehen von dem selten dämlichen Verhalten von Lieutenant Joe Tormolen (wozu trägt man wohl Schutzanzüge...?) und dem Aussehen besagter Schutzkleidung (sollte sie nicht wenigstens den Anschein erwecken zu isolieren?) ist die Folge brillant.

Neben tiefen Einblicken in zahlreiche Charaktere bleibt sie bis zum Schluss absolut packend, hat aber auch viele äußerst unterhaltsame Augenblicke. Bruce Hyde als Kevin "Take Me Home, Kathleen" Riley ist ein absolutes Highlight - er war in seiner Rolle so überzeugend, dass er nicht nur einen bleibenden Eindruck hinterließ (ganz im Gegensatz z.B. zu Lieutenant Leslie*) der in fast jeder Episode zu sehen ist, aber praktisch nie auffällt) sondern auch noch einmal in "Conscience of the King" (dt.: "Kodos, der Henker") wiederkehrte.

Sulu kann mit ein paar Fechtszenen unterhalten und Uhura hat etliche gute Momente. Einerseits beweist sie ihre Kompetenz, als sie die Position am Steuer übernimmt, andererseits Schlagfertigkeit. Im Original antwortet Uhura auf "fair maiden" (= "unschuldige Jungfrau") mit "Sorry, neither" (= Tut mir leid, keins von beidem) - was in der Synchronisation zu den Dingen gehört, die leicht verlieren.

Am interessantesten sind aber natürlich die "Geständnisse". Chapel gesteht Spock ihre Liebe, worauf, wenn auch subtil, später wieder zurückgegriffen wurde (z.B. in "Amok Time", dt.: "Weltraumfieber" bzw. "Pon Farr"). Spock dagegen kämpft mit seiner vulkanischen Herkunft, die keine Gefühle erlaubt. Kirk lässt durchblicken, dass die Enterprise ihn vollkommen vereinnahmt und ihm quasi ihr Leben aufzwingt. Es wird deutlich, wie schwer die Position des Captains wirklich sein muss, die eine komplette Isolation von der Crew (besonders in sexueller Hinsicht) erfordert (womit sich gut auch Kirks Affairen mit der "Planetenschönheit der Woche" erklären lassen :-)). Übrigens hat Spock in dieser Folge wohl Probleme mit den Ohren: als Sulu seinen Abgang von der Brücke laut erklärt, bekommt Spock nichts davon mit, obwohl später sein übermenschliches Gehör demonstriert wird (z. B. in "Operation - Annihilate!").

*) Wer es genau wissen will: Lieutenant Leslie [Eddie Paskey] war in 55 (!) Episoden zu sehen, zugeordnet zu unterschiedlichen Abteilungen (in unterschiedlichen Uniformfarben) und auch schon mal tot - eine Aufstellung gibt es in der Zeitschrift "STAR TREK - Das offizielle Magazin" Nr. 30, OZ Verlag GmbH

Episode 5: "The Enemy Within "

Deutscher Titel: Kirk:2=? Bewertung: * * * * *
Erstausstrahlung: USA 06.10.1966
Deutschland (ZDF) 22.07.1972
Drehbuch: Richard Matheson
Regie: Leo Penn
Gaststars: Jim Goodwin (Navigator Lieutenant John Farrell) Edward Madden (Geologe Fisher)

Handlung:

Während Probenentnahmen auf Alpha 177 beschädigt ein Mineral den Transporter. Kirk, der nichts ahnend kurz darauf an Bord beamt, wird in zwei Teile gespalten: der eine Kirk verkörpert die guten Eigenschaften, hat aber immer mehr Probleme, Entscheidungen zu treffen. Der böse, zunächst unbemerkte, Kirk, ist absolut skrupellos, trinkt, greift Crewmitglieder an und versucht, seinen Yeomann Janice Rand zu vergewaltigen.
Auf dem unwirtlichen Planeten sitzt unterdessen eine Landegruppe fest, die unter den ständig fallenden Temperaturen immer mehr leidet.
Während es dem guten Kirk immer schwerer fällt, die Kontrolle über sich und die Situation zu behalten, versuchen Scotty und Spock, den Fehler im Transporter zu beheben…


Persönliches Fazit:

STAR TREKs (erste) Antwort auf "Dr. Jekyll/Mr. Hyde" ist ungemein beeindruckend, hauptsächlich, weil es hier eben nicht so einfach einen "guten" und einen "bösen" Kirk gibt. Vielmehr hat der "böse" Kirk Eigenschaften, die es ihm erst ermöglichen, Captain eines Raumschiffs zu sein, dazu zählen Willensstärke und Entschlusskraft. Gleichzeitig ist es verblüffend, dass es der böse und skrupellose Kirk ist, der vor Angst fast vergeht. Damit wird eine Charakterstudie Kirks gezeichnet, die extrem interessant ist. Wer ist er wirklich, welche Hälfte dominiert? Die Antwort ist auch klar: keine, beide sind notwendig. Für die damalige Zeit eine revolutionäre Aussage, ebenso auch der Mut, den die Folge bei der Umsetzung bewies: eine Vergewaltigung anzudeuten war schon mehr, als sonst im normalen Programm auch nur ansatzweise denkbar war. Außerdem wird Kirks Image hier in eine Grauzone gezogen. Während Spock noch klar stellt, dass er es sich vor der Crew nicht erlauben kann, weniger als perfekt zu sein, wird deutlich, dass auch Kirk ein Mensch aus Fleisch und Blut ist. Janice Rand, die zu Anfang der Serie als Kirks Yeomann eine große Rolle spielte und die offensichtlich an Kirk interessiert war ("Miri", dt.: "Miri, ein Kleinling"), verschwand nur wenige Folgen später komplett sang und klanglos aus der Serie (nach "The Conscience of the King", dt.: "Kodos, der Henker").

Shatner kann sich in seiner Doppelrolle richtig austoben, besonders auch der böse Teil ist ihm gut und beängstigend gelungen, so dass die unterschiedlichen Uniformoberteile nicht unbedingt notwenig sind, um die beiden Kirks schnell auseinander halten zu können. Die Atmosphäre der Episode ist so dicht, dass die doch hier und da auftretenden Ungereimtheiten nicht übermäßig den Gesamteindruck belasten. Der Vollständigkeit halber soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass das Schicksal der Landegruppe etwas überzeichnet ist. Selbst bei einem kaputten Transporter hätte es möglich sein müssen, einige Hilfsmittel nach unten zu beamen. Ich jedenfalls kann mir nicht vorstellen, dass eine "böse Decke" schlechter wärmt als eine "gute" :-). Dann gibt es noch Shuttles, die das Problem ebenfalls vorzeitig hätten lösen können. Tatsache ist, dass die Shuttles noch nicht erfunden bzw. gebaut worden waren. Zumindest aber hätte man sie erwähnen können, um diese Lösung auszuschließen.

Der Vorgang des Verdoppelns wirft auch einige Fragen auf, alleine schön die Verdopplung der Materie. Da niemand weiß, wie ein Transporter genau funktioniert, sondern nur, dass er es tut, kann man darüber hinweg sehen…

Neben den Tribbles ist hier übrigens das einzige Mal ein Haustier zu sehen. Das hundeartige Wesen ist der Maske sehr gut gelungen - natürlich kommt es genau richtig, um Kirks Schicksal vorauszueilen …

Abgesehen von den Seiten einer jeden Person ist noch erwähnenswert, dass Spock selbst es ist, der auf seine hybride Herkunft als Halb-Mensch/Halb-Vulkanier hinweist. Das lässt tief auf wahre Beweggründe blicken. Darüber vergisst er sogar bei einem Logbucheintrag (in der originalen Version), dass er Erster, nicht Zweiter Offizier ist (wurden hier die beiden Bezeichnungen als Stellvertreter des Captains = "Second in Command" und Erster Offizier miteinander vermixt?). Auch Janice Rand gegenüber muss Spock leicht verwirrt gewesen sein. Anders jedenfalls ist seine Schlussbemerkung ihr gegenüber, die andeutet, dass die versuchte Vergewaltigung Kirks doch auch was für sich hatte, nicht zu erklären. Aus heutiger Sicht jedenfalls ist der Kommentar untragbar, auch wenn Janice noch in "Miri" (dt.: "Miri, ein Kleinling") Interesse an Kirk bekundet hat.

Trotzdem und aufgrund des phänomenalen Gesamteindrucks der Folge absolute Empfehlung!

Episode 6: "Mudd's Women"

Deutscher Titel: Die Frauen des Mr. Mudd Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 13.10.1966
Deutschland (SAT 1) 21.09.1987
Drehbuch: Stephen Kandel (Drehbuch), Gene Roddenberry (Story)
Regie: Harvey Hart
Gaststars: Roger C. Carmel (Harcourt Fenton "Harry" Mudd aka Leo Francis Walsh), Jim Goodwin (Farrell), Jerry Foxworth, Eddie Paskey
Mudds Frauen:
Karen Steele (Eve), Susan Denberg (Magda), Maggie Thrett (Ruth)

Bergarbeiter:
Gene Dynarski (Ben Childress), Jon Kowal (Gossett), Seamon Glass (Benton)

Handlung:

Die Enterprise rettet Harry Mudd und seine drei "Passagiere" aus seinem Schiff, kurz bevor es in einem Asteroidenfeld zerstört wird. Bei Harry Mudds Besatzung handelt es sich um betörend schöne Frauen auf der Suche nach Ehepartnern, die allen Männern auf der Enterprise den Kopf verdrehen.

Die Enterprise selbst wurde durch die Rettungsaktion schwer beschädigt und braucht dringend Dilithiumkristalle. Als Kirk drei Bergleuten welche abkaufen will, muss er allerdings feststellen, dass Harry Mudd bereits vor ihm Kontakt aufgenommen hat…


Persönliches Fazit:

"Mudd's Women" ist die erste von insgesamt zwei "Harry Mudd"-Folgen. Allein die Tatsache, dass "Mudd's Women" eine Fortsetzung nach sich zog, beweist die Beliebtheit der Figur, die vollkommen anders als alle anderen nicht wie aus dem Ei gepellt daher kommt sondern den liebenswerten Gauner gibt. Roger C. Carmel als Mudd brilliert in dieser Folge. Es war sogar ein dritter Auftritt - in "The Trouble With Tribbles" (dt.: "Kennen Sie Tribbles?") - vorgesehen, der aber aus Termingründen mit einem anderen Schauspieler und damit einem anderen Charakter (Cyrano Jones) besetzt werden musste, wobei die Ähnlichkeiten zu Harry Mudd kaum zu übersehen sind.

Absolut ungewöhnlich für die Zeit ist die Drogen-Thematik. Da in den 60ern praktisch alles, was sich in irgendeinerweise problematisch erweisen konnte, von der Zensur gnadenlos vom Bildschirm verbannt wurde, was es alles andere als einfach, trotzdem solche Dinge anzusprechen. STAR TREK bewies hier meisterhafte Talente, diese Folge ist eine davon, die zeigt, wie sich unliebsame Themen geschickt verpacken lassen.

Leider ebenso typisch für die Zeit und nahezu DAS Manko der Episode ist das Frauenbild. Während "Mudd's Women" zwar zu der Erkenntnis gelangt, dass Frauen nicht zwingend hübsch sein müssen, wird es als einzig selig machendes Ziel hingestellt, als Frau Ehefrau und Haushälterin für einen Mann zu sein. Es ist geradezu erschreckend, wie prägend diese Einstellung nicht nur für diese Folge sondern insgesamt auch für die ganze Epoche war und es ist nur natürlich, dass das aus heutiger Sicht zumindest etwas antiquiert wirkt.

Mal abgesehen von dem Zeitgeist, der hier so intensiv wie sonst selten durch die Folge spukt, ist die Folge großartig. Neben der Aussage gibt es zahlreiche lustige und sehenswerte Momente, insbesondere als Reaktion der männlichen Besatzung auf "Mudds Frauen" als auch auf kritische Augenblicke. In einer davon fährt Kirk aus der Haut, was in der ganzen Serie eher selten passiert, damit aber mehr Tiefe in die Handlung bringt.

Spock dagegen kann gleich mehrfach bei einem mehr als nur angedeuteten Grinsen ertappt werden. Selten können so viele Gefühlsregungen bei dem Halb-Vulkanier beobachtet werden. Uhura trägt hier übrigens ein gelbes (statt ein rotes) Uniformkleid, was aber kaum auffällt, da ihre Rolle eher klein ist. Der Enterprise-Computer trägt zur Qualität der Folge bei, beweist hier aber Talente als Lügendetektor, die sich später in der Serie durchaus als nützlich hätten erweisen können, wäre jemand auf die Idee gekommen, sich daran zu erinnern. :-)

Natürlich gibt es auch ein paar Ungereimtheiten. Die Venus-Droge an sich ist etwas, was wohl jeder ohne Modellmaße gerne mal ausprobieren würde. Dass der Effekt sich aber auch einfach nur herbeiwünschen lässt, soll wohl für die Macht des Glaubens sprechen (falls es bei jemanden wirkt, bitte melden :-)). Dennoch verdrehen die Schönheit und die Ausstrahlung der Frauen allen den Kopf. Sicherheitswächter überhören konspirative Gespräche, Eve kann einfach so in Kirks Quartier spazieren usw. usw. Aber selbst Uhura scheint beeinflusst, sie bekommt nichts von Mudds heimlicher Kontaktaufnahme mit den Bergleuten mit. Apropos Bergleute: wenn sie wirklich so reich sind, wie die Dilithiumkristalle sie eigentlich machen müssten, sollten sie doch in der Lage sein, sich ein paar Gerätschaften zu leisten, die das Leben und den Haushalt einfacher machen. Ich denke da an Replikatoren, die klebrige Bratpfannen ad absurdum führen, oder an Haushaltsroboter - gut, Frauen können das auch und sind vermutlich nicht so sandanfällig. :-)

Alles in allem ist "Mudd's Women" aber eine gute Episode, die sich immer wieder gerne gucken lässt. Sie könnte besser sein, würde sie ein anderes Frauenbild propagieren, so aber spiegelt sie stark die Zeit wieder, in der sie entstand.

Episode 7: "What Are Little Girls Made of?"

Deutscher Titel: Der alte Traum Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 20.10.1966
Deutschland (SAT 1) 19.10.1987
Drehbuch: Robert Bloch
Regie: James Goldstone
Gaststars: Michael Strong (Dr. Roger Korby), Ted Cassidy (Ruk), Harry Basch (Doktor Brown), Sherry Jackson (Andrea) Bud Albright, Vince Deadrick

Handlung:

Auf Exo III findet die Enterprise den verschollenen und berühmten Wissenschaftler Dr. Roger Corby wieder, der zudem der Verlobte von Christine Chapel ist. Er war der Grund, dass sie sich Starfleet anschloss und eine Karriere als Wissenschaftlerin aufgab.

Auf Korbys Wunsch beamen zunächst nur Kirk und Chapel auf den Planeten, wo sie mit Technologien einer vergangenen Zivilisation konfrontiert werden: von jeder Person können Duplikate in Androidenform hergestellt werden…


Persönliches Fazit:

"What are Little Girls Made of" greift zwei Themenkomplexe auf, die in STAR TREK im Allgemeinen und in der Klassik-Serie im Besonderen immer wieder auftauchen sollten: Doppelgänger und Androiden.

Die Idee ist sehr gut und besonders angenehm überraschend ist Chapels Anteil am Geschehen. Zwar hat sie erst kurz zuvor in "The Naked Time" (dt.: "Implosion in der Spirale") ihre Liebe zu Spock offenbart, allerdings muss kein Widerspruch darin liegen - immerhin ist ihr Verlobter Korby seit fünf Jahren verschollen. Auch wird deutlich, dass Chapel nicht "nur" die einfache Krankenschwester ist sondern eigentlich Wissenschaftlerin.

Herrlich kurios ist die Szene, wo sie Korbys Identität bestätigt und bei Spock rückfragt, ob er jemals verlobt gewesen sei. Wie nur wenig später (nämlich in "Amok Time", dt.: "Weltraumfieber" bzw. "Pon Farr") klar wird, ist Spock tatsächlich verlobt (mit T'Pring), seine Reaktion passt jedoch perfekt in die vulkanische Lebensphilosophie, Privates auch privat zu halten.

Zu den guten Momenten der Folge gehören die Einstellungen mit Kirk in seiner Doppelrolle - besonders für die damalige Zeit wurde beim Zusammenbau der entsprechenden Szenen gute Arbeit geleistet und auch die Dialoge haben es in sich. Kirk gibt ein paar Informationen über sich bzw. seinen Bruder Preis, auf die in "Operation -- Annihilate!" (dt.: "Spock außer Kontrolle") zurückgegriffen wird.

Sehenswert wird die Folge auch durch Ruk und seine Überlegenheit. Für mich werfen sich damit aber auch ein paar Fragen auf: wieso gehorcht Ruk (zumindest ansatzweise) Korby? Er ist Korby eindeutig überlegen. Wie kam es also zu der Neuprogrammierung? Wenn Ruk bei Korbys Ankunft quasi "ausgeschaltet" war, muss der echte Korby noch soviel Kraft gehabt haben, um Ruk wieder in Gang zu setzten und neu zu programmieren - etwas unwahrscheinlich bei der Art der Verletzungen, die er davongetragen haben muss. War Ruk dagegen nie "ausgeschaltet", wieso hat er sich dann Korby untergeordnet?

Überhaupt verhalten sich die Androiden sehr unlogisch. Korby ist sehr menschlich (was eigentlich positiv ist), während Andrea einfach nur dumm-naiv wirkt. Ihr Verhalten entspricht nicht dem eines Androiden und Kirks übliche Methode (die mit der Planetenschönheit, der man menschlichen Sex nahe bringen muss :-)) sollte eigentlich nicht wirken.

Auch der Kirk-Klon ist nicht unbedingt rationell, als er Spock beleidigt - was natürlich eine der Schlüsselszenen darstellt. Kirks Methode ist damit schon ein gewisses Highlight. Warum aber Spock die Kopie erkennt, dürfte den meisten beim ersten Ansehen jedoch entgehen.
Das Verhalten der Androiden kann natürlich auch daran liegen, dass sie aus braunlich-grüner Pampe hergestellt werden: möglicherweise beeinträchtigt das das jeweilige Denkzentrum :-).

Episode 8: "Miri"

Deutscher Titel: Miri, ein Kleinling Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 27.10.1966
Deutschland (SAT 1) 02.11.1987
Drehbuch: Adrian Spies
Regie: Vincent McEveety
Gaststars: Kim Darby (Miri), John Arndt (Fields), David L. Ross (Galloway, Sicherheitswächter), Jim Goodwin (John Farrell), Eddie Paskey (Leslie)

"Kleinlinge":
Michael J. Polland (Jahn), Irene Sale (Louise) Keith Taylor, Ed McCready, Kellie Flanagan, Steven McEveety, John Megna, Philipp Brammer, Lisabeth Shatner (blondes Mädchen in rot [Tochter von W. Shatner]) Melanie Shatner (brünettes Mädchen, das von Kirk am Ende getragen wird [Tochter von W. Shatner]) Dawn Roddenberry [Tochter von Gene Roddenberry], Darleen Roddenberry (Mädchen mit schmutzigem Gesicht [Tochter von Gene Roddenberry]), Kellie Flanagan, Michael Rüth, John Megna, Keith Taylor, Phil Morris (Junge mit Army Helm), Scott Whitney [Sohn von Grace Lee Whitney]

Im Abspann sind die Rollen von John Megna und Keith Taylor vertauscht worden

Handlung:

Sternzeit 2713,5: Ein automatischer Notruf führt die Enterprise zu einem Planeten, der der Erde bis aufs Haar gleicht. Kirk beamt mit einer Landegruppe hinunter, die auf Ruinen einer Zivilisation trifft, die ungefähr den 1960ern der Erde entsprechen. In der zerstörten Stadt leben nur noch vereinzelte Kinder, die sich Kleinlinge nennen. Ein Kleinling, Miri, schließt sich der Landegruppe an. Schon sehr bald erkennt die Enterprise-Crew, dass die Kinder Jahrhunderte alt und die einzigen Überlebenden eines Experiments zur Verlängerung der Lebensspanne sind, was für alle "Wachsenen" tödlich endete. Aber auch die Kleinlinge sind dem Tode geweiht, sobald sie, wie Miri, in die Pubertät kommen. Da zeigen auch die Mitglieder der Landegruppe die ersten Symptome…


Persönliches Fazit:

"Miri" ist eine weitere Folge, die auf einer richtig guten Idee beruht. Nicht beherrschte Technologie, "uralte" Kinder, die alleine zu Recht kommen müssen, das ist alles sehr interessant. Auch die Miri-Darstellerin - die im Übrigen 19 Jahre alt war, als sie ein pubertierendes Mädchen spielte - trägt zum Gelingen der Folge bei. Sowohl die Probleme des Heranwachsens als auch die Komplexität ihrer Situation machen sie zu einem sympathischen, vielschichtigen Charakter.

Der Schwachpunkt liegt daher mehr bei der übrigen Umsetzung. Die Parallelen zur Erde sind absurd, tragen nichts zur Handlung bei. Im Laufe der Serie wurden besonders viele erdähnliche Planeten erkundet, was natürlich hauptsächlich die Geldgeber freute, weil so auf bereits vorhandene Kulissen zurückgegriffen werden konnte und teure Neubauten vermieden wurden. An und für sich ist dagegen nichts zu sagen. Nur: während in einigen Folgen, wie hier, die Besatzung sich über die Parallelen zur Erde wundert, muss in anderen die Theorie von der parallelen Weltenentwicklung herhalten. So oder so ist eine 1:1 Kopie blanker Unsinn und, um Kirk zu zitieren: "Es scheint unmöglich, aber es ist so."

In "Miri" werden viele der Kleinlinge von Sprösslingen derer dargestellt, die an der Produktion beteiligt waren, so dass die beiden Söhne von Grace Lee Whitney (Janice Rand) ebenso mitspielen wie Roddenberrys Kinder und Shatners Töchter Lisabeth und Melanie Shatner. Eine davon, Melanie, trägt er gegen Ende der Folge auf dem Arm. Das Verhalten der Kinder ist leider vollständig nervtötend, angefangen von den Liedern bis hin zu ihren Spielchen und tut der Folge nicht wirklich gut.

Wie bei fast allen Episoden zu Beginn der ersten TOS-Staffel wird der Figur Janice Rand viel Raum eingeräumt. Sie darf mit auf den Planeten beamen, ohne das ihre Aufgabe dort ersichtlich wird. Hauptsächlich macht sie "Miri" Konkurrenz, ihre Vorliebe für Kirk wird nirgends so deutlich wie in dieser Folge und gilt als einer der möglichen Gründe für ihren Rauswurf wenige Folgen später. Kirk muss ausgerechnet von Spock (!) auf Miris Gefühle aufmerksam gemacht werden, sein Verhalten ihr gegenüber ist nicht unbedingt als fair zu bezeichnen. Die Eifersucht von Yeoman einerseits und Teenager anderseits dagegen ist eine schöne Gegenüberstellung. Allerdings bleibt der Gesamteindruck bestehen, dass Janice Rand nicht übermäßig viel zum Gelingen einer Folge beitragen konnte - nicht unbedingt eine Schuld von Grace Lee Whitney sondern ein Resultat aus ihrer Rolle als Yeoman.

Die ganze Landegruppe lässt in "Miri" allerdings ziemliche Defizite erkennen. Die beiden Wachen sind irgendwann aus dem Bild verschwunden, praktischerweise auch dann, als sich alle anderen die Kommunikatoren klauen lassen. Der Erfolg der Kinder sagt eher etwas über die "Kompetenz" der Landegruppe aus, die sich die Geräte viel zu schnell abnehmen lässt, offensichtlich inklusive der der beiden Sicherheitsleute. Warum sie die Kommunikatoren bei einer Patrouille nicht mitnehmen, bleibt für immer ihr Geheimnis. Die Besatzung der Enterprise reagiert leider auch nicht besser. Nachdem die Landegruppe keine Möglichkeit mehr hatte sich zu melden, sollte das irgendwann irgendjemanden auf dem Schiff auffallen.

Wenn schon niemand hinab beamen kann um nachzusehen, so gilt das doch sicher nicht für Gegenstände wie z.B. eine Kommunikationsanlage. Etwas logisches Denken hätte die Folge zu schnell beendet, so verliert sie etwas trotz der guten Ausgangslage.

Eine herausragende Kim Darby allein macht sie aber dennoch sehenswert.

Episode 9: "Dagger of the Mind"

Deutscher Titel: Der Zentralnevensystem- manipulator Bewertung: * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 03.11.1966
Deutschland (SAT 1) 26.10.1987
Drehbuch: Shimon Wincelberg
Regie: Vincent McEveety
Gaststars: James Gregory (Dr. Tristan Adams), Morgan Woodward (Dr. Simon Van Gelder), Marianna Hill (Dr. Helen Noël) Suzanne Wasson (Lethe), Eli Behar, Ed McReady

Handlung:

Beim Austausch von Gütern für die Strafkolonie Tantalus kommt ein blinder Passagier an Bord. Dieser entpuppt sich als Dr. Simon van Gelder, der ursprünglich nicht als Insasse sondern als Assistent des Leiters, Dr. Adams, nach Tantalus kam. McCoy ist misstrauisch und fordert eine Untersuchung, woraufhin sich Kirk mit Dr. Helen Noël in die Strafkolonie begibt.

Schon bald wird klar, dass Adams etwas zu verbergen hat und auch an Bord finden McCoy und Spock mit van Gelders Hilfe heraus, dass etwas nicht stimmt…


Persönliches Fazit:

Mit dieser recht brutalen Folge wurde die Vulkanische Gedankenverschmelzung zum ersten Mal gezeigt. Das ist so ungefähr der einzige positive Aspekt dieser Folge.

Kirk fällt zu Anfang leicht aus der Rolle, als er McCoys Bedenken nicht ernst nimmt und um einen Spezialisten zur Begleitung bittet, statt wie gehabt McCoy mitzunehmen. Ist nicht Kirk sonst derjenige mit dem guten Gespür? McCoy wiederum "rächt" sich mit der Auswahl Helen Noëls. Es ist erstaunlich, dass Kirk von ihrer Anwesenheit so überrascht ist, sollte er nicht wissen, wer alles unter seinem Kommando dient?

Insgesamt hat der Drehbuchautor seine Namensvergabe wohl äußerst witzig gefunden. Jemanden, den man bei einer Weihnachtsfeier kennen gelernt hat, ausgerechnet Noël (= frz.: Weihnachten) zu nennen und eine fortschrittliche Strafkolonie "Tantalus", wo doch die Qualen des Tantalus sprichwörtlich sind, ist etwas morbide. Getreu nach dem Prinzip nomen est omen wird Kirk dann auch gefoltert, wobei sich die Frage stellt, was Adams damit gewinnen kann. Das Kommando über die Enterprise lässt sich so wohl kaum erlangen, da sich sonst absolut niemand "normal" nach der "Behandlung" verhalten hat (gut, Adams ist verrückt, trotzdem…). Die Folterszenen waren abermals ein Grund, diese Folge in England nicht auszustrahlen (wie auch The Empath, dt.: "Der Plan der Vianer").

Die Folter selbst wird ins Lächerliche gezogen, als Spock genau dann auftaucht, als Kirk Helen unter dem Einfluss der "Behandlung" küsst. Zumindest in meinen Augen ist der damit erzeugte Gag nicht unbedingt gelungen.

Am Ende der Folge tut Kirk wieder seinen Dienst, als wäre nichts gewesen.

Als Konsequenz ist "Dagger of the Mind" (deren dt. Titel wohl alles an Dämlichkeit überbietet) eine unterdurchschnittliche Folge, die bis auf die Mentalverschmelzung nicht sonderlich sehenswert ist.

Episode 10: "The Corbomite Maneuver"

Deutscher Titel: Pokerspiele Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 10.11.1966
Deutschland (ZDF) 07.10.1972
Drehbuch: Jerry Sohl
Regie: Joseph Sargent
Gaststars: Anthony Call (Lt. Bailey), Clint Howard (Balok [Ende der Episode])

Handlung:

Bei Kartographisierungsarbeiten in einem unbekannten Raumsektor wird die Enterprise von einer Art Raumboje gestoppt. Mehrere Versuche, dem würfelförmigen Objekt auszuweichen und zu entkommen, scheitern, so dass Kirk schließlich die Zerstörung des Objekts befiehlt. Kirk beschließt, trotz dieser unterschwelligen Warnung seinem Auftrag getreu "neues Leben und neue Zivilisationen aufzuspüren" den Kurs weiter fortzusetzen.

Dabei trifft die Enterprise auf die Fesarius, ein gigantisches, kugelförmiges Raumschiff, das von dem Außerirdischen Balok von der sogenannten Ersten Föderation kommandiert wird. Diese betrachtet die Vorgehensweise der Enterprise als Provokation und gibt der Enterprise-Crew zehn Minuten Zeit, um sich auf ihren Tod vorzubereiten. Während die Zeit verstreicht, hat selbst Spock keinen logischen Ausweg mehr anzubieten…


Persönliches Fazit:

Nach dem zweiten Pilotfilm ist "The Corbomite Maneuver" eigentlich die erste reguläre Folge der Serie, wurde allerdings erst erheblich später ausgestrahlt, um die Zuschauer zunächst mehr mit fremden Planeten ködern zu können. Diese Episode spielt dagegen vollständig im Weltall, muss sich aber keineswegs verstecken. Das SF-Element ist eher untergeordneter Natur. Die Sternzeit zeigt den frühen Zeitpunkt in der Serie, wurde aber bei der dt. Synchronisation aus unerfindlichen Gründen nach hinten verlegt. Allein Uhuras hier noch gelbes Uniformkleid dient als Hinweis für die eigentliche Produktionsreihenfolge, da sie schon wenig später in ihr bekanntes Rot wechseln sollte.

Kirk ist in dieser Folge nicht zu beneiden, er sieht sich einer Situation gegenüber, die er eigentlich nicht gewinnen kann. Der Countdown zerrt an den Nerven, der Psychokrieg ist enorm mitreißend. Als Bonus obendrauf gibt es gleich zwei gute Dialoge zwischen Kirk und Spock. In dem ersten geht es um die Frage, ob die Enterprise weiter in das unbekannte Territorium vordringen soll oder nicht. Nimoy und Shatner bringen eine Kommunikation hinter der Kommunikation ins Spiel, eine Andeutung, dass sich Kommandant und Erster Offizier ohne Worte verstehen. Das kann abermals beobachtet werden, als Spock Kirk quasi zum Aufgeben rät. In der englischen Fassung setzt Spock dazu an, sich auf emotionalen Weg dafür zu entschuldigen, bevor er wieder seine vulkanische Fassung gewinnt. In der dt. Synchronisation ist das leider nicht erhalten geblieben, setzt diese Szene da doch noch das Tüpfelchen auf das i. Die unausgesprochenen Dialoge, das Verhältnis der Charaktere, das sind die Geheimnisse von TOS und "The Corbomite Maneuver" ein ideales Musterbeispiel.

Bei allem Lob verliert das ganze durch das absolut enttäuschende Ende - bis kurz vor Schluss wird dem Zuschauer quasi eine Banane versprochen, die Gurke, die er dann erhält, kann da wohl kaum zufrieden stellen. Die hier erwähnte Erste Föderation, deren Name angesichts der bekannten Föderation etwas unglücklich gewählt ist, wurde weder in TOS noch später jemals nennenswert wieder erwähnt. Das große Schiff ist dabei durchaus eindrucksvoll in Szene gesetzt, die Größenverhältnisse insbesondere zur Enterprise kommen gut zur Geltung. Auch sonst werden die technischen Möglichkeiten der Zeit gut ausgenutzt, die Kulissen wirken keinesfalls lächerlich.

Selbst die Figur des Balok hat auch heute noch einen bedrohlichen Touch. Die Aufnahme mit seinem Gesicht diente übrigens bei allen TOS-Folgen im Abspann als Hintergrundbild, wenn der Name "Herbert F. Solow" (Produktionsleiter und später Vizepräsident der Desilu Studios) erscheint. Das stellt einen Insidergag dar, dessen Urheber Robert H. Justman ist. Der Regieassistent und spätere beteiligte Produzent Justman wollte sich damit bei Solow "rächen", musste dann aber feststellen, dass seinem Opfer selbst der Seitenhieb ausgesprochen gut gefiel. Baloks "Monstergesicht" erlangte so zusätzlichen Ruhm.

Das Spock eine Ähnlichkeit zu seinem Vater feststellt, verwundert dann doch etwas. Schließlich sieht Mark Lenard, der in "Journey to Babel" (dt.: "Reise nach Babel") Botschafter Sarek verkörpert, anders aus. Spock spricht in dieser Folge über seine Eltern in der Vergangenheitsform, was natürlich auch zur der Entfremdung passt, die in "Journey to Babel" (dt.: "Reise nach Babel") thematisiert wird.

Lieutenant Bailey hat unterdessen die Aufgabe, die Handlung aufzulockern, ist aber eher ein Störfaktor. Von Anfang an ist er unfähig, direkte Befehle auszuführen, was natürlich im Angesicht der Krise nicht besser wird. McCoy sieht ihn als zu jung für diese Position an. Chekov, der aber ab der zweiten Staffel die gleiche Arbeit verrichten sollte - und das als noch jüngerer Fähnrich - stellt sich ungleich besser an und zeigt sich der Arbeit durchaus gewachsen. Hinzu kommt, dass Bailey nicht so viel jünger wirkt, als er hier hingestellt wird. Der Schauspieler war zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre alt.

Weitere Handlungsschwächen betreffen das ohnehin schwache Ende: Kirk, McCoy und Bailey nehmen trotz Misstrauen Getränke an, von denen sie nicht wissen können, ob sie vergiftet sind. Ihr Gastgeber trinkt nämlich aus einer anderen Quelle und eine Trikordermessung findet nicht statt. Das Innere des Schiffes soll dann extrem klein sein, praktischerweise hat aber schon der nächste Raum eine hohe Decke. Wieso sind sie dann nicht gleich dort reingebeamt?

Letztlich ist die Folge trotzdem toll, der Großteil stellt eine Entschädigung für das Ende dar. Der Corbomite Bluff fand in "The Deadly Years" (dt.: "Wie schnell die Zeit vergeht") erneute Verwendung, schaffte dort aber leider nicht den Weg in die dt. Synchronisation.

Episode 11/12: "The Menagerie" Part I/Part II"

Deutscher Titel: Talos IV - Tabu
Teil 1 +2
Bewertung: * * * * *
Erstausstrahlung: USA 17. bzw. 24.11.1966
Deutschland (SAT 1) 16.bzw. 23.11.1987
Drehbuch: Gene Roddenberry
Regie: 1: Marc Daniels, 2: Robert Butler
Gaststars: Gegenwart: Sean Kenney (Captain Pike), Malachi Throne (Commodore Mendez)

Rückblende (aus "The Cage"): Jeffrey Hunter (Captain Christopher Pike), Susan Oliver (Vina), Majel Barrett (Nummer Eins), John Hoyt (Doktor Phillip Boyce), Laurel Goodwin (Yeoman Colt), Hagan Beggs, Brett Dunham, Peter Duryea, Clegg Hoyt, Anthony Joachim Jon Lormer, Ed Madden, Joseph Mell

Handlung:

Captain Pike, früherer Kommandant der Enterprise und für 11 Jahre Spocks Vorgesetzter, wurde bei einem Unfall so schwer verletzt, dass er an einen Rollstuhl gefesselt ist und sich nur noch mittels Lichtzeichen verständigen kann. Spock fingiert einen Notruf und kapiert die Enterprise, um Pike zu helfen. Doch Spock wird gestellt und muss sich einem Kriegsgericht stellen, bei denen die Ereignisse von der Vergangenheit lebendig werden...


Persönliches Fazit:

Die einzige Doppelfolge der Originalserie verdankt ihre Existenz dem ersten gedrehten Pilotfilm "The Cage". Durch die doch erheblichen Unterschiede zwischen der ersten Besatzung um Pike zu der zweiten und bekannten um Kirk war eine Ausstrahlung des ersten Pilotfilms nicht so ohne Erklärung möglich. Andererseits war "The Cage" einfach zu teuer und gut, um das Material nicht zu verwenden. Die Lösung bestand darin, das alte Material in eine neue Rahmenhandlung einzubetten, wodurch schließlich "The Menagerie" entstand. Mit Rahmenhandlungen ist das so eine Sache, oftmals wird deutlich sichtbar, dass der Kern eben woanders liegt und dass der Rest nur zusammengestückelt wird. So nicht hier! Die Rahmenhandlung gehört mit zu dem besten, was TOS zu bieten hat. Hauptsächlich Spock und Kirk sind es, die die Geschehnisse außerhalb der Rückblende so sehenswert machen. Nie wurde Spocks Überlegenheit so deutlich, als er mühelos das Kommando der Enterprise an sich reißt und mit seinen technischen Fähigkeiten alle hereinlegt. Es macht enormen Spaß, ihm dabei zuzusehen. Gleichzeitig empfindet der Zuschauer Mitleid mit Kirk, der sich konstant vor seinen Freund und Ersten Offizier stellt, wodurch der Betrug umso härter wird. Das Ende des ersten Teils endet mit einem Cliffhanger, auch Kirks Karriere steht auf dem Spiel. Parallel dazu wird die Handlung aus "The Cage" mit Captain Pike als Bindeglied präsentiert. Jeffrey Hunter, der die Rolle ursprünglich spielte, aber nicht zur Verfügung stand, wurde durch einen anderen Darsteller ersetzt. Möglich wurde das, weil Pikes Unfall ihn so entstellte, dass gar nicht erst der Gedanke aufkam, dass es sich nicht um die gleiche Person handelt. Zudem sieht Sean Kenney, der den behinderten Pike verkörpert, Jeffrey Hunter extrem ähnlich.

Dadurch, dass an den Kulissen zwischen dem ersten und dem zweiten Pilotfilm doch ziemliche Änderungen durchgeführt wurden, konnte hier der Eindruck, eine zeitversetzte Aufnahme einer älteren Enterprise zu sehen, verstärkt werden. (Mich hat nur gewundert, dass unter Pike die Besatzung rund 200 Mann stark war, während bei Kirk die doppelte Menge ins Schiff hineinpasst. Es ist anzunehmen, dass sich die Enterprise selbst aber nicht vergrößert hat :-)))

Zum Ende des zweiten Teils löst sich dann die Konfliktsituation in Wohlgefallen auf. Die Auflösung erfolgt fast etwas zu einfach, angefangen von der Person des Mendez über die Tatsache, dass Kirk Spock sein Verhalten offenbar nicht nachträgt.

Insgesamt aber eine herausragende (Doppel-)Folge, die sogar besser ist als "The Cage" als eigenständige Produktion.

Episode 13: "The Conscience of the King"

Deutscher Titel: Kodos, der Henker Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 08.12.1966
Deutschland (SAT 1) 09.11.1987
Drehbuch: Barry Trivers
Regie: Gerd Oswald
Gaststars: Arnold Moss (Anton Karidian/Kodos), Barbara Anderson (Lenore Karidian), Bruce Hyde (Lieutenant Kevin Riley), Marc Adams, Karl Bruck, Nathalie Norwick, Eddie Paskey

Handlung:

Sternzeit 2817,6: Dr. Thomas Leighton ruft die Enterprise unter einem falschen Vorwand - in Wahrheit hat er den Verdacht, dass der Schauspieler Anton Karidian niemand anderes ist als "Kodos, der Henker", ein Mann, der als Gouverneur von Tarsus IV vor zwanzig Jahren Massenmord beging. Kirk gehört zu den wenigen Überlebenden, die Kodos identifizieren können.
Als Leighton ermordet wird, nimmt Kirk, der sich Karidians Identität nicht sicher ist, die Schauspieltruppe an Bord…


Persönliches Fazit:

Kevin "Take Me Home, Kathleen" Riley, der bereits in "The Naked Time" (dt.: "Implosion in der Spirale") brillieren konnte, hat hier seinen zweiten und leider auch letzten Auftritt. Dafür ist seine Rolle von ziemlicher Wichtigkeit, gehört er neben Kirk doch zu den zwei letzten lebenden Zeugen, die "Kodos, den Henker" identifizieren können. Der Schatten der Vergangenheit ist etwas Besonderes, wirft er nicht nur interessante Fragen auf sondern gibt er auch mehreren Personen, allen voran Kirk natürlich, mehr Hintergrund. Leider werden nicht alle diese Fragen ausreichend beantwortet. Einige davon sind:

  • Warum gibt es bei einer Kolonie von 8.000 Personen, wovon mindestens 4.000 überlebt haben müssen, nur neun Augenzeugen, insbesondere, wenn der Computer doch über Aufnahmen verfügt?
  • Reichen diese Aufnahmen nicht aus, um eine Identifikation durchzuführen? Selbst ohne die allgemeine Erkenntnis von DNS-Vergleichen, wie sie zur Entstehungszeit der Serie noch unbekannt waren, hätte es doch trotzdem Möglichkeiten (und seien es fiktive) geben müssen.
  • Was hat Kirk auf Tarsus IV gemacht? Schließlich ist er auf einer Farm in Iowa aufgewachsen.
  • Die angegebenen Sternzeiten, die tlw. immerhin zwanzig Jahre zurückliegen sollen, können unmöglich zutreffen, wird der schnelle Fortschritt der Sternzeiten in TOS berücksichtigt.
  • Wird der erste Mord an Dr. Leighton nicht untersucht, wenn ja, warum wird nicht näher darauf eingegangen?
  • Kann Kirk die Enterprise wirklich einfach so in einen Passagierdampfer verwandeln, ohne umgehend von Starfleet dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden?

Trotzdem gehört "The Conscience of the King" zu den TOS-Stories, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass Weltraumschlachten zu Gunsten von spannenden Charakterstudien außen vor blieben. Hervorzuheben ist besonders Spocks Anteil am Geschehen, der sich offensichtlich Sorgen um Kirk macht, Recherchen anstellt und sich in dem Zusammenhang nicht zu schade ist, sich mit McCoy auseinanderzusetzen (und ihn trotz vulkanischer Zurückhaltung dabei zu berühren(!)). Der Computer, dessen Auskünfte hier etwas seltsam anmuten, führt ihn dann auf die richtige Spur.

Währenddessen ist Kirk noch mit Leonore Karidian beschäftigt. Die Süßholzraspelei ist natürlich maßlos übertrieben, allerdings kann man Kirk zu Gute halten, dass er damit einen Zweck verfolgt. Leonore Karidian, die hier 19 Jahre alt sein soll, wirkt für ihr Alter sehr abgeklärt - gespielt wurde sie von der damals 21 jährigen Anderson. Die Entwicklung ihres Charakters halte ich nicht unbedingt für raffiniert, es ist mehr der Standardausweg.

Ansonsten gewährt diese Folge ein paar Einblicke ins Crewleben: Der Freizeitraum ist gut belegt, aber auch in ihrer dienstfreien Zeit ist die Uniform das Kleidungsstück erster Wahl. Uhura kann ihren Ruf als Sängerin festigen - auch wenn die Art der Musik etwas gewöhnungsbedürftig ist (immerhin ist das der Geschmack der Zukunft!), ist ihre Stimme sehr gut. Meines Wissens nach hat Nichelle Nichols die Lieder selbst gesungen. Ihr Gesang dient in erster Linie dazu, Riley abzulenken, der irgendwo "in Einzelhaft" arbeiten muss. Da die Enterprise im Allgemeinen eher überbevölkert ist, habe ich mich immer gewundert, wo sich dieses kleine Fleckchen wohl befinden mag :-). Immerhin wissen wir spätestens ab dieser Folge, dass auch im 23. Jahrhundert Sprühflaschen mit Putzmittel noch up-to-date sind :-). Diese Einlage hat mehr etwas von einem Edgar Wallace-Streifen, tut der Sache aber keinen Abbruch.

Produktionstechnik war diese Episode recht preisgünstig, da sie vornehmlich auf der Enterprise spielt. Die Planeten-Kulissen wurden recycelt, so z.B. aus "The Menagerie"/"The Cage" (dt.: "Talos IV - Tabu) und aus "The Enemy Within" (dt.: "Kirk:2=?").

Gleichzeitig hatte Grace Lee Witney als Janice Rand ihren letzten Auftritt. Die genannten Gründe für ihr unspektakuläres Ausscheiden sind weitgehend unklar und gehen von Alkohol- über Gewichtsprobleme bis hin zu der Tatsache, dass insbesondere den Zuschauerinnen ein ungebundener Kirk präsentiert werden sollte. Die wahren Hintergründe werden wohl immer das Geheimnis der STAR TREK-Macher bleiben, Tatsache ist, dass Rands Ausscheiden kaum auffiel und sie eine eher untergeordnete Rolle spielte. Erst im ersten Film sollte sie wiederkommen. Bruce Hyde (Kevin Riley), der bereits in "Dr. Kildare" zusammen mit Shatner vor der Kamera stand und hier ursprünglich in der Kommunikationsabteilung der Enterprise arbeitete, zog sich wenig später von der Schauspielerei zurück, ausgerechnet, um Lehrer für Kommunikation zu werden.

Episode 14: "Balance Of Terror"

Deutscher Titel: Spock unter Verdacht Bewertung: * * * * *
Erstausstrahlung: USA 12.12.1966
Deutschland (SAT 1) 12.10.1987
Drehbuch: Paul Schneider
Regie: Vincent McEveety
Gaststars: Romulaner: Mark Lenard (Commander), Walter Davis, Vince Deadrick, Robert Chadwick

Enterprise Crew: Paul Corni (Lieutenant Andrew Stiles), Barbara Baldavin (Angela Martine), John Arndt

Handlung:

Sternzeit 1709,2: Romulaner, gegen die die Föderation vor 100 Jahren Krieg führte, zerstören einen Erdaußenposten. Die Enterprise patrouilliert entlang der Neutralen Zone, die als Puffer zwischen Romulanischem Reich und Föderation dient. Um die Romulaner an der Rückkehr zu hindern, beginnt Kirk mit dem gegnerischen Kommandanten eine Art Katz-und-Maus-Spiel, bei dem zwei ebenbürtige Feinde aufeinander treffen. Dabei bekommt die Enterprise erstmals in der Geschichte einen Romulaner zu Gesicht, die zum Erstaunen aller Vulkaniern bis aufs Haar gleichen…


Persönliches Fazit:

Diese Folge ist mit Sicherheit ein weiteres Highlight der Classic-Serie, eine gute Mischung aus Psychokrieg und Action, gepaart mit tollen Charakteren und einer Prise Melancholie.

Die Romulaner werden vorgestellt, sind bis dato ein unbekannter Feind ohne Gesicht. Heute weiß jeder Zuschauer natürlich, wer oder was die Romulaner sind, dafür haben alleine schon vier (bzw. fünf) Nachfolgeserien und zahlreiche Kinofilme gesorgt. Anders als die Klingonen sind sie von Anfang an vielschichtig und insbesondere aufgrund ihrer Verwandtschaft zu den Vulkaniern höchst interessant.

Während sich in den späteren Produktionen Vulkanier und Romulaner leicht unterscheiden, sind sie hier absolut identisch. Es überrascht nicht, dass Spock aufgrund des Aussehens des Romulanischen Commanders Verblüffung zeigt, weist der doch nicht nur ein Ähnlichkeit zu einem Vulkanier im allgemeinen sondern zu Spocks Vater Sarek im Besonderen auf :-). Mark Lenard verkörperte beide Charaktere, auch hier hat er eine phänomenale Ausstrahlung, was der Episode ungemein zu Gute kommt.

Es gibt viele Aspekte, die diese Folge über das übliche Normalmaß herausheben. Eines davon ist die Konzentration auf die beiden gegnerischen Kommandanten, Kirk einerseits und der von Mark Lenard gespielte Romulaner andererseits. Beide sind sich ähnlich, sie ahnen die Züge ihres Gegenübers voraus, schätzen den Gegner, verabscheuen das, wozu sie gezwungen sind und doch kann nur einer gewinnen. Dass dieser Sieg schal ist, beweist als i-Tüpfelchen der abschließende Kommentar des Romulaners, dass Kirk und er in einer anderen Realität Freunde hätten sein können. Einen besseren Abschluss, der die Sinnlosigkeit von Kriegen unterstreicht, ist kaum möglich.

Aufgrund der Gleichwertigkeit von beiden Schiffen und Kommandanten ist der Kampf nervenzerreißend, noch zumal er sich nicht auf ein bloßes gegenseitiges Beschießen reduziert. Mit der Tarnvorrichtung besitzen die Romulaner überlegene Technik, jeder der Gegner hat Schwächen und Stärken, die es zu nutzen bzw. zu überspielen gilt. Im Gegensatz zu späteren Episoden sind auf der Enterprise einige Dinge etwas anders als gewohnt bzw. werden nicht erklärt, so die Frage, ob nun die Brücke Phaser (die hier mehr wie Photonentorpedos aussehen) aktivieren kann oder ob dazu die Phaserbänke an anderer Stelle nötig sind. Es gibt noch mehrere solche Aspekte, die aber verzeihlich sind, da sie die Spannung bis zum Unerträglichen steigern. Als Kuriosum am Rande wird ein Buch in der Besprechung verwendet, Zweck unklar.

Unterstrichen wird die Dramatik durch die herzzerreißende Liebesgeschichte des Pärchens, das zu Beginn hatte heiraten wollen. Für die 60er ist die Aufsplittung in eine Haupt- und eine Nebenhandlung eher ungewöhnlich, tut der Folge aber sehr gut. Nicht nur, weil dadurch eine persönliche Komponente in die Action-Szenen mit einfließt, sondern auch, weil insgesamt das Raumschiffleben an Menschlichkeit gewinnt. Kirks Traurede zu Beginn wurde später in DS9 bei der Trauung der O'Briens verwendet, einmal mehr ein Beweis, dass TOS viele zeitlose Komponenten beinhaltet. Bei der Trauung selbst ist niemand sonderlich festlich gekleidet, vielmehr tragen alle normale Dienstuniformen. Es ist wahrscheinlich, dass so früh in der Serie die Gala-Uniformen noch nicht erfunden waren. Auch Spocks Position leidet unter diesem frühen Zeitpunkt. Später würde absolut niemand seine Integrität in Frage stellen, hier aber kann ein Untergebener, nämlich Stiles, ganz offen rebellieren. In Anbetracht der Tatsache, dass TOS erst wenige Folgen alt war, ist die Thematik interessant, dennoch hätte Spocks Rang als Stellvertreter des Captains allein ihm mehr Respekt verschaffen müssen. So erhält zumindest Kirk die Gelegenheit, sich vor den Halbvulkanier zu stellen. Das ganze muss Spock ziemlich mitgenommen haben, begeht er doch einen vollkommen untypischen Fehler, der ihn dann aber eher menschlich wirken lässt.

Alles in allem gibt es an dieser Folge kaum etwas zu kritisieren, allenfalls vielleicht Rand, die sich absolut unprofessionell verhält, dafür aber anscheinend jederzeit Kirks Kabine betreten kann (wie McCoy offensichtlich auch). Quasi als Ausgleich vertritt Uhura, deren Rolle ursprünglich mehr etwas von einer galaktische Telefonisten hatte, an der Navigation, sehr bemerkenswert in Anbetracht der Entstehungszeit.

Von der Thematik her ist "Balance of Terror" zeitlos gut, es spielt kaum eine Rolle, ob sie auf ein Schiff, U-Boot oder Raumschiff verlagert wird und wenn, welche technischen Mittel bei der Umsetzung zur Verfügung stehen. Denn hier wird besonders gut deutlich, dass dadurch nur der Rahmen gegeben wird, es aber die menschliche (bzw. außerirrdische) Komponente ist, die das Ganze ausmacht.

Episode 15: "Shore Leave"

Deutscher Titel: Landurlaub Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 29.12.1966
Deutschland (SAT 1) 30.11.1987
Drehbuch: Theodore Sturgeon
Regie: Robert Sparr
Gaststars: Emily Banks (Tonia Barrows), James Gruzaf (Don Juan), Perry Lopez (Lieutenant Esteban Rodriguez), Bruce Mars (Finnegan), Shirley Bonne (Ruth), Bill Blackburn (weißer Hase), Paul Baxley (schwarzer Ritter), Oliver McGowan (Verwalter), Eddie Paskey (Lt. Leslie), Barbara Baldavin, Marcia Brown, Sebastian Tom, Frank da Vinci, William Blackburn, Ron Veto

Handlung:

Sternzeit 3025,3: Die Enterprise-Crew freut sich auf einen Landurlaub auf einem unbewohnten, dabei aber recht paradiesischen Planeten, als McCoy in der ersten Landegruppe Figuren aus "Alice im Wunderland" entdeckt. Was zuerst nach einem Scherz klingt, trägt weitere Blüten, als andere Crewmitglieder ebenfalls auf Dinge und Personen stoßen, die es dort nicht geben dürfte. Schließlich beamt auch Kirk hinunter und trifft prompt auf seinen Erzrivalen Finnegan aus Akademie-Tagen und auf seine Jugendliebe Ruth.

Nach und nach wird klar, dass der ganze Planet eine Art Vergnügungspark ist, der sich auf die Wünsche seiner Besucher einstellt. Zu diesem Zeitpunkt wurde McCoy aber schon von einer Illusion getötet…


Persönliches Fazit:

Ein Sprichwort sagt: sei vorsichtig, was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen. "Shore Leave" ist eine direkte Umsetzung davon und insgesamt gut gemacht. Die Folge beginnt eher ernst, die Crew ist müde und braucht dringend Urlaub. Kirk ist sogar so weggetreten, dass er sich von einem Yeomann massieren lässt, wobei er glaubt, es handele sich dabei um Spock. In der deutschen Fassung geht das etwas unter.

Warum will Kirk aber von sich aus auf einen Landgang verzichten? Bislang machte er nicht den Eindruck, sich von solchen Angelegenheiten auszuklammern. Durch seine Weigerung wird aber erst die Tür für die absolut fabelhafte Szene geöffnet, in der Spock ihn dazu "überredet", doch runter zu beamen. Persönlich ist das eine meiner Lieblingsmomente der ganzen Serie, weil hier Witz, Freundschaft und noch vieles mehr zusammen kommen.

Auf dem Planeten dann verlagert sich der Schwerpunkt auf mehrere Gruppen, leider wird dabei etwas zu sehr auf Klischees gesetzt. Besser wäre es gewesen, sich auf einige wenige Personen zu konzentrieren. So ist z.B. Finnegan sehr gelungen, hätte aber Potential für mehr besessen, wo hingegen Ruth eher eingeschoben erscheint. Das Prinzip "weniger ist mehr" ist auch auf die anderen Landgänger übertragbar.

McCoys Tod geht in seiner Tragweite etwas unter und wird am Ende durch die Schlussszene komplett ins Lächerliche gezogen. Zum Glück gilt das nicht für die Episode an sich, die mit Figuren wie "Alice im Wunderland" (dessen Hase die gleichen Fußspuren wie der Mugato aus "A Private Little War" (dt.: "Der erste Krieg") hinterlässt!) niemals in billigen Slapstick abgleitet.

Als Fazit eine nette Episode knapp über dem Durchschnitt, wenn auch kein Trek-Glanzlicht.

Episode 16: "The Galileo Seven"

Deutscher Titel: Notlandung auf Galileo 7
bzw. DVD-Release:*)
Notlandung der Galileo 7
Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 05.01.1967
Deutschland (ZDF) 14.10.1972
Drehbuch: Oliver Crawford, S. Bar-David
Regie: Robert Gist
Gaststars: Don Marshall (Boma), Peter Marko (Gaetano), Reese Vaughn (Latimer), Phyllis Douglas (Yeoman Mears), John Crawford (Föderationskommissar Ferris), Buck Maffey (Ungeheuer), Eddie Paskey (Leslie), David L. Ross, Grant Woods, William Blackburn, Frank da Vinci

Handlung:

Sternzeit 2821,5: Die Enterprise transportiert auf Markus III dringend benötigte Medikamente sowie den Föderationskommisar Ferris, als sie einen Quasar passiert. Da Kirk die stehende Order hat, solche Phänomene zu untersuchen, nutzt er gegen Ferris´ Widerstand das zweitägige Zeitfenster und schickt Spock mit dem Shuttle Galileo los, um den Quasar Murasaki 312 zu untersuchen. Das Shuttle hat kaum abgehoben, als es zu Problemen kommt und es für die Enterprise unauffindbar wird. Die Galileo kann sich mit einer Notlandung auf den öden und unwirtlichen Planeten Taurus II retten, kämpft aber mit technischen Problemen. Spock, der mit der Galileo-Mission sein erstes Kommando innehat, stößt dabei auf immer mehr Widerstand von Seiten der anderen sechs Besatzungsmitglieder, während Kirks Zeit langsam abläuft. Schließlich sieht Kirk sich gezwungen, die Region zu verlassen, um die Medikamente rechtzeitig abliefern zu können…


Persönliches Fazit:

"The Galileo Seven" ist STAR TREKs Plädoyer für (mehr) Menschlichkeit und von daher in der Aussage zeitlos. Die Handlung zerfällt in zwei Teile, das Hauptgeschehen konzentriert sich auf die Landegruppe unter dem Kommando Spocks, während Kirk an Bord der Enterprise verzweifelte und eigentlich zum Scheitern verurteilte Rettungsversuche unternimmt.

Spocks Dilemma, trotz logischer Entscheidungen quasi zu versagen und sich damit von vertrautem Terrain abwenden zu müssen, ist das tragende Element. Die Situationen, die zu seinen Misserfolgen führen, sind im Allgemeinen geschickt eingefädelt, ebenso wie McCoys Reaktionen darauf. Um für möglichst viel Konfliktpotential zu schaffen, wurden einige Dinge dem dramatischen Effekt untergeordnet. Dazu gehört die Tatsache, dass die Galileo-Mission Spocks erstes Kommando darstellt. Um sich die Fakten auf der Zunge zergehen zu lassen: Spock ist Erster Offizier und damit direkter Stellvertreter des Captains eines Sternenschiffes mit über 400 Mann Besatzung und hat in seiner ganzen Starfleet-Karriere noch NIE ein eigenes Kommando gehabt? Mit viel gutem Willen kann Spocks wissenschaftliche Karriere das begründen, leicht unwahrscheinlich bleibt es dennoch. Der zweite Punkt, der in dieser Folge zwangsläufig zu Fragen führt, ist das Verhalten der Landegruppe. Ähnlich wie in "Balance of Terror" (dt.: "Spock unter Verdacht") wird Spocks Rang von untergeordneten Crew-Mitgliedern in Frage gezogen. Wo ist der Respekt, der ihm als Ersten Offizier zusteht? Boma bewegt sich oftmals sehr stark am Rande der Meuterei. Diese Rollen sind so angelegt, dass sie sich zwangsläufig auf Konfrontationskurs mit Spock begeben, dafür dann den Rahmen schaffen für Spocks inneren Kampf. Der wird irgendwann so stark, dass der Halb-Vulkanier eindeutig Nerven zeigt und gereizt reagiert. Toll gemacht! Die einzige, wenn auch meist stumme, Unterstützung kommt von Scott, der, wenn er etwas sagt, sich auf Spocks Seite stellt. Scottys unverhoffte Anwesenheit bei der Landegruppe erwies sich im Nachhinein ohnehin als sehr praktisch, obwohl ein Chefingenieur sonst wohl eher nicht dafür benötigt wird. :-)

Dass Kirk seine Leute allein ziehen lässt, kam insgesamt eher weniger vor. Meistens stürzt sich Kirk als erster in Gefahr, von daher ist es sehr erfrischend, einmal andere als tragende Charaktere agieren zu sehen. Aber auch die Geschehnisse an Bord der Enterprise sind interessant. Uhuras Rolle ist zwar klein, aber inhaltlich fundiert. Die Position des Föderationskommissars ist verständlich, übrigens auch gerade zu Anfang, wo er die Landemission in Frage stellt. Auch in meinen Augen stellt das ganze Unterfangen ein ziemlich unnützes Risiko dar, wie nicht zuletzt die Geschehnisse zeigen, stehende Order nun hin oder her. Am Ende mussten drei Besatzungsmitglieder ins Gras beißen, dennoch ist Kirk zunächst erstmal erleichtert, als ein Teil der Galileo-Crew gerettet wird. Die Toten fallen da etwas wenig ins Gewicht. Todesursache sind in allen Fällen mehr oder weniger die gigantischen Einheimischen mit ihren Speeren. Selbst für die 60er ist die Aufmachung sehr primitiv. Um Speere herzustellen, wäre Holz ganz hilfreich, die Umgebung der Fähre sieht aber gänzlich "steinig" aus. Die gemachten Größenangaben über die Einheimischen gehen auch sehr weit auseinander. In diesem Punkt hätte nur etwas mehr Mühe viel bewirkt.

Grundsätzlich beweist diese Folge aber noch etwas anderes, nämlich, dass sich über Logik durchaus streiten lässt. Spock hält es für logisch, einen Mann ganz allein in feindlicher Umgebung zurückzulassen. Das einzige, was noch fehlt, ist ein "Spieß mich auf!"-Schild! Klar, Spock wollte das Gewicht der Fähre reduzieren und da war dieser Schachzug vielleicht wirklich logisch :-).

Spocks "Verzweiflungstat" gegen Ende wird dann von allen als unlogisch bezeichnet. Allerdings ist es schon sinnvoll, das Shuttle optisch herauszuheben, weil so die Chancen, gesehen zu werden, dramatisch steigen - insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass Spock Kirks Charakter kennt und von daher davon ausgehen kann, dass Kirk länger wartet als offiziell möglich. Spock hält in dieser Folge aber ohnehin nicht viel von Wahrscheinlichkeitsberechnungen, er antwortet McCoy an einer Stelle ausnahmsweise sehr ungenau. Vermutlich hat ihm die ganze Angelegenheit doch mehr zugesetzt als er zeigen will - also genau der Zwiespalt Logik/Menschlichkeit, die jede Spock-zentrierte Folge sehenswert macht!

*) Der (ursprüngliche) deutsche Episodentitel ist so grottenfalsch, dass er eigentlich keine Erwähnung finden sollte. Während sich der Originaltitel ("The Galileo Seven") auf die sieben Besatzungsmitglieder des Shuttles bezieht (eine korrektere Übersetzung wäre: "Die Sieben von der Galileo"), wurde im Deutschen eine falsche Verbindung zum Planeten hergestellt, der aber Taurus II heißt. Seinerzeit wurde der falsche Titel vom ZDF verbrochen. In jüngerer Zeit taucht als dt. Alternativtitel daher "Notlandung der Galileo 7" auf.

Episode 17: "The Squire of Gothos"

Deutscher Titel: Tödliche Spiele auf Gothos Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 12.01.1967
Deutschland (ZDF) 23.03.1974
Drehbuch: Paul Schneider
Regie: Don McDougall
Gaststars: William Campbell (Trelane), Michael Barrier (Lt. De Salle) Richard Carlyle (Lt. Karl Jaeger)

Handlung:

Sternzeit: 2124,5: 900 Lichtjahre von der Erde entfernt empfängt die Enterprise ein paar Nonsens-Nachrichten, die von dem lebensfeindlichen Planeten Gothos stammen. Kurz darauf verschwinden Sulu und Kirk spurlos von der Brücke.

Spock schickt eine Landegruppe, bestehend aus McCoy, Geologe Karl Jaeger und Navigator DeSalle hinunter, die überraschend auf eine Umgebung mit angenehmen Umweltbedingungen trifft. Kurz darauf entdeckt sie ein altes Schloss und wird vom "Junker Trelane" begrüßt. Auch Sulu und Kirk stehen "eingefroren" in einer Ecke und werden von Trelane wieder belebt. Trelane ist ein "Fan" der Erde und beobachtet das dortige Geschehen seit einiger Zeit, hat aber die Entfernung nicht berücksichtigt und hält daher die Geschehnisse von vor mehreren Hundert Jahren für aktuell. Daher sind auch seine sonstigen Erdimitationen nicht nur antiquiert, sondern auch unvollkommen, z.B. Feuer ohne Hitze und Essen ohne Geschmack.

Mit Trelane ist die ganze Enterprise in die Fänge eines unberechenbaren, aber auch sehr mächtigen Irren geraten. Eine Flucht der Enterprise schlägt fehl und so stellt sich Kirk zum Duell…


Persönliches Fazit:

Die Mischung zwischen Bedrohung und kindischem Gehabe sind das Salz in der Suppe dieser Folge. Der Spagat zwischen beiden Extremen ist zu weiten Teilen gelungen und insbesondere Spock als Trelanes Ärgernis bringt noch einmal zusätzlichen frischen Wind. Es ergibt sich damit eine ziemlich spannende Entwicklung, die leider zum Ende ins Nichts entweicht und das ganze Geschehen dann doch zu sehr ins Lächerliche zieht.

Ebenso bedauerlich ist der recht plumpe Zeitfehler. Trelanes "Teleskop" soll die Geschehnisse auf der Erde von vor 900 Jahren zeigen. Allerdings werden dann Ereignisse zitiert, die wesentlich jüngeren Datums sind. Außerdem stellt sich die Frage, woher Trelane seine Informationen bezieht: Feuer sowie Nahrungs- und Genussmittel sind ohne Hitze bzw. Geschmack, dagegen ist dem Junker wohl klar, welche Auswirkungen die an und für sich unsichtbare Athmosphäre hat, so dass er eine kleine Oase erschaffen kann.

Trelane machte übrigens im Laufe der Serie eine Verwandlung zum Klingonen durch - der Schauspieler William Campbell spielte in "The Trouble with Tribbles" (dt.: "Kennen Sie Tribbles?") die Rolle des Koloth. Auch die Kulissen wurden recycelt und fanden in "Bread and Circuses" (dt.: "Brot und Spiele") und "Catspaw" (dt.: "Das Spukschloss im Weltall") erneute Verwendung. Dafür hat es der Salzvampir aus "The Man Trap" (dt.: "Das Letzte seiner Art") in Trelanes Domizil geschafft - in einer Wandnische relativ unbemerkt wurde das Kostüm verwahrt, bis es Trelanes Phaserspiel zum Opfer fällt. Ein netter kleiner Gag am Rande.

Wer sich als TOS-Fan mal näher mit "STAR TREK - The Next Generation" befasst hat, wird spätestens bei der TNG-Pilotfolge stutzig werden. Mit Q wird ein Wesen erfunden, dass ziemlich frappierende Ähnlichkeit mit Trelane hat, auch die Gerichtsszene aus "The Squire of Gothos" findet sich dort wieder. Hier hat TNG ziemlich schamlos geklaut, ohne allerdings bewusst eine Verbindung zwischen Trelanes Volk zum Q-Kontinuum zu ziehen.

Für deutsche Zuschauer sei noch angemerkt, dass sich erst- und einmalig in der Classic-Serie auch im engl. Original deutsche Töne wieder finden. Trelane lässt es sich nicht nehmen, die Anwesenheit Karl Jaegers, der ebenso überraschend wie erfreulich endlich mal ein älteres Crewmitglied zeigt, mit ein paar Nonsens-Vokabeln zu kommentieren.

Episode 18: "Arena"

Deutscher Titel: Ganz neue Dimensionen Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 19.01.1967
Deutschland (SAT 1) 07.12.1987
Drehbuch: Gene L. Coon
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: Gorn: Bobby Clark & Gary Coombs, Jerry Ayres, James Farley, Sean Kenney

Handlung:

Der Außenposten der Föderation auf Cestus III wurde vollständig zerstört. Verantwortlich sind die Gorn, die Kirk daraufhin unerbittlich verfolgt, um sie zu vernichten. Doch eine fremde, weit überlegene Rasse greift ein und versetzt sowohl Kirk als auch den Captain des Gorn-Schiffes auf einen einsamen Planeten, um ihren Streit Mann gegen Mann auszutragen...


Persönliches Fazit:

"Arena" ist eine gute Folge die herausragend hätte sein können. Genau genommen ist es eine "Kirk-Show", wobei der Captain während der ganzen Zeit nicht unbedingt eine gute Figur macht. Zuerst ist er ungewohnt hart und besteht auf der Vernichtung des Gorn-Schiffes, auf dem Planeten dann kommt er nicht mal auf die Idee, sein Aufzeichnungs-/Übersetzungsgerät zu benutzen, um mit dem gegnerischen Captain zu reden. Während der Gorn seine Zeit sinnvoll nutzt, stolpert er großteils ziemlich planlos durch die Gegend auf der Suche nach Waffen.
Gerade aber Kirks Unterlegenheit zum Gorn ist einer der überaus positiven Aspekte. Der Gorn wirkt übermächtig, hervorragend eingefangen, als dieser einen Ast abbricht und Kirk dagegen nur ein Streichholz in Händen hält. Auch geistig ist der Gorn auf der Höhe, lockt er Kirk doch gekonnt in eine Falle. Die Aufzeichnungen, die Kirk während der Folge anfertigt, haben mich immer verwundert - wieso kam er zu keinem Zeitpunkt auf die Idee, der Gorn könne ihn hören? Ist das nicht ein taktischer Fehler? Ebenfalls taktisch nicht nachvollziehbar ist das Umhergerolle von Kirk und Spock auf Cestus III während des Angriffs. Es wirkt etwas übertrieben (und liefert damit eine hervorragende Basis für "Galaxy Quest" :-)) Dagegen überwiegen dennoch die guten Momente. Starfleet, die hier eine ähnliche Rolle einnehmen wie die USA als Weltpolizist, ist nicht einfach so im Recht, die Botschaft daher für eine amerikanische Serie der 60er (und übrigens auch für die Gegenwart (!)) schon revolutionär. Die Überlegenheit des Gorn kommt hinzu. Die Auflösung und die Art und Weise, wie Kirk das Blatt wendet, sind originell, keine platte und abgegriffene Standardlösung á la "stecken wir sie in den Transporter, dann wird alles wie gehabt".
Tricktechnisch kann der Gorn natürlich mit heutigen Maßstäben nicht mithalten, ebenso wenig die "Felsen". Wie gehabt ist das aber ein Aspekt, der in die Bewertung nicht mit eingehen sollte und für damalige Verhältnisse ist der Gorn gut gemacht. In der "STAR TREK: Enterprise"-Folge "In a Mirror, Darkly, Part II" (dt.:"Im finsteren Spiegel, Teil 2") gib es übrigens nach fast vier Jahrzehnten endlich noch einmal einen Gorn zu sehen!

Dagegen hat die Maske hier etwas übertrieben, als es darum ging, die männlichen Besatzungsmitglieder mit Lidschatten auszustatten. Nun denn... Uhura wirkt jedenfalls so schön wie immer, wird leider einmal mehr auf die Rolle des schwachen Weibchens reduziert, da sie nur sinnlos schreien bzw. entsetzt gucken darf. Nichts desto trotz eine wirklich gute Trek-Folge, die auf einer Kurzgeschichte von Frederic Brown basiert.

Episode 19: "Tomorrow Is Yesterday"

Deutscher Titel: Morgen ist gestern Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 26.01.1967
Deutschland (ZDF) 27.05.1972
Drehbuch: D.C. Fontana
Regie: Michael O´Herlihy
Gaststars: Roger Perry (Captain Christopher), Mark Dempsey, Hal Lynch, Richard Merrifield, Ed Peck

Handlung:

Durch einen Unfall wird die Enterprise zurück in das 20. Jahrhundert geschleudert und von einem Airforce-Piloten, Captain Christopher, fotografiert. Um eine Veränderung der Geschichte zu vermeiden, versucht die Besatzung, den Film zurückzubekommen...


Persönliches Fazit:

Nach dem ersten Sehen stellt sich erstmal der Eindruck einer kurzweiligen, amüsanten und durchaus spannenden Folge ein. Je öfter man diese Episode allerdings sieht, desto gravierender fallen die erheblichen Mängel in der Handlung auf. Selbige strotzt nur so vor Fehlern, so dass von dem ersten guten Eindruck nicht viel übrig bleibt.

Da wäre zum einen die Crew, die fast samt und sonders den Anschein erweckt, das jeweilige Offizierspatent im Lotto gewonnen zu haben. Spock fällt erst mit erheblicher Verspätung auf, nicht nur Captain Christophers Lebenslauf nach Relevanz für die Zukunft zu untersuchen sondern auch die potentieller Nachkommen (ganz zu schweigen mal davon, dass es noch wesentlich mehr Möglichkeiten für einen Einzelnen gibt, die Zukunft zu ändern). Wo ist Spocks üblicher Scharfsinn geblieben? Kirk verschenkt erst gar keinen Gedanken daran, als er Christopher an Bord beamen lässt (was hätte dagegen gesprochen, ihn sofort zu betäuben?). Auch ansonsten geht Kirk als Captain sehr sorglos mit der Situation um, die Erste Direktive scheint praktisch nicht zu existieren. Dann gibt es noch einen Sicherheitsoffizier, der sich derart einfach von Captain Christopher übertölpeln lässt, dass sich die Frage stellt, welche Qualifikation die Sicherheitsleute der Enterprise im allgemeinen mitbringen müssen. Diese Liste lässt sich fast beliebig fortsetzen, ist aber nicht das einzige, was stört.

Gravierender sind auch die Paradoxen, mit denen Zeitreisegeschichten immer zu kämpfen haben, hier aber besonders hervortreten. Wieso war die ganze Aktion auf der Erde nötig, wenn nachher sowieso nichts davon stattgefunden hat? Und wieso erinnert sich Captain Christopher später nicht mehr daran, die Enterprise-Crew aber schon?

Wie schon eingangs erwähnt, hat die Folge aber auch gute Momente. Aus heutiger Sicht ist die Zeitreise der Enteprise besonders interessant, da es gerade die 60er Jahre der Erde sind, in der sich die Crew bewegen muss. Und die wird natürlich authentisch dargestellt, viel besser, als es heute der Fall wäre. Die Bänder, die Kirk noch als museumsreif bezeichnet - zur damaligen Zeit hochmodern - sind nun tatsächlich so einzuordnen. Davon abgesehen wurde diese Folge - wie auch "Space Seed" von der Realität eingeholt. Inzwischen ist es rein rechnerisch undenkbar, dass Captain Christophers Sohn rechtzeitig zum Saturn aufbricht…

Episode 20: "Court Martial"

Deutscher Titel: Kirk unter Anklage Bewertung: * * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 02.02.1967
Deutschland (ZDF) 10.06.1972
Drehbuch: Don M. Mankiewicz, Steven W. Carabatsos
Regie: Marc Daniels
Gaststars: Joan Marshall (Areel Shaw), Elisha Cook jr. (Samuel T. Cogley) Hagen Beggs, Bart Conrad, Winston De Lugo, Reginald Lalsingh

Handlung:

Sternzeit 2947,3: Während eines Ionensturms befindet sich auf der Enterprise das Besatzungsmitglied Ben Finney zur Datenmessung in einer Kapsel/einem Schirm. Als der Sturm schlimmer wird, muss die Kapsel abgesprengt werden, um das Schiff nicht zu gefährden - inklusive Finney, der sich nicht rechtzeitig retten konnte. Sein Tod löst eine Debatte aus, ob Kirk sich richtig verhalten hat oder in Panik reagierte. Die Computeraufzeichnung beweist, dass er Finney zu wenig Zeit gab und die Kapsel absprengte, während sich die Enterprise auf Alarmstufe gelb befand. Kirk dagegen behauptet, bis zuletzt gewartet zu haben, als bereits Alarmstufe rot herrschte. Da Kirk seinen Stuhl nicht freiwillig räumen will, kommt es zu einem Kriegsgericht…


Persönliches Fazit:

"Court Martial" ist in meinen Augen ein weiteres Serienhighlight und das gleich aus mehreren Gründen. Da wäre die Anklage an sich, die Tatsache, dass ausgerechnet Kirks weiße Weste beschmutzt wird, dann der Kampf Mensch gegen Maschine, menschliche Fehlbarkeit gegen logische Unbestechlichkeit. Garniert wird das mit der Reaktion des Umfelds, das sich von Kirk abwendet wie Ratten das sinkende Schiff verlassen, mit Ausnahme einer sehr kleinen Gruppe, allen voran Spock und McCoy, die jeder auf ihre Weise Unterstützung leisten. Spocks unumstößliche Loyalität, die trotz scheinbarer Gleichgültigkeit immer wieder ehern zementiert wird und ihren Höhepunkt in der "Wenn ich einen Hammer auf einem Planeten mit positiver Gravitation fallen lasse"-Erklärung findet, schimmert durch, der Spagat zwischen seiner vulkanischen Natur und seiner Freundschaft zu Kirk absolut glaubwürdig in Szene gesetzt. Mag sich McCoy noch so sehr über Spocks Gefühllosigkeit beschweren, als Spock in einer denkbar unpassenden Situation Schach spielt, so wird dieser Zug später doch gerechtfertigt. Natürlich ist McCoys Reaktion verständlich und zeigt, wie wichtig sein Teil am "Triumvirat" ist.

Einmal mehr wird eine alte Flamme Kirks ins Spiel gebracht - Kirk muss auch vor der Serie in dieser Richtung sehr fleißig gewesen sein :-). Areel Shaw unterscheidet sich jedoch von dem gängigen Klischee, sie ist tough und gefühlvoll zugleich, intelligent und bewundernswert eigenständig. Als einer der wenigen Starfleet-Offiziere trägt sie in ihrer Freizeit keine Uniform, was vermutlich deswegen so realisiert wurde, um den Überraschungseffekt bzgl. ihrer Aufgabe nicht zu gefährden. Ihr Kurzhaarschnitt bildet einen schönen Kontrast zur sonst eher holden, langmähnigen Weiblichkeit.

Quasi als das Gegenbild zu Areel Shaw erscheint Finneys Tochter Jamie, die eine regelrechte Trullertrine zu sein scheint. Ihr Ärger ist verständlich, die Schauspielerin schafft es dennoch nie, sich anders denn als quengeliges Gör darzustellen. Auch Finney selbst wirft ein paar Fragen auf. Er dürfte wohl zu den ältesten Crewmitgliedern auf der in allgemeinen sehr jungen Enterprise gehören, was schon sehr verwundert, wenn sein Groll auf Kirk berücksichtigt wird. Für den Fall, dass er die ganze Zeit vor hatte sich zu rächen, so überrascht es doch, wie es ihm möglich war, alles zu planen. Bei allem muss ich jedoch gestehen, dass mir die Sache mit der Kapsel (die in der dt. Version noch diffuser als "Schirm" bezeichnet wird und somit beweist, dass ich nicht der einzige bin, der so seine Probleme mit dem ganzen Sachverhalt hat) unklar ist. Wieso muss da bei einem Ionensturm ein Mann rein und wieso muss das Ding hinterher abgesprengt werden?

Dafür weist der Enterprise-Computer plötzlich Fähigkeiten auf, die noch in "The Menagerie" (dt.: "Talus IV - Tabu") als unmachbar gegolten haben. Dort wurden nämlich die Aufnahmen aus der "Vergangenheit" als zu detailliert beschrieben, um authentisch zu sein. Plötzlich aber ist es hier möglich, Nahaufnahmen von der Brücke zu machen, inkl. des Augenblicks und der genauen Taste, die Kirk in der fraglichen Zeit gedrückt hat oder auch nicht.

In "The Menagerie" (dt.: "Talus IV - Tabu") trägt die erwähnte Sternbasis übrigens ebenfalls die Zahl 11, dementsprechend muss es sich bei beiden (bzw. allen drei) Folgen um die gleiche handeln. Mögliche Kollisionen in der Kommandohierarchie der Station lassen sich erklären, besser wäre es allerdings gewesen, zwei unterschiedliche Zahlen zu verwenden.

In Zusammenhang der Gerichtsverhandlung muss der exzentrische Anwalt Samuel Cogley unbedingt erwähnt werden. Der Charakter ist brillant, schrullig, liebenswert und genial, also ganz im Stil typischer Gerichts- und Krimishows, ein echter Gewinn.

Im Rahmen des Prozesses erhalten Kirk und Spock so einiges an Hintergrund, was ein weiterer Pluspunkt ist. Verwundernswert ist Spocks Feststellung, dass nur drei Leute der Enterprise über genügend Wissen verfügen, den Computer zu manipulieren: Finney, Spock und Kirk. Spocks Fähigkeiten stehen außer Zweifel, Finney ist ein erst- und letztmalig auftauchender Gaststar. Kirk jedoch gehört keiner wissenschaftlichen Abteilung an, scheint also noch andere Talente zu haben, die keine Erwähnung finden und anscheinend sogar Scotty übertreffen. Es passt zu dem später in den Filmen geschilderten Fähigkeiten zur Manipulation des "Kobayashi Maru"-Tests, leider aber wird in der Serie nie verwiesen, woher Kirk sein diesbezügliches Wissen bezieht. Grund zum Nachdenken wird dafür jedenfalls allemal geliefert.

Nachdenkenswert dürfte auch der Uniformwechsel sein, der mitten im Prozess stattfindet. Als sich das Gericht auf die Enterprise vertagt, hat Kirk z.B. nur noch eine normale Uniform an, was besagt, dass er sich zwischenzeitlich umgezogen haben muss und ebenfalls, dass das Gericht entsprechender Würdigung nicht wert ist. Loyal, wie sie sind, folgen Spock und McCoy diesem Beispiel. Es ist natürlich möglich, dass Kirk da schon geahnt hat, dass er eine weitere Uniform in ihre Bestandteile zerlegt und sich da die Galauniform noch aufheben wollte :-).

Episode 21: "The Return of the Archons"

Deutscher Titel: Landru und die Ewigkeit Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 09.02.1967
Deutschland (SAT 1) 21.12.1987
Drehbuch: Story: Gene Roddenebrry; Telplay: Boris Sobelman
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: Harry Townes (Reger), Torin Thatcher (Marplon), Morgan Farley (Hacom), Ralph Maurer (Bilar), Brioni Farrell (Tula), Jon Lormer (Tamar), David L. Ross (Lt. Galloway), Christopher Held (Lt. Lindstrom), Miko Mayama (Yeoman Tamara), Sean Morgan (Lt. O'Neil), Eddie Paskey (Lt. Leslie), Sid Haig (Gesetzgeber), Charles Macaulay (Landru), Barbara Webber

Handlung:

Sternzeit 3156,2: Eine Landegruppe der Enterprise befindet sich inkognito auf dem Planeten Beta III und flieht vor den Bewohnern. Sulu ist der Einzige, der hoch gebeamt werden kann, aber es ist bereits zu spät: Sulu wurde einer Gehirnwäsche unterzogen, die ihn zum Teil der Gemeinschaft von "Landru" macht.

Kirk beamt mit einer zweiten Landegruppe hinunter, um weitere Untersuchungen anzustellen und nach seinen Leuten zu forschen. Dabei stellt er fest, dass praktisch die gesamte Bevölkerung unter Landrus Einfluss steht…


Persönliches Fazit:

Sulu wird angegriffen und einer Gehirnwäsche unterzogen. Die Tatsache, dass es jemanden aus der Stammcrew trifft, macht die Sache interessant, weil eben nicht klar ist, was aus ihm wird. Zudem ist Sulu den Zuschauern ans Herz gewachsen, ein emotionaler Bezug bietet so einen sehr guten Einstieg.

Zu weiten Teilen kann die Folge halten, was sie verspricht. Herausragend in Szene gesetzt ist die Orgie, die auch mit Schatten arbeitet, um die Grenzen der Zensur so weit es geht auszudehnen. Der Übergang zwischen "Festival" und "normaler Liebenswürdigkeit" wird mit nahezu gespenstischer Akkuratesse betrieben - wenn auch mit Hilfe einer durch und durch irdischen Uhr. Nicht zuletzt ist es auch das Problem, die eigenen Leute unter den Feinden zu wissen, was einen gewissen Reiz an der Folge ausmacht.

Der Reiz verschwindet leider, je mehr STAR TREK-Folgen der Zuschauer gesehen hat. Das Ende ist hier noch unverbraucht und originell, allerdings gibt es einfach zu viele Folgen, die ähnliches propagieren, z.B. "The Apple" (dt.: "Die Stunde der Erkenntnis") und "A Taste of Armaggeddon" (dt.: "Krieg der Computer"), um nur zwei zu nennen.

Außerdem gibt es Kleinigkeiten, die den guten Eindruck wieder etwas neutralisieren. So wird Sulu übernommen, nachdem er direkt von einem der Stäbe getroffen wurde. Bei der zweiten Landegruppe ist dagegen eine "Einzelbehandlung" erforderlich. Warum?

Spock bezeichnet die Stäbe nach einer Untersuchung zudem als hohl, wie also entfalten sie ihre Wirkung? Das Rätsel um die Kuttenträger bleibt ungelüftet, ebenso wie Landru sie kontrollieren kann und sie mit Macht ausstattet. Auch die Enterprise-Leute haben schon mal besser reagiert. Der übliche Querulant in der Landegruppe nervt und bringt alle unnötig in Gefahr. An Bord zu Beginn der Folge vergehen etliche Augenblicke, bis Sulu endlich im Transporterraum steht, allerdings bereits zu spät. Wenn das die Geschwindigkeit bei einem Notfall ist, so möchte ich nicht den Normalfall sehen… Kirk verhält sich nicht unbedingt besser. Erst erklärt er seinem Gastgeber, zum Festival angereist zu sein, dann versucht er alles, um selbigen zu entfliehen. Spocks Ohren werden nur teilweise verdeckt, er hätte sich seinen Umhang auch komplett sparen können (wobei sein vulkanisches Äußeres bei niemandem Anstoß erregt). Dadurch wird die ganze Gruppe ein klitzekleines Bisschen unglaubwürdig…

Die erste Direktive wird natürlich abermals verletzt, wobei ich dazu neige, eher Kirks Meinung zu teilen. Es hätte freilich nicht schaden können, sich vorher darüber den Kopf zu zerbrechen. Bevorzugt, bevor man direkt mitten in eine Stadt einer zu schützenden Kultur hinein beamt…

Als Fazit eine gut durchschnittliche Folge, die als Vorlage für einige ähnliche Konstellationen dient. Für Produktionsfehler-Jäger sei angemerkt, dass eine Szene mit Kirk seitenverkehrt eingefügt wurde, als sich der Captain gerade mit dem übernommenen McCoy unterhält.

Episode 22: "Space Seed"

Deutscher Titel: Der schlafende Tiger Bewertung: * * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 16.02.1967
Deutschland (ZDF) 21.10.1972
Drehbuch: Gene L. Coon, Carey Wilbur
Regie: Marc Daniels
Gaststars: Ricardo Montalban (Khan Noonian Singh), Madlyn Rhue (Marla McGivers), Barbara Baldavin, Mark Tobin

Handlung:

Die Enterprise trifft auf die "SS Botany Bay", ein Schläferschiff aus den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts (!) mit über 70 Überlebenden. Sie wecken den Anführer, der sich später als Khan Noonian Singh herausstellt, ein genetisch verbesserter Mensch, der zwischen 1992 und 1996 ein Viertel der Erde beherrschte.

Khan, sich seines Charismas vollständig bewusst, zieht schließlich die Historikerin Marla McGivers auf seine Seite und weckt mit ihrer Hilfe seine restliche Besatzung auf. So kann er schließlich die Enterprise in seine Gewalt bringen…


Persönliches Fazit:

Es gibt einen Grund, warum diese Folge die Grundlage für den zweiten STAR TREK-Film bildet und er heißt Ricardo Montalban. Als Khan übt Montalban eine ungeheure Anziehungskraft aus, man nimmt ihm den Supermenschen mühelos ab und er ist eindeutig der Star der Episode, spielt alle anderen an die Wand. Er fragt nicht, er nimmt sich, was er will (was im englischen Original noch besser zu Tage tritt).

Dazu gehört auch bzw. gerade Marla McGivers. Obwohl Khans Anziehungskraft verständlich ist, gibt sie ihr bisheriges Leben und ihre Karriere zu schnell auf, wirft sich ihm praktisch von Anfang an hörig in die Arme. Damit darf sie sich in die lange Reihe der schwachen Frauencharaktere einreihen, wobei Khan im Gegensatz zu anderen Folgen noch einen halbwegs nachvollziehbaren Grund darstellt.

Anders als McGivers stellt sich McCoy Khan in einer Szene entgegen, die Einstellung ist fantastisch gelungen und ein Highlight der Folge. Kirk jedoch ist zwar von Anfang an schon aufgrund des Namens "Botany Bay" skeptisch, erlaubt Khan aber das Studium technischer Einzelheiten. Er wird dafür zu Recht von Spock gerügt.

Die Thematik war ihrer Zeit weit voraus, Gentechnik und Klontechnologie sind heute ernstzunehmende Gefahren, wo in den 60ern die Begriffe nicht mal gängig waren. Allerdings hätte Khan, um in den 90ern mit einem Schiff aufbrechen zu können, ungefähr zur Entstehungszeit der Serie geboren werden müssen, was doch etwas unrealistisch ist. Während die 90er Jahre noch weit weg waren, hätte der damalige Stand der Technik berücksichtigt werden müssen. Die Zeitangaben in dieser Folge sind sowieso so eine Sache, nirgends wird so klar wie hier, dass niemand im Traum daran gedacht hätte, dass STAR TREK eine so lange Zeit überdauern würde. Die Realität hat die Fiktion eingeholt - zumindest ich kann mich nicht daran erinnern, dass ein Khan Noonian Singh zwischen 1992 und 1996 ein Viertel der Erde regiert hat :-).

Diese Folge läuft im Übrigen auch mit der neueren Trek-Geschichte nicht konform. Die Eugenischen Kriege werden hier als der 3. Weltkrieg bezeichnet, wobei dieser laut DS9 wesentlich später stattfand. Dafür versuchte "STAR TREK: Enterprise", einen Bogen zwischen den Eugenischen Kriegen und Datas Erfinder Dr. Noonian Soong (!) zu ziehen, allein schon aufgrund der Namensähnlichkeit ein nahe liegender Gedanke.

Insgesamt ist die Folge sehr gelungen, obwohl sie von der Realität quasi ad absurdum geführt wird. Ricardo Montalban stellt einen der glaubwürdigsten Bösewichter der ganzen Serie dar und der Schlusssatz zieht den perfekten Bogen zum zweiten Kinofilm.



Episode 23: "A Taste of Armageddon"

Deutscher Titel: Krieg der Computer Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 23.02.1967
Deutschland (SAT 1) 18.12.1987
Drehbuch: Robert Hamner, Gene L. Coon
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: Gene Lyons (Botschafter Robert Fox), David Opatoshu (Anan 7) Barbara Babcock (Mea 3), Robert Sampson (Sar 6) Sean Kenney (Lieutenant DePaul), Miko Mayama (Corporal Tamara), David L. Ross (Lieutenant Galloway) Bill Blackburn, John Burnside, Eddie Paskey, Ron Veto, Frank Vinci

Handlung:

Sternzeit: 3192.1: Die Enterprise soll Botschafter Fox nach Eminiar VII bringen, um diplomatische Beziehungen mit der Föderation herzustellen. Der Planet signalisiert jedoch, dass sich die Enterprise nicht nähern und wegbleiben soll. Fox setzt sich darüber hinweg und prompt wird eine Landegruppe in den Krieg zwischen Eminiar und dem Nachbarplaneten Vendikar hineingezogen.

Um die Zivilisation zu erhalten haben sich beide Planeten vor 500 Jahren darauf geeinigt, den Krieg virtuell auszutragen. Ein Computersystem berechnet die Opfer, die dann freiwillig in den Tod gehen, um den Status Quo zu erhalten. Mit der Ankunft der Enterprise wurde auch das Föderationsschiff zum Ziel - und wird kurz darauf von den Computern als "zerstört" gemeldet, wodurch die gesamte Besatzung zum Tode verurteilt wird…


Persönliches Fazit:

Einmal mehr ist die Idee der Folge ziemlich gut, besonders wenn berücksichtigt wird, wie verhältnismäßig unbedeutend Computer in den 60ern waren, von virtuellen Welten mal ganz zu schweigen. Der unterschwellige Schrecken wird gerade durch die teilweise recht unpersönliche Erzählweise gut vermittelt. Dennoch ist es absolut unklar, wie genau Eminiar und Vendikar in diesen "Krieg der Computer" geraten konnten - um ein solch komplexes System aufzubauen, dürfte ein erhebliches Maß an Zusammenarbeit nötig gewesen zu sein. Wenn man sich aber so gut versteht, wieso haben sie dann nicht gleich Frieden geschlossen? Das wäre bestimmt einfacher gewesen… So wird ein Krieg unendlich weitergeführt, deren Grund keiner mehr (er)kennt - eine der positiven Aussagen der Folge und ebenfalls ein Spiegel für die Gesellschaft.

Ein Spiegel bzw. ein Kopierer wurde aber im negativen Sinn mehrfach angewandt, wenn es um die Wiederholung von bereits bekannten Elementen geht. Das fängt beim Thema "Supercomputer" an und erstreckt sich über eine ganze Palette von Bereichen bis hin zum Botschafter. Getreu dem aus dem Management bekannten "Peterchenprinzip" - Beförderung bis zur Stelle der Inkompetenz - hat ein weiterer Bürohengst das Sagen. Allerdings muss Fox besondere Kräfte besitzen, denn die Enterprise kann ihn plötzlich beamen, obwohl die Schilde oben sind. :-) Bisher mussten die Schilde gesenkt werden, um den Transporter benutzen zu können.

So oder so stellt das Eingreifen der Enterprise natürlich eine weitere Verletzung der Ersten Direktive dar, wobei selbige von Fox befohlen wird und die weitere Handlungsweise durchaus verständlich ist. Wer würde sich schon gerne derart sinnlos abschlachten lassen? Die erste Landegruppe hätte zudem ebenfalls nicht überleben dürfen, denn direkt daneben stehende Personen wurden als Opfer erfasst. Vermutlich wollten die Einheimischen die Landegruppe nicht sofort durch Tötung verärgern, oder aber Eminiar und Vendikar benutzen die aktuelle Version des Mircroschrott-Betriebssystems, was einen "fatal error" bei der Berechnung der "Gefallenen" ausgegeben hat. :-) Das Computerssytem kann auch eines der bisher in anderen Folgen zerstörten Anlagen sein - um Kosten zu sparen, wurden einige Kulissen recycelt, und zwar aus:
"The Menagerie" (dt.: "Talos IV - Tabu"), "The Return Of The Archons" (dt.: "Landru und die Ewigkeit"), "What are Little Girls Made of?" (dt.: "Der alte Traum") und "Dagger of the Mind" (dt.: "Der Zentralnervensystemmanipulator").

Bei allem wäre es interessant gewesen zu wissen, wie der bisherige Kontakt zwischen Eminar und der Föderation ausgesehen hat und welche Verbindungen jeweils zu Vendikar bestanden haben, ein Planet, der auch entsprechend hoch entwickelt sein muss. Die Föderation wusste z.B. nichts von dem Krieg, dafür kannte aber Eminiar die Codes, um der Enterprise ein Wegbleiben zu signalisieren.

Als Konsequenz eine ganz unterhaltsame Folge mit Schwächen.



Episode 24: "This Side of Paradise"

Deutscher Titel: Falsche Paradiese Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 02.03.1967
Deutschland (SAT 1) 04.01.1988
Drehbuch: D.C. Fontana
Regie: Ralph Senensky
Gaststars: Jill Ireland (Leila Kalomi), Frank Overton (Sandoval), Michael Barrier (Lieutenant Vincent De Salle), Bobby Bass, Eddie Paskey, Dick Scotter, Grant Woods

Handlung:

Sternzeit 3417,3: Vor vier Jahren verließ eine Gruppe von Siedlern die Erde, um auf Omicron Ceti III ein neues Leben zu beginnen. Inzwischen besteht die Kolonie seit drei Jahren, aber der Kontakt ist abgerissen. Da kürzlich herausgefunden wurde, das Berthold-Strahlen tödliche Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben, rechnet die Enterprise nicht damit, auf lebende Siedler zu treffen. Diese sind aber nicht nur nicht tot sondern erfreuen sich bester Gesundheit und sind glücklich. Unter den Siedlern befindet sich die junge Botanikerin Leila Kalomi, die sich vor sechs Jahren in Spock verliebte. Und schon bald stellt sich heraus, dass das Glück im Paradies kein Zufall ist...


Persönliches Fazit:

In "This Side of Paradise" wird das Thema Religion zum ersten Mal angefasst, was ab dann allerdings häufiger passierte. Die Aussage, dass das Paradies kein Ort für Menschen ist, kommt z.B. auch in "A Private Little War" (dt.: "Der erste Krieg"), "The Apple" (dt.: "Stunde der Erkenntnis"), "Who Mourns for Adonais?" (dt: "Der Tempel des Apoll") u.a. vor.

Hier geht es um Siedler, die ihr privates Paradies gefunden haben und damit glücklich sind. In gewisser Weise handelt es sich bei den Pflanzen um bewusstseinsverändernde Drogen, was ein hinreichender Grund ist, um die "Vertreibung aus dem Paradies" zu rechtfertigen. Allerdings sind es hier Substanzen, die offenbar nicht schädlich sind, was die Frage aufwirft, wieso dieser Planet nie wieder erwähnt wurde, weder in TOS noch später. Bietet sich hier nicht die ideale Heilung für alle Krankheiten? Man nehme einen Todkranken, lade ihn auf Omicron Ceti III ab, bis sein Leiden kuriert ist und erlöse ihn im Anschluss von der Wirkung der Sporen. Selbst McCoy, als er in " For the World is Hollow and I Have Touched the Sky" (dt: "Der verirrte Planet") unheilbar erkrankt, erinnert sich nicht mehr an die Wundersporen. Nebenbei bemerkt sehen diese Pflanzen ziemlich verdächtig nach dem gleichen Gewächs aus, das in "The Apple"(dt.: "Stunde der Erkenntnis") eine so fatale Wirkung hat. Aber gut, so genau will man es ja nun auch nicht nehmen :-))

Die Spannung bezieht die Folge hauptsächlich aus der Hilflosigkeit, die sich durch die Wirkung der Sporen ergibt. Spock ist sein Dienst schnurz und die Crew meutert offen. Daraus resultieren ein paar der besten Szenen. In einer davon hängt Spock vom Baum und will von Dienst und Pflichtgefühl nichts wissen will (wo hat er so schnell die - natürlich absolut perfekt passende - Kleidung der Siedler her?). Aber auch Kirks an Verzweiflung grenzender Versuch, seine Crew irgendwie an sich zu binden, ist interessant zu beobachten, besonders als ein Crewmitglied heiter bestätigt, dass es sich um Meuterei handelt - was niemandem außer Kirk auch nur im Mindesten zu kratzen scheint. Zunichte gemacht wird der gute Eindruck durch den viel zu plump ins Spiel gebrachten romantischen Einschlag Spocks. Leila Kalomis Auftritt wird von herzzerreißender Musik untermalt, der die Wirkung vollständig neutralisiert und einmal mehr eine "Wissenschaftlerin" präsentiert, die durch und durch naiv und unglaubwürdig erscheint.

Die Unterkünfte der Siedler wirken zu perfekt, besonders für Siedler, die ein Jahr unterwegs waren und nur das nötigste hatten mitnehmen können. Realistisch wäre es gewesen, die Unterkünfte aus Überresten des Schiffes zu erstellen. Ebenso bin ich der Meinung, dass Kirk, der ja ein "Iowa farm boy" ist, sich auf einer Farm anders hätte verhalten müssen.

Der Höhepunkt sind aber ganz klar die Beleidigungen, die Kirk Spock an den Kopf wirft. Anders als beim üblichen "Schlusswitz" ist der Humor subtiler und nebenbei wird ein kleiner Bogen zu "Journey to Babel" (dt: "Reise nach Babel") geschlagen, als Spock erwähnt, sein Vater wäre Botschafter, seine Mutter Lehrerin. Auch Spocks überdurchschnittliche Kräfte sind gut eingefangen.

Die Auflösung der Folge ist etwas zu einfach und schnell und bietet genau das Ende, was zu erwarten war. Letztendlich ist diese Episode dennoch überdurchschnittlich, da die Stärken die Schwächen eindeutig übersteigen.

Episode 25: "The Devil in the Dark"

Deutscher Titel: Horta rettet ihre Kinder *) Bewertung: * * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 09.03.1967
Deutschland (SAT 1) 11.01.1988
Drehbuch: Gene L. Coon
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: Janos Prohaska (Horta), Barry Russo (Lieutenant Commander Giotto), Eddie Paskey (Leslie) Ken Lynch (Chefingenieur Vandenberg), Dick Dial (Sam), Biff Elliot (Schmitter), Brad Weston (Ed Appel), Davis Roberts (Lewis), Frank da Vinci (Vinci), Ron Veto (Harrison), George E. Allen (Ingenieur), Jon Cavett (Wache)

Handlung:

Sternzeit: 3196,1: Janus IV ist eine Kolonie der Föderation, die hauptsächlich vom Bergbau lebt. Jahrelang existieren keinerlei Probleme, bis plötzlich immer mehr Arbeiter einer Kreatur zum Opfer fallen, die gegen die meisten Phaser resistent ist. Die Enterprise wird zu Hilfe gerufen, um die Kreatur zu vernichten und die Kolonie zu verteidigen.

Kirk und Spock stellen allerdings schon sehr schnell fest, dass die Kreatur - eine Horta - nicht boshaft ist sondern einen guten Grund für ihr Tun hat…


Persönliches Fazit:

Irgendetwas schlachtet arme Kolonisten ab, die Enterprise eilt zu Hilfe. - Aus dieser Ausgangslage entwickelt sich schon sehr schnell eine der beeindruckendsten TOS-Geschichten. Die Horta ist ein intelligentes Lebewesen, das mehr wie eine verrottete Pizza aussieht, gerade dadurch aber punkten kann. Alleine schon die Idee von Leben auf Basis von Silizium statt Kohlenstoff gehört zu den Dingen, die STAR TREK wirklich zu Science Fiction machten und nicht zu einem Rumgemetzel im Weltraum.

Im Übrigens entstand das Horta-Kostüm noch vor dem Drehbuch und lieferte überhaupt erst die Idee zu dieser Folge.

Am Besten ist der Dreh der Handlung, der aus den Kolonisten die eigentlichen Angreifer macht. In gewisser Weise wird dadurch die Folge "The Man Trap" (dt.: "Das Letzte seiner Art") wieder gut gemacht, weil die Handlung Ähnlichkeiten aufweist, aber nicht die gleichen Fehler wiederholt werden. Der einzige Fehler hier besteht im Diebstahl der Pumpe. Mal abgesehen von der Tatsache, dass es absolut nicht nachvollziehbar ist, wie ein Wesen aus Felsen und ohne Hände eine Pumpe einfach so mitnehmen kann ohne sie zu zerstören, sollte zumindest die Tatsache, dass diese Pumpe gestohlen wurde, deutlich zu denken geben. Dennoch wird die Horta auch danach noch als bloßer Aggressor gesehen, den es zu töten gilt, obwohl der Pumpendiebstahl etwas anderes aussagt. Offensichtlich wollte die Horta dadurch demonstrieren, dass sie nicht töten will, ist es ihr doch ein leichtes, die Menschen zu überwältigen. So oder so ist es natürlich unfassbar, dass die Pumpe so wichtig und gleichzeitig so unersetzlich ist - nicht mal Scotty hat einen dauerhaften Ersatz anzubieten. Gehen wir mal davon aus, dass das bereits die Ersatzpumpe war und man bislang nicht dazu kam, sich einen neuen Ersatz zuzulegen :-).

Weil die Handlung fast gänzlich in den Mienen spielt, ist von den Besatzungsmitgliedern der Enterprise mit Ausnahme von Kirk, Spock und einiger Sicherheitsmänner nicht viel zu sehen. Einerseits ist es immer schade, wenn die anderen Hauptdarsteller nichts zu tun haben, andererseits ist die Folge aber wirklich toll. Nicht nur wegen der Handlung an sich, auch die Interaktion zwischen Kirk und Spock ist sehenswert. Es sind abermals subtile Untertöne, die die Freundschaft beider verdeutlichen, besonders Leonard Nimoy brilliert. Trotzdem ist es alles andere als logisch, das beide zusammen bleiben, um so die Chance zu erhöhen, dass doch beide Kommandooffiziere der Enterprise gleichzeitig ins Gras beißen. Von daher ist Spocks Wahrscheinlichkeitsberechnung sehr amüsant, aber doch etwas fragwürdig. Gerade das aber gehört zu den Dingen, die Spock menschlicher machen, weil er so die Freundschaft zu Kirk über seine vulkanische Natur stellt. In dieser Folge erweist es sich so oder so abermals aus ausnehmend praktisch, einen Vulkanier zur Hand zu haben. :-)

Barry Russo, der in "The Ultimate Computer" (dt.: "Computer M5") die Rolle des Commodore Wesley spielte, verkörpert hier den Sicherheitsmann Giotto. Obwohl er keinen übermäßig hohen Stellenwert einnimmt, ist zumindest sein Rang "Lieutenant Commander" interessant. Der ist im Allgemeinen den Abteilungschefs vorbehalten wie z. B. Scotty. Da in TOS die Sicherheitsabteilung nie offiziell einen Leiter erhielt, liegt so der Gedanke nahe, dass Giotto diese Funktion bekleidet, zumindest in dieser Folge. Die Tatsache, dass er diese Episode trotz Uniformfarbe überleben darf, scheint diese Tatsache zu untermauern.

Apropos mauern: McCoy hat zwar nur kurze Auftritte, dafür aber denkwürdige. Die Heilung der Horta rundet die Folge irgendwie ab und bekräftigt McCoys Können auch in unmöglichen Situationen. Der von McCoy verwendete Beton wäre freilich in anderen Folgen hilfreich gewesen, als tatsächlich Notunterkünfte benötigt wurden…

Insgesamt also eine sehr gute Folge, die zu denen gehört, die man gesehen haben muss. Nebenbei bemerkt auch Shatners Lieblingsepisode, wobei seine Gründe weniger in der Handlung liegen als in persönlichen Hintergründen: Shatners Vater starb während der Dreharbeiten zu dieser Folge und er erhielt in dieser für ihn schmerzlichen Zeit Rückhalt durch die Crew am Set.

*) Der deutsche Titel zur Folge ist zwar treffend, nimmt aber unnötig viel von der Handlung vorweg. Ein weiterer Beweis also, wie viel "Mühe" man sich seinerzeit mit den dt. Titeln gab…

Episode 26: "Errand of Mercy"

Deutscher Titel: Kampf um Organia Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 23.03.1967
Deutschland (ZDF) 15.12.1973
Drehbuch: Gene Coon
Regie: John Newland
Gaststars: John Colicos (Kor), John Abbott (Ayleborne), Peter Brocco (Claymare), David Hillary Hughes (Trefayne), Klingonen: Victor Lundin, George Sawaya, Bobby Bass, Gary Coombs, Walt Davis

Handlung:

Nachdem die Friedensverhandlung zwischen Föderation und klingonischem Imperium gescheitert sind, gerät der Planet Organia in das Visier beider Parteien, da er strategisch günstig liegt. Bewohnt wird er von scheinbar primitiven aber friedliebenden Einheimischen, die Gewalt vehement ablehnen. Als die Klingonen, angeführt von Kor, versuchen, den Planeten für das Imperium zu annektieren, beamen Kirk und Spock auf den Planeten. Der Ältestenrat der Organier, bestehend aus Ayleborne, Claymare und Trefayne lehnt aber jede Hilfe seitens der Föderation ab. Trotzdem sie zahlenmäßig unterlegen sind, nehmen Kirk und Spock den Kampf gegen die Klingonen auf - und müssen erkennen, dass die Organier tatsächlich keine Hilfe benötigen…


Persönliches Fazit:

Krieg wird in der Föderation ausgerufen. Diese Tatsache verschwindet in ihrer ganzen Tragbreite so etwas im Laufe der Folge, sie wird auf die Geschehnisse auf dem Planeten reduziert und bildet dennoch die Grundlage für die kommende Handlung. Die Feindschaft zwischen Menschen und Klingonen, die in dieser Folge erstmalig auftauchen, wird glaubhaft geschildert, wobei sich beide Parteien gleichzeitig unheimlich ähneln. Die Parallelen zur damaligen politischen Situation sind unverkennbar und auch heute noch sehen sich die USA als Weltpolizist, hier durch die Föderation dargestellt. Die unterschwellige Kritik an der Föderation ist daher umso bemerkenswerter, noch zumal sie ihre Gültigkeit jetzt weniger denn je verloren hat.

Kirk repräsentiert die Föderation und verhält sich die ganze Folge über vollkommen untypisch und zu impulsiv. Als Sternenschiff-Captain kann er es sich eigentlich nicht leisten, derartig seinen Launen nachzugeben - vieles, von dem, was er tun möchte, ist einfach nur als dumm zu bezeichnen und wird nur durch Spock verhindert, der hier mehr als die übliche Portion Logik beisteuert. Noch einige Folgen zuvor war Kirk um Frieden bemüht, jetzt scheint es, als wolle er unbedingt Krieg führen. Doch durch Kirks Verhalten wird die Ähnlichkeit zwischen beiden Parteien unterstrichen. Die Organier wirken von Anfang an (geistig) überlegen, auch, als sie noch für eine stagnierende Primitiv-Kultur gehalten werden. Ihre Rolle ist jedoch ein raffinierter Schachzug und es ist sehr schade, dass sie später nie wieder auftauchen. Ansonsten ist nicht ganz verständlich, wieso ausgerechnet Kirk und Spock auf den Planeten - noch dazu mitten in das Dorf (!) - runterbeamen. Die "Erste Direktive" scheint hier praktisch nicht zu existieren.

Insgesamt bleibt jedoch eine spannende Folge übrig, da Kirk und Spock auf scheinbar verlorenem Posten kämpfen und dadurch der Ausgang alles andere als gewiss ist.

Episode 27: "The Alternative Factor"

Deutscher Titel: Auf Messers Schneide Bewertung: * *
Erstausstrahlung: USA 23.03.1967
Deutschland (SAT1) 14.12.1987
Drehbuch: Don Ingalls
Regie: Gerd Oswald
Gaststars: Robert Brown (Lazarus), Janet MacLachlan (Lieutenant Charlene Masters), Richard Derr (Commodore Barstow), Eddie Paskey (Lieutenant Leslie), Bill Blackburn, Vincent Calenti, Tom Lupo, Arch Whiting, Ron Veto

Handlung:

Die Enterprise umrundet einen unbekannten Planeten, als sie von Zeitverwerfungen getroffen wird. Kurz darauf registrieren die Scanner eine Lebensform auf dem Planeten, der vorher unbewohnt war: Lazarus.

Lazarus ist ein Zeitreisender, ein Wanderer zwischen den Welten. Er warnt vor einem diffusen Bösen, das sich als sein Alter Ego aus einem negativen Universum herausstellt. Er fordert von Kirk Dilithium-Kristalle, um das Böse zu vernichten…


Persönliches Fazit:

Diese Folge erscheint nicht nur wirr: sie ist es. Die Anhäufung von Schlussfolgerungen und Gedankensprüngen ist kaum nachvollziehbar und dass, obwohl der Eindruck einer prinzipiell guten Idee irgendwo zwischen den Paralleluniversen lauert.

Auslöser für das Chaos ist John Drew Barrymore, der Schauspieler, der ursprünglich die Rolle es Lazarus hätte übernehmen sollen, am zweiten Drehtag aber nicht mehr zur Arbeit erschien und so unauffindbar war, als hätte er sich in ein schwarzes Loch gestürzt. Robert Brown sprang daher kurzfristig ab dem dritten Drehtag als Lazaraus ein, wobei die ersten beiden Tage natürlich weitestgehend verloren waren. Dieses Defizit war kaum aufzuholen, so dass die Folge so geworden ist, wie sie nun mal ist. Es ist entsprechend müßig, sich ausschweifend in einer Kritik zu verlieren, also nur einige Anmerkungen:

Lazarus doppeltes Ich erinnert an die Folge "The Enemy Within" (dt.: "Kirk:2=?"), in beiden Fällen dienen äußerliche Merkmale zur Unterscheidung des sonst identischen Aussehens verschiedener Charaktere. Daher ist es McCoy hier auch nicht möglich, um des Pflasters willen eine einfache Schnittwunde zu schließen. Seine Instrumente in der Krankenstation verhalten sich zudem einmal mehr etwas merkwürdig. Ziemlich häufig in TOS sind Geräusche dort vorhanden, wo sie nicht sein sollen, was normalerweise kein Stein des Anstoßes ist. Als Lazarus aber hier von der Liege aufsteht, ist das Biepen der medizinischen Gerätschaften doch etwas überdeutlich, um es einfach zu überhören.

Die Idee mit den Paralleluniversen wurde in "Miror, Mirror" (dt.: "Ein Paralleluniversum") wieder aufgegriffen, dort allerdings erheblich gelungener. Es ist also empfehlenswerter, diese Folge zu übersehen und gleich in das "böse Spiegeluniversum" inkl. bärtigem Spock abzutauchen.

Episode 28: "The City on the Edge of Forever"

Deutscher Titel: Griff in die Geschichte Bewertung: * * * * * *
Erstausstrahlung: USA 06.04.1967
Deutschland (SAT 1) 25.01.1988
Drehbuch: Harlan Ellison
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: Joan Collins (Edith Keeler), David L. Ross (Lieutenant Galloway) Hal Baylor, John Harmon

Handlung:

Während sich die Enterprise einem Planeten nähert, der Turbulenzen in Form von zeitlichen Wellen ausstrahlt, wird Sulu verletzt. McCoy rettet ihm durch zwei Tropfen Cordrazin, injiziert sich dann aber durch eine weitere Turbulenz den beträchtlichen Rest der Spritze. Durch die Droge läuft er Amok und beamt sich letztendlich auf den Planeten herunter. Dort befindet sich der "Wächter der Ewigkeit", weder Maschine noch Lebewesen, der als Zeitportal zur Vergangenheit dient. Während der Wächter gerade das New York um 1930 darstellt, reißt sich McCoy los und verschwindet durch das Zeitportal. Damit ändert er die Geschichte, es gibt keine Enterprise mehr. Die Landegruppe ist gestrandet, die einzige Chance besteht darin, die Änderungen, die durch McCoy verursacht wurden, rückgängig zu machen. Also begeben sich auch Kirk und Spock in die Vergangenheit und treffen auf die Sozialarbeiterin Edith Keeler, die sich schnell als der Angelpunkt herausstellt…


Persönliches Fazit:

"The City on the Edge of Forever" wird allgemein als die beste STAR TREK Classic-Episode (wenn nicht überhaupt) bezeichnet und sie verdient diesen Ruf absolut zu Recht. Obwohl sie nicht mein persönlicher Favorit ist (sondern knapp gegen "Journey to Babel" verliert), ist es mir unmöglich, weniger als sechs von fünf Sternen zu vergeben.

Das Drehbuch schrieb der berühmte SF-Autor Harlan Ellison, der allerdings über die Fernseh-Adaption mehr als nur etwas unglücklich war und sich letztendlich auch mit Roddenberry darüber überwarf. Von seinem ursprünglichen Skript, das den Best-of-Category Award der Screen Writers Guild erhielt, blieb durch Roddenberry in der Fernsehfassung nicht viel übrig.*) Im Allgemeinen wird das, was letztendlich herauskam, nämlich die bekannte Episode, als müder Schatten des ursprünglichen Skripts bezeichnet, obwohl niemand bestreitet, dass das Ergebnis immer noch großartig ist und damit zu Recht den Hugo International Award for best Science Fiction Dramatic Presentation im Jahr 1967 erhielt.

Es ist müßig, über die Unterschiede zu diskutieren, da selbst das ursprüngliche Skript mehrere Fassungen durchlief. Persönlich konnte mich das, was ich darüber lesen konnte, bisher nicht überzeugen, dass die Fernsehfassung schlechter ist. Dadurch, dass McCoy derjenige ist, der die Geschichte verändert, entsteht mehr Bezug als bei einem unbekannten Crew-Mitglied, es ist sofort ein emotionaler Anker vorhanden. Es stimmt, dass "The City on the Edge of Forever" durch die Änderungen etwas an moralischem Dilemma verliert, andererseits wird auch viel gewonnen. Das Ende der Folge ist das ultimative Opfer, die Tragweite der Geschehnisse ungeheuerlich.

Obwohl es sich um eine Zeitreise-Geschichte handelt, ist innerhalb alles logisch aufgebaut, die Spannung entsteht dadurch, dass sich die Details erst nach und nach ausbreiten. Im Gegensatz zu den "normalen" geplanten Landgängen müssen sich Kirk und Spock ohne jede Vorbereitung im Jahr 1930 zu Recht finden. Es gibt keine Tarnung von Spocks Ohren und erstmal keine Arbeit. Die Schwierigkeiten der fremden Umgebung kommen nur am Rande vor, sind aber ebenfalls sehr gut eingefangen, auch wenn beide Offiziere schon sehr viel Glück haben (alleine schon, genau perfekt passende Kleidung - inkl. Wollmütze :-) - zu finden bzw. eine Arbeit, die anscheinend Spocks teures Hobby finanzieren kann). Dadurch entstehen einige lustige Momente - zu den absoluten Highlights überhaupt zählt die "Reispflücker"-Szene, mit der Kirk Spocks Ohren zu erklären versucht.

Während der ganzen Folge ist die schauspielerische Leistung aller Beteiligten phänomenal. McCoy, der ungeahnte Qualitäten entwickelt, als er einerseits den Transporterchef überwältigt und sich dann andererseits losreißt, um durch den Wächter zu springen, ist als Halbwahnsinniger überragend. Joan Collins, noch bevor sie im "Denver-Clan" Berühmtheit als "Biest" erlangte, porträtiert Edith als intelligente Frau, die ihrer Zeit voraus ist. Edith Keeler avanciert sehr schnell zum glaubwürdigsten weiblichen Charakter der Classic-Serie und ist so ganz anders als die typischen TOS-Frauen. Alleine schon ihre Kleidung ist nicht so spärlich wie üblich, eher elegant-konservativ, sie selbst weder dumm und naiv. Es fällt leicht, sich vorzustellen, dass sich Kirk in sie verliebt. Bereits bei der ersten Begegnung liegt eine Spannung zwischen beiden in der Luft, die auf das Besondere hindeutet, obwohl keine Worte dazu notwendig sind. Shatner und Collins harmonieren perfekt. Neben Edith Keeler verblassen nahezu alle weiteren weiblichen Gastdarstellerinnnen zu Dilettantinnen, für den Zuschauer ist klar, dass er hier die einzig wahre Liebe sieht. Musikalisch wird das gut untermalt, "Good Night Sweetheart" wird mich für ewig an diese Folge erinnern. Während in anderen Folgen, z.B. in "This Side of Paradise" (dt.: "Falsche Paradiese"), durch Musik viel ruiniert wird, ist das hier im positivsten Sinne ganz anders. Als das Drama seinen Lauf nimmt, ist Spock immer an Kirks Seite, ganz so, wie Edith Keeler ihn sieht. Er unterstützt ihn und leidet trotz scheinbarer Nicht-Emotionalität mit seinem Freund. Damit bietet auch Nimoy Schauspielkunst der Extra-Klasse.

Der ganze Eindruck dieser Folge ist bittersüß, das Ende hinterlässt zumindest bei mir absolut jedes Mal eine Gänsehaut und verfolgt mich noch einige Zeit hinterher, egal, wie oft ich "The City on the Edge of Forever" auch anschaue.

Leider wird praktisch nach den dramatischen Geschehnissen in der Vergangenheit nicht näher darauf eingegangen, wie sich insbesondere Kirk wieder in seine Rolle auf der Enterprise einfindet. Sein steinerner Gesichtsausdruck gibt einen Ansatz, allerdings vermisse ich praktisch immer zumindest ein paar Szenen, die erklären, wie es weiterging.

Da absolut alle TOS-Folgen Stand-Alone-Geschichten sind, bleibt es auch dabei, wobei es mehr als fraglich ist, ob Kirk zu "business as usual" zurückkehren kann.

Abschließend noch ein paar Worte zur Machart, die wie erwähnt im Allgemeinen ebenso herausragend ist wie die ganze Folge an sich, alleine schon der "Wächter der Ewigkeit" ist gut umgesetzt. Allerdings gibt es auch Ungereimtheiten: McCoy hat im Jahr 1930 einen Phaser bei sich, wobei nicht klar ist, woher er den hat. An Bord trägt er, besonders als Arzt, keine Waffe, beim Herunterbeamen hat er erstmal auch keine. Aber selbst wenn, wäre es etwas armselig für die Crew, wenn sie ihm den Phaser nicht abgenommen haben, als er von ihnen auf dem Planeten gestellt wird. Spocks Trikoder dann hat BEIDE mögliche Geschichtsversionen gespeichert und Uhura hat einmal mehr kaum etwas mehr zu sagen als "Captain, I am frightened". Ein enorm qualifizierter Kommentar, der in der Situation bestimmt wahnsinnig geholfen hat…

Letztendlich fällt das aber kaum auf - wer RICHTIG GUTE Science Fiction sucht, muss sich diese Folge unbedingt ansehen.

*) Das Originaldrehbuch finden sich im dem Buch von Harlan Ellison, "Six Science Fiction Plays", Pocket Books, New York 1976. Wer nicht so weit gehen will: Das offizielle STAR TREK Magazin, OZ Verlag GmbH, hat in seiner Ausgabe Nr. 21 einen Artikel über die Folge und das ursprüngliche Drehbuch (mit schönen Fotos, auf denen auch H. Ellison zu sehen ist) veröffentlicht. Demnach gelangt nicht McCoy in die Vergangenheit, sondern ein drogendealendes Crew-Mitglied (Beckwith). Beckwith rettet dann das Leben einer Edith Koestler. Kirk ist nicht bereit, das zu verhindern, Spock übernimmt diesen Part - Beckwith wird in einer Version den "Wächtern" überlassen und landet im Kern einer Sonne, in einer anderen springt er ein zweites Mal durch das Zeittor.

Episode 29: "Operation -- Annihilate!"

Deutscher Titel: Spock außer Kontrolle Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 13.04.1967
Deutschland (SAT 1) 25.01.1988
Drehbuch: Stephen W. Carabatsos
Regie: Herschel Daugherty
Gaststars: Joan Swift (Aurelan Kirk, Kirks Schwägerin), Craig Hundley (Peter Kirk, Kirks Neffe), Dave Armstrong, Fred Carson, Jerry Catron, Maurishka Taliferro

Handlung:

Die Menschen auf dem Planeten Deneva, auf dem Kirks Bruder George Samuel Kirk mit seiner Familie lebt, sind entweder tot oder dem Wahnsinn verfallen. Auslöser sind gallertartige, flatschenförmige außerirdische Lebensformen, die als Parasiten das Nervensystem befallen. Als die Enterprise eintrifft, ist Kirks Bruder bereits tot, dann wird auch Spock befallen.

Während die wissenschaftlichen Labore der Enterprise nach einer Lösung suchen, muss sich Kirk der Möglichkeit stellen, evt. nicht nur Spock und die Familie seines Bruders zu verlieren sondern ggf. auch einen ganzen Planeten vernichten zu müssen, um ein Ausbreiten der Gefahr zu verhindern…


Persönliches Fazit:

In "Operation -- Annihilate!" wird der Fehler aus "Where No Man Has Gone Before" (dt.: "Spitze des Eisbergs") wiederholt. Statt Gary Mitchell ist es dieses Mal Kirks Bruder George Samuel Kirk, genannt Sam, der stirbt, ohne dass dem Zuschauer Gelegenheit gegeben worden wäre, ihn näher kennen zu lernen. Während Gary aber zumindest ein paar kurze Auftritte hatte, ist Sam bereits tot, bevor er auch nur einen einzigen Satz von sich geben konnte. Persönliche Hintergründe gehören zu den Dingen, die eine Episode interessant machen und Kirks Familienbande hätten mit Sicherheit ausreichenden Stoff geboten. Der einzige, der aber überlebt, ist Kirks Neffe Peter, gespielt von Craig Hundley. Es fällt auf, dass Peter eine ziemliche Ähnlichkeit mit Tommy Starnes aus "And the Children Shall Lead" (dt.: "Kurs auf Markus 12") aufweist, was daran liegen könnte, dass beide vom gleichen Schauspieler dargestellt werden… :-)

In "What are Little Girls Made of?" (dt.: "Der alte Traum") werden noch zwei weitere Söhne Sams erwähnt, über deren Verbleib der Zuschauer aber nichts erfährt; trotzdem wird somit eine Brücke zu der anderen Folge geschlagen. Dabei wird aber nie gezeigt, was letztendlich aus den verwaisten Kindern wird. Dass sie nicht bei Kirk an Bord geblieben sind, ist offensichtlich.

Von den vergebenen Chancen mal abgesehen ist diese Episode sehr gut und thematisiert Spocks Andersartigkeit. Abermals wird seine Überlegenheit deutlich, der Mythos um die Vulkanier erhält neue Nahrung. Wird die Zeit, in der die Serie entstand, berücksichtigt, so ist es gerade schon revolutionär, dass mit den Vulkaniern eine derartig überlegene Spezies erfunden wurde, die nicht nur über bessere Sinne verfügt und stärker ist sondern auch intelligenter. Dennoch ist es diesmal Kirk, der die Lösung findet.

Der Gimmick am Rande um Spocks Blindheit fällt jedoch in die Kategorie "dramatisch aber unnötig". Die Eile, eine Testperson dem Versuch zu unterziehen, ist unverständlich und das es ausgerechnet auf zehn Minuten ankommen soll, während doch offensichtlich keine akute Gefahr besteht, ebenso.

Um noch ein Wort über die darstellerischen Leistungen zu verlieren: Shatner wird gerne als schlechter Schauspieler bezeichnet, beweist aber hier ganz klar, dass das so nicht stimmt. Ihm bleibt nicht viel Raum, um Trauer über den Tod seines Bruders auszudrücken, dennoch wird der Zwiespalt zwischen persönlichen Gefühlen und Verantwortung deutlich. Wie eingangs erwähnt wurde mit Sams Tod viel vergeben, auch besteht durch die Bedrohung kaum Gelegenheit, näher darauf einzugehen. Insofern holt Shatner das Möglichste an emotionalem Tiefgang aus dieser Situation heraus. Auch Nimoy kann brillieren, als er den von außerirdischen Wesenheiten kontrollierten Spock gibt.

Der übliche Schlusswitz ist hier gelungener als üblich, trotzdem aber unglaubwürdig vor dem Hintergrund von Kirks Verlust. Sam, der übrigens von Shatner selbst gespielt wurde, hat viele Fantasien beflügelt. Während die einen ihn als eher entfernten Verwandten betrachten, ist er für die anderen ein enger Berater Kirks. So oder so bleibt er ein interessanter Randcharakter und beweist, dass diese Episode auch in ihrer endgültigen Form so gut ist, um den Zuschauer emotional mitzunehmen.


2. Staffel


Episode 30: "Amok Time"

Deutscher Titel: Weltraumfieber
Pon Farr*)
Bewertung: * * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 15.09.1967
Deutschland (ZDF) 12.01.1974
Drehbuch: Theodore Sturgeon
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: Arlene Martel (T'Pring), Celia Lovsky (T'Pau), Lawrence Montaigne (Stonn), Byron Morrow (Admiral Komack)

Handlung:

Spock verhält sich exterm emotional, zeigt starke Anzeichen von Streß und bittet um einen Landurlaub auf Vulkan. McCoy stellt schließlich fest, dass der Erste Offizier sterben wird, wenn er nicht zu seinem Heimatplaneten gebracht wird. Spock, der zunächst nicht über seinen Zustand reden will, vertraut sich schließlich Kirk an, der daraufhin einen direkten Befehl mißachtet, um Spock nach Vulkan zu bringen. Dort kann nur die Hochzeit mit T'Pring Spock helfen, das "Pon Farr", an dem der Erste Offizier leidet, zu überwinden...


Persönliches Fazit:

Diese Folge "muss" man eigentlich im Original gesehen haben. Fast alle Episoden der Classic-Serie sind durch die Synchronisation mehr oder weniger "verstümmelt" worden, aber keine hat es so hart getroffen wie diese hier - weshalb sie erst vor wenigen Jahren für die Video/DVD-Fassung restauriert als "Pon Farr" veröffentlicht wurde. Die Original-Version ist allerdings nach wie vor die erste Wahl, da die nachträglich eingefügten Szenen von anderen Sprechern synchronisiert wurden. Mit ein paar Schnitten, die einen mehr verwirrten als gut unterhaltenen Zuschauer zurücklassen, wurde die Handlung in der ersten dt. Fassung zu einem Traum degradiert, Spekulationen nach, um den sexuellen Hintergrund zu verschleiern.

"Amok Time" ist sicherlich einer der Höhepunkte der ganzen Serie. Nicht nur, dass die Vulkanier als Volk näher beleuchtet werden (was hauptsächlich Theodore Sturgeon zu verdanken ist) und dabei keineswegs etwas von ihrer Faszination einbüßen, auch über die Hauptcharaktere und ihre Beziehungen untereinander wird viel gesagt. Angereichert wird das Ganze mit liebevollen Details, so z.B. als Chapel ganz zu Anfang auf dem Gang Kirk und McCoy begegnet und es ihr sichtlich peinlich ist, dem Ersten Offizier "Plomeeck Suppe" quasi ans Bett zu bringen. So ganz nebenbei wird damit auch ein Bogen zu "The Naked Time" (dt.: "Implosion in der Spirale") geschlagen, etwas, das in der Classic-Serie leider viel zu selten geschah. Daneben gibt es weitere gute Szenen, so die Demonstration der überlegenen vulkanischen Körperkraft alleine dadurch, dass Spock seinen Monitor fast beiläufig zu Klump haut (wer hätte sich so was nicht auch schon mal gewünscht…).

Am wichtigsten sind aber die inneren Konflikte. Kirk, der sein ganzes Leben auf eine Starfleet-Karriere ausgerichtet hat, ist bereit, diese um seiner Freundschaft willen aufzugeben. Spock dagegen bekennt Farbe, als er sowohl McCoy als auch Kirk mit zu seiner "Hochzeit" nimmt, wo nur die "engsten Freunde" zugelassen sind.
Gleichzeitig gibt es auch einige Mankos, die die Folge etwas runterziehen. Wenn Kirk wirklich der gute Freund ist, als der er hier hingestellt wird, wieso fällt ihm dann Spocks geändertes Verhalten nicht auf? Er muss nicht nur von McCoy darauf hingewiesen werden, er nimmt die Sache auch zuerst nicht ernst. Parallel erklärt er, er würde Spock "seit Jahren" kennen.
Die Folge strebt natürlich hauptsächlich dem Höhepunkt, dem Kampf zwischen Kirk und Spock, entgegen. Dafür wurden einige Zugeständnisse gemacht. Ist es wirklich logisch, Kirk nichts von der Art des Kampfes (nämlich auf Leben und Tod) zu sagen? Wieso reicht Spock plötzlich der Kampf aus, um "geheilt" zu werden? Die Frage, warum genau das Pon Farr sich zurückzieht, wurde nie wirklich geklärt, hat aber zum Mythos um die vulkanische Paarungszeit beigetragen. Fast jeder Autor hat dazu eine eigene Erklärung, ob er oder sie nun Drehbücher für eine der anderen Serien, Bücher zur Serie oder Fanfiktion schrieb. Der Ursprung ist jedenfalls genau hier zu finden.
Die Zeremonie wird dann erstaunlicherweise ohne die Anwesenheit von Spocks Eltern durchgeführt (was sich durch die Entfremdung, die in "Journey to Babel", dt.: "Reise nach Babel", geschildert wird, noch halbwegs erklären lässt), aber auch ohne jeden zusätzlichen Aufwand von Spocks Seite. Wären nicht zumindest festliche Kleidung oder Gala-Uniformen angebracht gewesen? Wahrscheinlich ist, dass zu diesem Zeitpunkt in der Produktion der Serie noch niemand an Galauniformen gedacht hatte. Dafür finden es vulkanische Frauen offenbar logisch, sich zu schminken.
Nach dem Kampf fällt die Spannung recht schnell ab. Die Folge ist für den dramatischen Aufbau etwas zu schnell zu Ende. In Anbetracht der Tatsache, dass Kirk auf dem Planeten noch sichtlich mit den Umweltbedingungen zu kämpfen hatte und er von Spock ordentlich vermöbelt wurde, sieht er einfach zu gut aus, als er auf der Krankenstation wieder auf Spock trifft **) Chapels Gefühlte werden auch nicht weiter erwähnt und T'Paus Anfrage löst auch den letzten Konflikt in Wohlgefallen auf. Heute, wo Serien stärkere Handlungsbogen über mehrere Folgen oder sogar Staffeln besitzen, wäre daraus vermutlich mehr gemacht worden. In den 60ern war das leider noch nicht so üblich, so dass eine gute Chance vergeben wurde, um aus einer großartigen Folge noch mehr zu machen, als sie ohnehin schon darstellt.

*) Titel der dt. Video/DVD-Veröffentlichung, in der Teile der ursprünglichen Handlung durch neu eingefügte Szenen mit neuer Synchronisation wiederhergestellt wurden
**) Eine interessante Erklärung, zwar nicht offiziell da FanFiktion, dafür aber umso besser, liefert Nesabj in der Geschichte "Amo Amas Amok" und auch ein bisschen in den "Irina Letters".

Episode 31: "Who Mourns for Adonais?"

Deutscher Titel: Der Tempel des Apoll Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 22.09.1967
Deutschland (ZDF) 04.11.1972
Drehbuch: Gilbert A. Ralston
Regie: Marc Daniels
Gaststars: Leslie Parrish (Lt. Carolyn Palamas), Michael Forest (Apollo)

Handlung:

Sternzeit 3468,1 In der Nähe des Planeten Pollux IV wird die Enterprise von einem Energiefeld festgehalten, das die Form einer übergroßen Hand hat. Auf dem Planeten selber dann begegnet eine Landegruppe dem Urheber, einem Außerirdischen, der sich als der irdische Gott Apollo vorstellt und erwartet, von der Enterprise-Crew verehrt zu werden. Als sich Kirk weigert, zieht Apollo andere Seiten auf, hat jedoch an Lieutenant Carolyn Palamas Gefallen gefunden…


Persönliches Fazit:

Erich von Däniken muss "Who mourns for Adonais?" einfach lieben, wird doch genau seine Theorie, dass Außerirdische die Erde in grauer Vorzeit die Erde besuchten, als fiktive Realität in den Mittelpunkt gerückt. Etwas hat dieser Gedanke schon für sich - in dieser STAR TREK-Version sind es also Apoll und seine Genossen, die keine Götter, sondern hoch entwickelte Lebewesen, sind.

Michael Forest, der den Appoll verkörpert, ist leider nicht mit überragender Größe (trotz zeitweiligem Spontanwachstums) gesegnet, auch sein Auftreten bleibt relativ zweidimensional. Als mächtiger Gott erscheint er sehr naiv, wobei er sich natürlich gerade aufgrund seiner Macht eine gewisse Blauäugigkeit bewahrt haben kann.
Ansonsten wird Carolyn Palamas in den Mittelpunkt gerückt, eine der wenigen Frauen, für die sich Scotty in TOS interessierte. Ihr von Apoll vermachtes Kleid bewegt sich an den Grenzen des Möglichen: einerseits ist es über der Oberweite doch sehr knapp befestigt, was für die Schauspielerin nicht ganz einfach gewesen sein muss, andererseits gibt der von Apoll heraufbeschworene Sturm sehr viel Bein frei.
Einmal mehr wird deutlich, wie sehr sich das Weltbild und insbesondere die Frauensicht seit den Zeiten der Klassikserie verändert hat - denn als sich Kirk mit McCoy unterhält, ist es für beide selbstverständlich, dass eine Frau aufhört zu arbeiten, sobald sie geheiratet hat. Auch Carolyns ganzes Verhalten passt in dieses Rollenbild. Uhura liefert jedoch ein Gegenbeispiel ab, als sie reparierender Weise unter ihrer Konsole liegt (wobei sie zugegebenermaßen so aussieht, als hätte sie Angst, ihr würden die Fingernägel abbrechen :-)).

Chekov, der erst seit der zweiten Staffel zur Crew gehörte (und als Russe die Verantwortlichen Studiobosse neben einer Afrikanerin, einem satanischen Alien und einem Asiaten endgültig in die Verzweiflung gestürzt haben musste), hat seinen ersten größeren Auftritt. Seine Rolle war als "russischer Beatle" angelegt, die verwendete Perücke hat leider mehr Ähnlichkeiten mit einem toten Hamster, machte aber im Laufe der Serie zum Glück eine positive Entwicklung durch. Der running gag, das Chekov so viele Erfindungen und Errungenschaften wie möglich Russland zuschrieb und der sich bis zum Ende der Serie fortsetzen sollte, erwies sich als ausgesprochen unterhaltsam und war teilweise dafür verantwortlich, dass sich Chekov sehr schnell als beliebter Charakter etablieren konnte.

Alle Fakten zusammen genommen bietet "Who mourns for Adonais?" für TOS typische Unterhaltung mit einer guten Idee, üblicher moralischer Botschaft und soliden Einlagen, die aus heutiger Sicht vielleicht nicht mehr immer ganz zeitgemäß sind.

Episode 32: "The Changeling"

Deutscher Titel: Ich heiße Nomad Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 29.09.1967
Deutschland (ZDF) 01.07.1972
Drehbuch: John Meredith Lucas
Regie: Marc Daniels
Gaststars: Blaisdell Makee (Mr. Singh), Barbara Gates, Arnold Lessing, Meade Martin [Vic Perrin (Stimme von Nomad im Original)]

Handlung:

Sternzeit 3451,9: Das malurische System inkl. Milliarden von Bewohnern wurde vernichtet. Ursache ist "Nomad", eine alte Sonde von der Erde aus dem Jahr 2020, deren ursprüngliches Ziel die Suche von Lebensformen war. Während seiner Reise begegnete Nomad einem außerirdischen Roboter, der Bodenproben sterilisieren sollte. Beide verschmelzen und entwickeln ein Bewusstsein. Aus den zwei getrennten Aufträgen wird einer, so dass Nomads neue Mission darin besteht, alles nicht perfekte Leben zu sterilisieren, also zu vernichten.

Als Kirk Nomad an Bord nimmt, wird die Enterprise alleine durch die Tatsache gerettet, dass Nomad Kirk für seinen Erschaffer Jackson Roykirk hält. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Irrtum von Nomad erkannt wird, ebenso wie Kirks menschliche und damit fehlerhafte Natur…


Persönliches Fazit:

Vor die Wahl gestellt, sich diese Folge oder den ersten STAR TREK-Film anzusehen, ist "The Changeling" eindeutig die besser Alternative. Beide haben in etwa die gleiche Handlung, wodurch "STAR TREK - Der Film" zu einer Art blassen und unnötig aufgeblähten Kopie verkommt.

Zwar werden auch hier einige bereits aus der Serie bekannte Elemente wiederholt, dennoch ist die Idee von "The Changeling" interessant, die Bedrohung durch die ehemalige Sonde immer spürbar. Um das zu verdeutlichen, werden allerdings ein paar Besatzungsmitglieder zu viel (sinnlos) verheizt. Der absolute Gipfel der Unglaubwürdigkeit ist Uhuras Gedächtnisschwund. Soll hier ernsthaft vermittelt werden, dass sie bis zur nächsten Folge ihr gesamtes Wissen neu erlernen kann? Was ist mit ihren persönlichen Erinnerungen? Das schießt eindeutig weit über das Ziel hinaus und kostet das ganze unnötig viel an Glaubwürdigkeit.

Spock hat da schon wesentlich bessere Momente. Als Nomad ihn als "wohlgeordnet" bezeichnet, zeigt er fast so etwas wie Stolz, eine tolle Szene. Seine Mentalverschmelzung mit Nomad löst dagegen ein paar Fragen aus. Zuerst einmal ist Nomad eine Maschine. Wenn Spock seinen Geist mit ihr verbinden kann, kann er das nicht auch gleich mit dem Enterprise-Computer tun? McCoy würde das sicher freuen, haben seine Beleidigungen dann tatsächlich eine fundierte Basis :-). Gut, Nomad hat eine Art Bewusstsein entwickelt, trotzdem ist die Grenze sehr schmal. Außerdem wurde bislang der Eindruck erweckt, in einer Mentalverschmelzung würden von beiden Seiten aus Informationen ausgetauscht. Nomad hätte also so von Kirks menschlicher Unvollkommenheit erfahren müssen.

Der ganze Aufwand wäre freilich unnötig gewesen, hätte Kirk die nahe liegendste Lösung verwendet, um Nomad los zu werden: die Maschine beamen und im Puffer des Transporters verrotten lassen. So wäre die Folge (und der Film entsprechend auch) schnell vorbei gewesen. Uhura bekommt so vor ihrem Gedächtnisverlust die Möglichkeit, das gleiche Lied zum Besten zu geben, was sie bereits in "The Conscience of the King" (dt.: "Kodos, der Henker") gesungen hat. Eine schöne Verbindung, wobei das Singen im Dienst doch etwas nach "nicht vorschriftsmäßig" riecht.

Bei einigen der in der Folge demonstrierten Rechenkünste wäre es gut gewesen, die Fakten noch einmal gegen zu prüfen. Alleine schon Kirks Bemerkung über die Energiemenge von Photonentorpedos kann schnell widerlegt werden.

Summa sumarum ist "The Changeling" trotzdem eine gute Folge, die genug neue Elemente enthält, um einige Wiederholungen verschmerzen zu können und zumindest in meinen Augen den ersten STAR TREK-Film um Längen übertrifft.

Episode 33: "Mirror, Mirror"

Deutscher Titel: Ein Parallel-Universum
Bewertung: * * * * *
Erstausstrahlung: USA 06.10.1967
Deutschland (SAT 1) 22.02.1988
Drehbuch: Jerome Bixby
Regie: Marc Daniels
Gaststars: Barbara Luna (Marlena Moureau) Bob Bass, Bob Clark, Pete Kellett, Johnny Mandell, Vic Perrin

Handlung:

Kirk, McCoy, Scotty und Uhura befinden sich auf Halkan, um mit den extrem friedliebenden Bewohnern über einen möglichen Föderationsbeitritt und über Dilithium-Kristalle zu verhandeln. Die Halkanier lehnen jedoch ab, da sie einen zukünftigen Missbrauch nicht ausschließen können. Als die Landegruppe zurück beamt, beeinflusst ein Ionensturm den Vorgang und schleudert die vier in ein Paralleluniversum. Auch hier gibt es eine Enterprise, deren Mission aber nicht friedlich sondern gewalttätig ist. Während sich die Landegruppe in ihrem neuen Umfeld und ihren neuen Rollen zurecht finden muss, erhält der Parallel-Spock den Auftrag, das Kommando zu übernehmen, sollte Kirk seinem Befehl, die Halkanier zu vernichten, nicht nachkommen. Scotty arbeitet an einem Weg, sie zurückzubringen. Unterdessen muss Kirk sein Kommando gegen die übliche Beförderungsmethode - Mord am Vorgesetzten - verteidigen …


Persönliches Fazit:

"Mirror, Mirror" ist eines der Glanzlichter der klassischen Serie und ist eine der wenigen Folgen, auf die später (mehrfach) zurückgegriffen wurde. Es gibt noch mehrere Spiegeluniversums-Folgen (wenn auch nicht in TOS), in denen aber bei DS9 (leider) die positive Botschaft dieser Ursprungsepisode neutralisiert wurde - wobei mich mal die Gültigkeit der Ersten Direktive in diesem Zusammenhang interessiert hätte. Außerdem entstand bei DS9 der Eindruck, der Wechsel zwischen den Universen sei relativ einfach, während hier die Kernproblematik darin besteht, überhaupt wieder zurück zu kommen.

Natürlich gibt es auch hier Haken und Ösen, das Ausgangsszenario (parallele Entwicklung bei derart unterschiedlichen Charakteren bis hin zur zeitgleichen Transporterbenutzung) ist extrem unwahrscheinlich. Allerdings ist die eigentliche Idee so gut, dass sie einfach alles überstrahlt. Auch die Ausführung ist sehr ordentlich, die andere Enterprise wirkt fremd und vertraut zugleich. Die Uniformen im Spiegeluniversum sind ebenfalls eine Mischung als Bekanntem und Fremden, insgesamt aber prunkvoller gestaltet und durch die sichtbar getragenen Waffen auch bedrohlicher. Das Dienstkleid der Frauen wurde dabei (hinsichtlich der Zensur) bis an die Grenzen des damals Machbaren zu einem Dienstbikini reduziert und kommt hauptsächlich bei Uhura voll zur Geltung. Nichelle Nichols kann sich diese Kleidung ohne Probleme leisten, sie sieht einfach hinreißend aus. Kirks Uniform hat ebenfalls etwas an Stoff eingebüßt und wurde in Richtung "mehr Sexappeal" verändert. Durch das Spiegeluniversum ergibt sich der perfekte Rahmen für die Veränderungen, was neben den Kulissen insbesondere für die Darsteller gilt, vornehmlich jenen, die nun je ihren "bösen" Gegenpart mimen. Allen voran ist da natürlich Leonard Nimoy als Spock mit Bart zu nennen. Seine Ausstrahlung in dieser Rolle ist einfach phänomenal, die Gratwanderung zwischen Logik und Brutalität gelungen. Ebenfalls herausstechend ist Sulu, der als hinterhältiger Sicherheitschef ein Auge auf Uhura wirft und so gar nichts von dem sonst so schüchternen Steuermann hat. Uhura, die sonst sehr gerne als eher schwach und furchtsam dargestellt wird, hat hier auch einige sehr gute Momente, die zeigen, dass sie mehr kann, als nur Grußfrequenzen zu öffnen.

Ebenfalls passend ist Marlena Moreau, die genau genommen nichts anderes ist als das Betthäschen des Captains. Dass der echte Kirk der Spiegel-Marlena vertraut, ist dann doch etwas gutgläubig. Ich jedenfalls hätte sie nicht in meiner Kabine zurückgelassen, in der sich eine absolut tödliche Waffe, nämlich der Tantalus-Strahler, befindet. Mich hat der Name immer etwas irritiert, weil er doch sehr an die Tantalus-Kolonie aus "Dagger of the Mind" (dt.: "Der Zentralnervensystemmanipulator") erinnert.

Da es öfter mal Stimmen von STAR TREK-Fans gibt, die mit TOS nichts anfangen können und sich gerne einiger Klischees bedienen, hier der Hinweis, dass Kirk in dieser Folge bereit ist, sich eben nicht nur für "die üblichen" Crewmitglieder (allen voran Spock) aufzuopfern. Er versucht hier, Uhura, Scotty und McCoy eine sichere Rückkehr auf Kosten der eigenen Sicherheit zu ermöglichen. Das bewirkt sogar, dass Scotty ihn - vollkommen unüblich - "Jim" nennt.

Episode 34: "The Apple"

Deutscher Titel: Die Stunde der Erkenntnis
Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 13.10.1967
Deutschland (SAT 1) 15.02.1988
Drehbuch: Max Ehrlich
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: "Eingeborene": Keith Andes (Akuta, Anführer), Shari Nims David Soul

Landegruppe: Jay Jones (Mallory), Mal Friedman (Hendorff), Jerry Daniels, Dick Dial

Handlung:

Sternzeit 3715,0: Gamma Trianguli VI sieht zunächst wie ein Paradies aus, doch als sehr schnell die ersten Mitglieder der Enterprise-Landegruppe sterben, wird dieser Eindruck zerstört. Zudem leben die primitiven Einheimischen nur, um ihrem Gott Vaal zu dienen - der sich sehr schnell als Computersystem entpuppt…


Persönliches Fazit:

Als "STAR TREK" konzipiert worden war, hatte es zunächst nur eine Hauptrolle gegeben: die von William Shatner alias Captain Kirk. Spock, der aufgrund seines satanischen Äußeren von den Studiobossen am liebsten im Vorfeld wegrationalisiert worden wäre, entwickelte sich jedoch sehr schnell zum zweiten Star. Er erhielt weit mehr Fanpost als Shatner, Spannungen kamen auf. Roddenberry sah das Problem hauptsächlich darin, dass Kirk hart, stark und karriereorientiert portraitiert werden musste, um glaubhaft als Captain zu erscheinen, gleichzeitig dadurch aber Sympathien verlor. Würde er zu gütig und freundlich gezeigt werden, würde schnell die Frage aufkommen, wie so jemand überhaupt kommandieren konnte. In dieser Situation fragte Roddenberry seinen Freund, den berühmten SF-Autor Isaac Asimov, um Rat. Asimov, der unter anderem die legendären "Robotergesetzte"*) erfand, bezeichnete die Lage am STAR TREK-Set als das altbekannte Problem von erster Geige/zweiter Geige. Er schlug letztendlich vor, dass die einzige Lösung darin bestehen musste, aus Kirk und Spock ein Team zu formen, so dass bei dem Gedanken an Kirk den Leuten gleichzeitig Spock einfallen musste und umgekehrt. Das könnte z.B. dadurch erreicht werden, dass sie sich gegenzeitig das Leben retten würden. **)

Letztendlich wurde dieser Vorschlag nahezu unverändert umgesetzt und das Duo Kirk/Spock trug dazu bei, STAR TREK zu dem zu machen, was es ist. In keiner anderen Folge wird die Konsequenz aus diesem Briefwechsel so deutlich wie hier. Spock rettet Kirk das Leben unter Einsatz seines eigenen, während Kirk menschlicher erscheint und erhebliche Selbstzweifel erkennen lässt.
Genau genommen ist diese Hintergrundinformation genau das, was "The Apple" überhaupt interessant macht, denn gleich mehrere der beliebtesten SF-Themen werden in neuem Gewand präsentiert: Computer regieren Menschen, der Mensch und seine Schwierigkeiten mit dem Paradies wird thematisiert sowie Liebe und irdische Werte, die Aliens (und den Zuschauern) nahe gebracht werden müssen. Natürlich waren diese Themen damals noch nicht so verbraucht wie heute, wurden aber im Rahmen der Serie dennoch etwas überstrapaziert.
Davon mal angesehen wird die Erste Direktive einmal mehr mit Füßen getreten. Zu dem Zeitpunkt, an dem über eine mögliche Verletzung derselben diskutiert wird, ist diese Frage lediglich akademischer Natur, der Schaden bereits angerichtet.

Die Todesfälle, die Kirk hier so schwer zusetzen, haben auf die restliche Landegruppe kaum Auswirkungen. Niemand wird danach sichtbar vorsichtiger oder ist wirklich berührt. Spock wird nicht mal von seinen eigenen Blessuren gestoppt und latscht munter weiter durch die Botanik, obwohl er fast drauf gegangen wäre. Es ist ein Glücksfall, dass die "Landmienen" genau wissen, wann sie NICHT explodieren dürfen, ansonsten hätten sie es beim Verhalten Spocks nämlich tun müssen.

Als hochnotpeinlich muss das Rumgerede um Sex angesehen werden bzw. wo denn bitte schön die kleinen Menschen namens Kinder denn nun herkommen. Als Paradebeispiel muss dann Chekov mit seiner neuen Partnerin herhalten, leider abermals mit eher nervtötender Musik untermalt. Quasi als Ausgleich haben die Blitze des Planeten die Qualität von Phasern, als getroffene Personen spurlos desintegriert werden.

Ansonsten hat diese Folge ein paar exzellente Spock-Kommentare zu bieten und der Zuschauer erfährt, dass ein Mann namens Mallory, der Vater eines Todeskandidaten der Folge, Kirk auf die Akademie half. Scotty muss dagegen auf dem Schiff bleiben und wird von Kirk abwechselnd gefeuert und eingestellt, was einen netten running gag darstellt.

Alles in allem ist "The Apple" eine eher durchschnittliche Folge, die vor dem Hintergrund der Abläufe hinter den Kulissen interessanter wird.

*) Die Drei Robotergesetzte werden in der Kurzgeschichte Runaround (1942) bzw. in I, Robot (1950) vorgestellt und lauten:
1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen - es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel Eins kollidieren.
3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel Eins oder Zwei kollidiert.
Es gibt auch ein 0. Gesetz, das sich auf die ganze Menschheit bezieht. Beachtlich an den zunächst fiktiven Robotergesetzen ist die Tatsache, dass sie tatsächlich in heutigen Programmierungen von Robotern Anwendung finden.

**) Den Wortlaut des Briefwechsels zwischen Roddenberry und Asimov ist nachzulesen in "STAR TREK - Die wahre Gschichten" von Herbert S. Solow & Robert H Justman, Heyne Verlag 1998, S.330 ff.
Darunter sind sogar einige Originalbriefe (in engl.) abgedruckt. Allerdings wird in dem Buch als typische Folge "Obsession" (dt.: "Tödliche Wolken") bezeichnet, wobei ich dazu tendiere, "The Apple" als DAS Sinnbild für die geschilderte Problematik zu betrachten.


Episode 35: "The Doomsday Machine"

Deutscher Titel: Planeten-Killer Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 20.10.1967
Deutschland (ZDF) 24.06.1972
Drehbuch: Norman Spinrad
Regie: Marc Daniels
Gaststars: William Windom (Commodore Decker), Tim Burns, Jerry Catron, Richard Compton, John Copage, Elizabeth Rogers

Handlung:

Die Enterprise empfängt einen Hilferuf der USS Constellation. Sie finden das Schwesternschiff der Enterprise stark zerstört vor, von der Crew ist bis auf dem kommandierenden Offizier Commodore Decker niemand mehr an Bord. Decker hatte sie auf einen Planeten gebeamt, um sie vor der "Doomsday Machine" zu schützen, einer Maschine, die systematisch Planeten pulverisiert und deren Überreste als Energie verwendet - so auch den, auf dem sich die Crew der Constellation befunden hatte. Während eine Landegruppe unter Kirks Leitung auf der Constellation umsehen, kehrt der "Planeten-Killer" zurück und Decker reißt das Kommando der Enterprise an sich, um die Maschine zu stoppen...


Persönliches Fazit:

Hier geht es sofort in medias res, mit einem Hilferuf beginnt diese Folge und bewirkt, dass sich der Zuschauer sofort in der Handlung befindet. Selbige gehört zu den Gründen, warum sich STAR TREK zu Recht den Ruf verschaffte, gesellschaftskritische Themen aufzugreifen und gekonnt in Science Fiction zu verpacken.
Die "Doomsday Machine" ist gleichermaßen bedrohlich wie gesellschaftskritisch, zeigt auf, wie schnell Waffen den Erbauern zum Verhängnis werden können. Trotzdem ist es nicht der erhobene Zeigefinger, der im Mittelpunkt steht sondern die Gefahr, die nicht nur die Enterprise und die Constellation bedrohen, sondern auch die ganze Galaxis.
Produktionstechnisch war für diese Folge recht wenig Aufwand erforderlich, da das Innere der Constellation dem der Enterprise gleicht - was einmal mehr beweist, dass es nicht der große finanzielle Aufwand ist, der den Unterschied zwischen guten und schlechten Produktionen ausmacht.

Die Charaktere der Enterprise verhalten sich hier allesamt glaubwürdig, angefangen vom Sicherheitsoffizier, der sich zwar übertölpeln lässt, allerdings auf eine plausible Art und Weise und nicht mit der üblichen Handkante ins Genick bis zu Uhuras Vertretung an der Kommunikationskonsole und Spock. Dieser schafft es brillant, Ungeduld, Sorge, Missbilligung und noch vieles mehr ausdrücken, ohne auch nur eine einzige Miene zu verziehen. Kirk dagegen kann zeigen, dass er in der Lage ist, ein Raumschiff nicht "nur" zu kommandieren, sondern auch mit seinen Komponenten vertraut ist, als er ungeahnte technische Qualitäten bei der Reparatur der Constellation und deren Bedienung an den Tag legt.
Der einzig große Schwachpunkt der Folge ist Commodore Decker. Bereits zu Anfang wird er nicht als ernster und entschlossener Anführer präsentiert sondern als brabbelndes Wrack mit Dreitagebart (welcher auch im Laufe der Folge nicht verschwindet und seinen verwirrten Zustand noch unterstreicht). Es ist ganz offensichtlich, dass er nicht in den aktiven Dienst gehört, schon gar nicht als kommandierender Offizier. Die Erklärung, warum er von McCoy medizinisch nicht für untauglich erklärt werden kann, ist einfach nur unglaubwürdig und entbehrt jeder Grundlage. Natürlich hätte diese Folge ohne Decker so nicht funktionieren können…
Überhaupt wirkt Decker so ganz anders als Kirk. Die ganze Besatzung der Enterprise ist in der Serie überproportional jung (was einen scharfen Kontrast zu den Filmen bildet, wo alle entsprechend gealtert sind…), Decker dagegen ist deutlich älter als der Durchschnitt. Das würde der Sache normalerweise eher Glaubwürdigkeit verleihen, allerdings scheint Decker im Alter nicht an Reife gewonnen zu haben. Seine Entscheidungen sind emotional, unlogisch und eher kindlich naiv/trotzig. Während Kirk oft in sich ruht und Selbstsicherheit ausstrahlt, ist es bei Decker nur schwer vorstellbar, dass er selbst unter normalen Umständen einen guten Captain abgegeben hätte. Sein Rang - Commodore - trägt ein bisschen zum Rätselraten bei. Wieso ist er nicht Captain, wenn er ein Raumschiff kommandiert bzw. wieso kommandiert er als Commodore ein Raumschiff? Der Rang des Commodore wurde in den Filmen nie wieder aufgegriffen, in der Serie wird er häufig verwendet. Als Fazit bleibt eine sehr gute spannende Folge übrig, die trotz leichter Schwächen das demonstriert, was STAR TREK ausmacht.

Episode 36: "Catspaw"

Deutscher Titel: Das Spukschloss im Weltall Bewertung: * *
Erstausstrahlung: USA 27.10.1967
Deutschland (ZDF) 01.12.1973
Drehbuch: Robert Bloch
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: Antoinette Bower (Sylvia), Theo Marcuse (Korob), Michael Barrier (Lieutenant De Salle), Jimmy Jones (Jackson); Hexen: Gail Bonney, Rhodie Cogan, Maryester Denver

Handlung:

Sulu und Scotty veschwinden auf Pyris II, ein Crewman stirbt. Kirk, Spock und McCoy nehmen die Suche nach den Vermissten auf. Sie entdecken ein altes Schloss, das von zwei Aliens bewohnt wird, die "zaubern" können und die Enterprise in ihre Gewalt bringen…


Persönliches Fazit:

Halloween ist heute auch in deutschen Breitengeraden ein Begriff. Kinder ziehen gruselig verkleidet mit dem Spruch "Süßes oder Saures" auf den Lippen durch die Straßen auf der Jagd nach Süßigkeiten. Dieses in den USA schon seit Jahrzehnten fest etablierte Ritual kam in Deutschland erst in den 1990ern auf, vorher hat "Halloween" wohl eher Assoziationen an die österreichische Hauptstadt geweckt.

"Catspaw" ist eine Halloween-STAR TREK-Episode, was dem Original auch in nahezu jeder Szene anzusehen ist. Dem deutschen Zuschauer hat dieser Hintergrund vollständig gefehlt, zumindest bis vor einigen Jahren. Allerdings muss schon festgestellt werden, dass auch ein Halloween-Hintergrund diese Folge nicht wirklich besser macht. Die ersten paar Minuten sind noch ganz viel versprechend: ein toter Crewman, natürlich in passender Farbe, und eine unheimliche Ausgangslage. Kirk, Spock und McCoy nehmen sich der Sache an - und stolpern von da ab nur noch durch sehr billige Kulissen. Einziges Highlight ist Spocks Kommentar zu den "Hexen" ("sehr schlechte Dichtung, Captain"), von da ab geht es steil Berg ab.

Die schwarze Katze soll überdimensional wirken, tut sie aber nicht. Schatten reichen nicht aus, der Bezug zu Zauberern ist ein jämmerlicher Rohrkrepierer. Das Verließ ist wie zu steril, um als Kerker überzeugen zu können und auch die Ketten, mit denen das Triumvirat angekettet ist, entfalten irgendwie nicht die Wirkung, die zu erwarten gewesen wäre. Am allerschlimmsten hat es Chekov getroffen, dessen Perücke hier mehr denn je zuvor nach totem Tier aussieht, das auch noch falsch herum aufgesetzt wurde. Es ist Walter Koenig hoch anzurechnen, dass er sich dieses Ding auf den Kopf gesetzt hat. Gegen Chekovs Perücke sind die "wahren Gestalten" der Aliens schon wahre optische Leckerbissen. Leider muss schon einem Fünfjährigen auffallen, dass die Requisite auf Marionetten zurückgegriffen hat: die Fäden sind deutlich zu kennen.

Normalerweise stelle ich die Story immer über die Optik, insbesondere bei einer so altehrwürdigen Serie. Eine Folge, die aber versucht, allein aus der Optik Schockeffekte zu erzielen, muss scheitern, wenn sie die gleichen Mittel verwendet wie "Catspaw" hier. Die Geschichte drum herum ist auch nicht der Reißer. Dass sich Kirk an einer weiteren Planetenschönheit versucht, ist nichts Neues. Allenfalls, dass es sich tatsächlich nur um eine Masche handelt, die als solche enttarnt wird.

Letzendlich ist "Catspaw", ob Halloween nun bekannt ist oder nicht, eine der schlechtesten TOS-Folgen - eine Folge der Augsburger Puppenkiste ist da allemal besser.

Episode 37: "I, Mudd"

Deutscher Titel: Der dressierte Herrscher Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 03.11.1967
Deutschland (ZDF) 26.08.1972
Drehbuch: Stephen Kandel
Regie: Marc Daniels
Gaststars: Roger C. Carmel ("Harry" Harcourt Fenton Mudd), Richard Tatro (Norman), Alice #1- #250: Alyce Andrece, Alice #251- #500: Rhea Andrece, Barbara: Coleen und Maureen Thornton, Maisie: Tamara und Starr Wilson, Hermann: Ted und Tom LeGarde, Kay Elliot (Stella Mudd) Mike Howden (Lieutenant Rowe), Michael Zaslow (Fähnrich Jordan), Bob Bass, Bob Orrison

Handlung:

Norman, ein neues Besatzungsmitglied, verhält sich merkwürdig und übernimmt dann auch noch die Enterprise. Er ist ein Android und bringt das Schiff zu einem Planeten, der von Harry Mudd regiert wird. Als König unter Robotern führt der kleine Ganove dort ein einträgliches Leben, wobei recht schnell klar wird, dass Mudd nicht die Kontrolle über die Androiden hat…


Persönliches Fazit:

"I, Mudd" fängt als ernste Folge an, entwickelt sich aber schon bald zu einem Gagfeuerwerk, das in guter Tradition von "Mudd's Women" (dt.: "Die Frauen des Mr. Mudd") steht. Mit der Wiederkehr von Harry Mudd als liebenswertem Gauner wird die erste Mudd-Folge indirekt fortgesetzt, wobei beide eigenständig funktionieren. Dazu passt auch Chekov, der Mudd nicht kennt. Da Walter Koenig erst ab der zweiten Staffel als Chekov zur Riege der Hauptdarsteller stieß, "Mudd's Women" (dt.: "Die Frauen des Mr. Mudd") aber in der ersten entstand, ist es sehr positiv, dass diese Tatsache in die Handlung eingearbeitet wurde. Nebenbei bemerkt ist das etwas, was in "STAR TREK II - Der Zorn des Khan" falsch gemacht wurde, da sich Chekov im Film an Ereignisse aus der ersten Staffel erinnert. Der Patzer wird erklärbar, wenn Chekov nach seiner Ankunft auf der Enterprise nicht sofort auf der Brücke anfing, also schon eine Weile auf dem Schiff diente, bevor er der Brückennavigator wurde und damit für das Publikum sichtbar. Zusammen mit den Informationen aus "I, Mudd" lässt sich damit recht genau eingrenzen, wann Fähnrich Chekov die Enterprise erstmalig betreten haben muss.

Neben der Funktion als Indiziengeber für Trek-Geschichte ist "I, Mudd" dabei nicht so ernst zu nehmen. Es sind weniger Fakten und Bedrohungen, die im Mittelpunkt stehen. Vielmehr soll die Folge Spaß machen, was insbesondere für die Szenen zwischen McCoy und Scotty gilt. Die beiden übertreffen sich selbst und wirken wirklich urkomisch. Auch die Stella-Serie, die eigentlich ein recht gemeines Klischee der zänkischen Ehefrau breittritt, ist gelungen. Kirk und Spock beteiligen sich weniger am allgemeinen Nonsens, werfen sich aber einmal mehr die Bälle zu, was auch immer wieder gern gesehen ist. Nichelle Nichols als Uhura bekommt eine der seltenen Gelegenheiten, etwas zur Handlung beizutragen.

Bei allem Spaß funktioniert "I, Mudd" aber nur solange, wie der Bereich der Komödie nicht verlassen wird. Die Handlung ist absolut hanebüchen, die Androiden der Alice-Serie brauchen unterschiedlich lange zum Durchbrennen und mal wieder bleiben einige Fragen ungeklärt. Am wichtigsten ist wohl die, wie es Norman überhaupt schaffte, als Mensch bei einer medizinischen Untersuchung durchzugehen und es auch noch als Crewmitglied auf die Enterprise zu schaffen. Nimmt Starfleet jetzt etwa jeden? :-) Androiden gehören ja mittlerweile zu guten alten Bekannten in STAR TREK, so dass sich der Zuschauer schon fast an sie gewöhnt hat. Der Original-Titel "I, Mudd" passt dazu, ist eine Hommage an "I, Robot" - und nein, damit ist nicht der Film mit Will Smith gemeint sondern das Buch (dt.: "Ich, der Roboter", erschienen 1950) von Isaac Asimov. Da Roddenberry mit Asimov befreundet war und sich auch dessen Rat einholte (siehe "The Apple", dt.: "Die Stunde der Erkenntnis"), kann ein Zufall nahezu ausgeschlossen werden.

Episode 38: "Metamorphosis"

Deutscher Titel: Metamorphose Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 10.11.1967
Deutschland (ZDF) 17.11.1973
Drehbuch: Gene L. Coon
Regie: Ralph Senensky
Gaststars: Glenn Corbett (Zefram Cochrane), Elinor Donahue (Nancy Hedford)

Handlung:

Sternzeit 3219,4: Kirk, Spock und McCoy sind zusammen mit der kranken und zänkischen Föderationsbeauftragen Nancy Hedford in einem Shuttle unterwegs, als sie von einem wolkenartigen Alien entführt werden. Sie landen auf einem Asteroiden, wo sie auf den legendären Erfinder des Warp-Antriebs, Zefram Cochrane, treffen…


Persönliches Fazit:

In Gesellschaft der vielen TOP-Folgen fällt "Metamorphosis" zwangsläufig ab, hat aber insgesamt eine gute Aussage und viele herausragende Momente. Der "Companion" ist als liebende Gefährtin gefühlvoll eingefangen, ebenso wie der Moment, in dem Zefram Cochran in der "Wolke" steht. Ausnahmsweise ist es einmal nicht Kirk, der sich in die Planetenschönheit der Woche verlieben darf, auch von diesem Aspekt her bietet diese Episode erfrischend andere Ansätze. Die Liaison Cochrane/Companion ist das bestimmende Element und hält sich bis zum Schluss, wo der Companion "ihren" Menschen durch ein Stück Stoff betrachtet und somit sie ihn so sieht wie bisher er sie. Das Ganze wird damit gut abgerundet. Weniger schön ist Nancy Hedford an sich. Sie wird als absolut unfreundliche vertrocknete alte Jungfer und Karrierefrau charakterisiert, was an sich nicht schlimm wäre, wenn nicht immer deutlich werden würde, dass das eine das andere bedingt. Das Ganze ertrinkt daher etwas im Pathos der 60er und nimmt somit der Verbindung von Nancy Hedford mit dem Companion einerseits und Zefram Cochrane anderseits an Wirkung.

Obwohl es der Companion ist, der durch die Entführungen Unrecht begeht, ist es hier das Triumvirat von der Enterprise, das sich untypisch und nicht nachvollziehbar verhält und eigentlich viel eher im Unrecht ist. Kirks Mordversuch am Companion ist unpassend aber effektvoll dargestellt, passt wunderbar in die "erst schießen und dann fragen"-Mentalität. Erst im Anschluss wird der Kommunikationsversuch gestartet, der gezeigte Translator ist dabei ein schönes Stück fiktive Technik (auch wenn er dem Aufzeichnungsgerät aus "Arena" [dt.: "Ganz neue Dimensionen"] etwas ähnlich sieht :-)). Umgekehrt wäre wohl eher die anzustrebende Reihenfolge…

Mit Zeframe Cochrane erhält die STAR TREK-Geschichte eine weitere wichtige tragende Säule. Die meisten Fans insbesondere der neueren Serien kennen seinen Namen zwar, verbinden ihn aber mit der Person, als die er in "STAR TREK VIII - Der Erste Kontakt" dargestellt wurde. Fakt ist, dass Zeframe Cochrane in dieser TOS-Folge sein Debüt gibt und sowohl der Darsteller in "Der Erste Kontakt" als auch die Drehbuchschreiber es bewusst vermieden, sich "Metamorphosis" auch nur anzusehen! Das ist umso bedauerlicher, als dass beide Charakterisierungen so gut wie nichts gemein haben und genau genommen diese Ignoranz ein Fußtritt Richtung TOS ist. Zwar hat Glenn Corbett als Cochrane keine überragende Präsenz, hat aber die Ehre, die Figur festzulegen.

Aufgrund seiner Berühmtheit ist es verständlich, dass Cochrane keinen Wert darauf legt, offiziell Erwähnung nach seiner Entdeckung durch die Enterprise zu finden, allerdings habe ich mich bisher gefragt, ob das wirklich realistisch machbar wäre. Der Mann ist bereits zu Kirks Zeiten eine Legende und zumindest in internen Berichten hätte Kirk etwas von ihm erwähnen müssen - mal abgesehen von der Tatsache, dass auch Nancy Hedford wohl schwerlich einfach so verschwinden kann.

Ansonsten ist festzustellen, dass Zefram Cochrane Spock einfach so die Hand gibt. Seien wir höflich und gestehen ihm nach all den Jahren in Einsamkeit einen Fauxpas durch Aufregung zu - obwohl es Allgemeinwissen sein sollte, Vulkanier eben so nicht zu begrüßen. Erfreulicher dagegen ist der Auftritt des Shuttles, dass abermals den Namen Galileo erhielt (nachdem besagtes Shuttle in "The Galileo Seven", dt.: "Notlandung auf Galileo 7" bzw. "Notlandung der Galileo 7", eigentlich zerstört wurde).

Aus Sicht deutscher Zuschauer ist noch zu erwähnen, dass ähnlich "Amok Time" (dt.: "Weltraumfieber" bzw."PonFarr") auch diese Folge massiv geschnitten wurde. Zwar wurde hier der Sinn nicht verfälscht, allerdings fehlen doch etliche Szenen, u.a. auch der "Racheakt des Companion". Für die Video/DVD-Veröffentlichung wurden diese Szenen nachsynchronisiert und wieder eingefügt.

Episode 39: "Journey to Babel"

Deutscher Titel: Reise nach Babel Bewertung: * * * * * *
Erstausstrahlung: USA 17.11.1967
Deutschland (ZDF) 16.09.1972
Drehbuch: D.C. Fontana
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: Mark Lenard (Sarek, Spocks Vater), Jane Wyatt (Amanda, Spocks Mutter), William O'Conell (Thelev), John Wheeler (Botschafter Gav), James X. Mitchell, Reggie Nalder

Handlung:

Die Enterprise muss Botschafter und Abgesandte von Föderationswelten nach "Babel" transportieren, wo über die Aufnahme des Planeten Coridan entschieden werden soll. Die Meinungen darüber gehen, aufgrund von eigenen Interessen einiger repräsentierter Planten, auseinander und so ist die Atmosphäre an Bord angespannt. Dazu bei trägt die Tatsache, dass der vulkanischer Botschafter Sarek, der von seiner menschlichen Frau Amanda begleitet wird, Spocks Vater ist, mit der sich der Erste Offizier vor 18 Jahren überworfen hat. Schließlich wird ein Tellarit ermordert und Sarek scheint der Hauptverdächtige zu sein...


Persönliches Fazit:

Gut, ich gebe es ja zu, dass es unmöglich ist, 6 von 5 Sternen zu verteilen. "Journey to Babel" ist aber nun mal meine ganz persönliche Lieblingsfolge und das aus gutem Grund. Hier kommt alles zusammen, was STAR TREK ausmacht, denn eine absolut perfekte Geschichte wird noch mit Dramatik aufgrund der Figurenkonstellation angereichert, ebenso mit einer gelungenen Atmosphäre, die durch die Interaktion der Charaktere untereinander entsteht.

Endlich bekommt der Zuschauer Spocks Eltern zu sehen, die bei seiner "Hochzeit" in "Amok Time" (dt.: "Weltraumfieber" bzw."PonFarr") eigentlich gefehlt hatten. Die Entfremdung zwischen Spocks Vater Sarek und dem Ersten Offizier kann das jedoch erklären. Beide Schauspieler, die die Eltern verkörpern, sind ein Glücksgriff. Mark Lenard ist, obgleich er in TOS lediglich zwei Gastauftritte hatte, zur Legende geworden. Als Sarek ist er nicht nur glaubwürdig, er schafft es auch, den Eindruck zu vermitteln, wie schwer es Spock mit ihm als Vater gehabt haben muss. Seine Überlegenheit, die sich nicht auf Arroganz gründet, ist überall sichtbar, wenn er mit Mitbotschaftern diskutiert und diese gekonnt ausmanövriert, ohne sich sonderlich anstrengen zu müssen. Dann ist da seine Frau, Amanda, die die perfekte Personifizierung einer in Würde gealterten Dame darstellt. Sie gehört auch zu den wenigen TOS-Frauen, die etwas mehr als ein knappes Röckchen tragen durften - zum Glück, denn auch ihre Kleidung passt sehr gut. Die Interaktion zwischen Amanda und Sarek vermittelt genau die richtige Mischung aus Fremdartigkeit und Herzlichkeit.

Für Spock selbst muss es unbeschreiblich peinlich sein, seine Eltern an Bord zu wissen, noch dazu unter den gegebenen Umständen. Richtig sichtbar wird das in der "Sehlat"-Szene, in der Amanda über Spocks Kindheit redet. Obwohl der "lebendige vulkanische Teddy-Bär", der Sehlat, nur in dieser einen TOS-Folge erwähnt wird, wurde Spocks Haustier später immer wieder gerne verwendet und taucht in zahlreichen Geschichten und auch in der Animated-Serie auf.
Die Handlung selbst wird immer wieder um ein Quäntchen gesteigert. Als Kirk niedergestochen wird, spitzt sich die Lage weiter zu. Die Motivation, warum sich der Captain trotz Verletzung zur Brücke begibt, wird nicht expliziert erwähnt, aber es kann schon angenommen werden, dass ein gutes Stück Freundschaft zu Spock mit im Spiel gewesen sein dürfte. Spock dagegen sieht misstrauisch aus, als Kirk auf der Brücke erscheint, zieht es aber vor, die Situation nicht zu hinterfragen. Ergreift er hier den angebotenen Strohhalm, um sich aus der prekären Lage zu befreien?
Die persönliche Note, die sich durch die Folge zieht, ist für mich das Element, was diese Folge so herausragend macht, die inneren Konflikte noch entscheidender als die Bedrohung von außen.

Auch die letzten Szenen sind gelungen, als McCoy seine Rolle ausspielt. Die Situation zwischen Sarek und Spock scheint geklärt und die Ähnlichkeit zwischen Vater und Sohn wird umso deutlicher. Bereits zuvor wurde die nahezu identische Reaktion der beiden auf den Mord an dem Tellariten ("interesting") sehr gut eingefangen, in der Krankenstation gipfelt das in der "Es war logisch, Amada zu heiraten"-Diskussion.

Bei aller Lobeshymnen gibt es natürlich auch ein paar kleinere Makel an dieser Folge, die sich aber ausdrücklich nicht auf die Masken beziehen. Für eine damals produzierte Serie wirken diese - bis auf die Tellariten - durchaus glaubhaft und es ist schlichtweg unfair, die technischen (und finanziellen) Hilfsmittel zu bewerten. Die Fragen, die sich für mich ergeben haben, beziehen sich darauf, warum Kirk nichts von Spocks Eltern wusste, wenn er so eng mit ihm befreundet ist. Die Antwort hat natürlich dramaturgische Gründe, ist aber trotzdem nicht so ganz ersichtlich. Außerdem scheint die Enterprise während der ganzen Folge übervölkert - wieso ist dann aber ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als Kirk überfallen wird, der Gang menschenleer? Auch hier hat das in erster Linie dramaturgische Gründe, wobei argumentiert werden kann, dass Deck 5 nur Offiziersquartiere enthält und es somit glaubwürdig ist, dass es durchaus weniger stark frequentiert ist.
Die Szene, in der Kirk Uhura wegen eines Fehlers zu Recht weist, erscheint mir dagegen etwas überspitzt und zeigt die Kommunikationsoffizierin unnötig inkompetent. Aber gut, alle machen Fehler… Wieso hat aber McCoy keinen ausreichenden Blutvorrat an Bord? Wenn Spock die gleiche Blutgruppe besitzt, muss der Arzt doch damit rechnen, den Ersten Offizier im Notfall behandeln zu müssen…

Im direkten Widerspruch zu späteren Serien steht die Höchstgeschwindigkeit des Aggressors. Warp 10 ist demnach unmöglich, der Fehler liegt hier aber wohl eher in den Nachfolgern, die sich am TOS orientieren mussten, nicht umgekehrt. Überhaupt haben die Nachfolgerserien erstaunlich wenig Bezug genommen, zu TOS im Allgemeinen und zu dieser Folge im Besonderen. Die Babel-Konferenz, die so wichtig war, dass Sarek seine Gesundheit dafür aufs Spiel setzte, ist kaum mehr als eine Fußnote in der Trek-Geschichte. Viele Alienrassen werden gar nicht mehr erwähnt, z.B. die vorgenannten Tellariten, aber auch die golden angemalten Liliputaner, die erst gar keinen Namen erhielten. Erst in "STAR TREK: Enterprise" hat man versucht, auf einiges wieder Bezug zu nehmen, was aber nichts daran ändert, dass viele Gelegenheiten einfach ignoriert wurden.

Was die deutschen Zuschauer von "Journey to Babel" betrifft, so haben sie eine Folge erlebt, die mehr als den üblichen Veränderungen zum Original unterlag. Amada heißt plötzlich aus unerfindlichen Emily, die Blutgruppe (eigentlich T negativ) wird verändert. Besonders schade ist aber eine Szene zwischen Spock und Amanda, die für die dt. Fassung herausgeschnitten wurde und in der Amanda ihren Sohn ohrfeigt. Kaum weiter erwähnenswert, da es (leider) immer so gehandhabt wurde, sind einige besonders "lustige" Redewendungen ("Puderdose meiner Mutter", "Im Himmel ist Jahrmarkt"), die einfach nicht in die entsprechenden Situationen passen und in der engl. Fassung einen ganz anderen Tenor haben. Lediglich der dt. Schlusssatz ("Das vorletzte") ist sehr gut eingefangen und einer der seltenen Fälle, wo die Synchronisation mal nicht etwas ruiniert sondern aufgewertet hat.

PS: Sarek beweist in dieser Folge, dass Nicht-Emotionalität zwar ein Vulkanisches Ideal ist aber auch, dass es selten erreicht wird. Mal abgesehen davon, dass eine jahrelange Fehde wohl kaum logisch ist, ist auch der Grund dafür interessant:
Spock lehnte den von seinem Vater für ihn vorgezeichneten Weg ab und beschritt eigene Pfade, was zu dem Konflikt führte. Sarek wiederum heiratete seinerzeit eine irdische Frau. Ich bezweifle sehr stark, dass Sareks Vater das für seinen Sohn so geplant hatte...

Episode 40: "Friday's Child"

Deutscher Titel: Im Namen des jungen Tiru Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 01.12.1967
Deutschland (SAT1) 01.02.1988
Drehbuch: D.C. Fontana
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: Ben Gage (der Tiru Akaar), Julie Newmar (Eleen), Tige Andrews (Klingone Kras), Michael Dante (Maab), Cal Bolder (Keel), Kirk Raymone (Duur) Robert Bralver

Handlung:

Auf Capella IV buhlen sowohl die Föderation als auch die Klingonen um die Gunst der Einheimischen, weil sie ein dort vorkommendes seltenes Mineral benötigen. Da die Capellaner ein recht kriegerisches Volk sind, konnten die Klingonen bereits einiges an Boden gut machen. Die Situation eskaliert, als der alte Herrscher, der Teer bzw. Tiru, getötet wird und Kirk verhindert, dass seine junge, hochschwangere Frau*) ihrem Mann in den Tod folgt. Kirk, Spock und McCoy fliehen und nehmen die Frau mit…

*) Ralph Sander macht in "Das STAR TREK Universum - Band 1", Wilhelm Heyne Verlag München 1989, aus der Ehefrau die Tochter (!) des alten Tiru!


Persönliches Fazit:

McCoy ist zwar in fast allen TOS - Folgen das Zünglein an der Waage, die Stimme der Menschlichkeit, aber richtig gute McCoy-Momente sind insgesamt eher selten. Seine Rolle beschränkt sich zu weiten Teilen auf die des Beraters, in "Friday's Child" aber bekommt er eine der seltenen Gelegenheiten, eine aktive Rolle einzunehmen. Ebenso denkwürdig wie seine Gegenwehr in "Space Seed" (dt.: "Der schlafende Tiger"), wo er Khan Paroli bietet, ist auch seine Reaktion hier, wo er es mit einer widerborstigen Schwangeren zu tun bekommt. Auch die Frau selbst wirkt authentisch, mit der ganzen Kultur wurde ein interessanter Hintergrund geschaffen, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass es sich lediglich um eine eher primitive Gesellschaft handelt, die nur in dieser Folge und sonst nie wieder zur Sprache kam.

Damit haben sich die positiven Seiten der Folge aber auch schon erschöpft. Die Kultur wird zwar gut geschildert, aber leider nicht respektiert. Kirks Eingreifen mag heroisch erscheinen, widerspricht jedoch dem Willen aller Beteiligten. Respekt vor Andersartigkeit sollte sich auch auf Werte erstrecken. Die Erste Direktive hätte im Normalfall ohnehin jeglichen Kontakt im Vorfeld verbieten sollen, zur Abwechslung aber verstößt nicht Kirk gegen die Vorschrift, da der Verstoß irgendwann in der Vergangenheit erfolgte. Die Erste Direktive wird ebenso vergessen wie der Friedensvertrag von Organia ("Errand of Mercy", dt.: "Kampf um Organia"). Die Standard-Klingonen tragen ebenfalls nicht dazu bei, die Folge über den Durchschnitt zu heben. Der Gipfel ist wohl Kirks angekündigte Hinrichtung, die einfach so vergessen wird. Immerhin eröffnet das erst die Möglichkeit zur Flucht, die zu den besagten guten McCoy-Szenen führt. Aber auch Kirk und Spock harmonieren hier gut zusammen. Die selbst gebastelten Waffen erwecken dennoch eher den Eindruck, aus einem yps-Heft zu stammen. Die beiden Offiziere verdienen jedenfalls Respekt, in der kurzen Zeit nicht nur Waffen hergestellt zu haben, sondern mit diesen Dingern auch treffen zu können. :-)

Ansonsten ist anzumerken, dass bei der Produktion einige der Capellaner die Kleider vertauschen, festzustellen an dem Farbwechsel. Sulu wird fälschlicher weise als Navigator bezeichnet und in der deutschen Fassung wurde aus dem Titel "Teer" dem besseren Klang für deutsche Ohren wegen "Tiru".

Episode 41: "The Deadly Years"

Deutscher Titel: Wie schnell die Zeit vergeht Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 08.12.1967
Deutschland (SAT 1) 29.02.1988
Drehbuch: David P. Harmon
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: Charles Drake (Commodore George Stocker), Sarah Marshall (Dr. Janet Wallace), Beverly Washburn (Lieutenant Arlene Galway), Felix Locher (Robert Johnson), Laura Wood (Elaine Johnson), Carolyn Nelson (Yeoman Doris Atkins)

Handlung:

Auf Gamma Hydra IV wird durch eine unbekannte Strahlung der Alterungsprozess erheblich beschleunigt. Als die Enterprise eintrifft, lebt nur noch ein altes Ehepaar, das sich aber eigentlich in seinen Zwanzigern befindet und kurz darauf an Altersschwäche stirbt…

Zurück auf dem Schiff werden auch die Mitglieder der Landegruppe von der Krankheit befallen, nur Chekov scheint als einziger immun. Während Commodore Stocker als Passagier auf der Enterprise auf der Erfüllung des eigentlichen Auftrags der Enterprise drängt, besteht Kirk darauf, das Schiff im Orbit zu belassen, bis eine Lösung gefunden wurde.

McCoy sucht fieberhaft nach einer Heilung, während die Mitglieder der Landegruppe immer älter und seniler werden. Als Kirk nicht mehr in der Lage ist, seine Aufgaben als Captain wahr zu nehmen, übernimmt der unerfahrene Stocker das Ruder…


Persönliches Fazit:

Altern gehört zu den Dingen, die meist unter den Teppich gekehrt werden. Jeder möchte alt werden, alt sein dagegen nicht. Die Vorstellung, rapide zu altern, ist für die meisten Menschen erschreckend und daher tun sich in dieser Folge auch menschliche Abgründe auf, die hauptsächlich Kirk betreffen.

Ironischerweise werden ein paar Bezüge zu den Kinofilmen hergestellt, da dort die Darsteller teilweise genau das Alter haben, das in dieser Folge vorschnell erreicht wird (wenn auch das Aussehen doch erheblich variiert). Demnach wäre Kirk mit Mitte 60 nicht mehr in der Lage zu kommandieren und viel zu senil, was aber bei den Filmen kein Thema mehr ist. Dagegen kommt durch, dass er mit aller Macht an seiner Position hängt, was ebenfalls in den Kinofilmen deutlich wird, als er jede Möglichkeit ergreift, sich wieder in den Kommandosessel zu schwingen. Es sind daher schon realistische Verhaltensweisen, die hier portraitiert werden, wenn auch welche, die nicht ganz schmerzfrei sind. Es hätte von menschlicher Größe gezeugt, hätte Kirk sein Kommando freiwillig abgegeben, stattdessen wird ein Verfahren nötig, um ihn seines Kommandos zu entheben. Commodore Stocker befindet sich im Recht - zwar wird er als Schreibtischhengst charakterisiert, aber im Kern der Sache handelt er richtig. Das gilt auch für die Situation, in der er Spock ausmanövriert. Spocks Freundschaft zu Kirk wird deutlich, die Szene ist toll gemacht. Kirk dagegen beschuldigt Spock, sich das Kommando unter den Nagel reißen zu wollen, wobei der Vulkanier bereits mehrfach in vielen Folgen deutlich gemacht hat, dass er daran kein Interesse hat. All das passt in diese Folge, zeichnet aber eine ganz andere Seite von Kirk, die weniger guten Eigenschaften treten zu Tage. Es wird klar, dass Kirk nicht ewig kommandieren kann und auch, wie viele Details nötig sind, um ein Schiff befehligen zu können. Damit ist hier weniger die Schlusssequenz gemeint, wo im Original der Corbomite-Bluff aus "The Corbomite Maneuver" (dt.: "Pokerspiele") erneut angewendet wird (leider nicht in der dt. Synchronisation), sondern die vielen Dinge des Alltags: die Kenntnis von Kursen und Navigation, von Verschlüsselungscodes, der Überblick über die Schiffsabläufe u.v.m.

Die Senilität, die aber besonders von Kirk entwickelt wird, ist jedoch stark übertrieben.

Erst- und einmalig (abgesehen von Sarek und später Chekov) wird auch das Alter eines Charakters preisgegeben: Kirk ist 34 Jahre alt und Sulu dient zwei Jahre unter seinem Kommando (was Rückschlüsse zulässt, wann Kirk das Kommando spätestens übernommen haben muss). Shatner selbst war zu diesem Zeitpunkt übrigens 36 Jahre alt.

Verlieren tut diese Folge durch das dämliche Verhalten Stockers am Schluss und durch die Anwesenheit von Dr. Wallace. Warum sie sich genau an Bord des Schiffes befindet, habe ich bis jetzt nicht begriffen, sie erfüllt keinen Zweck außer der Personifizierung einer alten Ex-Geliebten Kirks. Dabei scheint sie mehr an ihm zu hängen als umgekehrt und für ihren Doktor-Titel wirkt sie einmal mehr zu naiv. Sie strapaziert damit das "Alte Flamme von Kirk taucht wieder auf"-Szenario etwas über, ohne aber eigentlich etwas zur Handlung beizutragen. Stocker dagegen hat in der Folge durchaus einen vernünftigen Eindruck hinterlassen, ebenso erscheint er wie jemand, der sich an die Vorschriften hält. Und da soll es keine Vorschrift geben, die das Eindringen in das romulanische Territorium verbietet? Mal davon abgesehen, dass garantiert noch erhebliche politische Konsequenzen aus der Begegnung zu erwarten gewesen wären, waren die Romulaner im Recht und Stockers Charakter passt eigentlich nicht zu einer solchen Entscheidung.

Die Auflösung bietet ein paar Highlights, ebenso wie Chekov mehrere gute Szenen für sich verbuchen kann. Es ist klar, dass alle in der nächsten Folge wieder genauso makellos und jung aussehen wie bisher - auch neuere Serien haben die schnelle Alterung aufgegriffen und ebenso unbefriedigend gelöst (z.B. Stargate), es scheint also, als habe bislang niemand eine wirklich gute Alternative gefunden, um vorzeitig gealterte Schauspieler wieder in ihren Urzustand zu versetzen. Zu einfach ist es in jedem Fall. Alles in allem sind "The Deadly Years" ebenso gut wie schmerzvoll und eine etwas andere STAR TREK-Folge.

Episode 42: "Obsession"

Deutscher Titel: Tödliche Wolken Bewertung: * * * * *
Erstausstrahlung: USA 15.12.1967
Deutschland (ZDF) 29.07.1972
Drehbuch: Art Wallace
Regie: Ralph Senensky
Gaststars: Stephen Brooks (Fähnrich Garrovick), Jerry Ayres, Eddie Paskey, William Blackburn

Handlung:

Sternzeit 3619,2: Während einer Landemission auf Argus IX stößt Kirk auf ein wolkenartiges Wesen, das vor elf Jahren die halbe Crew der U.S.S. Farragut vernichtete. Kirk war seinerzeit Lieutenant auf dem Schiff und quält sich noch immer mit Schuldgefühlen, weil er damals einige Sekunden zögerte, bevor er auf das Wesen feuerte. Nun wiederholt sich die Geschichte, Crew-Mitglieder werden von der Wolke getötet, die dem menschlichen Körper jedes rote Blutkörperchen entzieht. Als Fähnrich Garrovick, der Sohn des damals getöteten Captains der Farragut, ebenfalls zögert, ergreift Kirk drastische Disziplinarmaßnahmen.

Doch dann gelangt das Wesen auf die Enterprise und es wird klar, das Phaser alleine nicht ausreichen, um die Gefahr zu bannen…


Persönliches Fazit:

Die Nerven liegen blank, Spock und McCoy stellen sich augenscheinlich gegen ihren Freund, der mit den Geistern seiner Vergangenheit kämpft. In absolut packender Weise wird Kirk menschlicher, als weitere Fragmente seiner Biografie gelüftet werden. Der Originaltitel - "Obsession", also zu deutsch "Besessenheit" - trifft den Kern der Sache daher auch viel besser als die deutsche Version. Spock und McCoy sehen sich mit dem Problem konfrontiert, wie sie Kirk helfen, ohne ihm und seiner Karriere zu schaden, wobei sie abwägen müssen, ob Kirk noch Herr der Lage ist und somit die durch beide mögliche Kommandoenthebung wie ein Damoklesschwert über dem Captain hängt. Es ist klar, dass beide vor diesem letzten Schritt zurück schrecken, die Folge bringt die Zwiespältigkeit aller Beteiligten gut zur Geltung. Spocks Andersartigkeit ermöglicht ihm erneut das Überleben in einer Situation, die das Ende für einen Menschen bedeutet hätte. Der rote Faden wird damit verfolgt, ein weiteres Plus. Außerdem verwendet McCoy erneut Cordrazin, jenes Medikament, dass die tragischen Ereignisse in "The City on the Edge of Forever" (dt.: "Griff in die Geschichte") erst ausgelöst hat. Das ist zwar nur ein sehr dezenter Hinweis, dennoch macht es die Sache runder für alle, die besonders genau hinsehen bzw. hören.

Kritikpunkte gibt es bei "Obession" nur wenige. Die Wolke wirkt tatsächlich bedrohlich, ihre Präsenz an Bord des Schiffes wird dabei jedoch nur unzureichend erklärt. Braucht es als körperloses Wesen tatsächlich Lüftungsschächte zur Fortbewegung und selbst wenn ja, was hat Spock damit bezweckt, als er seine Hände auf den Lüftungsschlitz gepresst hat? Mich hätte das als Energiewesen jedenfalls auch nur mäßig beeindruckt :-). Nachdem das Wesen außerdem auf Phaser so gut wie gar nicht reagiert hat, ist fraglich, ob es am Ende wirklich zerstört ist. Die Art und Weise, das Ding ins Jenseits zu befördern, ist aber originell, übrigens ebenso wie die Funktionsweise des Transporters. Kirk hat vor dem Beamen seinen Kommunikator in der Hand, im Transporterraum steht er dann ohne da :-).

Außerdem ist es für die Dramaturgie des Ganzen enorm praktisch, dass just bei der Mission, in der die Enterprise auf die Wolke trifft, ein Fähnrich Garrovick an Bord seinen Dienst aufnimmt, dessen Vater Kirks Kommandant bei der fatalen Mission auf der Farragut war.

Trotzdem zeigt diese Folge die Stärken von TOS, die sich eben nicht um hirnlose Raumschlachten und special effects drehen, sondern um Menschen, ihr Zusammenhalt und ihre Probleme. Daher verdientermaßen Höchstwertung!

Episode 43: "Wolf in the Fold"

Deutscher Titel: Der Wolf im Schafspelz Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 22.12.1967
Deutschland (SAT 1) 08.02.1988
Drehbuch: Robert Bloch
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: John Fiedler (Hengist), Charles Macaulay (Jaris), Pilar Seurat (Sybo), Charles Dierkop (Morla), Tania Lemani (Kara), Joseph Bernard (Tark), William Blackburn als Hadley, Virginia Aldridge (Lieutenant Karen Tracey) Judy McConnell (Yeoman Tankris), Judy Sherven, John Winston, Marlys Burdette, Suzanne Lodge

Handlung:

Sternzeit 3614,9: Kirk, McCoy und Scotty genießen ihren Landurlaub auf Argelius II, als eine Tänzerin ermordet und Scotty zum Hauptverdächtigen wird. Während der Untersuchung des Vorfalls sterben zwei weitere Frauen und abermals weisen alle Indizien auf den Chefingenieur der Enterprise als Mörder…


Persönliches Fazit:

"Wolf in the Fold" ist eine ziemlich bunte Mischung aus Krimi und Mystery, wenn natürlich auch dieser Begriff seinerzeit noch nicht gängig war. Zusätzlich sind historische und lustige Momente enthalten. Ähnlich dem Sprichwort mit den vielen Köchen ist da etwas zu viel gemischt worden, denn trotz eines guten Beginns verteilt sich die Handlung auf zu viele Ebenen.

Der Krimi-Anteil hat eindeutig ein paar Hitchock-Anleihen genommen, was nicht allzu verwunderlich ist, da Robert Bloch, der das Drehbuch schrieb, auch für die Romanvorlage von Hitchcocks "Psycho" verantwortlich war. Besonders bei den Aufnahmen aus der Vogelperspektive sind ein paar Ähnlichkeiten unverkennbar.

Scotty steht als Hauptverdächtiger im Zentrum des Geschehens, ausnahmsweise einmal nicht in seiner Funktion als reparierender Engel der Enterprise. Ich spare mir mal einen grundsätzlichen Kommentar zu der Art der Freizeitgestaltung und der Tatsache, dass Scotty Angst vor Frauen entwickelt, weil eine davon ihn in einen Unfall an Bord verstrickt hatte. Der Landurlaub von Kirk, McCoy und Scotty enthält ein paar typische Männerphantasien, ist aber vermutlich gerade deswegen auch heute nicht mal so abwegig :-). Die Szene mit der Tänzerin wurde der ähnlichen Sequenz aus "The Cage" (dt.: [Der Käfig]) bzw. "The Menagerie" (dt.: "Talos IV - Tabu") nachempfunden.

Der gemütliche Teil der Folge fällt natürlich den Morden zum Opfer. Selbige bleiben recht blass und erfüllen zumeist nur den Zweck, sich umbringen zu lassen. Ausnahmsweise trifft es einmal nicht Angehörige der Sicherheitsabeilung :-). Niemand zeigt wirklich echte Trauer angesichts der Todesfälle, was insbesondere bei Jarvis (der erstaunliche Ähnlichkeit mit Landru aus "Return of the Archons", dt.: "Landru und die Ewigkeit" hat) erstaunt. Sybo war immerhin seine Frau, dafür geht er auch im Anschluss an ihren Mord recht gefasst an die Aufklärung der Tat. Erneut wird der Enterprise-Computer als Lügendetektor eingesetzt. Ähnliches war bereits in "Mudd's Women" (dt.: "Die Frauen des Harry Mudd") zu sehen. Wie bereits erwähnt wäre diese Funktion in anderen Folgen hilfreich gewesen, man denke nur an Kirks Gerichtsverhandlung in "Court Martial" (dt.: "Kirk unter Anklage"). Was dort noch korrekt durchgeführt wird - eine Trennung von Verhör und Beweissammlung - wird hier eigentümlich vermischt.

In einer Szene ist die rechte Hand von Scotty sichtbar. Eine eigentlich nicht spektakuläre Feststellung mit der Ausnahme, dass hier fünf Finger zu sehen sind. James Doohan aber wurde im Krieg verletzt und verlor den rechten Mittelfinger, diese Szene musste also nachträglich retuschiert werden. Heute würde mit so einem "Makel" sicher anders umgegangen werden, immerhin kann auch ein Chefingenieur bei seiner Arbeit ein paar Gliedmaßen lassen und es hätte der Sache mit Sicherheit keinen Abbruch getan, eine Hand mit nur vier Finger zu zeigen.

Das Ende der Folge kann zwar nicht die gleichen Spannungsmomente wie der Anfang bieten, allerdings sind auch hier ein paar originelle Einfälle verarbeitet. Daher bewegt sich die Episode insgesamt auf einem gut durchschnittlichen Niveau.

Episode 44: "The Trouble With Tribbles"

Deutscher Titel: Kennen Sie Tribbles? Bewertung: * * * **
Erstausstrahlung: USA 29.12.1967
Deutschland (ZDF) 23.09.1972
Drehbuch: David Gerrold
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: Stanley Adams (Cyrano Jones), Charlie Brill (Arne Darvin), Guy Raymond (Barkeeper), William Schallert (Nilz Barris), Whit Bissell (Mr. Lurry) Ed Reimers (Admiral Fitzpatrick), Paul Baxley, David L. Ross

Klingonen: William Campbell (Koloth), Michael Pataki (Korax), Richard Antoni, Dick Crockett, Bob Myles, Bob Orrison

Handlung:

Die Enterprise wird unter falschen Vorraussetzungen zur Raumstation K-7 gerufen, um dort das wertvolle Getreide Quatrotriticale, bestimmt für den von einer Hungersnot bedrohten Shermans Planeten, zu bewachen. Zähneknirschend stimmt Kirk zu, insbesondere, als Klingonen auf der Raumstation ihren Landurlaub antreten.

Während Uhura auf der Station einen niedlichen kleinen Tribble als Haustier erwirbt, kommt es zu ersten Reibereien zwischen Klingonen und Enterprise-Crew…


Persönliches Fazit:

Bei Wahlen zur beliebtesten STAR TREK-Episode ist diese immer wieder unter den TOP TEN zu finden. In der Regel kennen sie auch Personen, die sonst nie auch nur eine Folge "Raumschiff Enterprise" gesehen haben, was auch durch die DS9-Fortsetzung begründet ist, in der große Teile von "The Trouble with Tribbles" verwendet werden.

Durch diese große Popularität wird daher die klassische STAR TREK-Serie immer wieder mit den Tribbles gleichgesetzt, obgleich diese Folge eigentlich eher untypisch ist. Ähnlich wie "A Piece of the Action" (dt.: "Epigonen") und vollständig als Kontrast zum Rest der Serie funktioniert sie nämlich gänzlich als Komödie, wenn auch der Anfang etwas ernster erscheint. Werden Folgen wie "The Trouble with Tribbles" und "The City on the Edge of Forever" (dt.: "Griff in die Geschichte") gegenübergestellt, wird deutlich, wie groß die Bandbreite und das Potential von STAR TREK wirklich war und immer noch ist.

Hier jedenfalls bekommt der Zuschauer das ideale Gute-Laune-Programm für trübe Tage serviert, das Gagfeuerwerk reist so schnell nicht ab. Geschrieben wurde diese Episode von David Gerrold, der als Schreiber zu einiger Berühmtheit gelangte, aber für immer "der Junge, der die Tribbles erfand" blieb. Das Drehbuch zu "The Trouble with Tribbles" war dabei das erste, was er jemals verkaufte.

Zu den Besonderheiten der Episode zählt nicht nur die humoristische Ausführung, sondern auch die Tatsache, dass sich die Handlung auf viel mehr Personen als sonst verteilt. Statt wie üblich eher einen Schwerpunkt auf das Triumvirat, also Kirk, Spock und McCoy, zu legen, bekommen auch Chekov, Scotty und Uhura viel zu tun, wobei Chekov den Part von Sulu erhielt, dessen Alterego George Takei anderweitig verhindert war. Ursprünglich sollte Roger C. Carmel, besser bekannt als Harry Mudd, einen dritten Auftritt in der Serie erhalten, war allerdings ebenfalls nicht verfügbar und wurde durch einen sehr ähnlichen Charakter, Cyrano Jones, ersetzt. Dafür mutierte Trelaine aus "The Squire of Gothos" (dt.: "Tödliche Spiele auf Gothos") zu einem Klingonen :-)

Alle Highlights der Folge aufzuzählen ist nahezu unmöglich, weil praktisch jede Minute etwas Erwähnenswertes passiert.

Besonders hervorzuheben sind aber neben den Tribbles als solche und deren immer stärkere Verbreitung (besonders auf so exponierten Plätzen wie dem Kommandosessel :-)) zahlreiche Dialoge. Jeder außer Kirk (dem das eigentlich als ein "Junge vom Lande", aufgewachsen auf einer Farm in Iowa, auch nicht unbekannt sein dürfte) weiß anscheinend, was Quatrotriticale ist - dieses besondere Getreide ist offensichtlich eine Weiterentwicklung des real existierenden Triticale! Chekov beansprucht mehrfach Erfindungen und Errungenschaften für Russland, während Scotty sich in seinem Urlaub dankbar in techn. Zeitschriften versinkt und entzückt ist, als Strafe in sein Quartier verwiesen zu werden.

Die Prügelei auf der Raumstation zwischen Menschen und Klingonen und die vorhergehenden Beleidigungen machen ernorm viel Spaß, ähneln mehr einer Rauferei unter Lausbuben als einer ernsten Auseinandersetzung. Dabei sind es die Details, die eine Unterscheidung zum Einheitsbrei ausmachen, so auch Cyrano Jones, der die Schlägerei für eigene Zwecke nutzt oder auch die Reaktion des Barmanns in diesen und anderen Situationen. Dass Cyrano Jones ein eher unbegabter Krimineller ist, zeigt sich schon daran, dass es nicht unbedingt sinnvoll erscheint, Tribbles zu verkaufen, die sich so schnell vermehren. Diese Tierchen sind natürlich allerliebst, selbst Spock erliegt ihrem beruhigenden Einfluss. Vermutlich liegt darin auch die Erklärung, dass Uhura mit Sicherheit existierende Vorschriften umging und den ersten Tribble an Bord brachte…

Zusammen mit den Folgen "Amok Time" (dt.: "Weltraumfieber"), "The Doomsday Machine" (dt.: "Das Loch im Weltraum"), "Mirror, Mirror" (dt.: "Ein Paralleluniversum") und "The City on the Edge of Forever" (dt.: "Griff in die Geschichte") war "The Trouble with Tribbles" für einen Hugo-Award nominiert, bekanntermaßen gewann damals "The City on the Edge of Forever". Insgesamt aber haben die Tribbles etwas geschafft, dass keiner dieser Folgen vergönnt war: Sie zogen mehrere Fortsetzungen nach sich und wurden zum 30. Geburtstag von STAR TREK 1996, wie oben bereits erwähnt, noch einmal in einer DS9-Episode verwendet. Während die Fortsetzung in der Zeichentrickserie (Episode 4: "More Tribbles, More Trouble"), geschrieben von David Gerrold selbst, eher unbekannt ist, wurde die DS9-Folge "Trials and Tribble-ations" *)(dt.: "Immer die Last mit den Tribbles") zu einem echten Knüller. Unter der Verwendung von großen Teilen aus "The Trouble with Tribbles" wurden Sisko und seine Mannen in Kirks Zeit versetzt, so dass neue und alte Aufnahmen sich in idealer Weise mischen und eine neue Handlung entsteht, die dieser originalen STAR TREK-Folge in nichts nachsteht.

In der DS9-Folge der 5. Staffel konnte sich dann auch David Gerrold einen Traum erfüllen, der ihm in den 60ern versagt geblieben war: einen Cameo-Auftritt. Zu Zeiten der Classic-Serie war der 1944 geborene Autor noch als zu jung erachtet worden :-).

Alles in allem sind die Tribbles eine absolut gelungene Erfindung, die die Zeit überdauerten und fast die Qualität eines geflügelten Wortes erreichten. Hier wurden sie "geboren" und dieser "Geburt" zuzusehen ist immer wieder ein Genuss.

*) Eine Besprechung von "Trials and Tribble-ations" (dt.: "Immer die Last mit den Tribbles") ist hier als "Episode 80" angefügt, obwohl sie natürlich nicht direkt zur Classic-Serie gehört. Die Handlung der DS9-Folge ist, mit einem auch in Hinblick auf die urpsrüngliche TOS-Folge interessanten, Vorwort in einem Buch von Diane Carey nachzulesen: "Neuer Ärger mit den Tribbles" ("Trials and Tribble-ations")

Episode 45: "The Gamesters of Triskelion"

Deutscher Titel: Meister der Sklaven Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 05.01.1968
Deutschland (SAT 1) 11.03.1988
Drehbuch: Gene Nelson
Regie: Margaret Armen
Gaststars: Angelique Pettijohn (Shahna), Joseph Ruskin (Galt), Dick Crockett ( Thrall), Jane Ross (Tamoon), Mickey Morton (Kloog) Victoria George, Steve Sandor (Lars)

Handlung:

Während Kirk, Uhura und Chekov zu einer Landemission aufbrechen, verschwinden sie zunächst spurlos. Weit entfernt von ihrem eigentlichen Ziel werden sie auf dem Planeten Triskelion versklavt und "ausgebildet", um den drei Herrschern zu gefallen. Diese bestehen nur noch aus Interellekt und lassen ihre Sklaven aus Langeweile gegeneinander antreten, um über den Sieg Wetten abzuschließen.


Persönliches Fazit:

McCoy würde wohl einen ganz schweren Fall diagnostizieren. In diesem Fall einen ganz schweren Fall von Klischee-Häufung :-). Da wären zum einen die Außerirdischen, denen gute alte menschliche Werte nahe gebracht werden müssen, Kirk, der mit der Planetenschönheit der Woche anbandelt und nebenbei einmal mehr sein Shirt zerreist bis hin zu den Kulissen. Gut, die menschlichen Werte werden auch heute in vielen Produktionen gerne ausgegraben, man denke nur an "Das fünfte Element" oder "Harry Potter" und die Kulissen gehören nun mal zu ihrer Zeit. Die Sache mit der Planetenschönheit und dem Hemd ist aber eindeutig TOS-spezifisch. Anzumerken ist aber, dass Kirk seine Verführungskünste ganz gezielt für seine Zwecke einsetzt und es angenommen werden darf, dass da nicht ein Funken echtes Gefühl mit im Spiel ist. Das Hemd wiederum zerreist, als Kirk sich für Uhura einsetzt - was wiederum beweist, das er eben nicht nur für McCoy und Spock einsteht. Überhaupt ist die Wahl der Landegruppe unüblich, sind es doch diesmal Chekov und Uhura, die Kirk begleiten (ansonsten aber leider eher schmückendes Beiwerk sind). Ursprünglich sollte wohl Sulu mit zur Landegruppe gehören, George Takei war aber durch Dreharbeiten anderweitig verhindert. Diese Konstellation ermöglicht ein intensiveres Zusammenspiel von Spock und McCoy auf dem Schiff, wo ein paar hervorragende Dialoge herauskommen. Ebenfalls sehr gut eingefangen ist Spocks Beharren auf seinem Standpunkt, gegen den geballten Willen von McCoy und Scott. Alles in allem gehört diese Folge mit Sicherheit nicht zu den Glanzlichtern der Trek-Geschichte, ist aber ganz gut ansehbar.

Episode 46: "A Piece of the Action"

Deutscher Titel: Epigonen Bewertung: * * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 12.01.1968
Deutschland (ZDF) 08.07.1972
Drehbuch: James Komack
Regie: David P. Harmon, Gene L. Coon
Gaststars: Anthony Caruso (Bela Oxmyx), Lee Delano, Sheldon Collins, Buddy Garion, John Harmon, William Blackburn, Marlys Burdette

Handlung:

Sternzeit: 4598,0: Die U.S.S. Horizon stürzte auf dem Planeten Iota ab und ließ ein Buch über die Chicagoer Gangsterwelt der 1920er Jahre zurück. 100 Jahre später erreicht ein automatischer Notruf die Föderation. Als die Enterprise diesem nachgeht, stellt sie fest, dass die Bewohner ihre Lebensgewohnheiten vollständig nach dem vergessenen Buch ausgerichtet haben...


Persönliches Fazit:

"A Piece of the Action" ist das Gegenstück zu der unseligen Nazi-Episode "Patterns of Force". Hier wie dort findet sich ein Stück Erdgeschichte auf einem fremden Planeten wieder - tatsächlich wurde diese ursprüngliche Idee in diese beiden Folgen aufgeteilt. "A Piece of the Action" hat sonst jedoch nicht viel mit "Patterns of Force" zu tun. Statt einer unzureichenden geschichtlichen Auseinandersetzung nimmt sich diese Folge von Anfang an nicht ernst und ist damit eine der wenigen STAR TREK Classic-Folgen, die vollständig als Komödie funktionieren. Zu keiner Zeit ist die Crew wirklich in Gefahr, trotz massivem Waffenaufgebot und potentiell bedrohlichen Situationen. Nur "The Trouble With Tribbles" (dt.: "Kennen Sie Tribbles?") bietet eine ähnliche Ausgangslage, wodurch sich zeigt, wie vielseitig eine fast vierzig Jahre alte Serie sein kann.

"A Piece of the Action" funktioniert vor allen Dingen deshalb, weil die Komik nicht auf Slapstick-Einlagen beruht sondern auf dem gelungen Parodieren bestimmter Sachverhalte. So findet sich die Übernahme bestimmter Verhaltensweisen nur aufgrund eines Buches durchaus im wirklichen Leben wieder, paradoxerweise gerade im STAR TREK-Universum, wo einige Fans ihr ganzes Leben anhand einer Fernsehserie ausrichten (und sie unter anderem dazu veranlassen, ihre Freizeit mit dem Anfertigen einer Homepage zu verbringen :-)).

Der Spaß, den die Darsteller bei der Verkörperung der Gangsterwelt haben, ist spürbar und trägt deutlich zur Qualität der Folge bei. Wer wissen möchte, was ich meine, der muss such nur "Fluch der Karibik" ansehen - Johnny Depp hat mindestens ebenso viel Spaß dabei, Pirat zu spielen wie alle an dieser Folge Beteiligten Gangster.

Einer der Höhepunkte - der ganzen Serie - ist die Erfindung des Spiels "Fizzbin". Shatner liefert hier eine wirklich herausragende Leistung ab, ebenso die Drehbuchschreiber. Besonders gewürzt wird diese Episode durch die eigene Sprache der Gangsterwelt.

All das lässt leicht vergessen, dass die eigentliche Grundlage der Handlung - die Umstrukturierung einer ganzen Gesellschaft (auf einem ganzen [!] Planeten) nur anhand eines Buches (Erscheinungsdatum: 1992 [!]) in nur 100 Jahren - extrem dünn ist. Zudem stellt sich die Frage, warum die Föderation in all der Zeit keine Spur von dem zerstörten Schiff hatte. Die Kritik dagegen, dass Kirk hier - einmal mehr - die erste Direktive verletzt, entbehrt jeder Basis, da diese Verletzung bereits vor langer Zeit geschehen ist und zudem die Folge sowieso ihren Schwerpunkt nicht in einer lückenlosen Geschichte als vielmehr auf einen gesteigerten Unterhaltungswert legt. Und davon ausgehend ist "A Piece of the Action" eine der besten Episoden der ganzen Serie.

Episode 47: "The Immunity Syndrome"

Deutscher Titel: Das Loch im Weltraum Bewertung: * * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 19.01.1968
Deutschland (ZDF) 03.06.1972
Drehbuch: Robert Sabaroff
Regie: Joseph Pevney
Gaststars: (keine, bis auf John Winston in seiner wiederkehrenden Rolle als Lieutenant Kyle)

Handlung:

Sternzeit 4307,1: Alles Leben im System Gamma 7A wird vernichtet. Zusätzlich fühlt Spock die Zerstörung der USS Intrepid, eines Schwesternschiffs der Enterprise, das nur mit Vulkaniern bemannt war. Bei Nachforschungen stößt die Enterprise auf ein "Loch im Weltraum", das alle Energie zu absorbieren scheint. Nicht nur die Schiffssysteme werden betroffen, auch die Crew wird zunehmend schwächer. Dann wird die Enterprise in der Dunkelzone gefangen...


Persönliches Fazit:

In dieser hervorragenden Episode besteht ein konstant hohes Spannungsniveau. Gleich mehrere Faktoren kommen zusammen: von der Bedrohung durch das "Loch im Weltraum" über die Rivalität zwischen Spock und McCoy bis hin zu Kirks schwieriger Entscheidung. Allein schon das Geplänkel zwischen Arzt und Vulkanier ist das Geld für die ganze Produktion wert. Spock kann einige sehr gute Treffer gegen die blutige Menschheitsgeschichte anbringen, McCoy schlägt zurück und kann doch keine Gegenargumente vorbringen. Beide sind Kontrahenten, besonders, als ein Freiwilliger benötigt wird. Allerdings wird ersichtlich, dass die Worte nie so hart gemeint sind, wie sie formuliert wurden und es eigentlich Freunde sind, die sich hier kabbeln. Kirks Entscheidung dann, welchen seiner beiden Freunde er zum Tode verurteilen soll, ist ein einziger innerer Kampf, den der Zuschauer mitempfindet. Die Auflösung ist bis zum Schluss offen, obwohl natürlich alle TOS-Folgen "gut" ausgehen. Auch optisch macht die Amöbe viel her, in meinen Augen eine sehr gelungene Umsetzung einer sehr guten Idee. Einziger Wehrmutstropfen: der Ursprung der Amöbe wird nie erklärt und in der Krankenstation stapeln sich nur weibliche Patienten, obwohl nachweislich auch Männer, incl. Kirk, von der Amöbe beeinflusst werden. Dafür hat Uhura einige gute Momente - ihr Gesichtsausdruck zu Beginn, als der Landurlaub verschoben wird, ist Gold wert. Insgesamt gehört diese Folge zu meinen persönlichen Favoriten.

Episode 48: "A Private Little War"

Deutscher Titel: Der erste Krieg Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 02.02.1968
Deutschland (SAT 1) 07.03.1988
Drehbuch: Jud Crucis (Pseudonym v. Don Ingalls)
Regie: Marc Daniels
Gaststars: Booker Marshall (Doktor M'Benga), Michael Whitney (Tyree) Nancy Kovak (Nona), Arthur Bernard (Apella), Janos Prohaska (Mugato), Paul Baxley, Bob Lyon, Gary Pillar

Handlung:

Kirk, Spock und McCoy beamen hinunter auf Neural, einem Planeten, den Kirk 13 Jahre zuvor als Lieutenant besucht und als vielversprechend eingestuft hatte. Allerdings muss die Landegruppe feststellen, dass Klingonen das friedliche Miteinander von Dorfbewohnern und Hügelmenschen gestört haben. Spock wird angeschossen, trotzdem beamt Kirk noch einmal zusammen mit McCoy auf den Planeten, um mit den Bewohnern Kontakt aufzunehmen. Doch kaum angekommen, wird Kirk von einem Mugato lebensgefährlich verletzt...


Persönliches Fazit:

In "A Private Little War" wird der Bezug zur Zeitgeschichte wieder sehr deutlich. Der Kalte Krieg zwischen Ost und West steht im Vordergrund und das nicht mal subtil. Interessant ist die Thematik schon, allerdings wurde meiner Meinung nach nicht optimal damit umgegangen.
Die Erste Direktive der Nichteinmischung wird hier eindeutig verletzt, obwohl das NICHT in dieser Folge direkt passiert sondern genau genommen in Kirks Vergangenheit erfolgt. Bereits damals hat er Tyree von Raumschiffen erzählt und damit ganz entscheidend in die Entwicklung des Planeten eingegriffen. Die Folgen daraus sind gut erkennbar, als Tyree - natürlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit - seiner Frau davon erzählt. Aber auch die Phaser, die Kirk, Spock und McCoy auf Neural mitbringen, stellen genauso genommen einen Verstoß dar - wieso Waffen mitbringen, wenn sie nicht eingesetzt werden sollen?
Der Bezug zur Vergangenheit verleiht der Folge aber etwas Substanz - viel zu oft bleiben die Charaktere Personen nur der Gegenwart, ohne das viel über ihre Hintergründe erzählt wird. Hier ist ein Puzzleteil von Kirks Vergangenheit zu finden.
Parallel der zu der Entwicklung auf dem Planeten ist die Handlung um Spocks Behandlung sehr gelungen eingefangen. Dr. M'Benga, der hier erstmals zu sehen ist und von da ab sporadisch auftaucht, ist ein Gewinn (wobei bei nur einem Vulkanier an Bord ein auf Vulkanier spezialisierter Medizinier nicht unbedingt sinnvoll ist - während der "Reise nach Babel" hätte sich McCoy über derartige Unterstützung aber sicher gefreut :-)). Besonders gut geschildert ist Spocks unterschiedliche Physiologie mit der vulkanischen Heiltrance. Die daraus resultierenden Spock/Chapel-Szenen verleihen dem ganzen durch Chapels Zuneigung nicht nur einen roten Faden sondern lockern die Episode entscheidend auf.

Dennoch bleiben noch genug Schwächen übrig, allen voran die Figur der Nona. Nicht nur ihre Art erscheint deplaziert, auch ihre ganze Aufmachung passt mehr in die 70er Jahre (des 20. Jahrhunderts, nur um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen :-)). Sowohl ihr Schuhwerk (Pumps oder barfuss!) als auch ihre Jeans über die orangefarbenen Federn bis zum Make-up kann wohl nichts davon auf einem Planeten in dieser Entwicklungsstufe hergestellt werden. Ist das relativ "billige" Aussehen des Mugatos verzeihlich, so ist es Nonas Aufmachung nicht, da sich letztere eben nicht auf finanzielle und technische Grenzen gründet.
In einer Szene ist übrigens ein Mugato-Fußabdruck zu sehen - man vergleiche diesen mit den Spuren des Kaninchens in "Shore Leave" (dt.: "Landurlaub). :-)

Größter Kritikpunkt ist aber das Ende der Folge. Beide Seiten quasi zum Krieg zu erziehen kann wohl kaum die Lösung darstellen.*) Die Lösung ist keine, es wird weder die Problematik auf dem Planeten geklärt noch die Situation mit den Klingonen. Was diese auf dem Planeten überhaupt wollen, ist auch nicht ersichtlich. Der Drehbuchautor war mit der Veränderung seines ursprünglichen Skriptes derartig unzufrieden, dass er sich ein Pseudonym zulegte: Jud Crucis als Wortspiel zu "Jesus Crucified."

*) Das ich das nicht allein so sehe, beweist die gelungene Fan Fiction-Geschichte "Neural Decay" von Laurie D. Haynes

Episode 49: "Return to Tomorrow"

Deutscher Titel: Geist sucht Körper Bewertung: * * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 09.02.1968
Deutschland (ZDF) 29.12.1973
Drehbuch: John Kingsbridge
Regie: Ralph Senensky
Gaststars: Diana Muldaur (Dr. Ann Mulhall), Cindy Lou, Frank da Vinci Eddie Paskey, William Blackburn, Roger Holloway

Handlung:

Auf einem ansonsten unbewohnbaren Planeten haben drei Wesen überlebt, die nur aus reiner Energie bestehen: Sargon, Thalassa und Henoch.
Alle drei sind in ihrer Entwicklung der Menschheit weit überlegen, ihr Volk wurde aber Opfer seiner eigenen Fähigkeiten. Nach reiflicher Überlegung gibt Kirk in Anbetracht der Möglichkeiten der Bitte der drei nach, zeitweise seinen und die Körper von Spock und der Astrobiologin Dr. Ann Mulhall zu übernehmen, damit die Energiewesen Androiden bauen können, in denen sie ihr Bewusstsein einschließen können. Doch Henoch - in Spocks Körper - denkt gar nicht daran, sich Sargons Diktat zu beugen. Um Sargon los zu werden, tötet Henoch Kirks Körper und auch Thalassa möchte Dr. Mulhalls Gestalt nicht mehr missen…


Persönliches Fazit:

In ganz hervorragender Weise trifft die Enterprise auf überlegene Wesen. Das geschah von da ab öfter und wurde auch in späteren Serien immer wieder gerne aufgegriffen (z.B. durch "Q" in TNG). Hier ist das Thema noch neu und übt eine ziemliche Faszination aus, die besonders in der Diskussion transportiert wird, ob der potentielle Nutzen das Risiko aufwiegt oder nicht. Die Begeisterung von Kirks Rede überträgt sich auf den Zuschauer. Einmal mehr ist McCoy das Gewissen, beugt sich aber auch der allgemeinen Euphorie.

Diana Muldaur hat in "Return to Tomorrow" ihren ersten STAR TREK-Auftritt, kehrte aber zunächst in der Classic-Serie als Dr. Jones in "Is There in Truth No Beauty?" (dt.: "Die fremde Materie) zurück, nur um, natürlich entsprechend gealtert, in TNG für eine Staffel einen festen Charakter (Dr. Pulaski) zu spielen. Muldaur strahlt dabei in allen Rollen eine gewisse Härte aus, die sie tough und robust erscheinen lassen - eine sehr willkommene Abwechslung besonders in der Classic-Serie.

Die Übernahme durch fremde Wesen ermöglichte es zudem den betroffenen Darstellern, sich richtig auszutoben. Während Shatner als Sargon tatsächlich wesentlich reifer und weiser erscheint (was auch durch die Stimme unterstrichen wird), kann Nimoy Gefühlsregungen zeigen, die bei Spock sonst absolut undenkbar sind. Gleichzeitig wird Spocks überlegene Physiologie als roter Faden erneut vorgeführt.

Obwohl diese Episode zu meinen persönlichen Top Ten gehört, gibt es auch hier ein paar offene Kritikpunkte. Der Hintergrund von Sargon, Thalassa und Henoch bleibt zu sehr im Dunkeln, auch ihre Fähigkeiten werden nur ungenau beleuchtet. Können Sie nur fremde Körper übernehmen oder auch Gegenstände, ist ein Teilen eines Körpers problemlos möglich usw. usw. Besonders die Tatsache, dass am Anfang der Folge Kirk mit Sargon den Körper tauscht und erheblich darunter leidet steht im Kontrast zur Schlussszene. Ebenfalls unglaubwürdig ist der dargestellte Androidenkörper, der in seiner Hässlichkeit geradezu nach einer Ablehnung Thalassas schreit. Aber bereits zurückliegende (und von der Sichtweise dieser Folge aus zukünftige) Folgen beweisen, dass weibliche Androiden durchaus sehr attraktive Körper haben können. Welche "Otto Normal"-Frau würde nicht mal gerne so aussehen wie Andrea aus "What Are Little Girls Made of?" (dt.: "Der alte Traum")? :-)

Episode 50: "Patterns of Force"

Deutscher Titel: [Schablonen der Gewalt] Bewertung:
Erstausstrahlung: USA 16.02.1968
Deutschland [nie gesendet]
Drehbuch: Vincent McEveety (Pseudonym v. Don Ingalls)
Regie: John Meredyth Lucas
Gaststars: David Brian (John Gill), Richard Evans (Isak), Valora Norland (Daras), Skip Homeier (Melakon, stellvertretender Führer), Paul Baxley, Bill Blackburn, Peter Canon, Chuck Courtney, Gilbert Green, Patrick Horgan, Bart LaRue, Ralph Maurer, Ed McReady, William Wintersole

Handlung:

John Gill, ein ehemaliger Geschichtsprofessors Kirks von der Starfleet-Akademie, befindet sich als Beobachter auf dem Planeten Ekos. Offenbar hat sich Gill aber in die Geschichte des Planeten eingemischt und ein Regime errichtet, das sich an Nazi-Deutschland orientiert und die Bewohner des Nachbarplaneten Zeon gnadenlos verfolgt.

Kirk und Spock finden das heraus, als sie nach Ekos herunterbeamen und von den "Nazis" gefangen genommen werden…


Persönliches Fazit:

Der einzige Grund, "Patterns of Force" zu sehen, ist der, um zu sehen, wie SCHLECHT diese Episode wirklich ist. Das ist die einzige Folge der ursprünglichen Classic-Serie, die (bisher) nie im normalen deutschen Fernsehen öffentlich ausgestrahlt wurde. Hintergrund ist natürlich die Nazi-Thematik, die weder das ZDF in den 70ern noch SAT 1 in den 80ern dem deutschen Publikum zumuten wollte. Damit war "Patterns of Force" auch die einzige Folge, die nicht über eine deutsche Synchronfassung verfügte. In den 90ern wurde das - für die Video- bzw. DVD-Veröffentlichung - nachgeholt, allerdings waren nicht mehr alle Original-Sprecher verfügbar (will heißen: am Leben). Bei den verfügbaren Sprechern hatte sich die Stimme natürlich aufgrund der langen Zeitspanne auch verändert, so dass die Originalversion einmal mehr der bessere Griff ist. So oder so ist es aber begrüßenswert, dass endlich der Mut gefasst wurde, auch diese Folge dem deutschen Publikum zugänglich zu machen, wenn auch der letzte Schritt immer noch fehlt. In Anbetracht der Tatsache, dass in Film und Fernsehen ständig Nazis herumlaufen (z.B. in "Indiana Jones" oder auch immer wieder gerne in den neueren STAR TREK-Serien), ist es einfach nur lächerlich, aufgrund einer entsprechenden Thematik auf eine Ausstrahlung zu verzichten. Vielleicht sind die Sender aber auch nur darauf bedacht, den deutschen Zuschauern den absoluten Tiefpunkt der Classic-Serie zu ersparen…

"Patterns of Force" ist das Pendant zu "A Piece of the Action" (dt.: "Epigonen"): beide Folgen greifen die irdische Geschichte auf und gehörten ursprünglich zu einem Skript, das in zwei Teile gespalten wurde. Während "A Piece of the Action" hervorragend ist, ist "Patterns of Force" ein jämmerlicher Versuch, Geschichte aufzuarbeiten. Die an und für sich passable Botschaft wird vollständig in der unangemessenen Aufarbeitung eines so ernsten Themas ertränkt.

Es ist richtig und wichtig, sich mit dem Schrecken der Nazi-Diktatur auseinanderzusetzen, immer wieder, um eine Wiederholung auch nur in Ansätzen zu vermeiden. Daher sind Filme, wie z.B. "Schindlers Liste", sehenswerte Beiträge gegen das Vergessen. Was STAR TREK aber hier (und auch in den genannten späteren Folgen abliefert) ist erbärmlich. Die eigentliche Tragweite des Horror-Regimes wird auf die Rolle des billigen Bösewichts reduziert. Spocks Kommentar, Kirk würde einen guten Nazi abgeben, ist einfach unglaublich (noch zumal Leonard Nimoy, der wortwörtlich "You should make a very convincing Nazi" sagt, selbst ein Jude ist). Hat sich jemand mal überlegt, was das eigentlich heißt? Würde Spock seinen Freund und Vorgesetzten wirklich bescheinigen, gut einen diskriminierenden Schlächter abzugeben? Wohl kaum. Noch unglaublicher ist aber wohl die Rolle von John Gill, der als Historiker doch besser als jeder andere wissen müsste, wie hirnrissig diese Idee ist. Dass auch die Föderation so gar nichts davon mitbekommt, ist zumindest zu bezweifeln. In diesem Zusammenhang stellen sich gleich mehrere Fragen: Die "Heldin des Vaterlands", Daras, erinnert sich, mit John Gill als Leitfigur aufgewachsen zu sein. Das legt nahe, dass John Gill mindestens 15 Jahre Zeit hatte, das Regime zu etablieren, eher mehr. In fünfzehn Jahren hat sich niemand gefragt, was John Gill auf Ecos treibt? Parallel dazu kennt Kirk Gill noch als Professor auf der Akademie. Kirk ist während der Serie Mitte Dreißig, es wird also zeitlich äußerst unwahrscheinlich, dass Gill ihn unterrichtete, dabei aber so zeitig auf Ecos ankam, um eine Terror-Herrschaft aufzubauen, die Daras von Kleinauf kennen gelernt und akzeptiert hat. Wie soll das zusammen passen?

Mal abgesehen vom miserablen Umgang mit der Geschichte bleibt noch genug Kritik für die Machart übrig. Die Transponder, die sich allzu praktisch in die Handlung einfügen, werden nur in dieser Folge verwendet. Allerdings dienten sie ursprünglich dazu, Kirk und Spock auf dem Planeten aufzutreiben und im Notfall (ungeachtet der Ersten Direktive(!)) hoch zu beamen. Davon ist keine Rede mehr, auch als beide gefangen genommen und ausgepeitscht werden.

Die Striemen wirken dabei so derartig angemalt, dass es schon peinlich ist. Normalerweise bin ich der Letzte, der sich über die Kulissen und Masken einer so alt-ehrwürdigen Serie beschwert, aber Blut nachzuahmen geht besser (siehe z.B. "Amok Time"). Während bei Spock die Künstlichkeit aufgrund seines grünen Blutes noch erklärbar ist, wirkt das bei Kirk nur lächerlich. Kurz nach dieser "Befragung" leidet Kirk offenbar noch unter den erlittenen Verletzungen, was Spock aber nicht daran hindert, erstmal Vorträge zu halten, während er auf Kirks Rücken steht. Das soll vermutlich komisch sein, ist es aber nicht. Später dann bewegen sich beide, als wäre nie etwas gewesen.

Wieso Kirk überhaupt Spock, trotz des vulkanischen Äußeren seines Ersten Offiziers, mit auf den Planeten nahm und zwar etwas von der normalen ekosianischen Kleidung, aber nichts von der Etablierung des Nazi-Regimes wusste, bleibt wohl ewig sein Geheimnis. Ebenso, was mit der Föderationstechnik auf Ekos nach der Folge passierte.

Die Episodes wird leider auch im Folgenden nicht besser. Die (unnötige, da durch beamen umgehbare) Vorstellung, die Kirk, Spock und die Untergrundleute von Zeon incl. Isaac (schon wieder jemand, der meinte, seine Namensgebung sei originell) als Reporterteam geben, ist lächerlich. Shatner hantiert mit dem Pappkarton so stümperhaft herum, dass es wehtut, auch die anderen sind nicht besser. Davon ließe sich nicht mal ein Blinder mit Hörproblemen überzeugen.

Ebenso wenig überzeugt hat mich das "deutsch" dieser Folge. Besonders deutlich in den Untertiteln zu merken ist das Ein-Englischen bestimmter Begriffe wie "Schwein" (swine) oder "Heil" (hail). Hierfür habe ich aber fast noch Verständnis, immerhin ist das Regime ja nur eine von John Gill gezüchtete Kopie und vermutlich konnte der auch kein deutsch… Alles in allem fällt mir wirklich nichts ein, was an dieser Folge sehenswert wäre, sie hat sich daher die Nominierung als schlechteste TOS-Episode redlich verdient. Das schlimme daran ist aber eigentlich, dass gerade in US-Produktionen bis heute tumbe Nazis als Bösewichter herhalten müssen, was weder dem Schrecken noch den Opfern gerecht wird. Wenn Nazis eingearbeitet werden, dann bitte so, dass die Geschichte nicht unangemessen behandelt wird. "Patterns of force" bietet jedenfalls eine hervorragende Vorlage, wie man es NICHT machen sollte.

Episode 51: "By Any Other Name"

Deutscher Titel: Stein und Staub Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 23.02.1968
Deutschland (ZDF) 11.11.1972
Drehbuch: D.C. Fontana, Jerome Bixby
Regie: Marc Daniels
Gaststars: Kelvaner: Warren Stevens (Rojan), Barbara Bouchet (Kelinda), Leslie Dalton (Drea), Robert Fortier (Tomar), Stewart Moss (Hanar)

Carl Byrd (Lieutenant Shea), Julie Cobb (Yeoman Leslie Thompson)

Handlung:

Sternzeit 4657,5: Eine Gruppe von Kelvanern lockt die Enterprise mit einem fingierten Notruf auf einen unerforschten Planeten. Mit überlegener Technik kapern die Kelvaner, die aus einer weit entfernten Galaxis gekommen sind und für ihr Volk eine neue Heimat erobern wollen, das Schiff. Alles unwesentliche Personal wird zu kleinen Würfeln reduziert, so dass nur noch Kirk, Spock, McCoy und Scotty übrig bleiben. Die Kelvaner wollen zurück in ihre Heimatgalaxis reisen um Bericht zu erstatten und modifizieren für die mehrere Jahrhunderte dauernde Reise die Schiffsysteme. Schon bald wird aber klar, dass die Kelvaner mit den menschlichen Körpern, nur bedingt klar kommen…


Persönliches Fazit:

Abgesehen davon, dass einige Ideen (mal wieder) wiederholt werden (Aliens übernehmen die Enterprise, denen menschliche Werte, allen voran irdische Liebe, nahe gebracht werden müssen), bietet "By any other Name" gute Unterhaltung.

Gleich mehrfach wird ein Bezug zu anderen Folgen hergestellt, als die Mission auf Eminiar VII ("A Taste Of Armageddon", dt.: "Krieg der Computer") erwähnt wird und die Energiebarriere aus dem Pilotfilm "Where No Man Has Gone Before" (dt.: "Spitze des Eisbergs") einen neuen Auftritt verzeichnen kann. Während Kirk allerdings vom Computer M5 in "The Ultimate Computer" (dt.: "Computer M5") als unwesentliches Personal eingestuft wird, scheint der Kelvaner Rojan das anders zu sehen. Allerdings ist auch mir nicht klar, welche Aufgaben Kirk wahrnehmen soll, da er im Wesentlichen andere deligiert, was eindeutig von Rojan übernommen wird. Kirk erhält so natürlich die Möglichkeit, seinen Charme an einer weiteren außerirdischen Schönheit auszutesten. :-) Kelindas ursprüngliche Reaktion ist noch sehr witzig, der weitere Verlauf dagegen weniger originell. Da ist Scottys Versuch, Tomar unter den Tisch zu saufen, doch um einiges gelungener. James Doohan ist dabei so überzeugend, dass man fast Mitleid mit ihm hat, als er seine flüssige und uralte Kostbarkeit für den guten Zweck opfern muss.*) Alleine diese Szene macht die ganze Episode sehenswert! Ein Bezug zu ihr wird in TNG wieder hergestellt, als Scotty auf Picards Enterprise in "Besuch von der alten Enterprise" landet und sich mit Data unterhält.

Darüber hinaus ist wenig Neues zu sehen, weil es eben so einige Folgen gibt, die eine ähnliche Thematik verfolgen (z.B. "Return to Tomorrow", dt.: "Geist sucht Körper" und "Wink of an Eye", dt.:"Was summt den da?"). Ursprünglich sollte der Schwerpunkt nicht auf den Kelvanern liegen sondern vielmehr auf der Crew von der Enterprise, die mit dem Problem konfrontiert wird, eventuell nie wieder "nach Hause" zurückkehren zu können (was genau genommen nichts anders als die Grundidee von Voyager ist). Leider wurde wieder zurück in Richtung Standardplot geschwenkt, wobei trotzdem einige gute Momente vorkommen. Kirk leidet z.B. sichtbar unter dem Tod seiner Besatzungsmitglieder, die hilflose Wut wird gut transportiert. Die Mineralwürfel sind auch nicht schlecht umgesetzt. Am Anfang wird erstaunlicherweise das naiv aussehende Mädchen ins Jenseits befördert, was natürlich an sich tragisch ist, aber auch mehr Gleichberechtigung ins Spiel bringt (ihre Uniformfarbe stimmt immerhin :-)). Es ist auch schön, dass die Würfel nicht vertauscht wurden und augenscheinlich jemand darauf geachtet hat, den richtigen Würfel zu verwenden. Die Kelvaner menschlicher werden zu sehen, ist ebenfall ein Pluspunkt. Wie sie überhaupt zu Menschen wurden bleibt ebenso wie vieles andere dagegen ungeklärt. Ihr Paralysegerät bewirkt augenscheinlich ein Weiterfunktionieren der Augen, da sowohl Kirk als auch Uhura krampfhaft um sich blicken. Spock wird zwar nicht paralysiert, als er sich in vulkanische Trance begibt, sollte allerdings gerade deswegen damit rechnen, dass seine Beine ihn dann nicht mehr tragen. Es ist nicht unbedingt logisch, sich von seinen Freunden fangen zu lassen, dafür aber sehr effektvoll. :-)

Eine insgesamt nicht herausragende, aber trotzdem unterhaltsame Folge.

*) Ralph Sander ist in dem Buch "Das STAR TREK Universum - Band 1", Wilhelm Heyne Verlag München 1989, doch tatsächlich der Auffassung, STAR TREK würde hier den Eindruck erwecken, dass sich mit Alkohol Probleme lösen lassen. Ich kann diese Position nicht bestätigt sehen, da immerhin Scotty ja letztendlich selbst zu betrunken ist, um noch etwas zu unternehmen. Es kann also keine Rede davon sein, dass Alkohol hier als möglicher Ausweg hingestellt wird.

Episode 52: "The Omega Glory"

Deutscher Titel: Das Jahr des roten Vogels Bewertung: * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 01.03.1968
Deutschland (SAT 1) 21.03.1988
Drehbuch: Gene Roddenberry
Regie: Vincent McEveety
Gaststars: Morgan Woodward (Captain Ronald Tracey), Roy Jensen (Cloud William), Lloyd Kino (Wu), Frank Atienza, Morgan Farley, Irene Kelley, Ed McReady

Handlung:

Die USS Exeter, ein Schwesterschiff der Enterprise unter dem Kommando von Captain Ron Tracey, umkreist verlassen den Planeten Omega IV. Von der Besatzung sind nur noch Kristalle übrig. Aus Logbucheinträgen geht hervor, dass die Crew durch eine von dem Planeten stammende Krankheit dahin gerafft wurde. Die einzige Überlebenschance bietet sich auf Omega IV selbst, wo Captain Tracey als Einziger der Exeter überlebt hat. Irgendetwas auf dem Planeten schützt nicht nur vor der Krankheit, es bewirkt auch eine extreme Langlebigkeit der Einheimischen. Dabei hat Tracey die Erste Direktive missachtet und unterstützt den Kampf der zivilisierten, asiatisch wirkenden, Kohms gegen die westlich aussehenden, barbarischen Yanks.


Persönliches Fazit:

Einmal mehr schießt STAR TREK etwas über das Ziel hinaus, als sich die Parallelen zur Erdgeschichte schon peinlich häufen.

Dabei fängt "The Omega Glory" gut an, die kristallisierten Crewmitglieder der Exeter erzeugen sofort Spannung. Dann aber gleitet die ganze Geschichte ab, eingeleitet von gleich mehrfacher Verletzung der Ersten Direktive. Zuerst schert sich Captain Tracey (der frappierende Ähnlichkeit mit Dr. Simon van Gelder aus "Dagger of the Mind" aufweist…) nicht darum, dann beamt auch noch Kirks Gruppe mitten in das Dorf. Später wird erklärt, wie wichtig die Erste Direktive eigentlich ist…

Die gute Aussage der Folge geht außerdem in den Amerikanismen unter. Nicht nur, dass aus "Yanks" Yankees und aus "Kohms" Kommunisten werden, irgendwer muss so freundlich gewesen sein, die amerikanische Flagge abzuladen (von einem englischen Wörterbuch und einer Ausgabe der Amerikanischen Verfassung mal zu schweigen). Der übliche Schlusswitz wird hier übrigens durch einen letzten Blick auf besagte Fahne ersetzt (ich überlasse es jedem selbst, hier eine Verbindung herzustellen :-)).

Morgan Woodward, der den Captain Tracey spielt, liefert eine gute Leistung ab, hat aber die undankbare Aufgabe, einmal mehr einen durchgedrehten ranghohen Starfleet-Offizier zu spielen. (Persönlich würde mich diese Häufung als Fähnrich geringfügig beunruhigen :-)).

Ansonsten wurde STAR TREK einmal mehr von der Wirklichkeit eingeholt: McCoy bezieht sich auf Kriege mit biologischen Waffen, die in den 90er Jahren stattgefunden haben - einmal mehr etwas, an das ich mich (zum Glück) nicht erinnern kann.

Alles in allem ist die Folge mäßig spannend. Kirk wird mehrere Male (teils sehr heftig) niedergeschlagen, steht aber immer relativ munter wieder auf und auch Spock kann noch mentale Kunststücke vollbringen, nachdem er eigentlich ziemlich viel einstecken musste. Aber gut, inzwischen ist ja bekannt, dass beide hart im Nehmen sind :-).

Im letzten Drittel ist übrigens eine Einstellung von Kirk seitenverkehrt einkopiert, wer aufpasst, kann seinen Scheitel auf der falschen Seite bewundern.

Episode 53: "The Ultimate Computer"

Deutscher Titel: Computer M5*) Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 08.03.1968
Deutschland (ZDF) 18.11.1972
Drehbuch: D.C. Fontana
Regie: John Meredyth
Gaststars: William Marshall (Dr. Richard Daystrom), Barry Russo (Commodore Robert Wesley), Sean Morgan

Handlung:

Die Enterprise ist dazu auserkoren, den neuen multitronischen Computer M5 zu testen. Deren Erfinder, Dr. Daystrom, revolutionierte als 24. Jähriger die Computerwissenschaften und will nun mit M5 zu altem Ruhm zurück.
Der neue Computer soll die Besatzung eines Raumschiffs überflüssig machen, auch die Besatzung der Enterprise wird für die Dauer des Tests auf zwanzig reduziert. Zunächst erscheint es so, dass M5 tatsächlich überlegen ist…


Persönliches Fazit:

Der Mensch wird durch zunehmende Automatisierung ersetzt. Das war in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts so und ist pikanterweise immer noch aktuell, vielleicht sogar jetzt mehr denn je. Die dadurch entstehenden Ängste werden ganz hervorragend an Kirk ausgemacht, der zu "Captain Dunsel" wird, etwas, das eigentlich überflüssig ist. Natürlich ist klar, dass die Botschaft genau das Gegenteil beweisen möchte und dadurch ist ebenfalls klar, in welche Richtung diese Folge läuft. Das Wie geht aber unter die Haut.

Die Gegenüberstellung Dr. Daystrom (nach dem in DS9 ein Institut benannt wurde - anscheinend überwiegen seine sonstigen Leistungen das M5-Fiasko…) mit Kirk ist einer der Schwerpunkte der Folge. Beide sind so genannte "boy wonder". Dr. Daystrom hatte seinen Durchbruch mit 24 und rennt seinem Ruhm hinterher, während Kirk sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere befindet. Alle anderen Starfleet Captains, die nicht nur in dieser sondern auch in allen anderen Folgen gezeigt werden, sind weit älter, Kirks Karriere dementsprechend steil verlaufen.

Beide Charaktere verdienen Sympathie, allerdings kann nur einer auf Kosten des anderen Erfolg haben. Funktioniert Daystroms Erfindung, wird Kirk unnötig, funktioniert sie nicht, ist es anders herum. Natürlich ist klar, wie es ausgeht, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Besonders hervorzuheben sind die Rollen von McCoy und Spock, die beide auf Kirks Seite stehen. Spock, der eigentlich eher die Gegenposition mit der Bewunderung alles Logischen vertritt, überrascht, als er nicht nur zugibt, Computer nicht dienen zu wollen sondern dass er die Leitfigur des Captains für unverzichtbar erhält. Diese Momente sind es, die den Vulkanier so menschlich machen, die Freundschaft zwischen dem klassischen Triumvirat einzementieren und die Charaktere über die Masse des TV-Alltags herausheben.

In der zweiten Hälfte verliert die Folge leider etwas, weil Dr. Daystrom das Schicksal aller Genies teilt und die Grenze zum Wahnsinn zu überschreiten scheint. Ausgeglichen wird das etwas von Commodore Bob Wesley, der endlich einmal einen vernünftigen Gegenpol zu gescheiterten Starfleet-Existenzen wie Captain Tracey, Captain Garth usw. darstellt.

Die Föderation scheint den M5-Test übrigens für sehr wichtig zu halten, da nicht nur die Enterprise als Versuchskaninchen herhalten muss, sondern auch noch gleich vier (!) weitere Sternenschiffe. Da die Flotte nur über insgesamt zwölf verfügt, ist das schon ein erstaunliches Aufgebot…

*) Normalerweise versuche ich ja, nicht politisch zu werden, aber hier drängte es sich mir geradezu auf: Der Supercomputer hieß M5, weil die Versionen 1-4 zuvor gefloppt sind und diese Folge beweist ja eindeutig, was aus Versuch Nr. 5 geworden sind.
Wieso dann bitte gibt es HARZ IV? :-)

Episode 54: "Bread and Circuses"

Deutscher Titel: Brot und Spiele Bewertung: * *
Erstausstrahlung: USA 15.03.1968
Deutschland (ZDF) 26.01.1974
Drehbuch: Gene L. Coon, Gene Roddenberry
Regie: Ralph Senensky
Gaststars: William Smithers (Merik), Rhoes Reason (Flavius Maximus), Logan Ramsey (Claudius Marcus), Ian Wolfe (Septimus), William Brabley, Lois Jewell, Max Kelven, Bart LaRue, Jack Perkins

Handlung:

Auf dem durch die Erste Direktive geschützten Planeten 892 IV ist das Transportschiff Beagle abgestützt. Dessen Captain, Merik, ist für Kirk kein Unbekannter, da Merik ebenfalls versucht hatte, ein Starfleet-Kommando zu erhalten, allerdings die Voraussetzungen nicht erfüllte.

Merik nennt sich nun Merikus und nimmt in der Gesellschaft, die einem nicht untergegangenen Rom des 20. Jahrhunderts entspricht, die Stellung des Ersten Bürgers ein. Als solcher hat er seine Mannschaft vor laufender Kamera in der Arena in den Tod geschickt, ein Schicksal, das auch die Crew der Enterprise teilen soll…


Persönliches Fazit:

Einmal mehr begegnet die Enterprise einer Zivilisation, die erstaunliche Parallelen zur irdischen Geschichte aufweist. Neben dem alten Rom, das auf diesem Planeten nicht untergegangen ist, ist auch die christliche Religion vertreten. Dem deutschen Zuschauer muss dieses Detail aber schon zwangsläufig umgehen, da bei der Synchronisation niemand das Wortspiel sun (Sonne)/son (Sohn) adäquat übersetzen konnte. Somit bleibt auch Uhuras Monolog am Ende über die Erkenntnis, dass die Sonnenanbeter in Wahrheit Christen sind, eher wirkungslos.

Fast schon ironisch wird dafür die ganze Zeit auf der Ersten Direktive der Nicht-Einmischung herumgeritten, während Kirk nichts Besseres zu tun hat, eben genau dieses oberste Gebot zu ignorieren und gleichzeitig Abhandlung über deren Wichtigkeit von sich zu geben. Das ist in etwa so, als würde ein Raucher, während er genüsslich an einer Kippe zieht, eine Predigt über den Schaden von Nikotin halten…

Die ganze Vorbereitung der nur aus Kirk, Spock und McCoy bestehenden Landegruppe ist schlampig - es wird weder auf einheimische Kleidung zurückgegriffen, noch werden irgendwelche Schutzmaßnahmen ergriffen. Allein schon Spocks Gegenwart ist ein Risiko.

Die Parallelen zur Erde sind dann zu frappierend, um überzeugen zu können. Einzig guter Aspekt ist der Seitenhieb auf die Filmindustrie, die versucht, die Arena-Kämpfe möglichst rentabel zu vermarkten.

Episode 55: "Assignment: Earth"

Deutscher Titel: Ein Planet, genannt Erde Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 29.03.1968
Deutschland (ZDF) 02.09.1972
Drehbuch: Gene Roddenberry, Art Wallace
Regie: Marc Daniels
Gaststars: Robert Lansing (Gary Seven bzw. dt. Felix Sevenrock). Teri Garr (Roberta Lincoln), Barbara Babcock (Isis als Mensch), Lincoln Demyan (Sergeant Lipton), Morgan Jones (Colonel Nesvig), Don Keefer (Cromwell), Paul Baxley Polizisten: Ted Gerhing und Bruce Mars

Handlung:

Die Enterprise unternimmt eine Zeitreise in das Jahr 1968, um einen nuklearen Zwischenfall auf der Erde zu untersuchen. Dabei geraten sie in die Quere von "Gary Seven" (dt.: "Felix Sevenrock"), der auf der Erde lebt, ein Humanoide ist, aber offensichtlich dennoch kein Mensch. Da seine Motive unklar sind, muss Kirk abwägen, ob er Gary Seven trauen kann. Will der Alien die nukleare Katastrophe verhindern - oder sie verursachen?


Persönliches Fazit:

"Assignment: Earth" war ursprünglich als Pilotfilm einer "Spin Off"-Serie geplant - der Auftritt in "STAR TREK" sollte also der Auftakt für eine eigene Show sein, allerdings kam es nie dazu. Vor einigen Jahren ist allerdings unter dem Titel "Assignment: Eternity" eine Fortsetzung in Buchform erschienen. Diese ursprüngliche Planung bewirkte, dass die Gaststars dieser Episode ungewöhnlich mehrdimensional erscheinen, außerdem wird so einiges angerissen, was erst in einer späteren Serie hätte erklärt werden sollen. Dazu zählen natürlich die Hintergründe von Gary Sevens Volk, deren Motivation als auch das Geheimnis um sein "Haustier". Die Katze, die hier ganz offensichtlich mehr und auch in Menschengestalt zu bewundern ist, ist in dieser Folge eigentlich ein absolut unnötiger Faktor. Was es mit ihr auf sich hat, warum sie sowohl Menschenfrau als auch Katze ist, wird nie aufgelöst.

Für damalige Verhältnisse war diese Folge wirklich gut. Auch heute noch beziehen viele Zeitreise- und SF-Geschichten ihren Reiz durch die Gegenüberstellung von Gegenwart mit einer imaginären Zukunft, wobei alles, was gerade hochmodern ist, für eine Person aus der Zukunft notgedrungen antiquiert erscheinen muss. Zu allen Zeiten wird mit diesem Trick gearbeitet, z.B. auch in der Filmtrilogie "Zurück in die Zukunft" aus den 80ern. Problematisch wird es hauptsächlich dann, wenn die "moderne" Technik der Gegenwart sich immer weiter von einem Publikum entfernt. Gary Sevens ironische Bemerkung über Primitivität geht daher mittlerweile ins Leere, einfach, weil ein heutiges Publikum vieles wirklich primitiv empfinden muss. Da die Handlung in den 1968 spielt und auch STAR TREK zur gleichen Zeit entstand, wurde die Epoche natürlich sehr gut nachgebildet. Selten in der klassischen Serie können Kulissen und Umfeld so überzeugen wie hier. Roberta stehlt stellvertretend für diese Generation, darf über hoch entwickelte Technologie staunen, die heute eher ein müdes Lächeln bewirkt. Am meisten fällt das wohl in den Schlussminuten auf, wo Gary Seven für seinen Bericht die Schreibmaschine verwendet. Klar drängt sich heute die Frage auf, wieso er das nicht am Computer machte. Gehen wir mal davon aus, dass ein Computer ebenfalls alles mitprotokollierte, was er da sagte :-). Besagtes Gerät ist übrigens identisch mit M5 aus "The Ultimate Computer" (dt.: "Computer M5").

Der normale Alltag der 60er sollte allerdings noch etwas anderes zeigen, und zwar, wie weit die fiktive STAR TREK-Technik tatsächlich fortgeschritten war. Vieles wurde Wirklichkeit, so dass heute kaum jemand darüber nachdenkt, welch eine Leistung es tatsächlich war, einen in vielen Punkten zutreffenden Blick in die Zukunft zu werfen.

Trotz dieser Leistung ist die eigentliche Mission der Enterprise hier doch sehr fragwürdig. Ein Schiff nur um der Neugier willen in die Vergangenheit zu schicken scheint ein überproportional großes Risiko zu sein - noch dazu eins, dessen man sich in DS9 nicht erinnert. Dort wird nämlich darüber nachgedacht, wann Historiker für ihre Forschungen wohl Zeitreisen einsetzen mögen - etwas, das in dieser Folge - natürlich gänzlich ungeachtet der Ersten Direkte - bereits praktiziert wird.

Das moralische Dilemma Kirks in dieser Folge besteht in der Frage, ob der Seven trauen kann oder nicht. Allerdings habe ich nie verstanden, wieso die Enterprise nicht selbst hätte eingreifen können. Spocks Feststellung am Ende, dass alles so abgelaufen ist, wie es hätte sollen, fehlt jede Grundlage. Bei einer Zeitmanipulation wären wohl auch die Enterprise-Computerbänke betroffen, weil es hier keinen "Wächter der Ewigkeit" gibt, der schützend seine (nicht vorhandene) Hand ausstreckt.

Die Überraschung der Folge ist für mich übrigens Roberta. Sie wirkt jung, witzig und absolut nicht schwach und zart. Frauen aus anderen Folgen wären schon etliche Male effektvoll in Ohnmacht gesungen, sie dagegen bewahrt einen kühlen Kopf und reagiert entsprechend. Ihre Darstellerin, Teri Garr, hatte 1977 ihren Durchbruch, als sie in Steven Spielbergs "Unheimliche Begegnung der dritten Art" mitwirkte. 1983 wurde sie außerdem für den Oscar als beste Nebendarstellerin für ihre Mitwirkung in "Tootsie" nominiert.

Mit "Assignment: Earth" endet die zweite Staffel von STAR TREK, die nach dem Willen der Geldgeber auch die letzte hätte sein sollen. Die dritte Staffel verdankt ihre Existenz einer Briefkampagne, bei der 1 Mio. Zuschriften zeigten, dass die Serie doch weit beliebter war als die Einschaltquoten bei ungünstigen Sendeplätzen vermuten ließen.

3. Staffel


Episode 56: "Spock's Brain"

Deutscher Titel: Spocks Gehirn Bewertung: *
Erstausstrahlung: USA 20.09.1968
Deutschland (SAT 1) 04.04.1988
Drehbuch: Lee Cronin (Pseudonym Gene L. Coon)
Regie: Marc Daniels
Gaststars: Marj Dusay (Kara), Sheila Leighton (Luma), James Daris

Handlung:

Sternzeit 5431,4: Die Enterprise sichtet ein unbekanntes, hoch entwickeltes Raumschiff, kurz darauf erscheint eine Frau auf der Brücke und betäubt die ganze Besatzung. Als die Crew wieder zu sich kommt, liegt Spock auf der Krankenstation, sein Gehirn fehlt, womit der Vulkanier zum Tode verurteilt scheint.

Kirk weigert sich aufzugeben und folgt einer Spur in das Sigma Draconis System…


Persönliches Fazit:

In Fankreisen wird diese Folge immer wieder als die schlechteste gehandelt und obwohl dieses Prädikat in meinen Augen "Patterns of Force" (dt.: [Schablonen der Gewalt]) noch mehr verdient, ist eine entsprechende Einschätzung nicht ganz unberechtigt.

Die Thematik ist abstrus, zahlreiche Stellen einfach nur unfreiwillig komisch. Der Spock-o-mat ist eine davon, der auch noch Geräusche macht, als hätte der Vulkanier im Vorfeld einen Stapel Zahnräder verschluckt. Später dann gibt er McCoy in einer OP Anweisungen, die an Schwachsinn nicht zu überbieten ist. Bei diesem absolut sterilen und blutfreien Eingriff vergisst McCoy sein Wissen und niemand kommt auf die Idee, jemand anderes mit dem entsprechenden Alien-Know-how zu versorgen (ein weiteres Beispiel, wo hoch entwickeltes Wissen von der Föderation im Anschluss zur Folge nicht mehr genutzt wurde…). Stattdessen fängt Spock höchstselbst an, McCoy anzuleiten, wobei ich mich mal frage, woher er die Qualifikation dafür haben soll. Die "Funktionstestes" sind nur noch peinlich, ebenso wie Spocks Schädel, der trotz des Eingriffes perfekt onduliert aus der Sache hervorgeht. Anscheinend waren den Zahnrädern ein paar Scharniere beigemischt…

Kirk ignoriert in dieser Folge ein weiteres Mal die Erste Direktive, er denkt nicht mal darüber nach, als er sich auf den unwirtlichen Planeten herunter beamen lässt. Ebenso ist niemandem eingefallen, sich ein paar Jacken oder ähnlich wärmende Kleidung anzuziehen, stattdessen steht alles herum und friert. Über die Planetenbewohner sollte lieber geschwiegen werden, sowohl das Outfit der Männer als auch das der Frauen, die mich immer an Dominas ohne Peitsche erinnern, ist nicht eben raffiniert, der demonstrierte Intelligenzquotient ähnelt der einer matschigen Kartoffel. Unterschwellig kommt durch, dass die Frauen einen männlichen Anführer brauchen, um sich regieren zu lassen, etwas, was von Kirks Haltung zusätzlich zementiert wird. Die Benennung für Männer und Frauen lässt Assoziationen an die "Eloi" und die "Morlocks" aus H.G. Wells "Zeitmaschine" aufkommen. Auch aufgrund weiterer Parallelen halte ich einen Zufall für eher ausgeschlossen.

Einziges Plus ist die abermals zwischen Kirk und Spock demonstrierte Freundschaft sowie Kirks Begabung, einer Ahnung zu folgen und damit ins Schwarze zu treffen. Als Auftakt für die dritte Staffel ist "Spock's Brain" aber mit Sicherheit keine gelungene Wahl.

Geschrieben hat diese Folge Gene L. Coon unter seinem Pseudonym Lee Cronin. Das ist umso bemerkenswerter, als dass der 1972 verstorbene Coon zu den besten TOS-Autoren gehörte und zeitweilig als Produzent tätig war. Ihm sind einige der besten TOS-Folgen zuzuschreiben, darunter "Arena" (dt.: "Ganz neue Dimensionen"), "Space Seed" (dt.: "Der schlafende Tiger") und "Errand of Mercy" (dt.: "Kampf um Organia"). Damit hat STAR TREK ihm viel zu verdanken, neben der herausragenden Figur des Khan, der später nicht nur in die Kinofilme Einzug hielt sondern auch Schatten auf die nachfolgenden Serien warf, insbesondere die Erfindung der Klingonen.

Dieser Mann ist also ein entscheidender Teil des STAR TREK-Universums, die Tatsache, dass er "Spock's Brain" unter einem Pseudonym schrieb, lässt ein paar Rückschlüsse auf seine Motivation zu. Gerüchte besagen, dass er mit Roddenberry immer wieder aneinander geriet und er diese Episode als Parodie auf all das schrieb, was Roddenberry unter SF verstand.

Episode 57: "The Enterprise Incident"

Deutscher Titel: Die unsichtbare Falle Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 27.09.1968
Deutschland (ZDF) 12.08.1972
Drehbuch: D.C. Fontana
Regie: John Meredyth Lucas
Gaststars: Joanna Linville ([namenlose] Romulanische Kommandantin), Jack Donner (Sub-Commander Tal), Gordon Coffey, Richard Compton, Robert Gentile, Mike Howden

Handlung:

Kirk, scheinbar vollkommen überarbeitet, ordnet einen Kurs an, der die Enterprise durch die Neutrale Zone in das Romulanische Reich bringt. Kaum dort angekommen, wird die Enterprise von feindlichen Schiffen umringt, die aus dem Nichts auftauchen.

Die Enterprise hat gegen die Übermacht keine Chance, so erklärt Spock der Romulanischen Kommandantin, dass Kirk den Kurs auf eigene Faust angeordnet hat…


Persönliches Fazit:

"The Enterprise Incident" ist eine sehr kurzweilige Folge, die allerdings einige moralische Fragen aufwirft. Bislang war es die Föderation, die immer für die das "Richtige und Gute" eintrat, hier aber wird Kirk ganz klar auf eine Spionagemission geschickt, die zumindest als zweifelhaft einzustufen ist und ihn zu allem Überfluss noch zum Sündenbock macht, sollte etwas schief gehen. Im Gegensatz zu der Föderation treten die Romulaner extrem ehrenhaft auf, sie halten sich soweit an alle Vereinbarungen und scheinen ihre Gefangenen gut zu behandeln. Auch sind sie nach einem Todesfall sofort bereit, die "Leiche" auf das Föderationsschiff zurück zu bringen.

Kirks Plan, der am Anfang des Ganzen steht, hat viele Aspekte, die ihn eigentlich zum Scheitern verurteilen, hätten ihm die Romulaner nicht immer wieder geholfen. So ist wohl das feindliche Schiff wohl nicht der Beste Ort, um McCoy über alles aufzuklären. Zumindest ich hätte erwartet, dass es in einer Zelle geheime Abhöreinrichtungen gibt.

Dass die Romulaner klingonische Technik verwenden, ist in Anbetracht der dadurch reduzierten Produktionskosten extrem praktisch. Die Uniformen dagegen haben zumindest weitläufig Ähnlichkeiten mit denen der Föderation, auch hier laufen die Frauen halb nackt herum, selbst wenn sie die ganze Flotte befehligen. Dass tatsächlich eine Frau an der Spitze der Romulaner steht, ist sehr begrüßenswert, leider wird die gute Wirkung etwas gedämpft, als die Kommandantin letztendlich ihren Emotionen nachgibt. Sie verliert damit ihren Status als gleichwertiger Gegner, zählt aber nach wie vor zu den Charakteren der Classic-Serie, die von Buch- und Fanfiction-Autoren immer wieder gerne aufgegriffen werden.

Um die Mission zu einem Erfolg zu führen, verhalten sich Kirk und Spock "out of character". Besonders Spocks "Liebeszenen" haben die Gemüter erhitzt, obwohl sie doch gut durch die Umstände erklärt werden. Spocks vulkanische Herkunft ist einmal mehr das Thema der Woche. Neben dem nicht-vorhandenen Todesgriff (zählt das in "Journey to Babel" [dt.: "Reise nach Babel"] erwähnte tal-shaya etwa nicht in diese Kategorie?) ist es der Mythos, dass Vulkanier nicht lügen können, eines der Folgen-Highlights. Dennoch ist es von den Romulanern schon etwas dämlich, Spocks Behauptung so glauben zu schenken. Denn wenn er imstande ist zu lügen, dann wohl auch bei dieser Frage und außerdem wird ganz richtig bemerkt, dass Spock Halb-Mensch ist. Ein altes Paradoxon… Nebenbei werden so andere vulkanische Mythen, wie z.B. die Nicht-Emotionalität, gekonnt vorgeführt. Wenn eines nicht stimmt, wer sagt dann, dass das andere wahr sein muss? Die Vulkanier als Volk im Allgemeinen und Spock als Vertreter dieser Spezies im Besonderen gewinnen daher einmal mehr an Tiefe und werden noch interessanter als bisher. Die Verwandtschaft mit den Romulanern, die zurzeit der Classic-Serie noch die genau gleichen Masken haben wie die Vulkanier, trägt ebenfalls dazu bei.

Trotz aller Ähnlichkeit zwischen Romulanern und Vulkaniern scheinen erstere jedoch wesentlich schwächer zu sein, denn Kirk kann fast mühelos alle Romulaner beseitigen, während er gegenüber Vulkaniern, insbesondere bei Spock, bislang mehr Probleme hatte. Auch romulanische Technik ist für Kirk kein Problem, Scotty schwitzt dagegen schon mehr, als er sich damit auseinander setzen muss.

Bei allem ist es überraschend, dass die Romulaner ganz offensichtlich keinen Überblick über ihre eigene Mannschaft haben. Hätte Kirk nicht sofort als Eindringling erkannt werden müssen? Nochzumal Shatner die Ohren ganz entschieden nicht stehen (was für ein Glück, dass Nimoy den Vulkanier darstellte :-)). Allerdings passt das gut zur Rolle. Weniger gut zu den bisherigen bekannten technischen Möglichkeiten passt es, dass Kirk einfach so gebeamt werden konnte. Einzig logische Schlussfolgerung ist, dass weder die Enterprise noch die Romulaner ihre Schilde aktiviert haben (!).

Die Erfindung der Tarnvorrichtung (die verdächtige Ähnlichkeit mit einer Lampe hat - gab es damals in den USA schon IKEA? :-)) ist aber eine erstklassige Idee, ebenso, die Romulaner wieder aufzugreifen.

Abschließend kann ich sagen, dass ich dieser Folge etwas zwiespältig gegenüber stehe. Dramaturgisch ist sie hervorragend, sie bietet Aufregung und Nervenkitzel, zerrt aber das sonstige doch eher in glattem schwarz und weiß gehaltene Bild der Föderation in eine Grauzone. Die Föderation ist nicht länger der weiße Ritter sondern eine Organisation, die auch nicht zurück schreckt, einen Bauern (Kirk und die Enterprise) zu opfern. Kirk weiß am Anfang wenigstens seine Leute hinter sich, die ihm trotz seines Verhaltens folgen. Dennoch bleiben einige "Schmutzflecken" zurück, die durch die doch recht zahlreichen glücklichen Fügungen in der Ereigniskette unterstrichen werden. Selbst die Drehbuchautorin distanzierte sich von der endgültigen Fassung, aufgrund welcher Änderungen genau ist mir allerdings nicht bekannt.

Episode 58: "The Paradise Syndrome"

Deutscher Titel: Der Obelisk Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 04.10.1968
Deutschland (ZDF) 18.11.1972
Drehbuch: Margaret Armen
Regie: Jud Taylor
Gaststars: Sabrina Scharf (Miramanee), Rudy Solari (Salish), Richard Hale, Lamont Laid, Sean Morgan, Naomi Pollack, Peter Virgo jr.

Handlung:

Die Enterprise soll einen erdähnlichen Planeten, deren Bewohner ein einfaches, indianerähnliches Dasein führen, vor einem herannahenden Asteroiden beschützen. Damit die Phaser die Bahn des Asteroiden genug ablenken können, muss die Enterprise schnell handeln. Daher bleibt Kirk allein auf dem Planeten zurück, als er während einer kurzen Landgangs spurlos verschwindet.

Während die Enterprise bei dem Ablenkungsversuch scheitert und schwer beschädigt langsam zu dem Planeten zurückkehrt, lebt Kirk dort monatelang bei den Indianern. Unter Gedächtnisverlust leidend, genießt er das einfache Leben und gründet eine Familie. Allerdings wird er für die Indianer für einen Gott gehalten, da er dem "Obelisken" entstieg, was auch Neider hervorruft. Was für die Indianer ein Heiligtum ist, ist in Wahrheit ein Stück fortschrittlicher Technologie, die Spock auf dem Rückweg zum Planeten zu entschlüsseln versucht…


Persönliches Fazit:

"The Paradise Syndrome" ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Das fängt schon mal damit an, dass mehr Zeit als üblich vergeht. Kirk ist hier nicht der souveräne Captain, durch seinen Gedächtnisverlust legt er die Rolle ab, kann einfach nur leben. Damit werden nicht nur bei ihm sondern beim Zuschauer die einfachsten Sehnsüchte gekonnt angesprochen. Trotz der anderen Umgebung fügt sich Kirk ins neue Umfeld, nimmt automatisch eine bedeutende Rolle in der einfachen Kultur ein. Ermöglicht wird ihm das durch die Wiederbelebungsmaßnahme, die aber absolut nicht überzeugend dargestellt wird und mich jedes Mal an eine Wasserpumpe erinnert :-).

Dass die "Indianer" englisch sprechen, ist dabei ziemlich hilfreich. In STAR TREK waren ja so gut wie nie irgendwelche Sprachbarrieren vorhanden, was halbherzig mit einem Universalübersetzer gerechtfertigt wurde. In dieser Folge ist aber auch mit viel Wohlwollen ein Universalübersetzer keine Erklärung. Kirk hätte durch seinen Gedächtnisverlust Probleme mit dieser Technologie gehabt, auch sein Status als "Gott" hätte darunter doch ziemlich gelitten (was aber eindeutig gelitten hat, ist seine Frisur unter dem geschrumpften Budget in der dritten Staffel, was sich offensichtlich auch in billigeren Perücken niederschlug…). Selbst wenn die Indianer ihren Ursprung auf der Erde hätten, so ist Englisch von allen Sprachen wohl nicht unbedingt die, die zu erwarten gewesen wäre… Ein guter Einfall dagegen ist die Verwendung von Musik als Schrift, ebenfalls Spocks Besessenheit, das Rätsel zu lösen. Allerdings hätte Uhura als Kommunikations- und Sprachspezialistin bestimmt gut zur Lösung beitragen können…

In dieser Folge ergibt sich einer der seltenen Momente, in denen Spock sich irrt, als er nicht imstande ist, den Asteroiden nach Plan aufzuhalten. Durch Kirks Abwesenheit ergeben sich viele gute Spock/McCoy-Momente, allerdings sollte man McCoy mehr Intelligenz zutrauen, um zu erkennen, warum ein rechtzeitiges Ablenken der Asteroidenbahn so wichtig ist. Die Erklärung gehen aber ohnehin mehr in Richtung Zuschauer.

Bei dem ganzen kritischen Zeitplan wird aber nicht klar, wieso die Landegruppe ganz zu Anfang überhaupt hinunter beamt, ebenso, wieso sich Kirk von der Gruppe trennt. Eine Inspektion der Kultur wäre nach der Rettung immer noch möglich. Stattdessen wird in aller Ruhe darüber debattiert, ob die Indianer nicht wissen sollten, was ihnen droht. Die Erste Direktive aber, die das ganz klar verbietet, wird nicht zitiert.

Kirks Leben auf dem Planeten ist an und für sich auch ein (versehendlicher) Verstoß, es wäre eigentlich interessant gewesen, wie genau die Vorschriften mit einem solchen Fall umgehen. Mit Miramanees Schwangerschaft haben die Macher einen mutigen Weg eingeschritten, da so das Ausmaß der Identifikation von Kirk mit seiner neuen Rolle unterstrichen wird. Miramanees Ende ist dagegen ein einfacher Ausweg, am Ende der Folge scheint sie nicht mehr so wichtig zu sein. Als sie verletzt am Boden liegt, kümmert sich erstmal niemand um sie. Insgesamt gehört sie aber zu den glaubwürdigen Liebschaften.

Besser ist die Rettung des Planeten umgesetzt, es entsteht ein Bogen zum Anfang. Hier hätte sich übrigens die Möglichkeit ergeben, auf eine der alten Hochkulturen zurückzugreifen (Sargons Volk, die Organier usw.), was aber leider nicht geschieht.

Trotzdem bleibt eine sehr interessante Folge übrig, die der Behauptung widerspricht, die dritte Staffel der Classic-Serie hätte nichts zu bieten. Denn auch hier findet sich interessante Science Fiction, die sich mehr mit menschlichen Problemen als mit überragender Technologie auseinander setzt.

Episode 59: "And the Children Shall Lead"

Deutscher Titel: Kurs auf Markus 12 Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 11.10.1968
Deutschland (ZDF) 23.02.1974
Drehbuch: Edward J. Lakso
Regie: Marvin J. Chomsky
Gaststars: Melvin Belli (Gorgon), Craig Hundley (Tommy Starnes), Pamelyn Ferdin (Mary Janowski), Brian Tochi (Ray Tsing Tao), Mark Robert Brown (Don Linden), Caesar Belli (Steve O'Connell), James Wellman (Prof. Starnes), Eddie Paskey (Lt. Leslie), Louis Elias (Techniker)

Handlung:

Sternzeit 5027,3: Auf Triacus erlebt die Enterprisebesatzung eine Tragödie mit: alle erwachsenen Mitglieder des Forscherteams haben Selbstmord begangen, während ihre Kinder vollständig unberührt von dem Verlust ihrer Eltern zu sein scheinen.

Die Enterprise nimmt die Kinder mit an Bord, die noch immer keine Spur von Trauer zeigen. Durch Aufzeichnungen wird deutlich, dass die Wissenschaftler auf Triacus systematisch in den Wahnsinn getrieben wurden. Gorgon, ein Wesen, das als "freundlicher Engel" auftritt und die Kinder auch auf der Enterprise beeinflusst, ist dafür verantwortlich. Als Kirk und Spock das erkennen, haben die Kinder mit Gorgons Hilfe bereits die Crew unter Kontrolle gebracht und das Kommando übernommen...


Persönliches Fazit:

Wie bereits schon in "Miri" (dt.: "Miri, ein Kleinling") spielen Kinder eine zentrale Rolle, hier wie dort sind die "Kinderspiele" leider ähnlich nervtötend. Das wird zusätzlich durch die Musik unterstrichen, die dem Gesang aus "Miri" entnommen wurde. Warum es keine TOS-Episode wirklich schafft, glaubhafte Kinder einzubeziehen, ist mir ein Rätsel. Fakt ist aber, dass gerade bei der Darstellung der Kindlichkeit riesengroße Defizite offensichtlich werden.

Davon abgesehen gibt es natürlich auch gute Momente, die besten davon teilen einmal mehr William Shatner und Leonard Nimoy und beziehen sich auf die Interaktion von Kirk und Spock. Gerade auch die Tatsache, dass Spock von den Kindern beeinflusst wird, wirkt gespenstisch, ist der Vulkanier sonst gegen nahezu alles immun und der Fels in der Brandung. Kirks Angst, dass Kommando zu verlieren, wird erneut deutlich, bildet also eine Abrundung zu bisherigen Folgen wie "The Ultimate Computer" (dt.: "Computer M5") oder "The Deadly Years" (dt.: "Wie schnell die Zeit vergeht"). Sein Machtverlust wird gut beschrieben, ebenso seine Hilflosigkeit. Eine der besten Szenen hat jedoch Chekov, als er Kirk und Spock versucht festzunehmen. Die Beeinflussung von Sulu und Uhura hätte jedoch um einiges besser ausfallen können, zumindest deren optische Umsetzung. Sulu sieht Schwerter auf sich zukommen und Uhura bricht in Panik aus, als sie sich als alte Frau sieht. Ungeachtet der Frage, woher der Spiegel auf der Brücke überhaupt kam… Es sei zu Gunsten der Drehbuchschreiber mal davon ausgegangen, dass es nicht nur diese Bilder sind, die die beiden so in Schrecken versetzt haben und da noch mehr war, was schlicht nicht zum Zuschauer durchgedrungen ist…

Bei allem entsteht trotzdem ein recht hohes Spannungsniveau, das Ende kann das Versprechen aber nicht halten und ist eher diffus. Kirk weiß zudem ganz plötzlich, dass der Eindringling "Gorgon" heißt, dabei wurde der Name bisher nie erwähnt. Fehlen also Szenen oder hatte der gute Captain einfach eine Eingebung? :-)

Ansonsten ist zu hoffen, dass es ihm wieder einfällt, dass er auf Markus 12 noch Besatzungsmitglieder zurück gelassen hat. Das Ende erweckt den Eindruck, dass die Armen vollkommen vergessen in der Pampa hocken. Immerhin haben sie es besser getroffen als die beiden, die direkt ins Vakuum des Alls gebeamt wurden. McCoys Angst vor dem Transporter wird dabei plötzlich nur allzu verständlich… Selbst ausgehend von der Annahme, dass die Besatzung beeinflusst ist und die Geräte nicht richtig interpretieren kann, würde ich zumindest von einem Transporter ein Sicherheitssystem erwarten, das eben genau so einen Fall unterbindet…

Faszinierend dagegen ist der Trikorder, der ähnliche Funktionen offenbart wie heute eine Digitalkamera. Er kann Bilder/Videos aufnehmen und auch abspielen. Ein deutliches Zeichen, wie weit STAR TREK seiner Zeit tatsächlich voraus war! In "The City on the Edge of Forever" (dt.: "Griff in die Geschichte") hätte es zwar hilfreich sein können, wenn der Trikorder über die gleiche Abspielmöglichkeit verfügt hätte, aber ich gehe mal davon aus, dass es wichtige Gründe gegeben hat, die das dort verhindert haben. :-)

Ein Indiz dafür, dass die Sternzeiten in TOS keinem wirklichen System folgen, sind die Aufzeichnungen von Prof. Starnes, bevor die Enterprise dort eintrifft: einige verwenden eine spätere (!) Sternzeit. Auch in anderen Folgen gibt es ähnliche Patzer, z.B. in "Where No Man Has Gone Before" (dt.: "Spitze des Eisbergs"), wo ein Geburtsdatum mit einer Sternzeit angegeben wird, was mit dem späteren Fortschreiten unmöglich im Einklang stehen kann. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass TOS viele Dinge aus dem Nichts erschaffen musste, während TNG und die späteren Serien auf Bestehendes zurückgreifen konnten. So sollten solche Fehler lediglich erinnern, dass die Sternzeiten in TOS eher relativ zu sehen sind, ohne sich pedantisch daran festzuklammern.

Um zurück zu Prof. Starnes zu kommen: Sein Sohn wird von Craig Hundley verkörpert, der zuvor schon in "Operation: Annihilate!" (dt. "Spock außer Kontrolle") Kirks Neffen Peter spielte. Damit setzt sich eine gute Tradition fort: Kirk erkennt hier seinen Neffen nicht wieder, Spock tut das gleiche in "Balance of Terror" (dt.: "Gleichgewicht der Kräfte") mit seinen "Vater" (Mark Leonard) :-)

Zum Abschluss fällt besonders in dieser Folge deutlich auf, dass in der Zukunft alle stets in der gleichen Kleidung herumlaufen. Um Kosten zu sparen und einen Widererkennungseffekt herbei zu führen, tragen die Kinder jeweils die gleichen Sachen - nicht nur innerhalb der Episode, sondern auch in den zuvor entstandenen Aufzeichnungen mit ihren Eltern. Mir erscheint das etwas dröge, aber wer bin ich, die Zukunft vorherzusehen? :-)

Als Schlussfolgerung lässt sich auch hier sagen, dass die Folge eher durchschnittlich ist, dabei jedoch auf einige gute Ansätze blicken kann.

Episode 60: "Is There in Truth No Beauty?"

Deutscher Titel: Die fremde Materie Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 18.10.1968
Deutschland (ZDF) 30.09.1972
Drehbuch: Jean Lisette Aroeste
Regie: Ralph Senensky
Gaststars: Diana Muldaur (Doktor Miranda Jones bzw. in Dt.: Marion Jones), David Frankham (Lawrence Marvick)

Handlung:

Sternzeit 5630,7: Die Enterprise nimmt drei Passagiere auf: einen medusischen Botschafter, die Telepatin Dr. Miranda Jones und Lawrence Marvick. Die Medusen sind begnadete Navigatoren, deren Anblick für Menschen im Wahnsinn endet. Dr. Jones ist jedoch aufgrund ihrer Ausbildung auf Vulkan in der Lage, gefahrlos mit dem Botschafter zu kommunizieren. Das erweckt die Eifersucht von Marvick, der versucht, den Medusen zu töten, scheitert und dabei wahnsinnig wird. Als Konsequenz wird die Enterprise von Marvick ins Unbekannte gesteuert. Einzig der medusische Botschafter ist in der Lage zu helfen…


Persönliches Fazit:

Diana Muldaur hat in "Is There in Truth No Beauty" ihren zweiten Auftritt in TOS, wobei sie Star Trek später treu blieb und in TNG für eine Staffel die bärbeißíge Ärztin Katherine Pulaski verkörperte. Auch hier reiht sie sich nicht in die Reihe der "lieben und netten" Frauen ein. Sie hat Haare auf den Zähnen, eine recht erfrischende Abwechslung. Da sie im Gegensatz zu ihrer Rolle in "Return to Tomorrow" (dt.: "Geist sucht Körper") eine veränderte Frisur inkl. Haarfarbe trägt (und sich dabei anscheinend von Kelinda aus "By Any Other Name", dt: "Stein und Staub", inspirieren ließ), ist sie nicht sofort als die gleiche Frau zu erkennen.

Am faszinierendsten in Anbetracht der späteren Serien ist der "Visor" und ihr Kleid, die später kombiniert in TNG dauerhaft Einzug erhielten. Damit wird erneut bewiesen, dass TNG sich vieler Ideen von TOS bediente und sie weiterentwickelte, was bei einem Nachfolger ja auch legitim ist. Allerdings sollte dabei nicht in Vergessenheit geraten, wo der Ursprung liegt. Geordis Visor hat jedenfalls ganz sicher hier seine Geburtsstunde gefunden, der Weg, einen Haarreifen als Sehhilfe umzufunktionieren, war nach "Is There in Truth No Beauty" nicht mehr weit.

Die Brille, die hier als Visor fungiert, kann zugegebenermaßen nicht vollständig überzeugen. Wer die Sonnenfinsternis über Europa im Jahr 1999 miterlebt hat, wird sich zwangsläufig daran erinnern. Die Benutzung des Visors erfolgt nicht konsequent, Spock und Dr. Jones setzten das Ding am Anfang und Ende eher nach Lust und Laune auf und ab, ob der Botschafter nun in der Nähe ist oder nicht. Entweder, sie halten es für eine überflüssige Vorsichtsmaßnahme, die ignoriert werden kann - oder der Visor ist in diesen Situationen TATSÄCHLICH überflüssig…

Der geschilderte Wahnsinn widerspricht dieser Annahme, macht also das Auf- und Absetzen vollständig idiotisch. Um den Geisteszustand der Betroffenen zu schildern, hat die Kamera übrigens mit Verzerrungen gearbeitet, wodurch sich ein netter Effekt ergibt.

Das eigentliche Thema dieser Folge sollte aber Schönheit bzw. Hässlichkeit lauten, was aber freilich nahezu komplett untergeht. Der medusische Botschafter wird mit psychedelischen Lichteffekten dargestellt, die weniger hässlich als fremdartig erscheinen. Von daher wird das ursprüngliche Ziel verfehlt, vielmehr sind es Geisteskräfte, die in den Fokus rücken. Es ist nur möglich, mittels Telepatie mit dem Botschafter zu kommunizieren, was per Definition Spock in dem Mittelpunkt rückt. Außerdem wird das vulkanische IDIC-Prinzip (dt.: UMUK) eingeführt, was für unendliche Möglichkeiten in unendlicher Kombination steht und dem aufgrund der zu Grunde liegenden Gedanken bezüglich der vulkanischen kultur eine besondere Bedeutung zukommt.

Gleichzeitig wird bewiesen, dass auch Menschen in der Lage sind, sich vulkanische Geistesdisziplinen anzueignen. Umso faszinierender ist es, dass "ausgerechnet" eine Frau dieser Mensch sein darf. Leider scheint abermals die Haltung der 60er durch, in der eine Karrierefrau eher etwas "widernatürliches" zu sein scheint, eine Person, die ihr Frausein aufgibt. Miranda Jones, die in der dt. Version Marion heißt, wirkt daher nicht nur tough sondern zu weiten Teilen auch unsympathisch. Ihr Misstrauen ist übrigens nicht ganz ungerechtfertigt - Kirks Versuch, sie einfach "abzulenken" (noch dazu auf diese Art und Weise!) ist plump und unnötig. Zum einen ist diese Frau intelligent, zum anderen ist mir bis heute nicht ganz klar, warum ihr "Handicap" sie davon abhalten sollte, als Navigator zu fungieren. Die Enterprise ist schließlich kein Auto, bei dem man hinsehen muss, wohin man fährt. Wenn sie es schafft, sich im Alltag so unauffällig zu bewegen, sollte auch das Steuern eines Schiffes keine unüberwindliche Hürde sein. Die Enterprise-Offiziere sehen das freilich gänzlich anders und ergehen sich in unerträglicher Süßholzraspelei. Am schlimmsten ist hier natürlich Kirk, aber auch McCoy zieht locker mit, das Verhalten der anderen Männer unterstützt sie darin.

Klar, das waren die 60er, vermutlich wäre mir das damals aber auch auf den Geist gegangen :-). Für mich nicht nur deswegen eine eher durchschnittliche Folge, deren Produktion von der Nachricht überschattet wurde, dass die dritte TOS-Staffel auch die letzte sein würde.

Episode 61: "Spectre of the Gun"

Deutscher Titel: Wildwest im Weltraum Bewertung: * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 25.10.1968
Deutschland (SAT 1) 28.03.1988
Drehbuch: Gene L. Coon
Regie: Vincent McEveety
Gaststars: Sam Gilman (Doc Holliday), Rex Holman (Morgan Earp), Charles Maxwell (Virgil Earp), Ron Soble (Wyatt Earp), Bonnie Beecher (Sylvia), Charles Seel (Ed), William Zuckert (Johnny Behan), Ed McReady (Barbier), Gregg Palmer, Richard Anthony

Handlung:

Als Kirk die Warnung der Melkoten, ihr Hoheitsgebiet nicht zu verletzten, ignoriert, versetzen die Außerirdischen Kirk, Spock, McCoy, Scotty und Chekov in ein Westernszenario, das sie Kirks Gedächtnis entnommen haben. Die Leute der Enterprise werden zu den "Clantons" und müssen gegen Wyatt Earp und Doc Holliday antreten. Bei der "Schlacht am O.K. Corral" segneten einige Clantons seinerzeit das Zeitliche. Dass es sich aber nicht um eine genaue Wiederholung der Geschichte handelt, wird deutlich, als Chekov stirbt, der als Billy Clayborne eigentlich hätte überleben sollen…


Persönliches Fazit:

STAR TREKs Antwort auf die in den 60ern allseits beliebten Westernserien ist weitgehend uninteressant. Im Großen und Ganzen wurde aus der Not - dem geringen Budget - eine Tugend gemacht: Für die billigen Kulissen wurde eine Handlung geschrieben, die es nicht erforderlich machte, die Unvollständigkeit der Häuser zu verschleiern bzw. eine wirklich real wirkende Wild West-Szenerie aufzubauen. Die Enterprise besuchte in den drei Staffeln der Classic-Serie hauptsächlich deshalb so viele erdähnliche Planeten, weil es letztendlich die Geldgeber erfreute und ermöglichte, bestehende Kulissen wieder zu verwenden. Genau das passierte hier, wobei der Kniff mit den Melkoten eine ideale Rechtfertigung liefert. Auch die Musik trug zur Kreation einer unwirklichen Umgebung bei. Leider machte das die Geschichte drum herum auch nicht interessanter. Positiv ist zwar die Kritik an Gewalt anzumerken, eine der immer wieder kehrenden Aussagen in STAR TREK, trotzdem wirkt diese Folge auch für damalige Verhältnisse halbherzig. Die Komposition der Landegruppe mit beiden Kommandooffizieren der Enterprise sowie der Nummer 3 der Kommandokette, nämlich Scotty, bleibt ein Rätsel - mal abgesehen von der Frage, wozu man bei einem normalen Landgang einen Chefingenieur braucht.

Die Schlacht am O.K. Corral gehört, ebenso wie die Arthus-Saga u.v.m., zu immer wieder gern aufgegriffenen Thematiken, damals wie heute. Die Arthus-Sage ist dabei aber weit bekannter als die Geschehnisse am O.K. Corral. Für DeForest Kelley müssen sie ein Déjà-vu-Erlebnis gewesen sein, denn er hatte bereits 1957 in "Gunfight at O.K. Corral" (dt.: "Zwei rechnen ab") mit Burt Lancaster und Kirk Douglas mitgewirkt, damals noch als Morgan Earp. Gerade aber für dt. Zuschauer, schon gar nicht in den 60ern, war es eben kein Allgemeinwissen, was damals im Wilden Westen passierte. Die Folge vermittelt zwar einige Eckdaten, das aber so lieblos, dass absolut kein Bezug zu der großen Schlacht entsteht. Sehenswert sind einzig die Spock-Momente bzw. die Szenen, wo sich Kirk und Spock die Bälle nur so zuwerfen. Höhepunkt der Folge ist natürlich die eigentliche Schießerei, wobei die Kugeln, die durch die Landegruppe hindurch in die Bretterwand einschlagen, gut in Szene gesetzt sind. Insgesamt reicht das aber nicht aus, um "Spectre of the Gun" zu einer guten Folge zu machen, die damit als Rohrkrepierer eher bei einer unteren Bewertung stecken bleibt.

Episode 62: "Day of the Dove"

Deutscher Titel: Das Gleichgewicht der Kräfte Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 01.11.1968
Deutschland (SAT 1) 18.04.1988
Drehbuch: Jerome Bixby
Regie: Marvin Chomsky
Gaststars: Michael Ansara (Kang), Susan Howard (Mara, seine Frau), David L. Rose, Mark Tobin

Handlung:

Sternzeit unbekannt: Auf Beta XII-A trifft eine Enterprise-Landegruppe auf Klingonen. Beide Parteien beschuldigen sich gegenseitig, da die Föderation auf dem Planeten eine Kolonie verloren hat und die Klingonen die Föderation ihrerseits für die Zerstörung ihres Schiffes verantwortlich machen.

Die Klingonen zwingen Kirk, sie mit auf die Enterprise zu beamen. Kirk kann den Transport-Vorgang für sich nutzen und gewinnt die Oberhand. Auf der Enterprise allerdings wird ein Großteil der Crew vom Rest abgeschnitten, moderne Waffen verwandeln sich in Schwerter, mit denen sich Klingonen und Enterprise Crew, nunmehr in gleicher Stärke, bekriegen.

Erst nach und nach wird Kirk und dem klingonischen Commander Kang klar, dass sie einen gemeinsamen Feind haben…


Persönliches Fazit:

Erneut rücken die Klingonen in den Fokus und werden hier mit deutlich mehr Tiefe ausgestattet als zuvor. Besonders Kang hat eine gute Ausstrahlung, zwar nicht ganz wie Khan aus "Space Seed" (dt.: "Der schlafende Tiger"), ist aber ein glaubwürdiger und vor allem auch würdiger Gegner. Allerdings unterscheiden sich die Klingonen doch gewaltig von ihren "späteren" Genossen ab TNG bzw. den Filmen, wobei ich hiermit weniger das Aussehen als ihre Verhaltensweisen meine. Besonders bei Kang ist das zu merken, der mit einer "richtigen" Klingonenmaske incl. Stirnwülsten in DS9 erneut zu sehen ist.

Susan Howard, die später als Donna Culver Krebbs in "Dallas" zu einiger Berühmtheit gelangte, wurde hier die Ehre zuteil, die erste weibliche Klingonin der Geschichte zu spielen. Sie macht ihre Rolle gut, besonders, als sie nur knapp einer Vergewaltigung entgeht und ihr Gesicht unterschiedliche Gefühlsnuancen durchläuft.

Erstmals wird das Beamen von mehr als sechs Personen gezeigt, wobei es schon merkwürdig ist, die Grenzen der Plattformen derartig zu überschreiten. Die Klingonen sind beim Beamen jedoch sehr vertrauensselig, es dürfte wohl klar sein, dass Kirk diese Gelegenheit nutzt. Umgekehrt habe ich nie verstanden, warum Kirk Kang von seiner sich drastisch verschlechternden Lage erzählt.

Alles in allem ist die Folge aber sehr gut gemacht, sie bietet Spannung und stellt erneut Föderation und Klingonen erfolgreich gegenüber.

Episode 63: "For the World is Hollow and I Have Touched the Sky"

Deutscher Titel: Der verirrte Planet*) Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 08.11.1968
Deutschland (ZDF) 28.10.1972
Drehbuch: Rick Vollaerts
Regie: Anton "Tony" Leader
Gaststars: Kate Woodville (Natira), Byron Morrow (Admiral Westervliet), Jon Lormer (alter Mann)

Handlung:

Sternzeit 5476,3: McCoy diagnostiziert bei sich selbst eine unheilbare Krankheit, die seine Lebenserwartung auf nur ein weiteres Jahr beschränkt. Dennoch will er an Bord bleiben und besteht darauf, Kirk und Spock zu begleiten, als sie in einen Asteroiden beamen, der innen hohl ist. Die Landegruppe stellt fest, dass es sich in Wahrheit um ein Generationenschiff handelt. Deren Bewohner sind sich dieser Tatsache nicht bewusst und halten ihr Schiff für eine Welt, die sie Yonada nennen. Ein Orakel wacht über allem und bestraft diejenigen, die zu sehr nachfragen. McCoy und die Hohepriesterin Natira verlieben sich sofort ineinander und McCoy beschließt, auf Yonada zu bleiben. Denn auch das Generationenschiff ist dem Untergang geweiht, wenn der bisherige Kurs beibehalten wird. Kirk und Spock versuchen, das zu ändern, scheitern jedoch zunächst…


Persönliches Fazit:

McCoy erkrankt zunächst unheilbar krank, verliebt sich anschließend in eine Planetenschönheit der Woche und beschließt, die Enterprise zu verlassen. Es passiert recht viel und ist umso weitreichender, als dass es einen Teil des Triumvirates betrifft. Insgesamt gibt es leider sehr wenige Folgen, die den grummeligen Bordarzt in den Mittelpunkt rücken und in keiner steht er so im Zentrum wie in dieser hier.

Die Entwicklungen überschlagen sich geradezu, wodurch die Tragweite z.B. der Erkrankung nicht voll ausgeschöpft wird. Alle Ereignisse zusammen wären eigentlich ideal dazu geeignet gewesen, einen Handlungsbogen über mehrere Folgen hinweg zu spannen, was in den 1960ern aber noch vollständig unüblich war. So driftet sowohl die Krankheit als auch McCoys Entschluss, eigene Wege zu beschreiten, ins Seichte ab.

Bei der Darstellung der Kultur von Yonada bzw. der Fabrini sind einige Details enthalten, die wirklich schön ausgearbeitet sind, insbesondere die Schrift ist in diesen Zusammenhang zu nennen. Mit dem Orakel hat jedoch einmal mehr ein Computer die Herrschaft übernommen. Da anzunehmen ist, dass die Fabrini sehr hoch entwickelt gewesen sein müssen, drängt sich die Frage auf, wieso sie ihre Nachfahren bewusst dumm halten wollten. Wieso der ganze Hokuspokus mit der Priesterin, dem heiligen Raum, den Verboten usw.? Denkbar ist es, dass sich dieser Mummenschanz erst im Laufe der Jahrhunderte ergeben hat, wobei dann aber den Nachkommen auch das technische Wissen hätte fehlen müssen, um das "Orakel" zu programmieren. Das Orakel verhält sich dabei nicht fehlerfrei: es besitzt eine wirkungsvolle Methode, jeden absolut bewegungsunfähig festzuhalten und umzubringen. Um die Enterprise-Gruppe zu bestrafen, verwendet es aber Hitze. Damit bleibt genug Zeit, um den Computer zu deaktivieren, eine doch sehr glückliche Fügung… In allen Folgen übrigens, in denen Computer die Herrschaft haben - und das seit mehreren Jahrhunderten - ist niemals auch nur ein Fünkchen Staub zu sehen. Der Hang zur Selbstreinigung ist enorm praktisch und ich würde mir wünschen, dass es das entsprechende System bald für den Hausgebrauch zu kaufen gibt :-).

Am Ende der Folge wird der Ursprungszustand wieder hergestellt. Das ist zwar vorhersehbar, vergibt dabei gleichzeitig gute Gelegenheiten. McCoy war kurz zuvor noch bereit, sein Leben für ein Jahr Glück zu opfern, nun geht er wieder zurück zur Enterprise. Entweder ist er dort doch nicht so einsam, wie er behauptet hat oder das Leben auf Yonada ist nicht die Erfüllung, als die er sie zunächst bezeichnete. Dieser Bruch passt nicht ganz in die Geschichte. Kirks Verhalten übrigens auch nicht. McCoy bittet ihn um Verschwiegenheit und darum, dass vermeintlich letzte Jahr in Ruhe weiter arbeiten zu dürfen. McCoys Krankheit gibt Schwester Chapel nebenbei eine der seltenen Gelegenheiten, energischer als sonst aufzutreten. Was macht Kirk: er fordert einen Ersatz an und will McCoy nicht mit nach Yonada nehmen. Dass er später Spock davon erzählt, ist verständlich. Bei den anderen Punkten hätte ich mich als Freund aber geringfügig geärgert :-).

Die Tatsache, dass McCoy ein weiteres Jahr so weitermachen möchte wie bisher, gibt zusätzlich einen Hinweis darauf, dass die 5-Jahres-Mission nicht mit der dritten Staffel abgeschlossen sein kann. Klar, darüber hat vermutlich niemand nachgedacht, es ist dennoch ein schönes Indiz.

Für McCoy-Fans ist diese Folge jedenfalls ein Muss, obgleich sie nicht so überragend ist, wie sie hätte sein können.

*) Einmal mehr zeichnet sich ein deutscher Folgen-Titel mit Dummheit aus: ein Planet wird hier mit einem Asteroiden gleich gesetzt!

Episode 64: "The Tholian Web"

Deutscher Titel: Das Spinnennetz Bewertung: * * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 15.11.1968
Deutschland (SAT 1) 25.04.1988
Drehbuch: Judy A. Burns, Chet L. Richards
Regie: Ralph Senensky
Gaststars: Sean Morgan

Handlung:

Die Enterprise trifft auf ihr treibendes Schwesternschiff Defiant, deren Besatzung offensichtlich meuterte und sich gegenseitig tötete. Noch während eine Landegruppe in Raumanzügen das Phänomen untersucht, löst sich die Defiant langsam auf. Als es Probleme mit dem Transporter gibt, bleibt Kirk zurück und wird von der Defiant mit in einen anderen Raum gerissen. Während Spock eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür ausmacht, Kirk nach einer gewissen Zeitspanne, gekoppelt mit dem Wiederauftauchen der Defiant, retten zu können, bricht auch auf der Enterprise der kollektive Wahnsinn aus und Tholianer erscheinen, die das Weltraumgebiet für sich beanspruchen. Durch ihr Erscheinen haben die Tholianer das fragile Raumgefüge bereits gestört, so dass Kirk für tot erklärt wird.

Spock als amtierender Captain gerät mit McCoy heftig aneinander, während die Tholianer die Enterprise in einem Energiefeld fangen…


Persönliches Fazit:

Kirk, Spock und McCoy bilden das "klassische Triumvirat", in der Spock für die Logik, McCoy für das Menschliche/Emotionale und Kirk für die ausgleichende Konstante steht. Kaum eine Folge demonstriert das besser als diese. Durch Kirks "Tod" gerät das Triumvirat aus dem Gleichgewicht, sowohl Nimoy als auch Kelley laufen zu Hochform auf. Stellenweise ist der Unterton zwischen beiden etwas herbe, was nichts daran ändert, dass es einfach großartig ist, ihnen zuzusehen. Besonders das Ende, in dem sie eine geradezu penetrante Einigkeit demonstrieren, zeigt aber die wahren Charaktere.

Mich hat es überrascht, dass McCoy doch sehr schnell bereit ist, Kirk zurückzulassen und damit sicher zum Tode zu verurteilen. Insgesamt erfolgt Kirks Trauerfeier sehr schnell, ermöglicht aber erst so die weiteren Geschehnisse (Kirks Crew sollte aber das "Haltung annehmen" eindeutig üben, nach den verbogenen Figuren in der Messe zu urteilen :-) ).

Die Geschichte als Ganzes ist faszinierend, die Tholianer glaubwürdige Kontrahenten. Das "Netz" dagegen ist etwas, dessen Sinn ich bis heute nie ganz begriffen habe. Im Rahmen dieser Folge funktioniert es sehr gut und erzeugt durch die zusätzlich Frist Nerven zerreißende Momente - nur, was tun die Tholianer im Normalfall mit ihrem Energienetz? Welchen Sinn hat es? Es kann natürlich gut sein, dass es einen Sinn hat, nur ich ihn nicht erkenne :-)

Aufgrund des Budgets mussten in dieser Folge Raumanzüge statt der ursprünglich geplanten Lebenserhaltungsgürtel verwendet werden, die später in der ). Und noch ein Wort zur Machart: immer, wenn Geistererscheinungen auftreten, können zwar Wände und Gegenstände problemlos passiert werden, Fußböden bleiben aber immer praktischerweise schön solide…

Dagegen beweisen die Gurte in der Krankenstation erstaunliche Qualitäten, als sie die Kranken auch dann noch ans Bett fesseln können, wenn sie derartig merkwürdig angebracht sind wie hier. Einmal mehr wird übrigens deutlich, dass in der Krankenstation und auch sonst in den Quartieren Bettdecken aus der Mode gekommen zu sein scheinen. Ansonsten ist die Behauptung, dass es früher auf einem Förderationsschiff keine Meuterei gegeben hat, schlichtweg falsch, denn Garth wurde in
"Whom Gods Destroy" (dt.: "Wen die Götter zerstören") doch ganz offensichtlich von seiner Crew übertölpelt.

Insgesamt ist natürlich viel Haarspalterei dabei; "The Tholian Web" beweist jedenfalls ganz klar, dass auch die oft geschmähte dritte TOS-Staffel viel zu bieten hat.

PS: Weiß jemand, was mit der Defiant passierte? Mir jedenfalls erscheint es nicht als eine gute Idee, eines der zwölf Sternenschiffe einfach so im All treiben zu lassen...

Episode 65: "Plato's Stepchildren"

Deutscher Titel: Platons Stiefkinder Bewertung: * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 22.11.1968
Deutschland (SAT 1) 25.04.1988
Drehbuch: David Alexander
Regie: Meyer Dolinsky
Gaststars: Liam Sullivan (Parmen), Barbara Babcock (Philana), Michael Dunn (Alexander), Derek Partridge, Ted Scott

Handlung:

Die Enterprise empfängt einen Hilferuf, woraufhin Kirk, Spock und McCoy auf einen Planeten beamen, der von "Platons Stiefkindern" bewohnt wird. Die kleine Gruppe existiert seit Jahrhunderten und lehnt sich in ihren Idealen an die alten Griechen der Erde an. Allerdings wurden diese Ideale im Laufe der Zeit verfälscht, unterstützt von den telekinetischen Kräften der Platonier. Als McCoy Anführer Parmen heilt, wollen die Platonier den Arzt nicht mehr gehen lassen...


Persönliches Fazit:

In dieser Folge ist der erste Kuss zwischen einem Weißen (Kirk) und einer Schwarzen (Uhura) in der Fernsehgeschichte zu bewundern - leider unter Zwang durchgeführt. Die USA-Südstaaten strahlten die Folge wegen dieses Kusses nicht aus. Es ist schon erschreckend, welche gesellschaftlichen Ansichten bis vor relativ kurzer Zeit (1968) noch vorgeherrscht haben, es zeigt aber auch deutlich, wie mutig der Weg war, den STAR TREK ging. Auch in dieser Folge verkündet Kirk die Botschaft, dass alle gleich sind, gemeint ist aber dabei nicht die schwarz/weiß-Problematik sondern Alexander, der von seinen Mit-Platoniern aufgrund seiner Körpergröße und seines Mangels an Fähigkeiten ausgeschlossen ist. In gewisser Weise entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet diese Folge mit DIESER Botschaft in den Südstaaten nicht ausgestrahlt wurde (hätte man offensichtlich doch tun sollen, vielleicht hätte die Botschaft doch das eine oder andere Gehirn getroffen…)
Neben der Aussage enttäuscht diese Episode jedoch. Ein Großteil vergeht mit Folterszenen, in denen Kirk und Spock zu vielen, größtenteils peinlichen Aktionen gezwungen werden. Das Ausmaß ist übertrieben, ebenso die Art und Weise.
Wieso es gerade Uhura und Chapel sind, die von der ganzen Besatzung von den Platoniern ausersehen werden, ist ebenso unklar. Natürlich ist die Wahl insbesondere aufgrund Chapels Gefühlen brisant und zumindest ich habe mich immer gefragt, was genau Uhuras Wahl zum Ausdruck bringen sollte… Kirks Feststellung in diesem Zusammenhang, wohl nicht amüsant genug gewesen zu sein, gehört zu den gelungeneren Bemerkungen der Folge.
Darüber hinaus hat diese Episode wenig zu bieten. Interessant ist allenfalls Spocks Kampf mit seinen (teils aufgezwungenen) Gefühlen, die auch gut von seinen übermenschlichen Körperkräften illustriert werden. Michael Dunn, der Darsteller des Alexander, wirkt sehr überzeugend. Für Barbara Babcock, die Philana verkörpert, war es bereits der zweite STAR TREK-Auftritt nach "A Taste of Armageddon" ("Krieg der Computer"). Ebenfalls aus einer anderen Folge stammt das Messer, das zum Schluss bei den übrigen Folterinstrumenten liegt: "Wolf in the Fold" (dt.: "Der Wolf im Schafspelz").
Anzumerken ist, dass auch "Plato's Stepchildren" nicht bis zum Ende durchdacht ist. Während es eher weniger ins Gewicht fällt, dass Parmen und die Platonier aufgrund ihres frühen Aufbruchs von der Erde viele erdgeschichtliche Details gar nicht kennen können (z.B. Flamenco), ist die Sache mit den Kironiden schon gravierender. Zum einen schafft es McCoy, diese so seltene Substanz sofort auf Abruf parat zu haben, zum anderen wird nie wieder auf die Wirkung der Kironide zurückgegriffen. Leider passiert das bei STAR TREK häufiger, es wirkt oft, als hätte es die entsprechenden Folgen nie gegeben. Auch hier wird eine neu entdeckte Errungenschaft wieder "vergessen". Die Möglichkeiten der Kironide sind dabei aber enorm und immerhin beweist die Menschheitsgeschichte, dass alles, was machbar ist, auch durchgeführt wird und ein absolutes Verbot unmöglich ist…

Episode 66: "Wink of an Eye"

Deutscher Titel: Was summt denn da? Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 29.11.1968
Deutschland (ZDF) 03.11.1973
Drehbuch: Jud Taylor
Regie: Arthur Heinemann
Gaststars: Kathie Browne (Deela), Jason Evers (Rael), Geoffrey Binney (Compton), Eric Holland

Handlung:

Die Enterprise empfängt vom Planeten Scalos einen Hilferuf, trifft aber auf dem Planeten niemanden an, nur ein merkwürdiges Summen deutet auf Insekten hin. Schließlich verschwindet ein Besatzungsmitglied spurlos, kurz darauf ist das Summen auch an Bord der Enterprise zu hören. Als Kirk schließlich auch verschwindet, stellt er fest, dass das Summen von den Scalosianern ausgelöst wird, die sich viel schneller bewegen und daher normalerweise nicht mehr wahrgenommen werden können. Sowohl das Besatzungsmitglied als auch Kirk wurden von den Scalosianern auf deren Geschwindigkeit angepaßt und sind daher für die restliche Crew unsichtbar. Während Kirk versucht, Spock und McCoy eine Nachricht zu hinterlassen, wollen die Scalosianer das Schiff in ihre Gewalt bringen...


Persönliches Fazit:

Mit "Wink of an Eye" beweist die dritte Staffel einmal mehr, dass auch hier gute Folgen zu finden sind, wobei diese Episode noch wesentlich besser hätte sein können. Auf der Haben-Seite steht eindeutig eine originelle Idee, nämlich die einer Gesellschaft, die "beschleunigt" lebt. Die Umsetzung davon ist auch ganz gut gelungen, besonders immer dann zu merken, wenn irgendwelche Crew-Mitglieder scheinbar bewegungslos im Raum stehen, während um sie herum die Handlung weiter geht. Leider hat sich offensichtlich niemand Gedanken gemacht, wie genau das Verhältnis scalosische Zeit zu normaler Zeit aussieht. Denn wäre die Normalzeit wirklich so langsam, wie es die Bewegungslosigkeit der Personen in der Scaloszeit vermuten lässt, so hätte die Enterprise-Besatzung niemals eine Chance gehabt, die Scalosianer auszumanövrieren. Die Zeitverhältnisse sind dann ein großes Manko dieser Folge - allein die Spanne zwischen Kirks Hinterlassen der Nachricht und deren Auffinden durch McCoy hätte den Scalosianern reichen müssen, um noch eine ganz neue Generation von Nachkommen zu zeugen und aufzuziehen. Während bei Kirks Versuch, einen Phaser abzufeuern, zu Anfang noch die "langsame" Technik der Föderation berücksichtigt wird, ist das später beim Beamen leider nicht mehr der Fall. Ein weiteres Zeichen, dass die Folge nicht bis zum Ende durchdacht war… Ebenso stellt sich die Frage, wieso niemals wieder auf in TOS errungene Technologie - Scalosiche Beschleunigung, platonisches Keronide etc. zurückgegriffen wird.

Der andere große Schwachpunkt ist die Unglaubwürdigkeit der Scalosianer. Ihre Königin hat als erstes nichts Besseres zu tun, als sich Kirk an den Hals zu werfen (und das auch noch wortwörtlich), von Intelligenz keine Spur. Damit werden erneut Außerirrdische vorgestellt, denen es an Tiefe mangelt und diese Folge erinnert damit stark an "By Any Other Name" (dt.: "Stein und Staub"). Außerdem gibt es ein weiteres Crew-Mitglied, das sich unprofessionell verhält: Compton. Seine Hemdfarbe deutet ja schon auf sein späteres Schicksal hin und auch sonst tut er nichts, um dem gängigen Klischee zu widersprechen. Er lässt sich erstaunlich leicht "anpassen", als er Kirk praktisch nach seiner "Beschleunigung" den Gehorsam verweigert, wobei die Frage, wie genau er beschleunigt wurde - zumindest ich habe ihn nie was trinken sehen - nie geklärt wird. Dennoch hat diese Folge auch ihre guten Momente. Neben der eingangs erwähnten Idee sind es kleine Details, die "Wink of an Eye" sehenswert machen. So hat sich die Föderation offenbar die Scalosianer zum Vorbild genommen, als sie die TNG-Uniformen mit integrierten Kommunikatoren versah - Deela und ihre Leute verwenden diese Art nämlich bereits hier, zu finden am Kragen! Dann gibt es eine herrliche Szene zwischen Kirk und Deela in der Kajüte des Captains, die der Zensur eindeutig entgangen ist: Er zieht sich seine Stiefel an, sie kämmt sich die Haare. Da fragt sich doch, warum sich Kirk für die Unterredung überhaupt die Stiefel ausgezogen hatte…

Als Fazit pendelt sich diese Episode auf ein gesundes Mittelmaß ein. Schade nur, dass der Zuschauer nie erfahren hat, was aus den Scalosianern geworden ist…

Episode 67: "The Empath"

Deutscher Titel: Der Plan der Vianer Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 06.12.1968
Deutschland (SAT 1) 11.04.1988
Drehbuch: John Erman
Regie: Joyce Muskat
Gaststars: Kathryn Hays (Gem/Juwel), Vianer: Alan Bergmann & Willard Sage, David Roberts, Jason Wingreen

Handlung:

Die Enterprise soll ein Team von Wissenschaftlern abholen, welches das minarvanische System beobachtet hat, das bald zerstört werden wird. Von den Wissenschaftlern fehlt allerdings zunächst jede Spur und auch Kirk, Spock und McCoy werden kurz darauf von einer fremdem Macht - den Vianern - gefangen genommen. Mit ihnen gefangen ist eine außerirdische stumme Frau, die McCoy Gem (dt.: Juwel) tauft. Als die Vianer anfangen, die Landegruppe zu foltern, stellt sich heraus, dass Gem eine Empathin ist, die die Schmerzen anderer übernehmen und damit heilen kann.


Persönliches Fazit:

Um diese Folge einzuschätzen, müssen zwei unterschiedliche Aspekte betrachtet werden: zum einen die Handlung an sich, zum anderen die Art und Weise, wie die Charaktere agieren. Beides hinterlässt einen gänzlich verschiedenen Eindruck.
Die Handlung selbst kann nämlich keineswegs überzeugen. Die Thematik von Außerirdischen, die Tests an Menschen für dubiose Zwecke durchführen, wurde im Laufe der Jahrzehnte eindeutig überstrapaziert. Fairerweise muss man STAR TREK zugestehen, dass das in den 60ern noch nicht der Fall war, aber es zeigt gut, dass auch später immer wieder gerne auf die gleichen Themen zurückgegriffen wird.
Hier wirkt das ganze Szenario jedoch unglaubhaft, angefangen von der Begründung über die Auflösung. Anscheinend hat sich auch niemand gefragt, was mit den anderen erwähnten Völkern passiert, denn immerhin haben die Vianer ja erklärt, sie könnten nur eines retten und Gem (Juwel) müsse beweisen, dass ihres der Rettung wert sei. Könnte die Föderation nicht eingreifen? Hätte die Föderation nichts von den bedrohten Planeten bemerken müssen, wo schon Wissenschaftler vor Ort waren? Aber diese Fragen stellen sich gar nicht, alle sind zufrieden, dass am Ende wieder alle gesund und munter sind (von den bedauernswerten Herren Linke und Osaba mal abgesehen). Grundsätzlich unklar ist auch, woher die Vianer wussten, dass ihre neuen Test-Subjekte von der Enterprise genau die Eigenschaften zeigen würden, an denen sich Gem ein Beispiel nehmen soll. Natürlich sind alle Starfleet-Offiziere immer überproportional edel eingestellt :-)

Eingebettet ist das ganze Szenario in eine eigentümlich surreal anmutende Umgebung. Der endlose Raum, die Theatralik von Gems Gesten, all das unterstreicht das seltsame Flair und harmoniert daher recht gut. Nicht ganz passen dagegen tut die extreme Brutalität, die sich durch die ganze Episode zieht. In England wurde die Folge daher ursprünglich nicht ausgestrahlt (ob das immer noch so ist, entzieht sich meinen Kenntnissen - wundern würde es mich aber nicht, wenn man bedenkt, dass deutsche Zuschauer noch heute auf die öffentliche Ausstrahlung von "Patterns of Force" warten).
Insgesamt hätte die Folge sich damit eher auf unterem Qualitäts-Niveau eingependelt, wenn, ja wenn da nicht der große Pluspunkt wäre: die Interaktion von Kirk, Spock und McCoy. Selten wurde das klassische Triumvirat so gut demonstriert wie hier. Leonard Nimoy drückt einmal mehr Emotionen aus, ohne auch nur einen Gesichtsmuskel zu verziehen, während klar wird, wie tief die Freundschaft zwischen den dreien wirklich reicht. Unterstützt wird das von markigen Dialogen mit wirklich vielen guten Momenten.
Die Überblenden zum Geschehen auf der Enterprise interessieren daher nicht wirklich, liefern aber einen guten Schnitt von Scott auf dem Schiff hin zu Kirk auf dem Planeten, der gerade gefoltert wird.
Hier ist übrigens anzumerken, dass die Vianer dazu Kirk das Hemd ausgezogen haben, ihn aber wieder mit zurückschicken, bei McCoy jedoch auf das Wechselspiel gänzlich verzichten. Warum? Außerdem geht es dem Captain während der ganzen Folge dreckig - nur als McCoy verletzt wird, scheint er nicht mehr beeinträchtigt zu sein. Selbst dann nicht, als er und Spock erneut in dem Energiefeld gefangen werden. Am Anfang der Folge war der Effekt auf das Triumvirat so stark, dass sie kaum reden konnten, nun stehen Spock und Kirk ziemlich entspannt in der Gegend herum, während es um sie herum glimmt. Auch die "Folterröhren" kommen nie zum Einsatz. Zwar werden sie oft gezeigt, aber Verwendung finden sie nie. Haben die Vianer etwa umdisponiert?

Aber wie bereits erwähnt ist es nicht die Handlung und damit die Löcher in selbiger, die im Vordergrund stehen. Und die Freundschaft zwischen unseren drei Helden macht das ganze wieder sehenswert.

Episode 68: "Elaan Of Troyius"

Deutscher Titel: Brautschiff Enterprise Bewertung: * * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 20.12.1968
Deutschland (ZDF) 20.10.1973
Drehbuch: John Meredyth Lucas
Regie: John Meredyth Lucas
Gaststars: France Nuyen (Elaan), Jay Robinson (Botschafter Petri), Charles Beck (Wache), Victor Brandt (Watson), Lee Duncan (Evans), K.L. Smith (Klingone), Tony Young (Kryton), Dick Durock (Wache),

Handlung:

Die Planeten Elas und Troyius sind verfeindet. Eine Hochzeit soll Frieden bringen und der Enterprise kommt es zu, den Dohlman von Elas, Elaan, nach Troyius zu ihrem Bräutigam zu bringen. Das Problem: die Gute hat keinerlei Manieren und akzeptiert keine Benimm-Lektionen von Troyius Botschafter Petri. Als dieser entnervt aufgibt, kommt es Kirk zu, dessen Rolle zu übernehmen - nichts ahnend, dass die Tränen von Elas Frauen eine besondere Wirkung haben...


Persönliches Fazit:

„Elaan Of Troyius “ ist eine durchschnittliche Folge, nicht brillant, aber solide gemacht. Leider wirkt der Charakter der Elaan genauso dumm wie der der meisten „typischen“ TOS-Frauen – hinzu kommt ihre Arroganz, die aber von der Schauspielerin exzellent transportiert wird. Ihre Leistung rettet die Folge zu großen Teilen, da sie eine gute Ausstrahlung hat und der Rolle Glaubwürdigkeit verleiht. Mit Botschafter Petri wird erfreulicherweise mal ein offizieller Würdenträger präsentiert, der nicht dumm, von sich eingenommen und unfähig ist. Stattdessen wirkt er einfach nur menschlich und sympathisch, sein Ärger verständlich.

Ansonsten atmet die ganze Folge den Geist der 60er, angefangen von der Aussage über die Machart bis zu der Tatsache, dass es ausgerechnet Kirk ist, dem die Rolle des Kindermädchens zukommt. Insgesamt aber trotzdem gute Unterhaltung.

Episode 69: "Whom Gods Destroy"

Deutscher Titel: Wen die Götter zerstören Bewertung: * *
Erstausstrahlung: USA 03.01.1969
Deutschland (SAT 1) 09.05.1988
Drehbuch: Lee Erwin
Regie: Herb Wallerstein
Gaststars: Steve Ihnat (Garth von Izar), Keye Luke (Direktor Corey), Yvonne Craig (Marta) Gary Downey, Richard Geary

Handlung:

Auf Elba II befindet sich die letzte Anstalt der Föderation mit psychisch unheilbar Kranken, darunter auch Garth von Izar, der als Starfleet Captain eine Legende war, bis er wahnsinnig wurde und seine Crew meuterte. Nun wurde ein Medikament gefunden, das den Insassen von Elba II helfen soll. Als Kirk und Spock runter beamen, merken sie allerdings zu spät, dass Garth noch mehr Fähigkeiten besitzt und die Gestalt des Leiters Donald Cory angenommen hat. Garth überwältigt beide, vernichtet das Medikament und versucht, von Kirk einen Code zu erpressen, um in Kirks Gestalt das Kommando über die Enterprise zu erlangen…


Persönliches Fazit:

Viel Gutes gibt es zu "Whom Gods Destroy" leider nicht zu sagen. In vielen Punkten stellt sich ein déjà-vu-Gefühl ein, das "Irrenhaus" erinnert stark an die Tantalus-Kolonie aus "Dagger of the Mind" (dt.: "Der Zentralnervensystemmanipulator"), wenn auch mit wesentlich weniger Personal (außer Direktor Cory habe ich jedenfalls keinen gesehen). Durchgedrehte und Irre scheinen insbesondere in Starfleet keine Seltenheit zu sein, man denke nur an Commodore Decker. Garth, der angeblich eine Legende sein soll, fehlt jede Ausstrahlung, wie sie z.B. Khan aus "Space Seed" (dt.: "Der schlafende Tiger") oder Botschafter Sarek in "Journey to Babel" (dt.: "Die Reise nach Babel") haben. Außerdem hat mich sein Alter verwundert: wenn er einst ein Held war, stellt sich die Frage, wie alt er jetzt ist bzw. wie alt er seinerzeit war und was alles in der Zwischenzeit passierte. Allerdings ist Garth kein Mensch (sondern von "Izar") und von daher will ich mal darüber hinwegsehen; niemand weiß schließlich, wie alt er werden kann und wie er dann auszusehen hat. Seine Regeneration tut ihr übriges in diesem Punkt. Nur wird hier auf eine wirklich schlüssige Erklärung verzichtet. Wenn er zur Zellgeneration imstande ist, gilt das offensichtlich sowohl für kurzzeitige als auch für permanente Veränderungen. Denn sonst hätte er sich nicht selbstheilen können und würde immer wieder in seinen kranken Zustand zurückfallen. Wieso hat er dann sein angestammtes Aussehen gewählt und nicht die Blüte seiner Jugend? Und wieso kann er dann die Gestalt von Direktor Cory und von Kirk nicht ewig aufrechterhalten, wenn das bei seinen Verletzungen sehr wohl möglich war? Seine Fähigkeiten gehen aber soweit, dass er nicht nur Kleidung imitieren kann, sondern auch einen funktionieren Phaser…

In diesem Stil kann man beliebig fortfahren. Die Folge vergeht damit, die Irren vorzuführen, was relativ langweilig ist sowie mit dem Versuch von Garth, den Gegencode von Kirk zu bekommen, um auf die Enterprise zu gelangen. Es ist dabei das erste Mal, das Kirk so einen Code verwendet, er hatte offensichtlich eine Ahnung… Ansonsten hat Kirk in dieser Folge wenig Glück, er macht mit dem gleichen Stuhl Bekanntschaft wie schon in "Dagger of the Mind", der nicht wirklich bequemer geworden ist…

Spock offenbart mehrere Gedächtnislücken (offenbar hat McCoy sein Gehirn in "Spock's Brain" doch nicht wieder richtig eingesetzt…). So hat Garth Crew gemeutert, es ist also in "The Tholian Web" (dt.: "Das Spinnennetz") nicht das erste Mal, dass es dazu kommt (wie Spock seinerzeit behauptete). Als Garth gegen Kirk kämpft, ist es absolut unlogisch, nicht beide gleichzeitig zu betäuben. Das wäre einfacher und effektiver gewesen. Die Dialoge nach dem Kampf (im englischen Original) passen übrigens nicht mehr ganz zur Folge, weil die ursprüngliche Handlung verändert wurde. Spock sollte von Garth niedergeschlagen werden, Nimoy wehrte sich aber mit dem Argument (zu Recht) dagegen, der Vulkanier sei noch nie so einfach zu Boden gegangen.

Einziges Highlight der Folge und für mich der einzige Grund, keine noch schlechtere Bewertung zu verteilen, ist Kirks Behauptung, Spock sei im übertragenen Sinn sein Bruder, was von dem Vulkanier bestätigt wird.

Episode 70: "Let That Be Your Last Battlefield"

Deutscher Titel: Bele jagt Lokai Bewertung: * * * * 1/2
Erstausstrahlung: USA 10.01.1969
Deutschland (SAT 1) 02.05.1988
Drehbuch: Lee Cronin (aka Gene Coon)
Regie: Jud Taylor
Gaststars: Lou Antonio (Lokai), Frank Gorshin (Bele)

Handlung:

Die Enterprise nimmt nacheinander zwei Bewohner des Planeten Cheron an Bord: Bele und Lokai. Beide sind Humanoiden, deren eine Körperhälfte schwarz, die andere weiß ist. Während Lokai aber links schwarz ist und rechts weiß, ist die Verteilung bei Bele genau umgekehrt, was der Grund für einen tief gehenden Rassenhass ist.

Bele versucht, Lokai nach Cheron zu bringen, da dieser gegen die "Herrenrasse" rebellierte. Da Kirk sich weigert, seine Rettungsmission aufzugeben, die ihn nach Ariannus führt, bringt Bele die Enterprise in seine Gewalt…


Persönliches Fazit:

Inhaltlich ist "Let That Be Your Last Battlefield" eine der beeindruckendsten Episoden der ältesten STAR TREK-Serie. Zwei Parteien kämpfen bis aufs Blut gegeneinander, die Sinnlosigkeit solcher Kämpfe wird selten so deutlich veranschaulicht, auch heute nicht! Es stecken gleich mehrere Analogien in dem Kampf von Bele und Lokai, am offensichtlichsten ist der Rassenhass, geboren aus unterschiedlichem Aussehen. Statt grundsätzlich unterschiedlicher Hautfarben ist es hier eine unterschiedliche Schwarz/weiß-Verteilung bei den zweifarbigen Männern. Als ich diese Folge das erste Mal als Kind sah, fiel mir der Unterschied zwischen beiden solange nicht auf, bis explizit im letzten Drittel darauf hingewiesen wird. Inzwischen kenne ich die Folge natürlich, trotzdem versinnbildlicht nichts mehr als dieses Nicht-Auffallen, wie idiotisch die Beurteilung von Personen anhand ihrer Hautfarbe ist.

Die andere verborgene Analogie gehört in die Zeit des Kalten Krieges, in dem die absolute Zerstörung der Welt wie ein Damoklesschwert konstant über der Menschheit schwebte. Auch in diesem Punkt wird die Sinnlosigkeit gnadenlos unterstrichen, weil eine zerstörte Welt keine Sieger mehr kennt. Die Bilder der Zerstörung, die in die Folge mit eingeschnitten sind, jagen einem schon Schauer über den Rücken und entschädigen mehr als deutlich für die etwas angemalt wirkenden Bele und Lokai.

Entsprechend der Thematik rückt das eigentliche SF-Element hier ziemlich in den Hintergrund, was der Folge aber ganz und gar nicht schadet. Bereits in früheren Episoden wurde deutlich, dass gerade diese "Bottle Shows", also Folgen, die gänzlich auf der Enterprise spielen, ganz und gar nicht schlechter sein müssen, insbesondere, weil die entsprechenden Handlungen auch auf andere Situationen übertragbar sind. Ein Paradebeispiel dafür ist "Balance of Terror" (dt.: "Spock unter Verdacht").

Bei den Produzenten waren sie zusätzlich angesichts der Kostenersparnis sehr beliebt. Hier gilt das besonders, denn das außerirdische Raumschiff ist praktischerweise unsichtbar. Außerdem wurden abermals Kulissen recycelt (aus "Metamorphosis", dt.: "Metamorphose" und "The Galileo Seven", dt.: "Notlandung auf Galileo 7").

Ebenfalls herausragend ist die in dieser Folge gezeigte Selbstzerstörungssequenz, bei der die Enterprise nur fünf Sekunden vor der absoluten Vernichtung trennen. Die Crew zeigt Nerven, Kirk verteidigt seine Position bis zur letzten Konsequenz. Ein nägelkauender Höhepunkt der ganzen Serie, der so gut war, dass man die gleiche Sequenz in "STAR TREK III" erneut verwendete. Prinzipiell ist es aber nicht ganz einsichtig, dass Lokai die Enterprise kontrolliert, Kirk aber nicht von der Selbstzerstörung abhalten kann. In Bezug auf den Planeten Cheron tun sich weitere ungeklärte Zusammenhänge auf. Wenn der Planet bekannt ist, wieso gilt das nicht für seine Bewohner? Wieso wird seine Position in einem dreidimensionalen Raum mit "südlich" angegeben? Um der Gesamtwirkung willen wurde hier gepfuscht, was etwas schade ist. Im Groben und Ganzen aber und trotz Türen, die unerklärlicherweise offen stehen, eine tolle Folge, die auch heute noch Wirkung und Aussagekraft besitzt.

Episode 71: "The Mark of Gideon "

Deutscher Titel: Fast unsterblich Bewertung: * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 17.01.1969
Deutschland (SAT 1) 16.05.1988
Drehbuch: George F. Slavin, Stanley Adams
Regie: Jud Taylor
Gaststars: Sharon Acker (Odona), Richard Derr (Admiral Fitzgerald), Gene Dynarski, David Hurst

Handlung:

Die Enterprise soll diplomatische Beziehungen zu Gideon aufnehmen. Kirk beamt daher, wie gefordert, allein herunter, kommt aber nie dort an sondern findet sich in einer absolut leeren und verlassenen Enterprise wieder. Schließlich begegnet ihm dort Odona, einer Frau von Gideon, die ihm von der Problematik der Überbevölkerung auf ihrem Planeten erzählt. Erst als sich Odona bei Kirk mit Veganischer Chronomenengitis ansteckt, wird klar, was hinter allem steckt…


Persönliches Fazit:

So sehr die Thematik der Überbevölkerung besticht, so sehr leidet deren Umsetzung. Eine zweite Enterprise zu verwenden ist eigentlich ein raffinierter Schachzug, weil so einerseits Kosten gespart werden können, andererseits das leere Schiff doch für den einen oder anderen Schauer sorgt. Nur entbehrt die Existenz des zweiten Schiffes jeder Grundlage. Woher kommen die Baupläne und der Platz? [Vielleicht hat ja jemand die Defiant aus "The Tholian Web" (dt.: Das Spinnennetz) gefunden und an Gideon verkauft :-)]. Welche Funktionalitäten sind erhalten geblieben? Offensichtlich funktionieren einige Dinge wie die Türen oder auch der Schiffsruf, andere dagegen (Langstreckenkommunikation etc.) nicht bzw. eingeschränkt. Kirk, der noch in "The Doomsday Machine" (dt.: "Planeten-Killer") in der Lage war, anspruchsvolle Reparaturen durchzuführen, merkt hier nicht, dass es nicht "sein" Schiff ist! Spätestens in seiner eigenen Kabine hätte ihm doch etwas auffallen müssen… Und ebenfalls spätestens dann wäre ein Kommunikator hilfreich gewesen. Spock trägt einen bei sich, als er später runterbeamt, Kirk scheint keinen zu besitzen (die Folge wäre dann auch sehr schnell vorbei gewesen). Der Aufwand, eine zweite Enterprise zu bauen, ist für die Bewohner von Gideon dennoch durch nichts zu rechtfertigen.

Die Art, wie die Überbevölkerung demonstriert wird, ist recht eindrucksvoll, unterstrichen durch die Kleidung der gesichtslosen Masse (ausgenommen Odona…). Rein logisch betrachtet vernichtet sich aber jede Bevölkerung irgendwann, wenn keine Lebensgrundlage (Stichwort: Nahrung) vorhanden ist (Bakterien könnten ein Lied davon singen :-)). Wovon leben also die ganzen Bewohner von Gideon, wenn sie keinen Platz für Felder haben und sich dicht an dicht drängen? Da die ganze Föderation Platz bietet, läge wohl die einfachste Lösung darin, Kolonien auf anderen Planeten zu gründen. Selbst Khan ["Space Seed", dt.: "Der schlafende Tiger"] hat schließlich einen eigenen Planeten erhalten (zugegebenermaßen keinen wirtlichen, wie sich herausstellte…).

Weiteres Manko der Folge ist die gekünstelte Liebesgeschichte zwischen Kirk und Odona. Sie ist weder glaubwürdig noch ist sie irgendetwas anderes als peinlich.

Gerettet wird diese Episode, wie sollte es anders sein, von Spock. Seine Abneigung gegen Diplomatie ist um so bedeutungsvoller, als dass sein eigener Vater Sarek ("Journey to Babel", dt.: "Reise nach Babel") als Botschafter doch von nichts anderem lebt. Spock schlägt sich auch phantastisch, als er mit dem Odonas Vater unterhält.

Insgesamt aber ist das Ergebnis, sprich: der Gesamteindruck der Folge, eher unterdurchschnittlich.

Episode 72: "That Which Survives"

Deutscher Titel: Gefährliche Planetengirls Bewertung: * * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 24.01.1969
Deutschland (ZDF) 19.08.1972
Drehbuch: Herb Wallerstein
Regie: John Meredyth Lucas
Gaststars: Arthur Batanides (D'Amato), Booker Marshall (Doktor M'Benga), Lee Meriwether, Brett Forrest, Naomi Pollack, Kenneth Washington

Handlung:

Kirk, Spock, McCoy und Lieutenant D'Amato stranden auf einem Planeten, während die Enterprise durch eine außerirdische Frau, Losira, ans andere Ende der Galaxis versetzt wird. Losira erscheint daraufhin sporadisch auf dem Planeten, immer bestrebt, eine bestimmte Person der Landegruppe zu töten, ohne selbst wirklich angreifbar zu sein.

Während die Enterprise einen Weg zurück sucht, kämpfen die Gestrandeten ums Überleben...


Persönliches Fazit:

"That Which Survives" ist eine recht schwache Folge, die weitestgehend ohne Spannung auskommt. Grund dafür ist die Tatsache, dass die eine Gruppe, bestehend aus Kirk, Sulu, McCoy und D'Amato, auf dem Planeten gar keinen Anhaltspunkt hat, um sich aus eigener Kraft aus der Lage zu befreien und die Handlung damit beschäftigt ist, die vier mehr oder weniger sinnlos durch die Gegend stolpern zu lassen. Hin und wieder taucht Losira auf und wirkt naiv, insbesondere dadurch, dass sie jedes Mal den Namen ihres Opfers Preis gibt. Schon vorher ist aber klar, warum die Gruppe auf diese Weise zusammengesetzt wurde und nicht anders - einzig überraschend ist die Farbe von D'Amatos Uniform…Auf diese Weise vergeht viel Zeit, die weder zur Unterhaltung noch zur Spannung beiträgt.

Etwas interessanter ist da schon die Situation auf der Enterprise, auf der Spock und Scott gemeinsam an einer Lösung arbeiten und somit die andere wichtige Gruppe bilden. Scott hat erfreulicherweise einen recht großen Anteil am Handlungsgeschehen und kann einmal mehr seinen Ruf als genialer Ingenieur rechtfertigen. Auf der Brücke tut endlich einmal eine anscheinend kompetente Frau Dienst, die mehr zu tun hat, als nur in Ohnmacht zu fallen. Summa sumarum sind die "Gefährlichen Planetengirls" absolut kein Highlight und gehört zu den Folgen, die man nicht unbedingt gesehen haben muss.

Episode 73: "The Lights of Zetar"

Deutscher Titel: Strahlen greifen an Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 31.01.1969
Deutschland (ZDF) 05.08.1972
Drehbuch: Jeremy Tarcher, Shari Lewis
Regie: Herb Kenwith
Gaststars: Jan Shutan (Lieutenant Mira Romaine), John Winston (Lieutenant Kyle), Libby Erwin

Handlung:

Sternzeit 5725,3: Memory Alpha ist die Zentralbibliothek der Förderation, wo alles Wissen der Mitgliedswelten aufbewahrt wird. Lieutenant Mira Romaine, in die sich Scotty sofort unsterblich verliebt, wird von der Enterprise dorthin gebracht. Kurz vor der Ankunft wird Memory Alpha jedoch gänzlich von einem Energiesturm unbekannter Herkunft zerstört, die Speicher gelöscht. Auch die Enterprise wird von ungewöhnlichen Lichterscheinungen heimgesucht, die Auswirkungen auf Lieutenant Romaine haben. Es stellt sich schließlich heraus, dass es sich bei den Lichtern um ein Kollektiv von Lebewesen handelt, die letzten Überlebenden des Planeten Zetar auf der Suche nach einem idealen Wirtskörper- den sie glauben, in Lieutenant Romaine gefunden zu haben…


Persönliches Fazit:

"The Lights of Zetar" ist eine im Allgemeinen eher belanglose Folge, die ohne wirkliche Höhepunkte dahinplätschert. Gute Anlagen sind durchaus vorhanden, so Scottys Liebe oder die mysteriöse Bedrohung durch die Lichtwesen. Außerdem ist Mira Romaine etwas robuster als die TOS Durchschnittsfrau, versinkt nach dieser Folge aber wieder in Bedeutungslosigkeit - was in Anbetracht des nahenden Endes der Serie nicht allzu sehr verwundert.

Insgesamt werden die guten Ansätze in "overacting" ertränkt. Scotty verhält sich nicht mehr nur liebestoll, sondern geradezu idiotisch und auch die Reaktion der Brückenbesatzung auf den "Angriff" der Lichter, allen voran die von Kirk, wirkt doch arg überstrapaziert. Warum die Überdruckkammer das Problem löst, ist zumindest mir nicht klar, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass die Lichtwesen sich in Schwerelosigkeit wohl fühlen. Um es ihnen noch komfortabler zu machen, wird Mira Romaine in eine Null-Schwerkraft-Umgebung verfrachtet, wobei allerdings vergessen wurde, ihren Haaren das mitzuteilen. Diese hängen nämlich wie gehabt herunter.

Klar waren solche Effekte für eine Serie dieser Zeit nicht einfach zu realisieren, Kernpunkt ist aber, dass der ganze Aufwand in diesem Fall komplett sinnfrei ist.

Insgesamt trotzdem eine noch ganz annehmbare Folge, deren Idee einer Bibliothek mit dem gesammelten Wissen der Föderation von den Geschwistern Reeves-Stevens in dem Buch "Das Zentralgehirn" recht gelungen fortgeführt wurde.

Episode 74: "Requiem for Methuselah"

Deutscher Titel: Planet der Unsterblichen Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 14.02.1969
Deutschland (ZDF) 09.03.1974
Drehbuch: Jerome Bixby
Regie: Murray Golden
Gaststars: Louise Sorel (Rayna Kapec), James Daly (Flint), John Buonomo, William Blackburn, Roger Holloway

Handlung:

Sternzeit 5843,7: Auf der Enterprise ist Rigellianisches Fieber ausgebrochen, McCoy benötigt dringend Ryetalyn, um die Crew zu kurieren. Der Planet Holberg 917-G ist die einzige Quelle in der Nähe, wird aber von einem Mann namens Flint bewohnt, der zunächst nicht viel von Besuchern hält. Flint ändert seine Einstellung jedoch und verspricht Hilfe, während er Kirk, Spock und McCoy einer Frau vorstellt: Rayna Kapec. Sie ist schön und intelligent, die perfekte Frau, in die sich Kirk sofort verliebt. Als Rayna Kirks Gefühle erwidert, reagiert Flint mit Eifersucht. Doch Rayna ist nicht das, was sie zu sein scheint…


Persönliches Fazit:

Spock hat einmal mehr die Ehre, eine Folge weitestgehend zu retten und das gilt nicht nur für die hier fast schon berühmt-berüchtigten Schlussminuten. Er hat als einziger den Durchblick, während Kirk sich teilweise recht dusselig verhält. Gut, er verliebt sich erneut und Liebe macht bekanntlich blind. Nur: Besagte Liebe wäre doch wesentlich glaubwürdiger, wenn die Bekanntschaft länger als einen (!) Nachmittag wären würde und es zweitens ein paar Folgen weniger gegeben hätte, die Kirk ebenfalls in ein Gefühlschaos stürzen ("The City on the Edge of Forever", dt.: "Griff in die Geschichte", "The Paradise Syndrome", dt.: "Der Obelisk", und "Elaan Of Troyius", dt.: "Brautschiff Enterprise", um nur drei zu nennen). Der Captain möchte sogar, dass Rayna ihn auf das Schiff begleitet und bei ihm bleibt! In Anbetracht der bisherige Folgen eine bemerkenswerte Bitte.

Es ist hier einfach ein bisschen zuviel des Guten getan worden und die Verhältnismäßigkeit wird in keinem Fall gewahrt. In "Operation: Annihilate!" (dt.: "Spock außer Kontrolle") muss Kirk um der Pflicht willen den Tod seines Bruders hinten an stellen, hier reichen wenige Stunden mit einer bis dato völlig Fremden, um ihn vom Wesentlichen abzubringen. Das Wesentliche sollte in diesem Fall die Epidemie auf der Enterprise sein. Eine nette Idee, die leider nicht visuell vermittelt wird sondern nur als Bericht vorkommt. Das Vakzin gerät auch ziemlich in den Hintergrund, so dass die Bedrohung zwangsläufig weichgespült wird.

Flint ist da interessanter, er lohnt einen zweiten Blick. Zu dem Zeitpunkt, als er auf dem Planeten lebt, wirkt er wie ein alter Mann - eine Tatsache, über die es nachzudenken gilt, wenn er wirklich unsterblich war und nicht alterte! Seine Motivation ist bis zum Schluss unklar. Einerseits erklärt er vollmundig, dass Leben geschützt werden muss, andererseits schmeißt er zu Anfang die Landegruppe achtkantig raus und bedroht sie.

Flint, der aufgrund seines bemerkenswerten Lebenslaufes für die Menschheit von unschätzbarem Wert sein müsste, bietet hier einige Ansätze, die in TNG eigentlich hätten aufgegriffen sein müssen. Selbst wenn Flint sein Wissen bezüglich Rayna nicht weitergeben wollte, so wäre ein Ausflug von Data nach Holberg doch angebracht gewesen. Immerhin ist Flint genau das gelungen, dem Data praktisch sieben TNG-Staffeln vergeblich hinter her rennt. Auch McCoys Aufzeichnungen dürften sich als interessant erweisen, immerhin behandelt der Arzt hier einen Roboter! So oder so dürfte eine Geheimhaltung von Flints Existenz wohl illusorisch sein.

Ansonsten haben sich einige kleinere Ungereimtheiten in die Folge geschlichen. Der Hauptbildschirm der Enterprise erweckt den Eindruck, ein Fenster zu sein, noch dazu eines, das in Sachen Blickwinkel ein Eigenleben entwickelt - zu merken in der Szene, wo das Schiff verkleinert wird und Kirk zur Brücke "hinein" sieht. In die gleiche Kategorie fällt Spocks funktionierender Phaser, der eigentlich tatsächlich nicht hätte funktionieren dürfen, wenn die vorgehenden Geschehnisse berücksichtig werden. M4 (ist das der Vorgänger von M5 aus "The Ultimate Computer", dt.: "Computer M5"? :-)) hat erstaunliche Ähnlichkeiten mit "Nomad" - was daran liegt, dass einige Teile der Sonde aus "The Changeling" (dt.: "Ich heiße Nomad") wieder verwendet wurden.

Richtig interessant an dieser Folge ist und bleibt die Schlussszene. Spock nimmt als letzten Akt Kirk die Erinnerungen an den Zwischenfall, wobei in der engl. Originalfassung sowohl Kirk als auch McCoy zuvor den Wunsch äußern, doch nur vergessen zu können. Die deutsche Synchronisation weicht hier leicht ab. Von daher ist der Eingriff zwar nach wie vor eigentlich unentschuldbar, aber dennoch verständlich und in jedem Fall sehr faszinierend, weil Spock seine Menschlichkeit demonstriert und sie mit vulkanischen Fähigkeiten spickt.

Episode 75: "The Way to Eden"

Deutscher Titel: Die Reise nach Eden Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 21.02.1969
Deutschland (SAT 1) 30.05.1988
Drehbuch: Arthur Heinemann
Regie: David Alexander
Gaststars: Skip Homeier (Doktor Sevrin), Mary Linda Rapelye (Irina Gallin), Victor Brandt (Tongo Rad, Sohn des Catulanischen Botschafters), Charles Napier (Adam) Deborah Downey (Mavig), Elizabeth Rogers (Lieutenant Palmer), Phyllis Douglas

Handlung:

Die "S.S. Aurora" wurde gestohlen. Als die Enterprise das kleine Schiff verfolgt, wird es zerstört und die Besatzung gerade noch rechtzeitig gerettet. Die Gruppe um Dr. Sevrin sucht nach "Eden" und strebt im technisierten Umfeld nach einem einfachen Leben, das im völligen Gegensatz zum Alltag auf einem Sternenschiff steht.

Spock bringt Verständnis für die Gruppe auf und hilft bei der Suche nach dem "Paradies". Als sie den Planeten tatsächlich entdecken, bringt Dr. Sevrin die Enterprise unter seine Kontrolle. Doch Eden hält nicht, was es verspricht…


Persönliches Fazit:

Obwohl der deutsche Titel bewusst eine Verbindung zu der "Reise nach Babel" herstellt, ist die "Reise nach Eden" qualitativ und auch in jeder anderen Hinsicht gänzlich anders einzustufen. Die 70er werfen deutliche Schatten voraus, die Hippie-Bewegung ist das bestimmende Element. Daher ist diese Folge auch überproportional musiklastig, was einerseits oft ziemlich nervt, andererseits sind die Lieder aber nicht vollständig schlecht. So richtig möchten die Hippies aber nicht in die Handlung passen. Was eigentlich einen schönen Kontrast von eher steriler Bordatmosphäre mit "Naturaposteln" bieten könnte, geht nicht wirklich auf. Viel besser wirkt es schon, dass ausgerechnet der Logiker und Wissenschaftler Spock es schafft, mit der Gruppe umzugehen, während Kirk als "Herbert" abgekanzelt wird. Das "Herbert" geht mir persönlich gehörig auf den Geist, gleichzeitig ist der Begriff, den es in der Realität wohl nicht gab, nicht zufällig gewählt: Herbert F. Solow, der Produktionsleiter und spätere Vizepräsident der Desilu Studios, der sich bereits seit "The Corbomite Maneuver" (dt.: "Pokerspiele") eine nette kleine Neckerei gefallen lassen musste, bekommt hier einen weiteren kleinen Seitenhieb seines Mitarbeiterstabs untergejubelt. Es gibt allerdings auch Stimmen, die in Herbert eine Anspielung auf den 31. Präsidenten der USA, Herbert Clark Hoover, sehen. Persönlich halte ich einen Bezug zu Herbert F. Solow allerdings für wahrscheinlicher.

Neben diesen versteckten Hinweisen wird offen auf frühere Folgen verwiesen, was in der Classic-Serie eher Seltenheitswert hat. So wird z.B. Spocks feiner Gehör aufgegriffen, seine Vorliebe für Musik und sein vulkanisches Musikinstrument sowie Sulus Vorliebe für Botanik. Dadurch wird die ganze Serie irgendwie runder, die Charaktere erhalten mehr Tiefe.

Chekovs Anteil am Geschehen ist durch seine Romanze mit Irina G. höher als üblich. Paradoxerweise wurde Chekov eher als rebellischer Vertreter der Jugend besetzt, vertritt aber hier ganz im Gegenteil die Starfleet-Regularien. Dennoch gibt es einen schönen Kontrast. Anstelle von Irina sollte ursprünglich McCoys Tochter Joanna Mitglied der Gruppe sein, was allerdings dann doch verworfen wurde. So wird Joanna in der ganzen Classic-Serie nicht erwähnt, obgleich sie später Teil des "Canons" und auch in zahlreichen Büchern hineingeschrieben wurde (die sich jedoch bzgl. ihres Lebens freilich oft widersprechen).

Da der Schwerpunkt eindeutig auf der Vertreibung aus dem Paradies liegt - schon wieder - sind die Romulaner so freundlich, ein Eindringen in ihren Raum nicht zu bemerken. Als die Enterprise schließlich Eden erreicht, stellt sich der Planet natürlich als nicht ganz so wie erwartet heraus. Nachdem sich die Hippie-Gruppe bereits Verletzungen zugezogen hat, würde ich es als hochgradig unlogisch betrachten, sie aus dem schützenden Shuttle herauszuziehen. Sollen sie sich etwa noch stärker verletzten? Der Gipfel des Schwachsinns ist wohl die Erklimmung des Baums - wenn schon das bloße Gehen nahezu unerträglich ist, sollte das nicht auch für das Gewächs gelten?

Um Kosten zu sparen, wurde gern und reichlich auf Vorhandenes zurückgegriffen. Mal angesehen von dem Darsteller des Dr. Sevrin, der bereits in "Patterns of Force" (dt.: ["Schablonen der Gewalt"]) als Melakon zu sehen war, sind diesmal sogar einige Szenen aus früheren Folgen wieder verwendet worden. Der schiffsweite Kollaps der Besatzung wurde aus "Spock's Brain" (dt.: "Spocks Gehirn") hineinkopiert, was erklärt, dass einiges nicht ganz passt, wenn man genau hinsieht. Die Aufnahmen von dem See auf Eden stammen aus "Shore Leave" (dt.: "Landurlaub") und das von der Gruppe gestohlene Schiff ist aus "The Tholian Web" (dt.: "Das Spinnennetz"), nur umgedreht.

Episode 76: "The Cloudminders"

Deutscher Titel: Die Wolkenstadt Bewertung: * 1/2*
Erstausstrahlung: USA 28.02.1969
Deutschland (SAT 1) 23.05.1988
Drehbuch: David Gerrold, Oliver Crawford
Regie: Jud Taylor
Gaststars: Diana Ewing (Droxine), Jeff Corey (Plasus), Henry Evens (Midro), Charles Polite (Vanna), Fred Williamson (Anka)

Handlung:

Sternzeit 5818,4: Auf Ardana, einer Mitgliedswelt der Föderation, wird Zenite aus Minen abgebaut. Die Enterprise braucht das Mittel, um auf Merak eine Seuche zu stoppen. Was nach einer Routinemission aussieht, wird zu einem Problem, als die Minenarbeiter sich weigern, Zenite herauszugeben. Kirk und Spock, die auf den Planeten gebeamt sind, werden so in den Konflikt zwischen der in einer Wolkenstadt lebenden Oberschicht und den Minenarbeitern, den "Troglyten", hinein gezogen…


Persönliches Fazit:

Dass die dritte Staffel der Classic-Serie einen verhältnismäßig schlechten Ruf hat, ist nicht ganz unbegründet - diese Folge ist ein Grund dafür.

Thematisch wird die Zweiklassengesellschaft angeprangert, etwas, was durchaus richtig und wichtig ist. Leider wird dabei enorm plump vorgegangen, einige Charaktere wirken lachhaft und vieles ist einfach nur an den Haaren herbei gezogen.

Zum einen wäre da das Föderationsmitglied Ardana, ein Planet, der von der Ausbeutung der "Troglyten" lebt. Bislang war der Eindruck entstanden, die Föderation sei ein Zusammenschluss von gleichberechtigen Welten, basierend auf Demokratie und Fortschritt. Auf Ardana kann davon keine Rede sein und es ist auch absolut unrealistisch, davon auszugehen, niemand hätte von den Klassenunterschieden gewusst. Von irgendetwas muss sich die Wolkenstadt "ernähren" und eine breite Arbeiterklasse zu verstecken, ist doch ziemlich weit hergeholt. Der Name "Troglyten" für Höhlenbewohner beweist ebenso wie die Namen in "Dagger of the Mind" (dt.: "Der Zentralnervensystemmanipulator"), dass manche Wortspiele einfach nur idiotisch sind und keinesfalls originell.

Zum anderen wird Ardanas Wolkenstadt als Hort von Wissen, Kunst und Kultur gefeiert - die Stadt schwebt auf den Wolken, also auf Luft - und da können sich die Regierenden keine schädliche Wirkung von Gas vorstellen? Dass die Maske, die Kirk am Ende zum Schutz gegen besagtes Gas trägt, absolut dämlich aussieht, auch für Maßstäbe der 60er, muss wohl nicht extra erwähnt werden…

Am schlimmsten ist diese Folge wohl vor allem für Spock-Fans. Sein Verhalten lässt sich noch am ehesten damit begründen, dass sein Verstand unter der Folge "Spock's Brain" (dt.: "Spocks Gehirn") doch sehr gelitten haben muss. In dem krampfhaften Versuch, einen Bogen zu einer vorherigen Episode, nämlich zu "Amok Time" (dt.: "Weltraumfieber/Pon Farr") zu schlagen - was an und für sich eigentlich zu begrüßen ist - erzählt Spock Droxine freimütig über PonFarr. Noch in "Amok Time" hatte er Schwierigkeiten, seinem besten Freund, nämlich Kirk, die Fakten zu "gestehen". Darüber ließe sich noch hinwegsehen, in dem Spocks neue Freimütigkeit damit begründet wird, er hätte im Laufe seiner Dienstzeit unter Menschen etwas an Nonchalance dazu gewonnen. Wieso aber wirft er sich derartig an Droxine heran? Mal abgesehen davon, das ihr Charakter den Eindruck eines hohlen hübschen Kleiderständers hinterlässt, deren einzig bemerkenswerter Zug die Tatsache ist, dass sie ausnahmsweise nicht auf Kirk abfährt sondern auf Spock, hat sie absolut nichts an sich, was Spocks Interesse rechtfertigen würde. Da sich auch das erklären lässt - Geschmacksverirrungen sind schließlich keine Seltenheit :-) - ist die größte "Sünde" der Folge Spocks Verhalten, dass sich so weit abseits seines sonstigen Wesens bewegt. Die elende Süßholzraspelei ist schon bei Kirk im Normalfall schwer zu ertragen, bei dem (Halb-)Vulkanier dagegen gar nicht.

In der engl. Originalfassung wird Kirk übrigens an einer Stelle zum Bauchredner, als er relativ zu Anfang redet, ohne die Lippen zu bewegen - in der dt. Synchronisation fehlt dieses Fauxpas.

"The Cloud Minders" wurde von David "Der Junge, der die Tribbles erfand" Gerrold ("The Trouble with Tribbles") "verbrochen", was lediglich beweist, dass auch gute Schreiber böse danebenliegen können. Als Konsequenz also eine eher "unterirrdische" Folge, die man ruhig mal überspringen kann.

Episode 77: "The Savage Curtain"

Deutscher Titel: Seit es Menschen gibt Bewertung: * *
Erstausstrahlung: USA 07.03.1969
Deutschland (ZDF) 25.11.1972
Drehbuch: Gene Roddenberry, Arthur Heinemann
Regie: Herschel Daugherty
Gaststars: Lee Bergere (Abraham Lincoln), Barry Atwater (Surak), Robert Herron (Kahless), Nathan Jung (Dschinghis Khan), Phillip Pine (Colonel Green), Carole Daniels Dement (Zora), Janos Prohaska (Yarnek), Arell Blanton (Lieutenant Dickenson)

Handlung:

Als sich die Enterprise im Orbit um den Planeten Excalbia befindet, taucht Abraham Lincoln auf. Obwohl klar ist, dass es sich nicht um den echten Lincoln handeln kann, verhält sich der Mann so, wie Kirk, der Lincoln verehrt, es sich vorstellt.

Kirk und Spock beamen mit ihm auf den Planeten hinunter und werden in einen Kampf involviert. Die dort lebenden Steinwesen können mit dem Konzept von "Gut" und "Böse" nichts anfangen und haben ein Testszenario erstellt, in dem Kirk und Spock zusammen mit Lincoln und dem Begründer der Vulkanischen Lehre, Surak, gegen eine Gruppe von Bösewichten kämpfen sollen, darunter der Klingone Kahless sowie Dschingis-Khan. Da sich die Gegenseite nicht fair verhält, ein ungleicher Kampf…


Persönliches Fazit:

"Kahless" und "Surak" sind Namen, die in STAR TREK feststehende Begriffe sind. Nach TOS griffen die späteren Serien beide Figuren auf und machten sie zu Legenden der klingonischen bzw. der vulkanische Geschichte. In "The Savage Curtain" haben diese Legenden ihren ersten Auftritt, leider wird diese Folge nicht mal ansatzweise dieser "Verantwortung" gerecht. Bis auf Lincoln sind alle Gastdarsteller farblos und uninteressant, was auch für die Felsenwesen gilt. Noch in "The Devil in the Dark" (dt.: "Horta rettet ihre Kinder") wurde ein "lebendiger Stein" sehr anschaulich verkörpert, die Aliens hier schmücken sich mit Glühbirnen, während Surak in etwas gekleidet ist, das verdächtig nach alter Gardine aussieht. Das verwendete Material scheint sogar so schlecht gewesen zu sein, dass es selbst Shatners Uniformhose betrifft, die sichtbar während eines Kampfes am verlängerten Rücken reißt. Absolut alles erscheint billig und ein Großteil von TOS hat bereits bewiesen, was sich auch in den 60ern mit wenig Ressourcen bewerkstelligen lässt. Das Budget hatte in der dritten Staffel natürlich den absoluten Tiefstand erreicht und "The Savage Curtain" ist eine der letzten Folge der Serie, bei der das Ende schon unumstößlich feststand. Nur so lässt es sich erklären, dass die Botschaft alles andere als subtil und eher lieblos verpackt wird. Spock, der sonst kampferprobt jeden Gegner mühelos mit einem Nevengriff ausschaltet, macht gleich in mehreren Handgreiflichkeiten keine besonders gute Figur. Einmal mehr prallen "Gut" und "Böse" aufeinander, der Test ist nur als langweilig zu bezeichnen und darüber hinaus auch unnötig. Wenn die Felsenaliens Menschen so gut erschaffen können, wie das z.B. bei "Lincoln" der Fall ist, dann ist der Test im Prinzip eigentlich unnötig. Lee Bergere als Abraham Lincoln ist für mich der einzige Grund, diese Folge, die abermals eine seitenverkehrt einmontierte Szene enthält, doch hin und wieder zu sehen. Der Schauspieler, der erst kürzlich im Januar 2007 verstarb und als Butler im Denver-Clan bekannt wurde, kann als einziger so etwas wie Würde ausstrahlen. Lincoln wird als Kirks Idol vorgeführt, wobei alt und neu merkwürdig gemixt wird. Ob der Abraham Lincoln aus der Retorte sich mit der Neuzeit auskennt oder nicht, wird durch sein Verhalten nicht geklärt. Vieles, z.B. selbst-öffnende Türen, nimmt er als selbstverständlich hin, anderes dagegen ist ihm unbekannt, z.B. das Beamen. Außerdem wird so getan, als verwende die Flotte in der Zwischenzeit ganz andere Maße, die nur für Lincoln umgerechnet werden. Über siebzig vorhergehende Episoden beweisen aber klar das Gegenteil.

Während Lincoln als Kirks Vorbild einen Platz in der Handlung erhält, so soll Surak die gleiche Funktion für Spock erfüllen. Wie bereits erwähnt scheitert dieser Versuch jämmerlich, allerdings ist es fast noch jämmerlicher, dass Kirk Surak nicht kennt. Klar wurde Surak erst im Laufe der weiteren STAR TREK Historie zu der schillernden Persönlichkeit, dennoch sollten Kirk schon aufgrund seiner historischer Bildung bestimmte Eckdaten der vulkanischen Geschichte nicht unbekannt sein. Das gilt im besonderen Maße in Anbetracht der Freundschaft zwischen Kirk und Spock.

Aber auch die späteren Serien sind nicht ohne Fehl, insbesondere in Hinblick auf "Kahless". Seitdem die Klingonen ist "STAR TREK - The Motion Picture" urplötzlich optisch mutierten, sind die Veränderungen in der Maske immer wieder Diskussionsstoff gewesen. Am besten ist die DS9-Folge "Trials and Tribble-actions" (dt.: "Immer die Last mit den Tribbles") mit dieser Problematik umgegangen, während in "STAR TREK: Enterprise" eine recht dürftige Erklärung nachgereicht wurde. Mit dieser Erklärung wird das Aussehen von Kahless, nämlich das eines TOS-Standardklingonen, in "The Savage Curtain" jedoch vollständig ad absurdum geführt.

Episode 78: "All Our Yesterdays"

Deutscher Titel: Portal in die Vergangenheit Bewertung: * * *
Erstausstrahlung: USA 14.03.1969
Deutschland (SAT 1) 06.06.1988
Drehbuch: Jean Lisette Aroeste
Regie: Marvin J. Chomsky
Gaststars: Ian Wolfe (Mr. Atoz), Mariette Hartley (Zarabeth), Stan Barrett, Johnny Haymer, Anna Karen, Kermit Murdock, Ed Bakey, Al Cavens, Ulf J. Söhmisch

Handlung:

Der Planet Sarpeidon steht kurz vor seiner Vernichtung, weil seine Sonne ihr Leben aushaucht. Die Bewohner haben sich bereits in Sicherheit gebracht - sie sind alle durch ein Portal in Sarpeidons Vergangenheit gelangt, jeder in seine Wunschepoche.

Als Kirk, Spock und McCoy das feststellen, sind sie bereits selbst versehentlich durch das Portal gegangen. Kirk verschlägt es in eine Ära der Hexenverfolgung, während Spock und McCoy völlig unvorbereitet in einer Eiswüste landen. Eine von einem Tyrannen dorthin verbannte junge Frau namens Zarabeth rettet ihnen das Leben. Durch den großen Zeitsprung gleicht sich Spocks Verhalten immer mehr den Vulkaniern dieser Zeit an, die emotionale, fleischfressende Barbaren waren - und ist so in der Lage, Zarabeths Gefühle für ihn zu erwidern…


Persönliches Fazit:

Kirk, Spock und McCoy geraten durch ein Portal in die Vergangenheit. Gerade in Deutschland sind in Anbetracht des Titels ein paar Parallelen zu "The City on the Edge of Forever" (dt.: "Griff in die Geschichte") spürbar. Bei der oberflächlichen Betrachtung hört die Ähnlichkeit aber auch schon auf. Kirks Abstecher in eine Zeit der Hexenverfolgung ist von Anfang bis Ende langweilig und belanglos, insbesondere, weil er einfach so wieder zurück in die Bibliothek spazieren kann. Später will Mr. Atoz *) ihn dann in einen anderen Zeitabschnitt zwangsverfrachten. Wurde er da schon "präpariert"? Zum Glück landet Kirk nicht noch einmal in einer Vergangenheit, um das herauszufinden…

Spocks und McCoys Ausflug in die Eiswüste ist um vieles interessanter und es wäre besser gewesen, Kirks Intermezzo gänzlich zu streichen, um mehr Raum für Spocks Veränderungen zu haben. Denn diese stellen das einzig Sehenswerte dar. Nimoy kann zu Höchstform auflaufen, als er Spocks stückchenweise Anpassung an die rauen Sitten seiner Vorfahren zeigt und seine eigentliche Abscheu davor. Das Umfeld wird dieser Entwicklung aber nicht gerecht. Die Eiswüste, die in der Bibliotheksabbildung noch eine echte Landschaft zeigt, wurde "live im Studio" gedreht und hätte selbst für damalige Zeiten durchaus besser realisiert werden können - hätte es den Willen gegeben, dafür entsprechend Geld auszugeben... Auch an anderen Stellen wurde gespart: sowohl Kulissen (z.B. aus "Assignment: Earth", dt.: "Ein Planet, genannt Erde" und aus "Bread and Circuses", dt.: "Brot und Spiele") als auch Darsteller (Ian Wolfe als Mr. Atoz war auch Septimus in "Bread and Circuses", dt.: "Brot und Spiele") wurden recycelt.

Das Geld wurde zudem bereits an anderer Stell eingespart: Zarabeth läuft in einem Fellbikini (!) herum. Das Ding lässt ein Maximum von nackter Haut erkennen, dafür aber nicht, wie sie das in ihrem Umfeld hergestellt haben soll. Das gleiche gilt übrigens für die Steinzeitschminke, mal ungeachtet der Frage, warum sich eine Frau in absoluter Einsamkeit schminken und aufbrezeln sollte… Die Umstände ihrer Verbannung hätten gerne noch weiter beleuchtet werden können, z.B. aus welcher Epoche sie kommt, wer der Tyrann war, der sie dazu verdammt hat usw. Sie dann in dieser Einöde zu lassen ist dann doch ein sehr grausames Schicksal, der "Wächter der Ewigkeit" aus der oben genannten Folge "The City on the Edge of Forever" (dt.: "Griff in die Geschichte") ist doch geradezu prädestiniert für eine Rettung. Zumindest in Bücherform gibt es eine Kombination aus Inhalten beider Folgen: A.C. Crispin hat mit "Sohn der Vergangenheit" eine sehr gute Fortsetzung geschrieben, in der Spocks amouröse Verwicklungen mit Zarabeth ein paar Folgen nach sich zogen…

*) Ein sehr origineller Name für einen Bibliothekar: ATOZ = A to Z = A bis Z…

Episode 79: "Turnabout Intruder"

Deutscher Titel: Gefährlicher Tausch Bewertung: * * * *
Erstausstrahlung: USA 03.06.1969
Deutschland (SAT 1) 13.06.1988
Drehbuch: Arthur H. Singer
Regie: Herb Wallerstein
Gaststars: Sandra Smith (Dr. Janice Lester), Harry Landers (Dr. Arthur Coleman), Roger Holloway (Mr. Lemli), John Boyer, David L. Rose

Handlung:

Auf Camus II begegnet Kirk einer alten Bekannten von ihm erneut: Dr. Janice Lester. Obwohl selbst erfolgreich, hat sie es Kirk nie verziehen, dass er die Karriere gemacht hat, die ihr verwehrt geblieben ist. Mit Hilfe einer alten auf dem Planeten gefundenen Technologie tauscht sie unbemerkt von allen mit Kirk den Körper und übernimmt das Kommando über die Enterprise…


Persönliches Fazit:

Die allerletzte TOS-Episode bewegt sich auf bekanntem Terrain: Exgeliebte Kirks taucht auf, Doppelgänger auch. Dafür, dass der Tausch so einzigartig sein soll, kam Derartiges in STAR TREK doch arg häufig vor (z.B. in "Return to Tomorrow", dt.: "Geist sucht Körper", und später in STAR TREK II und III). Statt Einzigartigkeit ist damit eher "business as usual" zu sehen. Auch sonst ist kein wirklicher Unterschied zu einer normalen Episode zu bemerken, das Ende der dritten Staffel und damit der Serie an sich wird vollständig übergangen - das unspektakuläre Ausklingen einer Ära. In Hinblick auf die zu diesem Zeitpunkt noch gänzlich unabsehbaren Fortsetzungen erwies sich diese Vorgehensweise jedoch als Glücksgriff, wobei normalerweise ein wirkliches Ende einen besseren Abschluss bildet.

Wenn "The Turnabout Intruder" auch als Epilog nichts taugt, so ist das zumindest als eigenständige Folge glücklicherweise anders. Die Handlung gehört eindeutig zur Oberliga der sonst doch eher schwachen Staffel. Besonders Shatner und Sandra Smith sind herausragend, das Spiel des jeweils fremden Charakters überzeugt perfekt. Kirk im weiblichen Körper von Janice Lester weist die gleiche Bühnenpräsenz auf, die sonst Shatner verkörpert, währenddessen Shatner die hysterische Frau personifiziert. Natürlich komme ich nicht umhin, an dieser Stelle die Art und Weise zu kritisieren, wie Dr. Lester dargestellt wird: hysterisch, zänkisch, durchgedreht, irre. Somit führt auch die letzte TOS-Folge die Tradition fort, "Karrierefrauen" als die Wurzel allen Übels darzustellen. Dass sie in Kirks Körper den psychologischen Test besteht, führt selbigen geradezu ad absurdum. Entweder war Kirk bei seinem ersten Test extrem schlecht drauf oder Dr. Lester hat bereits den ersten Test für ihn abgelegt. Identische Ergebnisse erscheinen unmöglich, ebenso wie die Tatsache, dass sie sich derartig gut auf der Enterprise zu Recht findet. Sicher, gewisse Vorbereitungen sind prinzipiell möglich, aber so detailliert?

Positiv sind dagegen die vielen Verweise auf frühere Abenteuer. Die Vianer werden ebenso erwähnt wie die Tholianer. Schade, dass erst in der letzten Folge jemand anfing, sich an die früheren Abenteuer zu erinnern, wobei das freilich nicht für die Lügendetektor-Funktion des Computers gilt, die in "Mudd's Women" (dt.: "Die Frauen des Mr. Mudd") demonstriert wurde und hier schon erheblich weitergeholfen hätte. Bei den Charakteren ist der rote Faden schon deutlich sichtbarer, allen voran natürlich bei Spock, der Freundschaft und Loyalität über seine Starfleet-Pflichten stellt und eine weitere Mentalverschmelzung durchführt. Endlich einmal verhält sich die Crew der Enterprise dem Ruf des Flagschiffes angemessen. Uhura ist dabei leider nicht mit von der Partie, wohingegen Chapel verhältnismäßig viel sagen darf. Allerdings ist ein zweiter Blick schon angebracht, denn die Krankenschwester ist plötzlich brünett!

Zwei Patzer fallen auf: das eine ist ein doch recht merkwürdiges Türverhalten, der andere betrifft Lieutenant Galloway, der in ""The Omega Glory" (dt.: "Das Jahr des roten Vogels") das Zeitliche gesegnet hatte und eigens für diese Folge von den Toten wieder auferstanden ist.

Als Fazit ist diese letzte Folge vielleicht für eine großartige Serie kein großartiger Abschluss, ein sehenswertes Abenteuer ist es allemal.

Nach dieser Folge tauchten immer wieder Gerüchte über eine Fortsetzung auf. Es folgte schließlich zunächst eine Zeichentrickserie, eine zweite Star Trek-Serie ("Phase II") wurde konzipiert, aber niemals realisiert. Ein Abenteuer daraus schaffte den Spruch auf den Buchmarkt ("The Joy Machine"), wenn auch (noch) nicht hier in Deutschland. Stattdessen kehrte STAR TREK als Kinofilm zurück und durchbrach dabei eine weitere Grenze: die zwischen Fernsehen und Kino.

"Episode 80":
STAR TREK Deep Space Nine, Staffel 5, Episode 104:
"Trials and Tribble-actions"

Deutscher Titel: Immer die Last mit den Tribbles Bewertung: * * * * * *
Erstausstrahlung: USA 02.11.1996
Deutschland (SAT 1) 06.12.1997
Drehbuch: Ronald D. Moore, Rene Echevarria
Regie: Jonathan West
Darsteller: DS9-Stammcrew: Avery Brooks (Captain Benjamin Sisko), Terry Farrell (Jadzia Dax), Alexander Siddig aka Siddig El Fadil (Julian Bashir), Colm Meaney (Chief Miles O’Brien), Michael Dorn (Klingone Worf ), René Auberjonois (Sicherheitschef Odo, Gestaltwandler), Nana Visitor (Bajoranerin Kira Nerys), Armin Shimerman (Ferengi Quark, Barbesitzer auf DS9)

Gaststars: Charlie Brill (Arne Darvin/Barry Waddle), Jack Blessing (Agent Dulmer), James W. Jansen (Agent Lucsly), David Gerrold sowie alle Darsteller der TOS-Folge The Trouble With Tribbles (dt.: "Kennen Sie Tribbles?")

Handlung:

STAR TREK, DS9: Captain Sisko bekommt Besuch von der temporalen Ermittlungsbehörde, die Näheres über seinen kürzlichen Ausflug in der Vergangenheit wissen möchte. Der führte ihn und einige Mitglieder seiner Crew in die Zeit der Enterprise NCC-1701, DER Enterprise unter Kirk, die gerade die Raumstation K-7 umkreist und versucht, wertvolles Getreide vor Tribbles zu schützen. Sisko muss feststellen, dass mit ihm der als Händler getarnte Klingone Barry Waddle in die Zeit zurückgekehrt ist, um Kirk zu töten, bevor Waddles jüngeres Ich alias Arne Darvin von Kirk entlarvt wird. Um die Vergangenheit zu bewahren und Kirks leben zu retten, mischen sich Sisko, Jadzia Dax, Bashir und O'Brian in zeitgenössischen Uniformen unter die Enterprise-Crew während Worf und Odo auf der Raumstation K-7 ermitteln…


Persönliches Fazit:

Bevor sich jemand beschwert: Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass es so etwas wie eine 80. TOS-Folge nicht gibt (jedenfalls nicht, wenn "The Cage" wie allgemein üblich als 0. Folge gewertet wird).

Bei "Trials and Tribble-actions" handelt es sich um eine Episode aus "STAR TREK: Deep Space Nine", die zum 30. Jubiläum der Serie 1996 entstanden ist. Bereits häufiger waren Gastauftritte von TOS-Stars in den Nachfolger-Serien zu verzeichnen, zu dieser DS9-Folge existiert aber ein gravierender Unterschied: Waren es bisher immer einzelne TOS-Charaktere wie z.B. Spock oder Scotty, die es in andere Epochen verschlagen hatte und die dort großteils einen verstaubten Eindruck einer längst vergangenen Ära hinterlassen haben, so ist es hier genau umgekehrt: DS9-Captain Sisko und einige seiner Crewmitglieder reisen in die TOS-Ära und müssen sich in der neuen/alten Umgebung zurecht finden. Dafür wurden Teile der Folge "The Trouble With Tribbles" (dt.: "Kennen Sie Tribbles?") verwendet, die aber so geschickt mit einer neuen Handlung versehen wurden, so dass ich nicht umhin komme, diese DS9-Folge als Teil der Classic-Serie zu betrachten. :-)

Eines vorweg: Der betriebene Aufwand ist gigantisch. Zum einen musste eine glaubwürdige Geschichte als Ergänzung zu der bekannten TOS-Folge entwickelt, zum anderen neue und alte Szenen miteinander verbunden werden.

Allein von der technischen Seite wurde Bewundernswertes geleistet: Requisiten aus der Classic-Serie mussten neu gefertigt werden, angefangen vom Trikorder über den Kommunikator bis hin zu den Barstühlen und, natürlich, den Tribbles. Das meiste davon war nicht mehr verfügbar, musste haargenau rekonstruiert werden, um sich in das Original einzufügen. Für diese Fortsetzung wurden alleine rund 1.400 Tribbles unterschiedlicher Größe benötigt. Paradoxerweise war das Aussehen vieler Requisiten in den 60ern durch den Kostenrahmen bedingt worden. So weit wie möglich war damals auf Vorhandenes zurückgegriffen worden, Änderungen waren eher minimalistischer Natur. Eines der typischsten Beispiele ist McCoys "Medoscanner", der in seinem Vorleben ein Salzstreuer war. In den 90ern, wo sich die Welt weiterentwickelt hatte, musste der Look der 60er mühsam und vor allem teuer wieder belebt werden, weil es eben nicht mehr so einfach möglich war, in den nächstbesten Laden zu gehen und Alltägliches Zweck zu entfremden.

Im gleichen Maße waren auch die eigentlichen Filmaufnahmen ein Problem. Das Filmmaterial der 90er war wesentlich lichtempfindlicher als das der 60er, dementsprechend die Ausleuchtung eine ganz andere. Veränderte Schatten waren dabei nur eine der zahlreichen Herausforderungen. All das musste angepasst werden, zudem war es notwendig, dass Filmmaterial der alten TOS-Folge aufzuarbeiten. Nur so war es möglich, per Computer quasi "Löcher" in die ursprüngliche Folge zu stanzen und mit neuem Leben, sprich: neuen Darstellen, auszufüllen.

Sowohl Robert Justman, Mitproduzent von TOS, als auch der Tribble-Erfinder, David Gerrold, waren 1996 bei Beginn der Dreharbeiten zu dieser DS9-Tribble-Folge dabei. David Gerrold beschreibt seine Gefühle in einem Vorwort zu dem Buch "Neuer Ärger mit den Tribbles" von Diane Carey und beim Sehen der Episode bekommt der Zuschauer eine Ahnung davon, was er auf dem Set empfunden haben muss: eine Wiederbelebung von TOS. Es ist tatsächlich gelungen, das gleiche Flair einzufangen. David Gerrold, der in den 60ern zu jung gewesen war, um einen Cameo-Auftritt als Fähnrich auf dem Gang zu absolvieren, ist nun als einer der wohl ältesten Fähnriche von Ganz-STAR TREK zu sehen, sein Wunsch ging mit dreißig Jahren Verspätung doch noch in Erfüllung. Er ist nur wenige Momente im Bild, in einem Gang aber bückt sich ein nicht mehr ganz junger Mann nach einem Tribble: David Gerrold.

Neben der optischen Komponente ist die Rahmenhandlung das entscheidende Element und auch hier haben sich die Macher übertroffen. Statt eines bloßen Abklatsches wurden die Geschehnisse aus "The Trouble With Tribbles" (dt.: "Kennen Sie Tribbles?") gekonnt erweitert. Dass diese Folge gewählt wurde, erwies sich aus mehreren Gründen als Glücksgriff - zuvor war auch "A Piece of the Action" (dt.: "Epigonen") im Gespräch gewesen. Durch Zufall lief den Autoren im Vorfeld Charlie Brill über den Weg, der bereits in den 60ern Arne Darwin verkörpert hatte und der einzige Schauspieler aus den 60ern werden sollte, der seine Rolle hier wieder aufnahm.

Durch den humorvollen Charakter von "The Trouble With Tribbles" (dt.: "Kennen Sie Tribbles?") konnte mit ähnlichen Elementen gespielt werden, zudem war es möglich, zahlreiche gute Gelegenheiten zu schaffen, in denen DS9-Charactere auf TOS-Stars treffen. Kaum eine TOS-Episode verteilt ihre Handlung so sehr auf verschiedene Figuren, wie das bei der Tribble-Folge der Fall ist. So kommt hier jeder Classic-Fan voll auf seine Kosten, praktisch jede Szene ist eine Verbeugung vor dem großen Original.

Sisko und seine Crew zwängen sich zunächst in die alten Uniformen, insbesondere bei Jadzia Dax ein Hingucker. Die lange Lebensspanne der Trill wird ausgenutzt, um sowohl DS9- als auch TOS-Fans einige besondere Momente zu schenken.

In DS9 sind die Trill eine Rasse, die aus quasi zwei Individuen bestehen, dem Körper, in diesem Fall Jadzia, und dem "Innenleben", Dax. So hat der Trill Dax bereits zuvor als Curson Dax den Klingonen Koloth getroffen und in einer noch früheren Inkarnation offensichtlich eine Beziehung mit Dr. McCoy gehabt. In dieser Folge aber fokussiert Dax auf Spock, den Jadzia nicht nur übermäßig attraktiv findet, sondern mit dem sie auch die Vorliebe für Wahrscheinlichkeitsrechnung teilt.

Eines der Highlights der Folge und die Szene, die quasi als Anfangsidee von allem stand, spielt sich im Getreidesilo ab. Das Bild, in dem Kirk in einem Berg von Tribbles steht, gehört zu den bekanntesten der Classic-Serie. In der Original-Episode scheint der Tribble-Strom aus dem Vorratsraum kein Ende zu nehmen, jetzt endlich wissen wir auch wieso: Sisko und Dax sitzen im Silo und werfen die possierlichen Tierchen auf den guten Captain hinab. Ein tolles Beispiel für die Mischung von alten und neuen Szenen.

Insgesamt wurde jedoch nur selten eine direkte Interaktion zwischen alt und neu herbeigeführt, was aber aufgrund der vielen neuen, im alten Stil gehaltenen Szenen kaum auffällt. Zu denen gehört die Bastelei von Ingenieur O'Brian, der dann ein Relais doch lieber an Ort und Stelle lässt oder Dr. Bashirs Begegnung mit seiner potentiellen Vorfahrin, wo allseits beliebte Zeitreiseparadoxa liebevoll vorgeführt werden. Der DS9-Stationsarzt hat zuvor einmal die Ehre, einen von McCoys beliebtesten Aussagen zu wiederholen, als er feststellt, Arzt zu sein und kein Historiker.

Einer der wenigen Momente, wo direkt in die alte Folge eingegriffen wurde, ist Kirks Standpauke an seine Mannschaft. Hier werden zwei Crewmitglieder gegen O'Brian und Bashir ausgetauscht, so dass O'Brian Kirk anlügen muss. O'Brians Gewissensbisse, den großen Kirk angelogen zu haben, ist so wunderbar in Szene gesetzt, dass der Eingriff in die alte Folge absolut gerechtfertigt wirkt.

Der zweite große Eingriff ist das Schlussbild, in der Sisko sich den Traum erfüllt und Kirk ein Pad zur Unterschrift reicht. Praktisch jeder Trekkie hat sich mit Sicherheit schon mal etwas Ähnliches gewünscht, sogar die beiden Männer von der temporalen Ermittlungsbehörde zeigen Verständnis. Die Namen dieser beiden stellen ein Anagram zu den zwei wohl bekanntesten Agenten der 90er dar: Muldur und Scully aus "Akte X".

Natürlich ist es bei allem etwas weit hergeholt, dass absolut niemand aus Kirks Zeit etwas von der Anwesenheit der neuen "Besatzungsmitglieder" gemerkt haben soll, insbesondere, als sich Dax und Sisko auf der Brücke befinden. Bei Berücksichtigung aller Umstände aber kein wirklicher Patzer. Der einzige "echte" Fehler wurde durch die Entstehung der fünften Realserie "STAR TREK: Enterrise" hervorgerufen, denn damit ist Kirks Enterprise nicht die erste, als die sie hier noch (richtig) deklariert wird.

Bei all der Aufregung um die Erhaltung der zeitlichen Kontinuität haben es die Macher dennoch verstanden, den Tribbles eine Ehrenrolle zuzuerkennen. Angefangen von der Idee, eine Bombe ausgerechnet in einem Tribble unterzubringen bis hin zu dem Dialog zwischen Formwandler Odo und Klingone Worf über Tribbles ("Werden noch immer Lieder über die große Tribble-Jagd gesungen?") erhalten sie erneut den gleichen Stellenwert als liebenswerte Plagegeister wie bereits in TOS. Dass auch DS9 das gleiche Problem erleidet wie Raumstation K-7, bis hin zu den jeweiligen Barbesitzern, denen die Tribbles im wahrsten Sinne des Wortes über den Kopf wachsen, ist ein brillanter Abschluss.

Im Übrigen wird selbst auf die Frage, warum Klingonen ab TNG bzw. den Filmen so anders aussehen, gekonnt umgangen, ohne ihr auszuweichen. In Wahrheit hatten die gestiegenen Geldmittel bessere Masken ermöglicht, der Unterschied zwischen alten und neuen Klingonen ist bei allem sehr drastisch ausgefallen. Durch Worfs Anwesenheit auf K-7 wird der direkte Vergleich zwischen alten und neuen Klingongen ermöglicht. Worf redet sich so gut raus, dass niemand wagt nachzufragen, ohne dass dieser Diskussion aus dem Weg gegangen wird. Zwar wird die Antwort in "STAR TREK: Enterprise" (relativ lahm) doch noch nachgereicht, Worfs Antwort ist aber um Längen besser gelungen.

Abschließend ist "Trials and Tribble-actions" eine der besten STAR TREK-Folgen überhaupt, Witz, Technik, Geschichte, Kontinuität und tolle Charaktere machen sie zu etwas besonderem, egal, ob man Fan von TOS oder DS9 ist.

Quellenangabe und Anmerkungen:

Der Episodenguide basiert in der Regel auf der amerikanischen Originalversion der klassischen STAR TREK-Serie von 1966 bis 1969, teilweise sind Anmerkungen zu deutschen Synchronisationsfassungen beigefügt.

Alle Texte wurden von mir verfasst und beruhen auf eigenen Beobachtungen sowie auf Informationen, die sich im Laufe der Jahre bei mir im Gehirn eingelagert haben. Zur Verifikation habe ich Sekundärliteratur verwendet, und zwar:

  • "Das STAR TREK Universum - Band 1" von Ralph Sander, Wilhelm Heyne Verlag München 1989
  • "Cap'n Beckmessers Führer durch STAR TREK - Die Classic Serie" von Phil Farrand, Wilhelm Heyne Verlag München 1996
  • http://www.episodenguide.de/startrek/ von Florian Heidinger