Anzar
von Zelda Scott
Teil 1
Das Summen des Transporters verblasste langsam und Martin Riggs ließ seinen
Blick mit gemischten Gefühlen umherschweifen. Wieder fragte er sich, warum er
sich zu diesem Auftrag hatte überreden lassen. Aber was geschehen war, war
geschehen und so sah er sich vier Starfleet-Offizieren in Gala-Uniformen
gegenüber. Mit dem geübten Blick des Reporters schätze er die Personen der Reihe
nach ab.
Wie es seiner Gewohnheit entsprach, hatte er sich zuvor ausführlich informiert
und so konnte er die Streifen an den Ärmeln fast mühelos den dazugehörigen
Rängen zuordnen. Den Menschen, den er in der gesamten Galaxie am meisten hasste,
erkannte er sofort. Kirk war kleiner, als er erwartet hatte. Lächelnd trat der
vor.
"Willkommen auf der Enterprise, Mr. Riggs. Es ist uns eine Ehre, Sie an Bord
begrüßen zu dürfen. Ich bin James T. Kirk, Captain der Enterprise. Das", er
deutete auf den Vulkanier, "ist mein Erster und Wissenschaftlicher Offizier, Mr.
Spock."
Kirk drehte sich um und wies auf einen mürrisch dreinblickenden Mann. "Der Erste
Medo-Offizier der Enterprise, Dr. McCoy und", dabei auf den letzten Mann
deutend, "Chefingenieur Scott." Riggs Blick blieb einen Moment auf dem
Chefingenieur haften, der statt einer Uniformhose einen Rock trug. Wie
lächerlich! Hoffentlich waren seine Fähigkeiten besser als sein Geschmack.
Immerhin hatte Mr. Scott es geschafft, den Transporter korrekt zu bedienen. Das
alleine war ja wohl schon mehr, als man erwarten durfte.
Der Arzt war Riggs auf Anhieb am sympathischsten - sofern ein Starfleet-Offizier
überhaupt sympathisch sein konnte. Er schien sich in seiner Gala-Uniform extrem
unwohl zu fühlen und schaffte es nur mäßig, diese Tatsache zu verbergen. Über
den Vulkanier ließ sich erwartungsgemäß am wenigsten sagen. Die starren
Gesichtszüge des Ersten Offiziers sahen so aus wie das jedes anderen Vulkaniers,
den Riggs bis dahin getroffen hatte. In gewisser Weise war Riggs davon jedoch
überrascht, hatte er doch etwas von einer menschlichen Mutter gelesen.
Und dann war da noch Kirk selbst, der selbstgerechte Junge vom Lande, der sein
Leben ruiniert hatte. Kirk wirkte nicht nur kleiner, als er erwartet hatte,
sondern auch jünger; Riggs wusste, dass Kirk vier Jahre jünger war als er
selbst, aber ein Teil von ihm hatte gehofft, dass Kirk vor seiner Zeit gealtert
war. Aber nicht einmal das war ihm vergönnt. Hätte er ihn auf der Straße
getroffen, nie im Leben hätte er es für möglich gehalten, dass er mehr war als
ein einfacher Lieutnant. Aber, erinnerte sich Riggs bitter, jemand, der über
Leichen geht, fällt leicht die Karriereleiter hinauf.
Die erste Analyse hatte nur wenige Augenblicke in Anspruch genommen. Riggs war
sich bewusst, was von ihm erwartet wurde. Also zwang er seine Gesichtszüge in
ein Lächeln und sagte: "Danke Captain. Ich habe eine lange Reise hinter mir, Sie
werden sicherlich verstehen, wenn ich zuerst mein Quartier aufsuchen möchte."
"Natürlich. Mr. Spock wird Ihnen den Weg zeigen. Heute Abend haben wir einen
Empfang vorbereitet, bei dem Sie die übrigen Führungsoffiziere kennen lernen
werden. Morgen früh können Sie das Schiff besichtigen, sofern Sie es wünschen."
Riggs neigte zum Zeichen, dass er verstanden hatte, leicht den Kopf. Damit war
der erste offizielle Teil beendet und alle verließen den Transporterraum. Erst
jetzt wurde sich Riggs bewusst, wie angespannt er gewesen war. Langsam und mit
der Aufmerksamkeit einer Radarfalle trottete er hinter dem Vulkanier her, der
sich nicht die Mühe machte, die Zeit mit Smalltalk zu überbrücken.
Die Gänge des Raumschiffs erschienen ihm endlos und erst jetzt dämmerte ihm, wie
groß dieses Raumschiff wirklich war. Als Journalist wusste er natürlich, dass es
einen Unterschied zwischen Fakten und dem tatsächlichen Erleben der Umstände
war, aber auch er konnte nicht umhin, von der schieren Größe beeindruckt zu
sein. Nach einer ganzen Ewigkeit, die sie in einem scheinbaren Zick-Zack-Kurs
durch die Gänge und an zahlreichen Crew-Mitgliedern vorbei gegangen waren, hielt
der Erste Offizier vor einer Tür an.
Riggs fiel auf, dass hier wesentlich weniger Leute vorbeiliefen und Spock
erklärte daraufhin, dass Deck 5 nur die Quartiere der Gäste und
Führungsoffiziere enthielt und deshalb logischerweise weniger Personen hier
entlang kamen.
Schließlich verabschiedete sich der Erste Offizier nachdem er ihm mitgeteilt
hatte, ein Crew-Mitglied würde ihn um 19.00 zum Abendessen in die
Offiziers-Messe begleiten.
Erleichtert genoss Riggs die Einsamkeit des Quartiers, das durchaus als luxuriös
zu bezeichnen war. Es bestand aus zwei großzügig bemessenen Räumen und einer
Hygienezelle. Er hatte schon bedeutend schlechter gewohnt. Sein Gepäck stand -
uneingepackt, wie er es verlangt hatte - an einer Wand. Doch noch immer schaffte
er es nicht, die Anspannung ganz aus seinem Körper zu vertreiben.
Er erinnerte sich noch gut an die Unterredung mit seinem Chefredakteur und dass
er Olav zu Anfang für verrückt erklärt hatte. Aber Olav hatte natürlich nicht
nachgegeben.
"Es wird Zeit, dass du dich deinen Problemen stellst."
"Vielleicht will ich mich ihnen nicht stellen", hatte er trotzig geantwortet.
"Du bist ein guter Journalist, einer der besten, die es gibt. Du hast alle
Preise gewonnen, von denen ein Journalist nur träumen kann. All das hast du
nicht erreicht, weil du voreingenommen warst."
"Mit Starfleet ist das etwas anderes."
"Ich kenne dein Problem ja. Sieh es so: ich gebe dir die Möglichkeit
abzurechnen. Begleite die Enterprise auf ein paar Missionen, so lange du
möchtest. Verschaffe dir einen Eindruck und schreibe mir einen spannenden
Artikel darüber. Oder noch besser mehrere. Ob positiv oder negativ ist mir egal.
Hauptsache, es interessiert die Leser. Wann sonst hast du die Möglichkeit, mit
deinem Erzfeind abzurechnen?"
Das schließlich hatte wohl den Ausschlag gegeben. Riggs musst zugeben, dass er
schon angefangen hatte, einige Artikel vorzuformulieren und das wenigste darin
war schmeichelhaft. Gleichzeitig sah er sich mit seinen Prinzipien konfrontiert.
Er war tatsächlich nicht zu dem geworden, der er heute war, weil er sich von
Vorurteilen leiten ließ, so berechtigt sie auch sein mochten. Vielleicht war er
deshalb so angespannt. Er WOLLTE etwas finden, was Starfleet im Allgemeinen und
Kirk im Besonderen belastete, aber er hatte Angst davor, seine Meinung ändern zu
müssen. Ja, es war an der Zeit, sich seinen Geistern zu stellen.
Pünktlich um 1900 summte es an der Tür. Riggs war vorbereitet und erhob sich
rasch. Mit der Hand glättete er seine Tunika, die ihn, wie er wusste, nicht nur
auffallend gut kleidete sondern die auch noch einige praktische Nebeneffekte
besaß. In den Stoff waren feinste Sensoren eingearbeitet, die weder bei
oberflächlicher noch bei gründlicher Analyse auffielen. Man hätte schon wissen
müssen, wonach man suchen wollte, um sie zu entdecken. Er besaß mehrere
Kleidungsstücke dieser Art und sie hatten ihm schon oft einen guten Dienst
erwiesen. Außerdem hatte er einige winzige aber sehr faszinierende Mini-Kameras
in der Hosentasche, alle nur daumennagelgroß. Er plante, sie an strategisch
günstigen Plätzen zu deponieren, um immer auf dem Laufenden zu sein. Auf der
Brücke zum Beispiel oder in der Krankenstation. Wissen war Macht.
Als er die Tür öffnete, stand ein junger und für seinen Geschmack etwas
übereifriger Fähnrich vor ihm. Er stellte sich als Pavel Chekov vor und erklärte
stolz, dass er der alpha-Schicht-Navigator auf der Brücke war. Einen Fähnrich mit
einer so wichtigen Position zu betrauen erschien Riggs nicht gerade angebracht,
aber er verdrängte den Gedanken lieber, bevor er sich allzu intensiv damit
auseinander setzte. Wer wollte schon wissen, wann er in einen Planeten navigiert
wurde…
"Es ist mir eine besondere Ehre, Sie kennen zu lernen, Sir", erklärte Chekov
gerade, während sie um eine Ecke bogen. Er betonte das R sehr stark und fuhr
fort:
"Ich bewundere Ihre Berichte, alleine der von der Sklavenarbeit auf Naguru war
einfach umwerfend."
"Ich würde es nicht gerade als umwerfend bezeichnen, wenn Menschen zu Tode
geschunden werden."
Der junge Fähnrich setzte ein betretenes Gesicht auf.
"Natürlich Sir. Sie haben Recht."
Unbehagliches Schweigen breitete sich aus. Riggs wusste, dass er einen Fehler
gemacht hatte und versuchte, dass Gespräch wieder in Gang zu bringen.
"Sind sie schon lange auf dem Schiff?"
"Ein Jahr."
"Und wie gefällt es Ihnen?"
"Es ist das Beste, was mir passieren konnte. Die Enterprise ist das Flagschiff
und es ist eine Ehre, unter Captain Kirk dienen zu dürfen."
Riggs lächelte säuerlich. Die Begeisterung des jungen Mannes war geradezu
widerwärtig.
"Natürlich - Sie sind also der Navigator?"
"Ja, Sir. Wussten Sie, dass die ersten Hilfsmittel zur Navigation in Russland
erfunden wurden?"
"Russland? Ist das eine Region ihres Heimatplaneten."
Chekov schien ein wenig beleidigt zu sein, dass jemand nicht zu wissen schien,
wo Russland lag.
"Ja, es liegt auf der Erde. Woher kommen Sie denn?"
"Von Senurum."
"Ah." Wie erwartet zeichnete sich auf dem Gesicht des jungen Mannes Ratlosigkeit
ab und den Rest des Weges legten sie schweigend zurück. Riggs Bedarf an
freundlicher Konversation war vorerst gedeckt.
Bei dem Empfang lernte Riggs die anderen Führungsoffiziere kennen und
vereinbarte mit jedem von ihnen einen ausführlichen Besichtigungstermin ihrer
Abteilung. Niemand war sonderlich erfreut darüber, aber gerade das bereitete
Riggs Genugtuung. Mit Sicherheit war die Crew angewiesen worden, einen möglichst
guten Eindruck zu hinterlassen. Viel würde von dem Artikel abhängen.
Die ausgedehnten Rundgänge hatten jedoch hauptsächlich einen anderen Sinn. Zum
einen erlaubte es dem Reporter, sich ein genaueres Bild von dem Leben an Bord
eines Schiffes zu verschaffen, zum anderen hatte er genug Zeit, in jedem
wichtigen Raum eine seiner Mini-Kameras anzubringen. Sogar die Kabinen einiger
Offiziere hatte er verwanzen können, indem er sich der Hilfe eines unwissenden
Yeomans bediente. Jeden Abend verbrachte er damit, das aufgezeichnete Material
zu sichten. Er lächelte in sich hinein, immer dann, wenn sein Name fiel und die
Belauschten keinerlei Argwohn gegen ihn hegten.
An seinem zweiten Abend hatte er Gelegenheit, Zeuge eines Gesprächs zwischen
Kirk und McCoy in einer ansonsten verwaisten Krankenstation zu werden...
Der Arzt sah auf, als sich das Öffnen der Türen mit einem lauten Zischen
ankündigte.
"Na endlich, wird ja auch Zeit", grummelte er betont mürrisch.
"Du genießt das wohl so richtig, nicht wahr, Pille?"
"Setz dich lieber und hör auf, dich zu beschweren. Sei froh, dass ich dich nicht
gleich hier behalten habe, nachdem du auf Sanjan anscheinend nicht auf ein
Haustier verzichten wolltest."
"Sehr witzig. Gib mir lieber die Injektion. Außerdem: möchtest du dich lieber
mit dem Reporter herumschlagen?"
"Mit Riggs?"
"Haben wir noch einen an Bord? - Was hältst du von ihm, Pille?"
"Schwer zu sagen. Kühl, reserviert, auf den ersten Blick. Aber ich habe noch
nicht genug von ihm gesehen. Du siehst aber aus, als hättest du schon genug von
ihm."
"Das ist es nicht. Oder vielleicht etwas. Starfleet sitzt mir im Nacken. Die
öffentliche Meinung ist angesichts der augenblicklichen Wirtschaftskrise gegen
die Höhe der finanziellen Mittel, die Starfleet von der Föderation zur Verfügung
gestellt bekommt. Der öffentliche Druck ist nicht zu unterschätzen, einige
Mitgliedswelten haben sogar mit Austritt gedroht. Riggs ist kein kleiner
Lokal-Journalist, er ist DER Namitz-Preisträger. Was er schreibt, ist
Tagesgespräch in der ganzen Föderation. Ist er gegen uns, sieht es schlecht
aus."
McCoy sah betroffen aus, während er auf den Zehen wippte und die Hypo-Spritze,
die er Kirk gerade verabreicht hatte, aus der Hand legte. Anschließend drückte
er Kirk mit sanfter Gewalt auf eine der Liegen runter.
"Was soll das, Pille?"
"Leg dich einen Moment hin. Oder willst du mir zumuten, dich vom Boden auflesen
zu müssen, wenn du zusammenbrichst?"
"Musst du auch immer übertreiben", grummelte Kirk, fügte sich aber und legte
sich hin. Sofort zeigten die Indikatoren am Kopfende der Liege Biowerte an.
"Etwas zu niedrig", kommentierte McCoy, "aber in Anbetracht der Umstände
zufrieden stellend. Wie dem auch sei: ich will trotzdem, dass du dich schonst.
Reporter hin oder her."
"Das sagst sich so einfach. Ich glaube, es gibt keine Abteilung, die er nicht
genau unter die Lupe genommen hat."
"Ja, hier war er auch schon. M'Benga und Christine haben sich darum gekümmert."
"Richtig, dein Landurlaub auf der Station."
"Weißt du schon, wie unsere neue Mission aussehen wird?"
"Ich erwarte die Befehle für heute Abend."
"Naja, sie werden uns diesmal wohl nichts zu schlimmes zumuten, mit dem
Aufpasser an Bord."
"Da wäre ich mir nicht so sicher."
Tatsächlich war das Schiff bereits am nächsten Morgen unterwegs. Riggs hatte die
von der belauschten Unterhaltung gewonnenen Informationen verwendet, um
vorsichtig Recherchen über Kirks offensichtliche Verletzung einzuholen. Alles,
was er erfuhr, war jedoch recht vage. Offenbar hatte er sich durch einen Biss
eines kleinen Tieres ein Nervengift eingefangen, dessen Wirkung McCoy noch immer
aus seinen Blutkreislauf filterte. Da Kirk aber absolut nichts anzusehen war,
konnte es wohl nicht so Ernst sein.
Riggs befand sich auf der Brücke, als sich die Enterprise vom Raumdock löste und
ins All glitt. Gegen seinen Willen konnte er sich nicht gegen die Empfindungen,
die der atemberaubende Ausblick in ihm auslöste, sperren. Der verständnisvolle
Blick des jungen russischen Navigators und der des daneben sitzenden Asiaten
ernüchterten ihn jedoch augenblicklich. Das letzte, was er wollte, war das
Verständnis dieser Leute.
Erst, als das Schiff bereits einige Lichtjahre von der Sternenbasis entfernt war
(Riggs hatte das Gefühl, nun endgültig in der Falle zu sitzen), erklärte Kirk
ihnen seine neuen Befehle.
"Uhura, schalten Sie mich bitte auf alle Kanäle. Danke. Ladies und Gentlemen,
hier spricht der Captain. Wie Sie bereits aus Gerüchten erfahren haben dürften,
hat es im Anzar-Sektor gehäuft Überfälle gegeben. Mittlerweile ist auch ein
Starfleet-Schiff aufgebracht und die Besatzung getötet worden. Unser Auftrag
lautet, die Verantwortlichen zu finden und zu stellen. Da es sich um eine
potentiell gefährliche Situation handelt, bereiten sie sich bitte auf mögliche
bewaffnete Konfrontationen vor. Kirk Ende."
"Der Anzar-Sektor, Captain?" Die dunkelhäutige Kommunikations-Offizierin hatte
sich herumgedreht und sah Kirk jetzt direkt an.
Riggs kramte in seinem Gedächtnis, aber es fiel ihm nicht ein, wo er den Namen
schon einmal gehört hatte.
"Führt durch diesen Sektor nicht eine sehr belebte Handelsroute?"
Der Vulkanier mischte sich in die Unterhaltung ein:
"In der Tat, Mr. Chekov. Er liegt genau auf der Achse zwischen Andor und Vulkan,
von wo zahlreiche Waren jeweils weiter gehandelt werden."
"Was können Sie uns sonst noch über den Anzar-Sektor sagen, Mr. Spock?" Kirk sah
seinen Ersten Offizier fragend an.
"Ich nehme an, Captain, Sie interessieren sich weniger für physikalische und
astronomische Eigenschaften als vielmehr für die gesellschaftspolitischen
Auswirkungen?"
Kirk warf seinem Ersten Offizier einen vielsagenden Blick zu. Dieser fuhr fort:
"Er hat eine grob geschätzte Ausdehnung von 2,685 mal 2,998 Lichtjahren und
liegt, wie schon erwähnt, auf der Achse zwischen Andor und Vulkan und damit
relativ im Zentrum der Förderation. Da die durchschnittliche Geschwindigkeit
eines Handelsfrachters bei Warp 3,972 liegt, beträgt die Passierdauer im Mittel
9,23 Standardtage. Trotz der hohen Frequentierung dieser Handelsroute trifft ein
Schiff mit einer Wahrscheinlichkeit von 87,5% nur alle 13,32 Stunden auf ein
anderes. Bislang haben insgesamt 24 Überfälle stattgefunden, denen insgesamt 31
Schiffe zum Opfer fielen, darunter zuletzt auch die USS Einstein, die
Medikamente von Vulkan nach Andor beförderte. Es konnten lediglich Wrack- und
Leichenteile gefunden werden. Überlebende gab es in keinem Fall. Die Natur und
Herkunft der Aggressoren ist mangels Zeugen ebenfalls unbekannt. Da das Gebiet
weit innerhalb des Förderations-Raumes liegt, ist eine Intervention von
Romulanern oder Klingonen mit einer Wahrscheinlichkeit von 98,4%
auszuschließen."
"Danke für den Abriss, Mr. Spock. Hört sich ja wieder nach einer spaßigen
Aufgabe für uns an. Mr. Chekov, wann werden wir den Anzar-Sektor erreichen?"
"Bei augenblicklicher Geschwindigkeit in zwei Tagen und elf Stunden, Sir."
"Danke. Verständigen Sie mich, wenn wir in den Anzar-Sektor eintreten. Spock,
ich würde gerne mit Ihnen reden. Mr. Sulu, Sie haben das Kommando."
Gemeinsam verließen Captain und Erster Offizier die Brücke und auch Riggs
verabschiedete sich nur Sekunden später. Hastig bemühte er sich, den Weg zu
seiner Kabine zu finden, verlief sich aber und verlor so wertvolle Zeit. Erst,
nachdem er zweimal ein Crewmitglied gefragt hatte, gewann er an Orientierung
zurück.
In seinem Quartier stürzte er auf die Rechner und schaltete hastig die Kameras
durch. In Kirks Kabine hatte er endlich Erfolg, sowohl der Vulkanier als auch
der Captain selbst waren da. Er hatte bereits einen Teil der Unterhaltung
verpasst, tröstete sich aber damit, sie später als Aufzeichnung noch einmal
ansehen zu können. Kirk saß hinter seinem Schreibtisch und schien mit einem Mal
um Jahre gealtert zu sein.
"… Sie sicher, dass es Ihnen gut geht?" fragte der Vulkanier gerade.
"Danke Spock. Es ist nicht so schlimm, es ist nur bald Zeit für McCoys
Injektion."
"Wenn ich mich recht erinnere, hat Dr. McCoy leichten Dienst angeordnet."
"Hat er und wie Sie sehen, halte ich mich daran. Wie dem auch sei, ich wollte
nicht meinen Gesundheitszustand diskutieren. Was halten Sie von der Anzar-Sache?"
"Schwer zu sagen. Der Aggressor muss über ein beträchtliches offensives
Potential verfügen, wenn er Überfälle in dieser Größenordnung und mit dieser
Dreistigkeit ausführen kann. Außerdem ist er außergewöhnlich skrupellos."
"Eben. Das bereitet mir Sorgen. Ich habe ein ungutes Gefühl bei der Sache."
"Ein ungutes Gefühl?"
"Sie wissen schon. Eine Ahnung. Das Ganze wird sich nicht so leicht bereinigen
lassen, wie es den Anschein hat. Ich habe nachgedacht und mir fällt nur eine
Gruppe ein, die von ihrer Geschichte her als Angreifer in Frage kommt."
Spock hob fragend eine Augenbraue.
"Sir?"
"Die Orioner. Es ist nur ein Verdacht, aber es würde mich nicht wundern, wenn es
sich um orionische Piraten handelt."
"Ein logischer Schluss, aber dennoch unwahrscheinlich Captain."
Diesmal setzte Kirk eine fragende Miene auf und Spock erklärte:
"Seit der Babel-Mission ist die orionische Regierung bemüht, nicht unangenehm
aufzufallen. Was die unabhängigen Piraten betrifft, so betreiben sie zumeist
Sklavenhandel im Verborgenen. Das Anzar-Schema passt nicht in ihr bisheriges
Verhaltensmuster, noch zu mal es eine Größenordnung erfordern würde, die bei
Piraten bislang nicht beobachtet werden konnte."
"Hmm." Kirk dachte über das Gehörte nach. "Irgendeine Idee über die Identität?"
"Leider keine. Die Daten reichen nicht für eine befriedigende Analyse aus,
Captain."
"Dann werden wir uns die Daten eben holen müssen."
Als das Schiff in den Anzar-Sektor einflog, schienen die ganze
Brücken-Mannschaft die Luft anzuhalten. Aber der Moment kam und ging, ohne dass
etwas passierte.
"Geschwindigkeit auf 0,8 Impuls verlangsamen, Mr. Sulu. Sensoren auf
Maximum-Reichweite."
Die Offiziere bestätigten und der Eindruck vorbei fliegender Sterne auf dem
Bildschirm wurde gemindert. Noch immer musste sich Riggs sehr bemühen, nicht zu
beeindruckt von der Sternenpracht zu sein. Daher setzte er einen betont
stoischen Gesichtsausdruck auf und fuhr fort, sich Notizen zu machen. Er wusste
natürlich, dass das die Crew nervös machte. Niemand hatte es gern, angestarrt zu
werden und dann anschließend den Eindruck zu bekommen, jede seiner Bewegungen
werde registriert und kommentiert. Riggs gab zu, dass das einer der Hauptgründe
für seine Notizen war. Ebenso für seine ständige Anwesenheit auf der Brücke.
Die letzten beiden Tage waren weitestgehend ereignislos verlaufen und wenn er
sich stark konzentrierte, fand der Reporter alleine den Weg in sein Quartier.
Er hatte kurz mit Olav gesprochen und ihm gesagt, dass es nichts zu berichten
gab. Zu seinem Leidwesen stimmte das. Der exzentrische Chef-Ingenieur hatte im
Maschinenraum eine Destille versteckt, aber dieses Vergehen hatte Riggs eher
amüsiert und es war wohl kaum genug Stoff, um einen Artikel daraus zu machen.
Das alltägliche Leben auf der Enterprise erschien Riggs so langweilig, dass er
sich erneut fragte, wie jemand sich für eine derartige Karriere entscheiden
konnte. Nun, er hatte einmal jemanden gekannt und auch die Gründe, aber…
"Wir empfangen einen Notruf, Captain."
Uhuras Stimme riss Riggs aus seinen Gedanken. Er löste seinen Blick von seinem
Schreibpad, auf dem sich Dutzende von Kringeln und Kreisen befand und
eingekästelte Erkenntnisse wie "Mir ist ja so langweilig" und "Row row row your
boat".
"Auf dem Schirm, Lieutnant."
Statik zerriss das Bild der Sterne vor ihnen und wurde ersetzt durch das immer
wieder von Rauschen und Schlieren zerfaserte Bild eines älteren humanoiden
Mannes nicht-menschlicher Herkunft.
"… Aldebaranischer Händler… werden angegriffen… brauch… Hilfe...Wiederho….
Händler… Anzar… Sektor… brauchen…"
Plötzlich erschienen wieder die Sterne auf dem Schirm. Uhura verkündete:
"Der Kontakt ist abgebrochen, Sir."
"Können Sie den Ursprung lokalisieren?"
"Ja, Sir. Nicht weit von hier, ich habe die Daten bereits an Mr. Chekov
weitergeleitet."
"Sehr gut, danke Lieutnant. Chekov, Kurs setzen, Maximum-Warp. Erwartete
Ankunftszeit?"
"Drei Minuten, Sir."
"Alarmstufe Gelb. Maximale Schirmvergrößerung." Die Langeweile war
erwartungsvoller Spannung gewichen und auch Riggs fühlte, wie Adrenalin sich
durch seine Adern bahnte.
"Scott an Brücke."
"Ich werde Ihre Maschinen nicht allzu lange beanspruchen, Scotty."
"Aye, Sir."
Riggs konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, soeben die Kurzform einer schon
zu oft geführten Diskussionen zwischen Captain und Chefingenieur gehört zu
haben.
Auf dem Bildschirm wurde ein kleiner Punkt sichtbar, der rasch größer wurde und
sich in einen Frachter verwandelte. Nein, nicht nur in einen Frachter. Der
Weltraum schien zu flimmern und fünf Kreuzer tauchten aus dem Nichts auf.
"Alarmstufe Rot, Schilde hoch. Volle Energie auf die Phaser."
Kirk hatte den Befehl kaum ausgesprochen, als das Schiff bereits von mehreren
Phaser-Strahlen durchgeschüttelt wurde. Riggs sah gerade noch, wie sein Pad
davonsegelte, ehe er ihm folgte und hart gegen das Brückengeländer krachte.
Benommen sah er auf und sah, dass Kirk ihm von der anderen Seite her
Gesellschaft leistete. Mit den geübten Augen des professionellen Beobachters
erkannte Riggs, dass Kirks Gesicht schlagartig jede Farbe verloren hatte. Er sah
aus, als würde er gleich in Ohnmacht fallen, fing sich dann aber sichtlich und
richtete sich mühsam auf.
Der Captain presste eine Hand an seine Seite und Riggs wurde klar, dass sich
Kirk soeben mindestens eine Rippe gebrochen haben musste. Unbewusst fuhr Riggs
seinen eigenen Körper entlang und zuckte zusammen, als er seinen Knöchel
berührte. Er bewegte ihn vorsichtig und musste nun seinerseits gegen
herannahende Schwärze ankämpfen. Es tat weh, aber es ging. Offenbar nichts
gebrochen. Endlich konnte Riggs sich wieder auf das Hier und Jetzt besinnen. Nur
der Erste Offizier hatte es geschafft, auf seinem Posten zu bleiben.
"Schadensmeldungen von allen Decks", berichtete er und fuhr fort, die einzelnen
Schäden aufzulisten. Riggs ignorierte ihn und starrte auf den Bildschirm. Das
waren keine normalen Schiffe, das waren Kampfkreuzer. Schwerst bewaffnet und nur
für einen einzigen Zweck konstruiert: um zu töten. Während er sich langsam
aufrichtete, sickerte ein Gedanke langsam in seine Gedanken ein. Er würde auf
diesem Schiff sterben.
Kirk hatte keine Absicht zu sterben. Die Schilde hatten sich gerade rechtzeitig
aufgebaut, um das schlimmste zu verhindern, aber nicht schnell genug. Spock gab
die Schadensmeldungen durch. Der Warpantrieb war ausgefallen, ein Teil der
Schilde ebenfalls. Energiestatus bei 70%. Noch ein ähnlicher Treffer, und die
Enterprise war Geschichte.
Aber er blieb aus.
Kirk sah sich auf der Brücke um. Seine Offiziere waren mittlerweile alle wieder
auf den Beinen.
"Irgendjemand verletzt?" fragte er und versuchte, das brennende Stechen in
seiner linken Seite zu ignorieren. Neben den immer noch wiederkehrenden
Fieberschüben durch das Nervengift hatte ihm das gerade noch gefehlt.
"Ich bin OK, Sir", berichtete Uhura.
"Alles in Ordnung." Chekov.
Auch von den anderen war niemand zu Schaden gekommen. Aber…
"Was ist mit Sulu?"
Der Steuermann hatte sich auf seinen Stuhl hochgezogen, antwortete aber nicht.
"Bewusstlos, Captain."
"Uhura, rufen Sie die Krankenstation."
"Sir, wir erhalten einen Ruf von einem der angreifenden Schiffe. Auf einem
Starfleet-Kanal. Wahrscheinlich kennen sie auch unsere Codes."
"Auf den Schirm", befahl Kirk und bemühte sich, möglichst selbstsicher und
gelassen zu wirken. Als das Bild des Schirms wechselte, sah Kirk seine Vermutung
bestätigt. Ein Orioner sah ihn an.
"Ergeben Sie sich oder Sie werden vernichtet. Sie haben eine Stunde Bedenkzeit."
Der Schirm wurde wieder dunkel.
"Kurz und knapp. Rufen Sie das Schiff."
"Sie antworten nicht, Sir."
Kirk atmete zweimal tief durch, dann drückte er einen Knopf in seiner Armlehne.
"Kirk an Scott. Bitte kommen Sie sofort in Konferenzraum 1."
Aus der Lehne tönte noch ein schwacher Protest, aber Kirk hatte bereits einen
anderen Schalter betätigt.
"Kirk an Krankenstation."
"Hier McCoy."
"Wie sieht es aus, Pille?"
"Nicht gut, Jim. 18 Tote, 23 Schwerverletzte und mehr Patienten, als ich
bewältigen kann. Es ist schon jemand zu Euch unterwegs."
"Tu was du kannst, Pille. Kirk Ende."
Riggs entging nicht, dass sich über Kirks Gesicht ein Schatten gelegt hatte, als
er die Anzahl der Todesopfer hörte. Sollte ihm das Schicksal seiner Mannschaft
etwa doch nicht ganz egal sein?
Kirk wechselte einen Blick mit seinem Ersten Offizier, der daraufhin wortlos
aufstand und Kirk folgte.
"Uhura, Sie haben das Kommando. Verständigen Sie mich sofort, wenn sich die Lage
auch nur um eine Winzigkeit ändert."
"Aye Sir."
Während sich die Türen des Turbolifts schlossen, betätigte sie ruhig ein paar
Schalter und wurde kurz darauf an ihrer Konsole von einem schon etwas älteren
Mann abgelöst. Die dunkelhäutige Frau ließ sich elegant in den Kommandosessel
gleiten.
Riggs tat es ihr gleich und musste erneut gegen eine aufkeimende Panik
ankämpfen. Gegen diese Übermacht hatten sie alleine keine Chance.
"Sind…", fragte er und setzte erneut an, als seine Stimme ihm zu versagen
drohte:
"Sind irgendwelche Schiffe in der Nähe, die uns helfen könnten?"
Uhura drehte sich zu ihm um. Mitleid stand in ihren Augen.
"Unwahrscheinlich. Im Augenblick befinden sich alle Sternenschiffe an den
Grenzen der Föderation, um Romulaner und Klingonen im Auge zu behalten. Das
nächste Schiff der Föderation ist die USS Magellan, ein Forschungsschiff ohne
nennenswerte Bewaffnung mit 53 Mann Besatzung und sie ist zwei Tage entfernt.
Wir sind auf uns allein gestellt."
Riggs nickte steif. Uhura drehte sich wieder um. Er ertrug den Blick der
lauernden Kampfkreuzer nicht länger und verließ hastig, den Schmerz in seinem
Knöchel ignorierend, die Brücke.
"Sir, ich muss zu meinen Maschinen. Es…"
"Ruhig, Scotty. Es gibt wichtigeres zu besprechen."
"Aber…?"
"Scotty, hören Sie mir zu. Wir sind von fünf Kampfkreuzern umgeben. Selbst bei
voller Energie wäre es ein beinahe aussichtsloser Kampf."
"Sie wollen aufgeben?" Scotty klang fassungslos.
"Das wäre die logischste Option", kommentierte Spock.
Kirk sah seine beiden Gefährten trotzig an. "Nein, ich kann und will nicht
aufgeben."
"Was schlagen Sie vor?" Scotty klang resigniert.
"Was können Sie über den Frachter sagen, der von den Piraten aufgebracht wurde?"
Spock hob eine Augenbraue.
"Ein durchschnittlicher Handelsfrachter der größeren Ausführung.
Höchstgeschwindigkeit Warp 6. Normalerweise keine Bewaffnung, aber ich habe
vorhin Spuren von Waffensignaturen festgestellt. Vermutlich ein paar
Standardphaser."
"Wie schwer ist das Schiff beschädigt."
"Unzureichende Daten, Captain. Aber ich habe den Eindruck, dass der Notruf von
den Piraten erzwungen und fingiert wurde. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 97,3%
ist die Beschädigung des Frachters nur geringfügiger Natur."
Kirk sah zufrieden aus.
"Das bestätigt meinen Eindruck. Scotty, jetzt hängt es an Ihnen. Ist es möglich,
jemanden unbemerkt auf den Frachter zu beamen?"
Scotty sah zweifelnd aus und dachte laut nach.
"Bei aktivierten Schilden… Schwierig… Aber bei den Beschädigungen… Möglich, eine
Lücke zu nutzen… Ich nehme nicht an, Captain, dass Sie die Schilde dazu senken
wollen?"
Kirk nickte.
"Richtig, Scotty. Funktioniert es?"
Der Chefingenieur neigte den Kopf.
"Aye, ich denke, dass es funktionieren könnte. Mein armes Schiff ist
durchlöchert wie ein Schweizer Käse, wir könnten eine Lücke in den Schirmen
ausnutzen. Aber es wären ein paar Modifikationen notwendig."
"Wie lange?"
"Zwei Stunden, um…"
"Sie haben 20 Minuten, Scotty."
"Aber Captain…"
"Beeilen Sie sich lieber, Scotty."
Der Chefingenieur seufzte. "Aye, Captain." Dann verließ er den Raum.
"Ich nehme an, Captain, dass Sie einen bestimmten Plan verfolgen?"
"Richtig Spock. Was halten Sie von einem kleinen Ausflug?"
Spock hob eine Augenbraue. Und dann erklärte Kirk ihm, was er vorhatte.
In seiner Kabine war Riggs damit beschäftigt, einen Artikel zu verfassen. Seinen
eigenen Nachruf, besser gesagt. Es war die einzige Möglichkeit, seine Panik
etwas zu dämpfen. Wenigstens würde sein Tod auch Starfleet einen gehörigen Stoß
versetzen, möglicherweise einen Todesstoß.
Kurz vor Ablauf der Frist betrat Riggs wieder die Brücke. Uhura saß noch immer
auf dem Kommando-Sessel, weder Kirk noch sein Erster Offizier waren bis jetzt
zurückgekehrt. Die Situation schien unverändert, während das rote Blicklicht die
Brücke in ein gespenstisches Licht tauchte. Riggs drehte das Datenmodul in
seiner Hand und ging dann zu der Kommunikationsstation.
"Können Sie das für mich senden?" fragte er.
Der ältere Mann nahm das Modul zögernd in die Hand.
"Ich bin nicht sicher… Lieutnant Uhura?"
Uhura drehte sich im Kommandosessel um.
"Mr. Riggs möchte, dass ich eine Nachricht sende."
"Tut mir leid, Mr. Riggs, aber im Augenblick können wir keine Nachrichten
verschicken. Wir wissen nicht, was die Piraten alles entschlüsseln können. Aber
auch so könnte es sie auf falsche Ideen bringen."
"Aber es ist wichtig."
Uhura dachte nach.
"Ich kann Ihnen nur anbieten, dass ich die Nachricht der automatischen
Logbuchboje hinzufüge. Die Boje wird automatisch ausgeworfen und der Captain hat
mich angewiesen, sie startklar zu machen. Auf diese Weise können sie
sichergehen, dass Ihre Botschaft den Empfänger erreicht. Ansonsten sorge ich
persönlich dafür, dass Ihre Nachricht gesendet wird, sobald unser
augenblickliches Problem gelöst ist. Sind Sie damit einverstanden?"
Riggs dachte einen Moment nach und nickte dann zögernd.
"Einverstanden."
"Mr. Kuzan, bitte kümmern Sie sich darum."
Der ältere Mann an der Kommunikationsstation nickte und drehte sich dann zu
seiner Konsole um. Riggs ging mit dem Gefühl, wenigstens etwas erfolgreich
erledigt zu haben, zu dem ihm zugewiesenen Platz auf der Brücke. Er hatte sich
kaum gesetzt, als Kirk eintrat. Der Vulkanier war nicht bei ihm. Der Captain
wirkte zwar selbstsicher, aber immer noch eigentümlich blass und ausgezehrt. Ja,
so fühlt sich wahre Todesangst an, dachte Riggs hämisch. Wenn es ihn nicht
selbst auch getroffen hätte, er hätte Kirks Reaktion beinahe genießen können.
Uhura stand auf und Kirk setzte sich auf seinen Kommandosessel.
"Irgendwelche Änderungen?" fragte er.
"Keine, Sir."
Kirk nickte.
"Chekov, Sie übernehmen Spocks Station bis auf weiteres. Rufen Sie DeSalle auf
die Brücke."
Die restlichen Minuten bis zum Ablauf des Ultimatums vergingen quälend langsam
und wurden nur durch die Ankunft eines Mannes unterbrochen, der den Platz an der
Navigationskonsole übernahm. Kirk übergab dem Neuangekommenen ein Datenmodul und
befahl ihm, es in die Navigationskonsole für spätere Verwendung einzulesen. Der
Mann nickte verwirrt, stellte aber keine weiteren Fragen. Erst jetzt fiel Riggs
auf, dass auch der Asiate sich nicht an seinem Platz befand. Eine sehr
attraktive Frau nahm seine Stelle ein.
Dann durchbrach Uhuras Stimme die angespannte Stille.
"Sir, wir werden gerufen."
"Auf den Schirm."
Erneut blickten sie in das bedrohliche Gesicht des Orioners.
"Die Zeit ist um."
"Ich verhafte Sie im Namen der Föderation wegen Mord, Piraterie und noch einigen
anderen Delikten. Ihre Identität ist bekannt. Wenn Sie sich freiwillig ergeben,
wird das in einem späteren Prozess wohlwollend berücksichtigt werden."
Der Orioner lachte schallend und wurde dann so plötzlich wieder stumm, als hätte
er die Lache abgeschaltet.
"Sehr komisch, Kirk. Übergeben Sie Ihr Schiff oder sterben Sie!"
"Sie sind es, die mit dem Leben bezahlen werden!"
Der Bildschirm wurde dunkel.
"Sie gehen auf Kampfposition."
"Mr. DeSalle, Kurs 2340,2, voller Impuls. Wenn ich es Ihnen sage, starten Sie
das Programm 1 von dem Datenmodul. Mrs. Bauer, machen Sie Photonentorpedos 2, 4
und 6 scharf."
Bestätigungen von allen Seiten folgten. Die Leute arbeiten ruhig und effizient.
Das Schiff glitt in den Raum und Riggs stellte entsetzt fest, dass sie direkt in
das Zentrum des Ringes flogen, der von den gegnerischen Schiffen gebildet wurde.
Kirk drückte einen Knopf auf seinem Sessel und sagte dann ebenso ruhig:
"An alle, hier ist der Captain. Fertig machen für Kampfhandlungen. Kirk Ende."
Sie befanden sich jetzt direkt in der Mitte der Schiffe, als die ersten
Feuerlanzen durch den Raum leckten.
"Jetzt, Mr. DeSalle."
Die Enterprise tauchte nach unten und beschrieb einen Haken, um hinter dem
ersten Schiff abzutauchen. Allerdings war sie nicht schnell genug und die Brücke
wurde leicht durchgeschüttelt, lange aber nicht so schwer wie bei dem ersten
Angriff. Die Hauptentladung des Angreifers hatte jedoch nicht die Enterprise
getroffen, sondern eines der gegenüberliegenden Schiffe. Der Pirat hatte ein
Eigentor geschossen und einen seiner eigenen Kreuzer beschädigt.
"Photonentorpedos Feuer auf gegnerisches Schiff voraus."
Drei Lichtblitze zuckten über den Bildschirm. Sie trafen alle genau. Der dritte
löste eine Explosion aus, das bereits angeschlagene orionische Schiff war
vernichtet. Leiser Jubel hallte auf der Brücke wieder. Riggs stieß die Luft aus,
die er unbewusst angehalten hatte. So etwas wie Respekt beschlich ihn. Dennoch
war es aussichtslos, gegen die restlichen vier Schiffe bestehen zu wollen.
"Alle Maschinen stopp, treiben lassen", befahl Kirk.
"Uhura, rufen Sie den Orioner."
"Aye Sir." Der Bildschirm wurde einmal mehr durch das Gesicht des Piraten
ersetzt, der jetzt vor Wut schäumte.
"Das werden Sie bezahlen, Kirk."
"Ich bin bereit, noch einmal über Ihr Angebot nachzudenken", sagte der Captain.
Die Brückenoffiziere drehten verwundert die Köpfe.
"Zu spät, Kirk. Sie haben soeben meinen Bruder vernichtet und dafür werden Sie
persönlich bezahlen."
"Warten Sie…"
Aber der Bildschirm zeigte wieder den Weltraum.
"Zu früh", murmelte Kirk ärgerlich.
"Kurs 3410,3. 0,1 Impuls. Phaser auf leichteste Einstellung. Zielen Sie neben
das Schiff direkt voraus."
"Neben, Sir?"
"Daneben, Mrs. Bauer."
"Aye, Sir."
Die Enterprise kroch praktisch an das eine Schiff heran, während ein dünner
Phaserstrahl an ihr vorbeileckte.
"Volle Kraft zurück."
Die Maschinen heulten gequält auf, als die Enterprise den Weg, den sie gerade
eben vorwärts gekrochen war, wieder zurückwich. Ein Phaserstrahl der Angreifer
verfehlte sie nur haarscharf.
"Waffenaktivität bei allen drei Kreuzern, Captain", meldete Chekov und bezog
sich auf die drei Schiffe, die nun direkt vor der Enterprise lagen.
"Alle Maschinen stopp, treiben lassen."
Die Enterprise hing antriebslos im All, während die gegnerischen Schiffe nun auf
dem Schirm immer größer wurden.
"Mr. DeSalle, vorbereiten auf Programm 3. Auf mein Kommando. Photonentorpedos 1,
3, und 5 fertig machen für heckwärtigen Beschuss."
"Aye, Sir."
Jetzt ist es aus mit uns, dachte Riggs. Es kostete ihn volle Überwindung, weiter
auf das Geschehen vor ihnen zu achten. Ein Treffer an der richtigen Stelle
reichte bei den geschwächten Schilden schon aus und das war's dann.
Kirk wartete auch weiterhin ab. Dann wurde die Brücke erneut gewaltig
durchgeschüttelt. Riggs landete schwer auf dem Boden und keuchte vor Schmerz,
als er abermals auf seinem schon angeschlagenen Knöchel landete. Uhura und
Chekov saßen noch, aber alle anderen waren ebenfalls von ihren Plätzen gefallen.
Kirk zog sich gerade mühsam am Stuhl des Navigators vor ihm hoch und bediente
hastig einige Knöpfe. Auf dem Schirm bewegte sich plötzlich auch der Frachter.
Tatsächlich schien er die Manöver der Enterprise zu ergänzen. Von zwei Seiten
blitze es grell auf und dann hatte Riggs von seiner Position am Boden aus freie
Sicht auf die Sterne. Keine feindlichen Kreuzer mehr.
"Zwei weitere Piratenkreuzer vernichtet, ein dritter schwer beschädigt, der
vierte kampfunfähig."
Zwei weitere Explosionen erhellten die Brücke.
"Die beiden anderen Schiffe haben sich soeben selbst zerstört."
"Sir, der Frachter ruft uns. Es ist Mr. Spock."
Uhura gab sich keine Mühe, ihre Überraschung zu verbergen.
Kirk reagierte nicht. Er war über der Navigationskonsole zusammengesunken.
"Sir?" Uhura hatte sich weit herumgedreht und schien gerade aufstehen zu wollen,
als Kirk sich mit einer ungeheuren Willensanstrengung wieder aufrichtete.
"Danke, Lieutnant."
"Alles in Ordnung, Sir?"
Kirk sah sie an und warf ihr ein Lächeln zu.
"Lassen Sie Spock nicht warten."
Uhura schien ebenfalls nicht zu entgehen, dass Kirk ihre Frage ignoriert hatte.
Aber sie drehte sich um und Spocks Gesicht erschien auf dem Schirm. Hinter ihm
befanden sich etliche Offiziere der Enterprise.
"Schön, Sie zu sehen, Spock." Kirk öffnete den Mund, um noch etwas zu sagen,
aber kein Ton kam zwischen seinen Lippen hervor. Dann brach er direkt vor dem
Kommandosessel zusammen. Spocks Gesicht auf dem Bildschirm veränderte sich und
Riggs meinte, für einige Sekunden auf dem sonst so stoischen Gesicht einen
Anflug von Sorge zu erkennen.
"Lieutnant Uhura, sorgen Sie dafür, dass vier Sicherheitsteams auf die Magellan
gebeamt werden. Wir haben hier 13 Piraten festgenommen, die arretiert werden
müssen. Anschließend organisieren Sie bitte meine unverzügliche Rückkehr auf die
Enterprise und senden Sie Starfleet einen Auszug aus dem automatischen Logbuch
zu. Und Lieutnant - rufen Sie McCoy auf die Brücke."
Kirk war noch immer bewusstlos und lag auf einem Biobett, als Spock in der
Krankenstation eintraf.
"Wie geht es ihm, Doktor?"
"Nicht gut. Das Gift und dann hat er sich bei einem Angriff offenbar noch zwei
Rippen gebrochen, ohne mir Bescheid zu sagen. Eine hat die Lunge verletzt. Das
alleine macht mir keine Sorgen."
"Doktor?"
"Er ist zu schwach. Puls und Blutdruck zu niedrig, unregelmäßiger Atem. Und ich
will verdammt sein, wenn ich den Grund dafür kenne."
Spocks Gesicht verdunkelte sich.
"Wird er es schaffen?"
"Das weiß der Himmel", entfuhr es McCoy.
"Doktor, ich fürchte, für den Zustand des Captains bin ich verantwortlich."
"Sie?"
"Der Captain stand während des Gefechtes mit mir in einer permanenten
telepathischen Verbindung?"
"Sind Sie verrückt geworden? Wann hatten Sie vor, mir davon erzählen?"
"Jetzt, Doktor. Es war notwendig. Die einzige Möglichkeit, die Piraten zu
vernichten, bestand in einem koordinierten Angriff beider Schiffe. Und die
Kom-Verbindung hätten die Piraten mit Sicherheit abhören können."
"Und wie haben Sie die Verbindung so lange aufrecht erhalten können? Sie sind
Berührungstelepath und Jim ein Mensch."
Der Vulkanier zögerte merklich, ehe er fortfuhr:
"Der Captain und ich hatten bereits mehrfach mentalen Kontakt. Das wissen Sie.
Der Captain schlug daher vor, die Verschmelzung nicht zu unterbrechen. Ich
wusste nicht, ob es funktionieren würde, aber das hat es. Leider erforderte es
von beiden Seiten ein erhebliches Maß an Konzentration."
"Verdammt, Spock. Ich hoffe, dass Jim es übersteht."
In seiner Kabine atmete Riggs mehrfach tief durch und versuchte, seinen rasenden
Herzschlag zu beruhigen. So nah war er dem Tod noch nie gewesen. In seinem Kopf
hämmerte es. Er erwog, McCoy um ein Schmerzmittel zu bitten, verwarf diesen
Gedanken aber, nachdem er sich die Aufnahmen von der Krankenstation ansah, die
aus allen Nähten zu platzen schien. Kirk befand sich abseits des normalen Chaos
in McCoys Büro. Kirks Gegenwart hätte Riggs Kopfschmerzen nur noch verstärkt.
Die Tatsache blieb bestehen, ohne Kirks Manöver wäre das Schiff zerstört worden.
Aber sie lebten, was bedeutete…
Wie von der Tarantel gestochen fuhr Riggs auf.
"Riggs an Kommunikationsstation."
"Hier Lieutnant Uhura. Was kann ich für Sie tun?"
"Haben Sie meine Nachricht bereits gesendet?"
"Ja, Sir. Ich habe Sie mit dem Logbuch vor etwa einer Stunde weggeschickt."
Innerlich fluchte Riggs.
"Danke, Lieutnant. Können Sie für mich eine Verbindung mit Olav Bergström auf
Senurum herstellen?"
"Einen Moment. Die Verbindung steht, ich stelle Sie durch."
Riggs atmete tief durch. Es fiel ihm nicht leicht, aber er musste Olav erklären,
warum er den letzten Artikel nicht publizieren durfte…
Am nächsten Tag trafen noch weitere Starfleet-Schiffe ein, die den Vorfall und
vor allem die Trümmer der Kreuzer untersuchen sollten. Zudem wurden die auf dem
aldebaranischen Frachter gefangenen Piraten zu Verhören auf die Erde gebracht.
Es musste geklärt werden, wie sie es geschafft hatten, so tief in den Raum der
Föderation einzudringen und ein solches Macht-Potential zu entfalten.
Kirk, zwar noch immer in McCoys Obhut, befand sich auf dem Weg der Besserung.
Riggs indessen hatte beschlossen, zu seinem obersten Grundsatz der objektiven
Berichterstattung zurückzukehren. Etwas nervös begab er sich zu seinem Treffen
mit dem vulkanischen Ersten Offizier. Spock erwartete ihn in einem kleinen
Konferenzraum. Bemüht, seine Nervosität nach außen hin nicht zu zeigen, trug
Riggs sein Anliegen vor.
"Mr. Spock, ich danke Ihnen, dass Sie einen Moment Zeit für mich gefunden
haben."
Spock nickte stumm als Zeichen, dass er den Dank entgegennahm. Riggs fuhr fort:
"Zuerst einmal bitte ich um die Erlaubnis, auch weiterhin an Bord der Enterprise
bleiben zu dürfen."
"Da Sie auf ausdrücklichen Wunsch von Starfleet Command hier sind, sehe ich
keinen logischen Grund, Ihrer Bitte nicht zu entsprechen."
"Danke, Commander. Aber da wäre noch etwas. Es ist so… Ich habe in der
Vergangenheit bereits mehrfach mit Vulkaniern zusammengearbeitet. Daher weiß ich
um die telepathischen Fähigkeiten ihres Volkes…."
Spock versteifte sich fast unmerklich.
"Mir ist zu Ohren gekommen, wie Sie den Angriff der Enterprise und des Frachters
koordiniert haben."
Riggs vermied es dabei zu erwähnen, auf welchem Weg er seine Informationen
gewonnen hatte und baute auf die Diskretion des Vulkaniers nicht nachzufragen.
"Daher möchte ich Sie bitten, mein diesbezügliches Wissen zu vervollständigen."
Spocks Gesicht schien noch vulkanischer als sonst zu sein.
"Ich bedaure, Mr. Riggs, aber die telepatischen Fähigkeiten meines Volkes
gehören zu unserer Privatsphäre. Sie werden mit Außenstehenden nicht diskutiert.
Bitte verstehen Sie, dass ich Ihnen daher keine Antwort darauf geben kann."
Riggs war enttäuscht, erkannte aber, wie wenig Sinn es haben würde, den
Vulkanier weiter zu bedrängen. Es war Zeit für einen Rückzug.
"Wie Sie meinen. Wenn Sie mich bitte entschuldigen würden…"
Der Vulkanier entließ Riggs mit einem Nicken.
Der Reporter schlenderte tief in Gedanken versunken zurück zu seiner Kabine.
Selbst wenn er Monate an Bord würde verweilen müssen, er schwor sich, das
Geheimnis um Kirk, seinen Ersten Offizier und die Vergangenheit zu lösen.
Teil 2
Die Reparaturarbeiten auf der
Enterprise hielten nun schon gut eine Woche an. Eine Woche, in der sie
Sternbasis 11 umkreisten und die weitestgehend ereignislos ablief. Die
Verletzten genasen entweder oder starben und wurden durch neues Personal
ersetzt. Einfach, austauschbar. Die Ingenieure arbeiteten beinahe rund um die
Uhr, um die teilweise ganz erheblich beschädigte Enterprise wieder in einen
flugtauglichen Zustand zu versetzten.
Der Anblick der Schäden hatte Riggs nur zu sehr verdeutlicht, WIE knapp sie der
Vernichtung entgangen waren und von Zeit zu Zeit fragte er sich, ob er noch alle
Sinne beisammen hatte, freiwillig länger zu bleiben. Stoff für einen Artikel
hatte er, zwar nicht gerade für einen befriedigenden Artikel, aber immerhin - es
würde reichen. Er seufzte. - Das war nicht seine Art. Er hatte Blut geleckt,
leider sogar im wahrsten Sinne des Wortes.
Die gefangenen Piraten waren auf die Sternbasis überstellt worden, wo Riggs zu
seinem Leidwesen keinerlei Kameras zur Verfügung hatte. So wusste er nur das,
was auf dem Schiff die Runde machte. Zwei Piraten war es gelungen, Selbstmord zu
begehen, die anderen standen unter strengster Bewachung und hatten trotz
eindringlicher Befragung nichts Preis gegeben. Jetzt waren sie auf dem Weg zur
Erde. Manchmal war es wirklich hinderlich, sich an einen Ehrenkodex halten zu
müssen…
Kirk war noch immer nicht aus der Krankenstation entlassen worden, aber es ging
ihm wohl inzwischen etwas besser. Spock kümmerte sich um alle Details und hatte
verkündet, dass ihr nächster Auftrag lautete, den Stützpunkt der Piraten zu
finden und ihre Hintergründe zu klären. Niemand war davon besonders überrascht.
Riggs stocherte weiterhin lustlos in seinem Essen herum und versuchte, den Krach
naher Reparaturarbeiten aus seinen Gedanken zu befreien, als der russische
Navigator zusammen mit Sulu die Messe betrat. Schnell sah er wieder auf seine
Rühreier - beziehungsweise dem, was der Replikator dafür hielt. Wie konnte man
das nur täglich essen? Der Raum war eher spärlich besetzt, die Mittagszeit für
die meisten schon vorbei.
"Bin ich froh, dass McCoy mich endlich entlassen hat", verkündete Sulu gerade
und balancierte ein Tablett mit Spaghetti vor sich her.
"Kann ich mir denken. Ist ja auch überfüllt. Weißt du es schon? Miller hat es
erwischt."
"Ja, ich weiß. Eine Schande. Aber es hätten noch mehr werden können."
"Diesmal war es wirklich knapp. Ich hätte nicht gedacht, das der Captain uns da
noch mal rausholt."
"Der Captain und Mr. Spock nicht zu vergessen. Würde mich nur mal interessieren,
wie sie das angestellt haben. Irgend so ein vulkanischer Hokuspokus. Dem Captain
hat es allerdings nicht so gut bekommen."
"Hast du ihn gesehen?"
"Nicht oft. McCoy behütet ihn stärker als eine Glucke ihr Küken. Aber wie ich
den Captain kenne, wird er sich nicht mehr länger hinhalten lassen. Ich habe ihn
schon umherwandern sehen. Hat dem guten Doktor fast einen Herzinfarkt beschert."
Chekov grinste.
"Kann ich mir denken. Weißt du schon, wie es weitergeht?"
"Nur Vermutungen, nichts konkretes. Aber ich hoffe, dass wir bald aufbrechen und
die Schweine kriegen."
Zwei weitere Tage vergingen, in denen es auf dem Schiff keinen einzigen ruhigen
Ort gab. Wenn zur Abwechslung mal nirgendwo gehämmert, geschraubt oder sonst
etwas irgendwie repariert wurde, pochte es in Riggs Kopf weiter. Er hatte Olav
versprochen, ihm einen Zwischenbericht zu schicken, aber er war kläglich daran
gescheitert. Nichts wollte ihm gelingen. Unruhig wanderte er auf dem Schiff
umher und so geschah es, dass er an der Krankenstation vorbei lief, als Kirk
gerade herauskam. Also hatte McCoy ihn letztendlich doch entlassen. So wirklich
gesund sah der Captain zwar nicht aus, aber er hatte einen sicheren Gang. Er
grüßte kurz und ging dann an ihm vorbei.
Sein Anblick beschwor die Erinnerungen herauf, die er schon längere Zeit
niederkämpfte. Einen kurzen Augenblick zögerte er noch, dann lief er Kirk
kurzerhand hinterher. Er kam gerade noch rechtzeitig an dem Turbolift an, die
Türen schlossen sich bereits. Überrascht hielt Kirk den Lift auf und Riggs
schlüpfte hinein. Der Blick des Captains war eindeutig fragend. Jetzt gab es
kein zurück mehr. Auf einmal fehlten ihm, der mit Worten sein Geld verdiente,
der für seine besonders ausgefeilten Berichte auf fast allen Welten der
Föderation hoch geachtet war, die Worte.
Schließlich fragte er:
"Wie geht es Ihnen?" Der Satz blieb ihm fast im Hals stecken. Er wollte
eigentlich gar nicht wissen, wie es diesem Mann ging. Oder doch?
"McCoy hat mich entlassen. Aber sie wollen auf etwas Bestimmtes hinaus, nicht
wahr?"
Nun war es an Riggs, überrascht auszusehen.
"Ja… Es gibt da etwas, das ich mit Ihnen besprechen will. Es ist… privat."
"Können Sir mir sagen, worum es geht?"
"Das würde ich lieber unter vier Augen tun."
Kirk überlegte kurz und erwiderte dann:
"Kommen Sie heute Abend um 1900 in meine Kabine, wenn es Ihnen recht ist."
Riggs nickte.
"Danke. Ich werde da sein."
Der Chronometer in Riggs Quartier bewegte sich langsam aber unaufhörlich weiter.
18.35. Was hatte er sich nur dabei gedacht? Seine Hände waren bereits
schweißnass und er fühlte sich ausgepumpt, als hätte er gerade einen Marathon
hinter sich. Aber ohne die wohlige Schwere. Stattdessen war er unruhig und der
Drang, hin und her zu laufen, fast unwiderstehlich. 18.36.
Zögernd und widerwillig setzte er sich vor den Computer. Noch einmal verharrte
er kurz, dann rief er eine bestimmte Datei auf. Das Antlitz einer jungen Frau in
Starfleet-Uniform erschien auf dem Bildschirm. Anne. Riggs schluckte. Nach all
den Jahren hatte ihr Anblick nichts von seiner Wirkung verloren. Ihre Augen
sahen direkt in sein Herz, wühlten sein Innerstes auf, so wie sie es immer getan
hatten. Allein ihr Foto reichte, um all den Schmerz in ihm wieder so lebendig
sein zu lassen wie an dem Tag, an dem er von ihrem Tod erfahren hatte. Nicht nur
sie war gestorben, sie hatte einen großen Teil von ihm mitgenommen.
In gewisser Weise war sie Schuld an seiner Kariere. Er war davon gerannt,
irgendwo hin, hatte sich in Arbeit gestürzt, um vergessen zu können. Aber es
hatte nichts gebracht. Riggs betätigte eine weitere Taste. Eine
Videoaufzeichnung begann, zeigte einen in tristen Starfleet-Farben gehaltenen
Raum und mehrere hohe Offiziere. Alle in Uniformen, einige davon mit den
Insignien des juristischen Korps. Das Video zeigte nicht die ganze Anhörung,
begann mittendrin. Ein junger Mann wurde gerade befragt. Ein junger James Kirk.
"… Tod der Landegruppe, bestehend aus den Lieutnants McGruder, Lee, Szan, Lind
und Fähnrich Quai sagen können. Sie hatten das Kommando?"
"Das ist richtig."
"Was war Ihre Aufgabe?"
"Captain Garrovick hatte uns angewiesen, den vierten Planeten von Zil auf Spuren
von Dilithium zu untersuchen. Schon bald stießen wir auf ein großes Vorkommen.
Thomas McGruder war unser Geologe, bestätige die außergewöhnliche Tatsache und
so blieben wir länger als geplant auf dem unbewohnten Planeten. Anne Lind beamte
zu uns hinunter, um den Fund auf technische Verwertung zu überprüfen."
"Anne Lind war Ingenieurin?"
"Ja, allerdings gehörte sie nicht zur regulären Besatzung der Farragut. Sie war
auf dem Weg zu einer wichtigen Konferenz."
"Warum bekam dann ausgerechnet sie und nicht jemand anderes die Aufgabe?"
"Sie hatte wohl die Daten von McGruder gesehen und bat um diesen Auftrag."
"Warum? Ist es nicht so, dass Sie um ihre Anwesenheit ersucht hatten?"
"Das ist richtig, aber…?"
"Und ist es nicht auch richtig, dass Sie die Verantwortung für die Sicherheit
der Landegruppe hatten?"
"Ja. Ich hatte die Verantwortung und es ist meine Schuld, dass niemand überlebt
hat."
Hastig schaltete Riggs die Aufzeichnung ab, aber er hatte bereits genug gehört.
Es war Zeit, Kirk direkt zu fragen, was damals wirklich passiert war.
Der Türsummer schien unnatürlich laut in seinen Ohren widerzuhallen. Riggs
wischte sich gerade die klammen Hände an seiner Hose ab, als die Türen vor ihm
auseinander glitten. Durch seine Aufzeichnungen war ihm das spartanisch wirkende
Innere von Kirks Kabine vertraut geworden, aber keine Videoaufzeichnung schaffte
es, die wirkliche Atmosphäre eines Raumes und seines Bewohners einzufangen.
Kirk sah ihn ernst und leicht fragend an, während er ihm einen Begrüßungsdrink
und einen Platz anbot. Mehr, um sich zu beruhigen denn aus wirklichem Interesse
heraus hatte er Kirks Angebot angenommen und drehte nun einen Saurianischen
Brandy zwischen seinen Händen. Schon kurios, dass Kirk in dieser Hinsicht seinen
Geschmack zu teilen schien. Schließlich wurde es Zeit, die Karten auf den Tisch
zu legen. Die Entscheidung, hierher zu kommen, hatte eine Entwicklung in Gang
gesetzt, die nicht mehr aufzuhalten war. Also erzählte Riggs, warum er hier war.
Zuerst stockend, dann immer fließender. Kirks Gesicht verdunkelte sich.
"Ich wusste nicht, dass Anne Lind Verwandte hatte."
"Das hatte sie nicht. Wir waren verlobt, aber nicht verwandt."
"Ich bedaure Ihren Verlust."
"Bedauern bringt mich nicht weiter. Ich bin hier, weil ich die Wahrheit wissen
will. Ihre Version der Wahrheit. Was ist wirklich geschehen?"
"Ich…"
"Captain Kirk auf die Brücke. Captain Kirk auf die Brücke. Alarmstufe Rot, alle
Mann Kampfstationen."
Uhuras Stimme hallte durch das Schiff, begleitet von dem ohrenbetäubenden Krach
der Sirenen. Für einen Moment sah Kirk genauso verblüfft aus, wie Riggs sich
fühlte. Immerhin befanden sie sich nicht im offenen Raum sondern umkreisten eine
Raumstation.
Kirk fand recht schnell in seine Rolle als Captain zurück, sprang auf und war
schon aus der Tür, bevor Riggs überhaupt wusste, was los war. Zwei
Schocksekunden später eilte er ebenfalls zur Brücke.
Das Bild, das sich ihnen auf dem Hauptbildschirm bot, war so unglaublich, dass
nicht nur Riggs Mühe zu haben schien, die Einzelheiten in sich aufzunehmen. Die
Raumstation war an etlichen Stellen beschädigt, schwere Kreuzer feuerten.
"Lagebericht", verlangte Kirk, der gerade mit Riggs zusammen aus dem Turbolift
trat.
Spock erhob sich ruhig vom Kommandosessel. Dr. McCoy stand bereits daneben.
"Sechs schwere Kreuzer sind vor 3,21 Minuten aufgetaucht und haben die Station
unter Beschuss genommen. Die Enterprise wurde bislang verschont. Es handelt sich
dabei um die gleichen Piraten, die wir…"
"Sir, ich empfange einen Hilferuf der Station. Admiral Bright", unterbrach Uhura.
"Auf den Schirm", sagte Kirk und setzte sich.
Ein grauhaariger Mann in der Uniform eines Starfleet-Admirals erschien auf dem
Bildschirm.
"Jim… Die Station wird angegriffen. Enterkommandos befinden sich auf dem Weg
hierhin. Es sind zu viele, sie können uns nicht retten. Ich gebe Ihnen den
Befehl, die Enterprise in Sicherheit zu bringen und Starfleet Command zu
informieren, dasss… aahhh."
Ein Phaserstrahl leckte wie eine Lanze durch das Bild, dann verschwamm es
gänzlich. Kirk überlegte nicht lange.
"Mr. Sulu, kappen Sie alle Verankerungen, Chekov, berechnen Sie einen Kurs zur
Erde. Höchstgeschwindigkeit."
Bestätigungen trafen von allen Seiten ein. McCoy drehte sich ungläubig zu Kirk
um.
"Jim, du kannst die Station doch nicht einfach so im Stich lassen!"
"Du hast Bright gehört, Pille."
"Aber…"
"Ich befolge meine Befehle, Pille, aber ich habe nicht vor, den Admiral im Stich
zu lassen. Spock, werden wir verfolgt?"
"Positiv. Drei Kreuzer haben unseren Kurs aufgenommen, aber sie werden uns nicht
einholen können."
"Gut. Vermutlich haben sie nicht damit gerechnet, dass Scotty die Enterprise so
schnell wieder flott kriegt. Pille, ich will, dass du ein paar medizinische
Notfallgüter zusammenkramst und in zehn Minuten im Hangardeck bist."
"Aber…"
"Kein aber. Wir bringen die Enterprise in Sicherheit, aber der Admiral hat
nichts dagegen gesagt, dass wir nicht mit Shuttles zur Station fliegen können.
Hatte Scotty nicht mit der Romulanischen Tarnvorrichtung experimentiert?"
"In der Tat, Sir, aber…"
"Gut. Sorgen Sie dafür, dass sich die Galileo und die Kopernikus tarnen können,
wenn wir uns der Station nähern. In zehn Minuten will ich aufbrechen. Sulu, Sie
übernehmen das Kommando über die Enterprise. Auf der Kopernikus werden mich
Chekov, Mr. Scott, Uhura, Pille, zwei Sicherheitsleute.. und.."
"und ich sie begleiten", beendete Riggs den Satz.
"Sie?" echote Kirk.
"Ich", bestätigte Riggs mit einem süffisanten Lächeln.
Kirk schritt eine Grimasse und sagte dann resigniert:
".. und Mr. Riggs begleiten. Das zweite Shuttle fliegt Spock. Und nehmen Sie so
viele unserer Sicherheitsleute mit wie reinpassen."
Kirk saß am Steuer der Kopernikus. Mr. Scott hatte es tatsächlich geschafft,
beide Shuttles mit einer Tarnvorrichtung auszustatten und so flogen sie direkt
zwischen zwei der Piratenkreuzer hindurch, ohne bemerkt zu werden. Die beiden
Schiffe, die die Enterprise verfolgt hatten, waren zwischenzeitlich ebenfalls
wieder zurückgekehrt, da sie eingesehen hatten, dass sie keinen Erfolg haben
würden. Die Atmosphäre der Anspannung war beinahe greifbar. Selbst in der kurzen
Zeit, die seit dem Gespräch mit dem Admiral vergangen war, hatte sich der
Zustand der Station dramatisch verschlechtert.
Selbst, wenn sie über so etwas wie Schutzschilde verfügt hätte, spätestens jetzt
wäre davon nichts mehr übrig gewesen. Geschickt lenkte Kirk das Shuttle
unbeschadet in eine Landebucht, deren Tor einem Angriff der Piraten zum Opfer
gefallen war, das zweite Shuttle traf wenig später ein.
Da durch die Öffnung zum Weltraum auch keine Dekompression stattfinden konnte,
verteilte Chekov Lebenserhaltungsgürtel an alle, während Kirk eine der
Motivations- und Belehrungsreden hielt, die Riggs am aller wenigsten ausstehen
konnte.
Kaum, dass er es sich versah, stand er schon auf dem Boden des Hangardecks und
versuchte, das Glimmen des Lebenserhaltungsgürtels zu ignorieren. Auch die
Besatzung des anderen Shuttles war ausgestiegen. Kirk vergewisserte sich, dass
alle da waren und ging dann voraus. Noch im Shuttle hatte Kirk erklärt, dass er
versuchen wollte, zuerst die Herzzentren der Station zu sichern. Zum einen würde
das das Rechenzentrum sein, von wo der Computerzugriff für die ganze Station
gesperrt werden konnte. Zum anderen die Ops, das Äquivalent der Brücke.
Als die Enterprise-Leute den Hangar verließen, teilten sie sich wie von
Geisterhand in zwei Gruppen auf. Die eine lief nach links, den Weg zum
Kommando-Zentrum, die andere nach rechts. Spocks Gruppe war jedoch wesentlich
kleiner und bestand außer dem Vulkanier selbst nur aus zwei Sicherheitsleuten.
Riggs hatte sich sofort dafür entschieden, dass er bei der größten Gruppe
bleiben würde - alleine schon, weil es mehr Sicherheit gab.
Auf den Gängen wurde das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar, überall waren
Platten aus den Wänden herausgestürzt und behinderten das Vorankommen. Und doch
war die Lebenserhaltung noch in Takt, so dass sie nach einer Zeit ihre Gürtel
deaktivierten. Aber etwas war merkwürdig. Die Gänge waren, abgesehen von den
Trümmern, vollständig verwaist. Keine Leichen, keine Verwundeten und keine
Piraten.
Dann lag das Kommando-Zentrum direkt vor ihnen. Der Anblick war dem der
Enterprise-Brücke nicht einmal unähnlich. Was aber ganz und gar nicht ähnlich
wirkte, waren die Orioner, die an der Seite eines alles andere als toten Admiral
Bright standen.
Die Situation, die sich den Leuten von der Enterprise hier bot, war so bizarr,
dass sich für einen Moment niemand rührte. Dann aber ging es los. Von allen
Seiten stürzten Leute auf die Neuankömmlinge. Riggs verlor schon sehr schnell
den Überblick, suchte sich eine Ecke und versuchte, einen Sinn in das zu
bekommen, was seine Augen ihm vermittelten. Admiral Bright trat auf ihn zu.
"Ahh, welche Ehre. Mr. Riggs, nehme ich an?"
"Was geht hier vor?"
"Ist das nicht offensichtlich?"
"Allerdings. Sie verraten die Föderation."
"Nicht doch. Ganz so hart würde ich es nicht ausdrücken. Ich denke nur, dass die
Förderation etwas, sagen wir, liberaler, sein sollte."
Der Kampf war inzwischen fast zum Erliegen gekommen, was hauptsächlich daran
lag, dass immer mehr Angreifer auf die Enterprise-Leute einstürmten und sie
schließlich mehr als vier zu eins unterlegen waren. Mit einiger Genugtuung
stellte Riggs fest, dass weit mehr Piraten als Starfleet-Personal auf dem Boden
lagen, aber es half nichts. Kirk gehörte zu den letzten, die sich noch wehrten,
aber schließlich rammte ihm jemand ein abgebrochenes Metall-Teil einer Konsole
in den Magen. Fast augenblicklich brach Kirk zusammen und damit war der Kampf
mehr oder weniger beendet.
"Bringt alle bis auf den Reporter, den Captain, den entzückenden Lieutnant und
den Arzt in eine Arrestzelle. Und bewacht sie gut."
McCoy hatte fast augenblicklich versucht, zu Kirk zu eilen, wurde aber von zwei
Wachen daran gehindert. Das Chaos auf der Ops löste sich etwas auf, als neben
den Piraten nur noch Uhura, McCoy, Kirk und Riggs zurück blieben.
"Was um alles in der Welt…", begann McCoy, wurde aber von Bright unterbrochen.
"Nicht doch. Sie sind der Schiffsarzt?"
"Ja, aber…"
"Dann schlage ich vor, dass Sie Ihren Captain wieder beleben. Er soll ja nicht
den ganzen Spaß verschlafen."
McCoy beugte sich über Kirk, fuhr ihn ein paar Mal mit einem Trikorder ab.
"Er hat ganz schön was abbekommen und…"
"Das interessiert mich alles nicht, Doktor. Geben sie ihm einfach irgendwas."
McCoy rang sichtlich mit sich, holte dann aber ein HypoSpray heraus. Kirk fing
an zu blinzeln und richtete sich dann mühsam auf. Trotz seiner Benommenheit
erfasste er die Lage mit einem Blick.
"Gemäß Sternenflotten-Protokoll Nr. …"
"Ja, ja, ich sehe mich als verhaftet an, wenn Sie sich dann besser fühlen. Es
wird aber nichts an der allgemeinen Lage ändern."
"Was wollen Sie?"
"Sie, Captain."
"Mich?"
"Dass Sie mich nicht falsch verstehen, Sie selbst sind mir herzlich egal. Aber
mein orionischer Freund hier hat noch eine persönliche Rechnung mit Ihnen zu
begleichen."
Hinter Bright trat ein grünhäutiger Mann hervor, den Riggs noch nie zuvor
gesehen und der sich bislang im Hintergrund gehalten hatte.
"Und wer sind Sie?" frage Kirk ohne die Spur eines Erkennens in den Augen.
"Mein Name wird Ihnen nichts sagen und tut nichts zur Sache. Aber ich war für
die Corridan-Mission verantwortlich."
"Lassen Sie mich raten. Sie sind auf ihrem Planeten in Ungnade gefallen und
wollen sich an mir rächen? Kommen Sie, lassen Sie sich etwas Originelleres
einfallen."
Der Orioner trat vor und haute Kirk eine runter, so dass Blut aus den
Mundwinkeln des Captains lief.
"Ihnen wird der Spaß noch vergehen. Es geht um weit mehr als bloß um Rache. Sie
sollten Ihre Position nicht überschätzen."
"Um was geht es dann?"
Alle Köpfe drehten sich zu Riggs um, der sich so unerwartet in die Unterhaltung
eingemischt hatte.
"Sie konnten immerhin nicht wissen, dass Kirk zur Station kommen würde."
"Sehr scharfsinnig", kommentierte Bright und fuhr fort:
"Sie verdienen Ihren Ruf zu Recht. Kirk ist nur eine Zugabe. Um was es uns
eigentlich geht ist die Zerstörung von Starfleet."
Riggs konnte ein Lachen nicht unterdrücken, spürte dabei aber gleichzeitig einen
Anflug von Schuld. Nicht mal einen Monat zuvor hätte er jede derartige Petition
unbesehen unterzeichnet. Sich aber auf die gleiche Ebene wie diese Irren zu
begeben….
"Lachen Sie nur, aber…"
"Warum?" fragte Kirk dazwischen.
"Mein Sohn wurde unehrenhaft aus der Flotte entlassen, darum. Der
Andor-Skandal…"
"Da war Ihr Sohn drin verwickelt?" mischte sich Uhura ein,
"Jaa. Es war natürlich ein Fehler von ihm, aber Sie haben ihm das ganze Leben
ruiniert."
"Er kann froh sein, dass er nur unehrenhaft entlassen wurde und nicht in ein
Gefängnis gewandert ist", stellte Kirk kalt fest. "Drogen-Schmuggel war schon
immer eines der letzten Verbrechen, gerade für einen Starfleet-Offizier."
"Er war noch so jung, er…"
"Er war erwachsen. Er wusste genau, was er tat."
"Es steht Ihnen nicht zu, das zu beurteilen."
"Das braucht es gar nicht. Andere haben bereits über ihn geurteilt."
"Und dafür werden sie zahlen. Mein ganzes Leben habe ich Starfleet gewidmet.
Meine Ehe ist kaputt gegangen, viele Kameraden sind gefallen. Aber jetzt ist
Schluss."
"Und was haben Sie mit Ihrer Crew gemacht?"
"Die ist in ihren Quartieren eingesperrt. Da fällt mir ein…"
In diesem Moment flackerte das Licht, dann wurde alles schwarz. Monitore,
Schwerkraft - alles war auf einmal weg.
Riggs spürte, wie ihm jemand kräftig auf den Fuß trat, was durch die fehlende
Schwerkraft jedoch einiges an Wirkung verfehlte. Dann wurde er zur Seite
gestoßen und wenig später schwebte er unmotiviert in der Gegend herum. Es war
ein unwirkliches Gefühl, da bei absoluter Schwärze niemand sagen konnte, wo oben
und unten war.
Um ihn herum waren Kampfgeräusche zu hören, obwohl es ihm schleierhaft war, wie
irgendjemand wissen konnte, wem er gerade die Faust in den Magen rammte - wenn
es denn überhaupt der Magen war. Wenigstens waren die Enterprise-Leute eindeutig
in der Minderheit und konnten daher eher damit rechnen, einen
Überraschungstreffer zu platzieren.
Als hätte dieser Gedanke etwas ausgelöst, fühlte Riggs sich von der Wucht eines
Fausthiebes durch die Gegend geschoben. Sein Flug wurde erst durch ein Geländer
unterbrochen. Die Schmerzen ignorierend klammerte er sich dankbar daran fest.
Wenigstens wusste er jetzt, wofür diese Dinger überhaupt gut waren. Bislang
hatte er angenommen, der einzige Sinn dieser Geländer wäre der, der Crew bei
einem Ionensturm die Rippen zu brechen. Nun ja. Seiner Erinnerung nach musste
das Geländer nahe der Tür sein, was bedeutete…
Von einer Sekunde auf die andere waren sowohl Licht als auch Schwerkraft wieder
da und alle plumpsten sandsackartig zu Boden. Der Reporter rieb sich etwas
unelegant seine vier Buchstaben, war aber froh, dass er ausgerechnet so gefallen
war. Die Helligkeit brannte nach der absoluten Schwärze in den Augen und nur
mühsam schälten sich die Konturen der Ops aus der Finsternis. Das Bild, das sich
ihm bot, war etwas wüst, um es höflich auszudrücken. Überall lagen Körper
ineinander verknäuelt herum, teilweise auch in Stellungen, die unter anderen
Umständen eindeutig peinlich gewirkt hätten. Während die zu Boden Gefallenen
noch versuchten, ihre Gliedmaßen zu sortieren, hörte Riggs hinter sich eine
ruhige, emotionslose Stimme.
"Bitte bewegen Sie sich langsam. Ich trage einen Phaser bei mir, der auf
gestreute Betäubung eingestellt ist. Falls einer von Ihnen eine hastige Bewegung
macht, werde ich nicht zögern, alle zu betäuben."
Riggs drehte den Kopf und sah Commander Spock und die beiden Sicherheitswächter.
Letztere sahen etwas mitgenommen aus, während der Vulkanier wie immer den
Eindruck vermittelte, als hätte er sich frisch onduliert. Vermutlich hat er ein
besonders gutes Haargel, dachte Riggs noch, nur um sich sofort zu fragen, ob er
sie noch alle beisammen hatte.
Etwas umständlich stand er auf und stellte sich seitlich hinter einen
Sicherheitswächter - man konnte ja nie wissen. Bright, Uhura und Kirk hatten
sich schon hochgearbeitet, als der orionische Anführer nach einer Waffe griff.
Der Vulkanier zögerte nicht lange. Der Betäubungsstrahl leckte über das
Menschenknäuel und schickte es zurück in seinen Ursprungszustand. Wie bei einer
Marionette, der die Fäden durchgeschnitten werden, sanken alle wieder zurück.
"Ich fürchte", kommentierte Spock trocken, "dass wir die Piraten nun in die
Arrestzellen tragen müssen."
Relativ schnell wurde die Station wieder belebt. Es war für den Vulkanier ein
leichtes, die Sperren der Quartiere aufzuheben und somit die Besatzung und die
sonstigen Bewohner der Station zu befreien. Die Anzahl der Piraten war
erschreckend gering. Bright hatte alle mit einer perfekten Tarnung hereingelegt
und die Technik systematisch sabotiert. Den Rest hatten die angreifenden Schiffe
erledigt. Zurück geblieben war nur mehr das Skelett der ursprünglichen Station,
aber das Personal ließ sich davon nicht entmutigen. Sobald allen klar war, was
vorgefallen war, gingen sie tatkräftig an die Arbeit. Riggs erlebte ein Gefühl
von déjà-vu, als überall gehämmert, geschweißt und repariert wurde - und
abermals gab es kein Entrinnen.
Auf Spocks Geheiß waren die Gefangenen sediert worden, bis McCoy Gelegenheit
erhielt, einen genauen Blick auf sie zu werfen. Nach den bisherigen Erfahrungen
der Enterprise war es wahrscheinlich, dass irgendwo am Körper ein
Selbstmordmechanismus angebracht war.
Riggs hatte darauf bestanden, bei der Untersuchung als stummer Zuhörer anwesend
zu sein und letztendlich war es ihm zu Gute gekommen, dass alle etwas Besseres
zu tun hatten, als mit ihm zu debattieren. Als er die Krankenstation der Station
16 Stunden später betrat, hatte er erneut das Gefühl, eine schon bekannte Szene
zu erleben. Die Einrichtung war der der Enterprise ganz und gar nicht unähnlich,
allerdings etwas großzügiger angelegt.
Wesentlich mehr Betten waren aufgereiht und fast alle waren besetzt. Etliche bei
den Angriffen Verletzte lagen auf der einen Seite, die meisten schliefen. Auf
der anderen lag ein sedierter und festgeschnallter Bright, daneben in der
gleichen Kondition der Anführer der Orioner. Zu Riggs Überraschung war die
darauf folgende Liege mit Kirk besetzt. Er runzelte die Stirn, sagte aber
nichts. McCoy hatte seinen Blick trotzdem aufgefangen und richtig gedeutet.
"Der Captain hat so einiges abbekommen und da wir jetzt sowieso nichts tun
können, habe ich ihm was gegeben, damit er die Zeit zur Abwechslung mal sinnvoll
nutzt."
Riggs wurde einer Antwort enthoben, da in diesem Moment Commander Spock und
Lieutnant Uhura hereinkamen. Auf dem Gesicht der Kommunikations-Offizierin
befand sich - neben einigen von Schlafmangel herrührenden Schatten - ein sehr
zufriedener Ausdruck. Ohne, dass es einer Nachfrage bedurft hätte, verkündete
sie:
"Die Kom-Verbindung ist repariert und ich habe gerade mit Scotty gesprochen. Die
Enterprise ist auf dem Weg zu uns und wird in ca. drei Stunden hier sein."
Das Strahlen ging auf McCoy über. Der Arzt wippte auf den Zehen.
"Das sind ja endlich mal gute Nachrichten. Gibt es schon was Neues von Starfleet
Command?"
"Ja. Sie schicken Verstärkung hierher, die beim Wiederaufbau helfen soll und
noch so einiges mehr. Die Enterprise soll den Stützpunkt der Piraten finden."
"Gleich wieder unterwegs, wie? Aber ich kann die Leute hier nicht ohne
medizinische Versorgung lassen. Der Stationsarzt war unter den Todesopfern."
"Ich bedaure, Dr. McCoy, aber Sie werden vorerst hier bleiben."
"Hier bleiben?" Der Artet schrie fast. "Kommt nicht in Frage!"
"Diese Entscheidung stammt von Starfleet Command und ist unwiderruflich. Die
Gorgus hat nicht genug medizinisches Fachpersonal. Vielleicht hilft es Ihnen,
dass auch der Captain und Admiral Bright vorerst auf der Station bleiben
sollen."
"Jim? Das wird ihm nicht gefallen."
"Ihm das zu erklären, wird Ihre Aufgabe sein, Doktor. Die Enterprise bricht auf,
sobald der Nachschub angekommen ist."
"Die Enterprise ist weg?"
Kirks Pulsrate hatte sich in den letzten zehn Sekunden nahezu verdoppelt. McCoy
fixierte einen Punkt irgendwo über der Konsole des Biobettes und versuchte, den
Captain nicht direkt anzusehen.
"Jim, bitte beruhige dich doch…"
"Mich beruhigen? Mein Schiff ist da draußen und wird in eine potentielle
Kampfsituation hineingeschickt. Und da soll ich mich nicht aufregen?"
"Eigentlich wollte ich dich gerade in dein Quartier entlassen Jim, aber wenn du
die Sache nicht gelassener siehst, werde ich dich hier behalten."
Kirk schwang die Beine über den Rand der Liege.
"Du wirst mich schon deshalb nicht hier behalten, weil du das Bett brauchst."
"Das ist wohl wahr, aber deine Gesundheit hat Vorrang."
Kirk grinste schief.
"Du genießt diese Situation wohl so richtig, was Pille?"
"Der Arzt verzog spöttisch die Mundwinkel, seine Stimme hatte aber einen ernsten
Unterton, als er fortfuhr:
"Ich bin auch nicht begeistert, dass man uns zurück gelassen hat. Aber Spock
weiß, was er tut. Erzähl ihm das um Gottes willen nicht, aber er ist ein Genie
und wird dein Schiff heil wieder bringen. Habe Vertrauen zu ihm"
"Ich vertraue Spock mit meinem Leben. Es ist nur…"
"Ich weiß Jim. Lehne dich zurück, du hast in letzter Zeit etwas zuviel
abgekriegt, selbst für deine Verhältnisse." Kirk seufzte.
"Wer ist noch alles hier?"
"Bright natürlich, dann noch die orionischen Gefangenen. Und Riggs, der
Reporter."
"Von der Enterprise?"
McCoy schüttelte den Kopf.
"Niemand."
"Großartig."
Damit stand Kirk endgültig auf.
"Wo willst du hin?"
"Du hast doch selbst gesagt, ich dürfte aufstehen."
"Jaa, aber nur, um dich irgendwo anders wieder hinzulegen."
"Keine Sorge, nichts anderes habe ich vor."
Kirk dachte nicht daran, sich irgendwo hinzulegen. Schlimm genug, dass sein
Schiff ihn zurück gelassen hatte, in den letzten paar Stunden waren praktisch
alle Ereignisse an ihm vorbei gegangen und er hatte die Absicht, diesen
Sachverhalt schnellstmöglich zu korrigieren. Auf der Ops musste er allerdings
feststellen, dass Captain Collins das Kommando übernommen hatte. Die etwa
fünfzigjährige Frau bedachte ihn mit einem skeptischen Blick, setzte ihn aber
dennoch kurz ins Bild, nur um ihn im Anschluss wieder hinaus zu komplementieren.
So kam es, dass Kirk in der Offiziersmesse landete und sich erstmal ein
ausgewachsenes Mittagessen gönnte. Er wollte gerade den ersten Bissen nehmen,
als Riggs hereinkam. Ihre Blicke kreuzten sich, als der Reporter noch in der Tür
stand und Kirk erkannte deutlich, dass der andere zögerte, offenbar dicht davor,
einfach auf dem Absatz umzukehren. Dann aber gab sich der Reporter einen Ruck,
holte sich seinerseits ein Essen und kam auf Kirk zu.
"Ist dieser Platz noch frei?" fragte Riggs und kam sich angesichts einer
gähnenden Leere an dem für acht Personen konzipierten Tisch etwas dümmlich vor.
Kirk nickte und deutete auf den Stuhl ihm gegenüber.
Fast erleichtert ließ sich Riggs fallen.
Olav war über seine Entscheidung, auf der Station zu bleiben, nicht eben
glücklich gewesen. Andererseits hatte er auch eingesehen, dass die Chancen,
seinen besten Reporter an Bord der Enterprise zu verlieren, nicht allzu schlecht
standen. Auf Kirks Gesicht stand zu lesen, dass er zumindest eine wage Ahnung
hatte, was Riggs mit ihm besprechen wollte. Als dieser schließlich anfing, stumm
in seinem Essen herumzustochern, legte der Captain seine Gabel mit einer
betonten Geste zur Seite und sah sein Gegenüber Ernst an.
"Sie wollten mit mir über Anne Lind sprechen?"
Riggs hörte auf so zu tun, als sei sein Essen ihm wichtig. Auf einmal war er
sich gar nicht mehr so sicher, ob er Kirks Version wirklich hören wollte.
Überrascht über sich selbst nickte er mechanisch.
"Wie viel wissen Sie?" fragte Kirk direkt.
"Nur das, was in der offiziellen Anhörung bekannt wurde."
Kirk sah milde überrascht aus.
"Die war als geheim klassifiziert", stellte er fest.
Riggs lächelte dünn.
"Ich habe so meine Möglichkeiten."
"Das glaube ich Ihnen gern", erwiderte Kirk trocken und fuhr dann fort:
"Wie dem auch sei, Sie haben ein Recht, die ganze Wahrheit zu erfahren. Sie
wissen, dass Anne Lind durch meine Hand starb."
"Ja", erwiderte Riggs bitter. "Und ich habe nie verstanden, warum Sie dafür
nicht zur Rechenschaft gezogen worden sind."
Kirk schien sich innerlich zu sammeln.
"In der Anhörung wurden nicht alle Fakten bekannt. Einiges wurde soweit unter
Verschluss gehalten, so dass selbst die meisten Beteiligten nicht wussten, was
geschah."
"Und was, bitte, geschah dann nun wirklich auf diesem verdammten Planten?"
Riggs schrie fast und duckte sich hastig, als einige Leute zu ihnen
herübersahen.
"Ich dürfte Ihnen das nicht erzählen, aber ich tue es trotzdem. Bekannt ist,
dass wir auf Zil IV auf ein großes Dilithium-Vorkommen stießen. Besser gesagt:
wir dachten, dass es so wäre. Kaum, dass wir unten ankamen, veränderten sich die
Sensordaten auf eigentümliche Weise.
Unsere Landegruppe bestand zu einem Grossteil aus wissenschaftlichen
Spezialisten und so war ich der einzige, der nicht begeistert im Gestein
herumwühlte. Schon am ersten Abend benahm sich Fähnrich Quai seltsam, aber
niemand dachte sich etwas dabei. Dennoch hatte ich irgendwie ein ungutes Gefühl
und ich bat Anne Lind, herunter zu beamen und sich die Mineralien einmal
anzusehen bzw. die Sensordaten für mich zu überprüfen. Ich kannte sie von der
Akademie und war schon damals von ihrer Genialität beeindruckt."
"Und damit brachten Sie sie um."
Kirk nickte und schüttelte gleichzeitig den Kopf.
"Damit noch nicht. Anne untersuchte die Proben und beschloss, diese auseinander
zu nehmen. Daraufhin drehte Fähnrich Quai fast durch, auch zwei der anderen. Sie
bedrohten Anne und mich mit Phasern, aber wir konnten sie dann doch betäuben.
Schließlich erkannten wir, dass auch ihre Biowerte sich denen der Mineralien
angeglichen hatten. Wir informierten die Farrragut und wurden isoliert. Die
Situation auf dem Planten wurde immer schlimmer. Schließlich erkannten wir, dass
die Mineralien keine Mineralien waren. Jedenfalls nicht nur.
Es stellte sich heraus, dass wir nicht die ersten gewesen waren, die das
Dilithium auf dem Planeten entdeckt hatten. Tatsächlich war eine große Firma
bereits vor uns dort gewesen und hatte dort ihre Forschungsabreiten
durchgeführt. Sie sahen eine Veredelung der Kristalle vor, die jedoch misslang.
Das ganze lag zu dem damaligen Zeitpunkt ungefähr zwei Jahre zurück. Starfleet
war informiert, aber irgendein Schreibtischhengst hat die Information unter
Verschluss gehalten."
"Und was hat bei den Forschungsabreiten genau nicht funktioniert?"
"Nun, zuerst hat das Ganze wohl recht viel versprechend ausgesehen. Die
Kristalle erbrachten einen höheren Wirkungsgrad als ihre normalen Gegenstücke.
Allerdings reagierte etwas in ihnen auf die durchgeführten Modifikationen auf
merkwürdige Weise. Um es kurz zu machen: die veränderten Kristalle sonderten
eine Substanz aus, die das Gehirn angriff. Der Konzern hatte alle Aktivitäten
bezüglich der Kristalle eingestellt, nachdem alle Mitarbeiter einen langen und
qualvollen Tod gestorben waren. Und auch den Mitgliedern der Landegruppe erging
es nicht anders. Zuerst tobten sie, dann schrieen sie. Schließlich wanden sie
sich in Todeskrämpfen, alles innerhalb von vier Tagen. Anne und ich erkannten,
was uns bevorstand. Wir vernichteten die Mineralien so gut es ging und
versuchten, uns zu isolieren. Als die anderen gestorben waren, lebten wir
etliche Tage im Shuttle in Isolation und begannen zu hoffen, dass wir nicht
betroffen sein würden. Dann jedoch fing es bei Anne an. Langsam zuerst, dann
aber stärker werdend. Es gab keine Zweifel, dass sie infiziert war. Als ihre
Qualen schlimmer wurden und sich ihr Geist zu vernebeln begann, bat sie mich,
sie zu erlösen."
Kirk beendete seinen Bericht mit leiser Stimme.
"Mein Gott", flüsterte Riggs heiser. Sein Mund war ganz trocken und mit
beleckter Zunge fuhr er sich über die Lippen. Nun wusste er es also. Irgendwie
zweifelte er nicht daran, dass Kirks Version der Wahrheit entsprach. Plötzlich
wollte er allein sein. Irgendwo, nur nicht hier. Ohne ein weiters Wort zu
verlieren sprang er auf und lies Kirk allein zurück.
Die nächsten Tage vergingen in Untätigkeit, während die Station in einer kaum
nachvollziehbaren Geschwindigkeit in ihren Urzustand zurückkehrte. Die
Gefangenen waren mittlerweile auf dem Weg zur Erde, so schnell, dass Kirk nichts
davon mitbekommen hatte, bis es zu spät war. Offenbar wollte Command den Fall
von Bright so gut wie möglich unter Verschluss halten. Allein die Tatsache, dass
Riggs mitbekommen hatte, was passiert war, kam für Starfleet einer Katastrophe
gleich. Dennoch hatte der Captain sich darüber geärgert, da er sich gerne näher
mit ihnen befasst hätte. Zudem wurde er immer nervöser, ohne einen konkreten
Grund dafür benennen zu können. Er schob es auf die Untätigkeit und verbrachte
große Teile seiner Zeit im Sportraum der Station oder in seinem Quartier, wo er
sich stundenlang auf seiner Liege herumwälzte und die Decke anstarrte. Die
Enterprise hatte sich bislang noch nicht gemeldet, was Kirk mehr beunruhigte,
als er zuzugeben bereit war.
Von dem Reporter hatte er nichts mehr gesehen und Kirk schätzte mit einem Anflug
von Ironie, dass er wohl jetzt alle Chancen auf einen positiven Artikel
vergessen konnte. Aber das kümmerte ihn kaum. Offizielle Ansichten hatten ihn
noch nie gekümmert, egal, ob sie sich auf seine Person bezogen oder auf
Vorschriften.
Im Laufe der nächsten Tage trafen immer weitere Schiffe ein, darunter auch die
neue Intrepid unter Captain T'Pul. Die Enterprise hatte sich noch immer nicht
gemeldet und Kirks Ahnungen schienen sich zu bestätigen, als niemand an Bord
seines Schiffes auf Kom-Signale reagierte. McCoy ließ es sich nicht anmerken,
aber auch er begann, sich Sorgen zu machen. Auf der Krankenstation gab es
mittlerweile für den Arzt nicht mehr allzu viel zu tun. Alle waren versorgt und
die Pflege der Patienten ruhte hauptsächlich auf dem medizinischen Personal, das
neu auf der Station eingetroffen war.
Die Ankunft der Intrepid verdeutlichte aber nur zu sehr, dass auch Starfleet
sich Sorgen machte. So kam es, dass das Sternenschiff die Station nur wenige
Stunden nach ihrer Ankunft wieder verließ und damit drei zusätzliche Passagiere
beförderte. Riggs war in letzter Minute aufgetaucht, hatte irgendwas von
"ertrage den verdammten Krach nicht mehr" gemurmelt und war dann in irgendeinem
Winkel des großen Schiffes verschwunden.
McCoy hatte sich ein Lächeln nicht verkneifen können, als er diese Formulierung
hörte, da er mit einer ziemlich ähnlichen Äußerung mindestens einmal pro Stunde
das Pflegepersonal in den Wahnsinn getrieben hatte.
Es war ein merkwürdiges Gefühl, ein Schiff zu betreten, dass wie die Enterprise
aussah, aber eine ganz andere Atmosphäre ausstrahlte. McCoy überlegte, wie
schwer das für Jim sein musste, der hier nicht mehr war als ein Besucher. Die
Vulkanier behandelten ihre Gäste zuvorkommend, aber kühl. McCoy versuchte ein
paar Mal, einige der Besatzungsmitglieder in ein Wortgefecht zu ziehen, sah aber
irgendwann ein, dass es sinnlos war und wünschte sich insgeheim Spock zurück.
Nur Kirk schaffte es irgendwie, mit der vulkanischen Kommandantin ins Gespräch
zu kommen, ausgelöst von einem Besuch in der Sport-Halle der Intrepid, wo Kirk
die Vulkanier mit seinen Kenntnissen des B'chthal überraschte, einer
vulkanischen Kampfsport-Art.
Dennoch verbrachten die drei einzigen Nicht-Vulkanier die meiste Zeit unter
sich, wobei McCoy die gespannte Atmosphäre zwischen Kirk und Riggs auffiel. Jim
wollte offenbar nicht darüber reden und der Reporter machte deutlich, dass es
sein Beruf war, Fragen zu stellen und nicht, welche zu beantworten.
Die Intrepid näherte sich schon sehr bald dem Punkt, an dem die Enterprise
verschwunden sein musste und fand - nichts. Die Stelle im Weltraum war nicht
besonders auffällig. Tatsächlich war sie so derartig langweilig, dass sie schon
fast als tot zu bezeichnen war. Eine nahezu erloschene Sonne mit drei
unbewohnten Planeten. Keine stellaren Besonderheiten, nichts, was selbst einem
noch so hartnäckigen Astronomen interessiert hätte.
McCoy fragte sich, wie ein Schiff überhaupt hier verschwinden konnte. Es gab
nichts, wo sich ein so großes Schiff wie die Enterprise hätte verbergen können.
McCoy befand sich zusammen mit Kirk auf der Brücke. Beide standen etwas abseits
am Brückengeländer und starrten auf den Bildschirm, als könnten sie mit reiner
Willenskraft dort die Enterprise hervorlocken. Der Arzt spürte, dass der Captain
unruhig war. Nein, nicht unruhig. Er strahlte etwas aus, das Kampfbereitschaft
signalisierte. McCoy hatte das schon häufiger erlebt und seine Nackenhaare
richteten sich auf, da Jims Ahnungen für gewöhnlich zutreffender waren als
wissenschaftlich fundierte Vorhersagen.
Das Brückenschott glitt auf und der Reporter betrat die Brücke. Sein Gesicht
drückte etwas aus, das nahe an einer Panik dran war. Kirk sah es ebenfalls und
plötzlich stieß er sich wie eine Feder von dem Brückengeländer ab.
"Weg hier, schnell!" sagte er eindringlich.
Captain T'Pul ließ sich davon ebenso wenig beeindrucken wie ihr
Navigationsoffizier. Die elegante Frau, die ungefähr hundert Jahre älter war als
Kirk, drehte sich würdevoll zu ihm um. "Captain Kirk, es gibt absolut keinen
logischen Grund, dass..."
Kirk ließ sie gar nicht weiterreden.
"Drehen Sie um, ehe es zu spät ist!" sagte er eindringlich.
Die Vulkanierin öffnete den Mund, um wie zu einem Dreijährigen zu sprechen, als
plötzlich der Bildschirm flackerte und sechs schwere Kampfkreuzer auftauchen.
T'Pul verschluckte, was sie eben noch sagen wollte und erweckte dabei den
Eindruck eines Fischs auf dem Trockenen. Fast sofort fing sie sich wieder.
"Mr. Storek, volle Kraft zurück."
Der Vulkanier tat, was von ihm verlangt wurde, aber es war bereits zu spät.
Eine Stunde später war die Intrepid geentert und Piraten regierten die Brücke.
McCoy erwachte nur langsam aus der Bewusstlosigkeit, nur um sich in einem winzig
kleinen und reichlich überfüllten Kerker wieder zu finden. Neben ihm lag Riggs,
der gerade anfing zu blinzeln und gegenüber lehnte Captain T'Pul, nach außen hin
mit demselben Gleichmut wie sonst, an der Wand und versuchte offensichtlich, den
Gestank und die Kälte zu ignorieren. In der kleinen Zelle war die ganze
Brückencrew der Intrepid versammelt.
Die Besatzung des Sternenschiffes hatte keine Chance gehabt. Die Piraten hatten
zuerst systematisch die Verteidigungsanlagen des Schiffes kaputt geschossen und
hatten dann gleich zu Dutzenden den Maschinenraum geentert, von wo aus sie ein
Gas freigesetzt hatten, dass jeden an Bord sofort betäubt hatte. McCoy versuchte
noch immer, wirklich wach zu werden und entdeckte plötzlich Jim, der die Tür
untersuchte.
Das tat er offenbar schon länger, denn irgendwann drehte sich T'Pul zu ihm um
und sagte:
"Captain Kirk, die Tür besteht aus legierten Duranium. Sie sollten wissen, dass
es keine Möglichkeit gibt, sie zu öffnen."
Kirk drehte sich um und entdeckte, dass McCoy wach war. Der Arzt sah, dass der
Captain eine Antwort hinunterschluckte und gesellte sich dann zu den anderen,
die allmählich alle erwachten. Auch der Reporter hievte sich mühsam in eine
sitzende Position.
"Irgendjemand verletzt?" fragte Kirk.
McCoy schüttelte nach einem professionellen Blick in der Runde den Kopf.
"Keiner Jim. Wenn man von den Nachwirkungen des verdammten Gases mal absieht."
"Woher wussten Sie, dass es eine Falle war, Captain Kirk?" T'Pul sah Kirk
neugierig an und auch die anderen Vulkanier blickten interessiert zu ihnen
hinüber.
"Es war - eine Ahnung."
T'Pul zog die Augenbraue hoch und erinnerte damit an Spock.
"Eine Ahnung?"
"Wenn sich Spock nicht meldet, muss etwas vorgefallen sein", erklärte Kirk.
"Außerdem war der Raum an dieser Stelle einfach etwas zu leer. Und dann", fügte
er hinzu und sah den Reporter scharf an, "hatte ich den Eindruck, dass Mr. Riggs
einige Informationen hatte, die wir nicht besessen hatten."
Der Reporter schaffte es, zerknirscht auszusehen.
"Nun ja... Es ist soo... Ich hatte auf der Enterprise einige - nun -
Überwachungsgeräte platziert, und..."
"Sie haben was?" platze es aus McCoy heraus.
"Beruhige dich Pille. Offenbar hat Mr. Riggs das ganze Schiff mit Kameras
verwanzt, um möglichst gut informiert zu sein."
McCoy sah nicht so aus, als würde ihn diese Auskunft irgendwie beruhigen, im
Gegenteil.
"Ich hätte es nicht tun dürfen", gab Riggs zu. "Aber ich wollte ein möglichst
wirklichkeitsgetreues Bild des Bordlebens haben. In meiner Gegenwart dürfte sich
ja wohl kaum jemand normal verhalten haben."
"Das gibt Ihnen noch lange nicht das Recht..."
"Nur ruhig, Pille. Wir können darüber reden, wenn Zeit ist. Ich denke, die
Kameras haben Mr. Riggs einige interessante Einblicke gegeben, nicht wahr?"
Der Reporter nickte.
"Mir fielen die Geräte erst sehr spät wieder ein und dann hatte ich auch nur
einen kleinen Teil meiner Ausrüstung bei mir. Kurz bevor ich auf die Brücke der
Intrepid kam, war es mir gelungen, eine Verbindung herzustellen."
"Und was haben Sie gesehen?"
"Die Enterprise war in der Hand der Piraten."
"Mein Gott", hauchte McCoy, während Kirk schmerzlich das Gesicht verzog. Alle
dachten daran, was sich mit der Macht von gleich zwei Sternenschiffen in den
falschen Händen alles anrichten ließe.
Nach den Aussagen der Vulkanier vergingen 5,38 Stunden, in denen sie in ihrem
künstlich beleuchteten Gefängnis saßen und Spekulationen darüber anstellten, wo
sie sich befinden mochten. Vieles sprach dafür, dass sie auf einem Planeten
waren, da der Kerker modrig und mit Erde bedeckt war. Irgendwann sagte niemand
mehr etwas und selbst Kirk gab es auf, ihr Gefängnis nach Schwachstellen
abzusuchen. Es gab keine.
Als die Tür plötzlich aufschwang und zwei schlecht gelaunte Nausikaner zu ihnen
hineinkamen, waren alle überrascht. Kirk und einige andere sprangen sofort auf,
wurden aber von den beiden Wächtern zurück gedrängt. Sie sammelten Captain T'Pul
ein und verbarrikadierten die Tür wieder.
Noch einmal 3,4 Stunden vergingen, ehe man sie wieder zurück brachte. Ihr
Gesicht war kaum mehr erkenntlich, überall war es grün geschwollen und blutig.
Nach außen war sie immer noch gleichmütig, aber die Strapazen waren dennoch
nicht an ihr vorbei gegangen.
McCoy kümmerte sich um sie, was aber ohne Hilfsmittel nur sehr eingeschränkt
möglich war.
"Was hat man mit Ihnen gemacht?" fragte er leise.
"Sie wollen Informationen... Kommando-Codes der Intrepid..."
McCoy wechselte einen Blick mit Kirk. Beide wussten, dass T'Pul nicht die
einzige war, die über derartige Informationen verfügte. Offenbar war den Piraten
nicht klar, dass unter ihren Gefangenen ein zweiter Captain der Sternenflotte
war. McCoys Blick blieb unwillkürlich an Kirks Hemdsärmeln kleben, wo nur zu
deutlich die drei goldenen Tressen seinen Rang verkündeten.
"Haben Sie was von der Enterprise gesehen?" fragte Kirk T'Pul.
Sie schüttelte den Kopf.
"Nein. Aber ich habe gehört, wie sie von einem anderen Vulkanier geredet haben.
Ihr erster Offizier..."
"Ja, Spock ist Vulkanier."
"Dann war es vermutlich er, den sie vor mir vernommen haben. Ich hatte den
Eindruck, dass er vor seiner Gefangennahme Systeme der Enterprise sperren
konnte."
Während sie weiter untätig nur der Dinge harren konnten, die da kommen mochten,
sah McCoy Kirk an, dass er eine Idee hatte. Schließlich nahm der Arzt seinen
Freund beiseite. Obwohl sie versuchten, leise zu sprechen, war es in dem
begrenzten Raum nicht möglich, eine wirkliche Privatsphäre unabhängig von den
anderen gewährleisten zu können.
"Was hast du vor?", fragte McCoy dann ohne Einleitung.
"Ich weiß, dass Spock hier ist", flüsterte Kirk zurück.
"Nach T'Puls Bericht ist das ja wohl anzunehmen", brummte McCoy.
"Nein, das meine ich nicht."
Auf McCoys fragenden Blick ergänzte er:
"Die geistige Verbindung. Du weißt schon. Ein Echo davon ist noch immer
vorhanden. Ich muss mich konzentrieren, aber ich habe den Eindruck, dass ich
Spock erreichen kann."
"Wie geht es ihm? "
Kirk zuckte die Achseln, sagte aber gleichzeitig:
"Ich bin mir nicht sicher. Sie haben ihn ebenfalls verhört, aber ich denke, dass
es ihm halbwegs gut geht. Zumindest im Augenblick. Er kann nicht allzu weit
entfernt von hier sein."
"Und was bringt uns das?"
"Ich denke, dass es uns eine ganze Menge bringt." Kirk grinste schief, war aber
offenbar nicht gewillt, noch mehr zu sagen.
Riggs, der sich schlafend gestellt hatte, um der Unterhaltung besser und
unauffälliger folgen zu können, grunzte unbefriedigt, drehte sich dann auf die
andere Seite und versuchte, das Beste aus seiner Lage zu machen.
Irgendwann musste er wohl doch eingeschlafen sein, denn als er eine unbestimmte
Zeit später erwachte, sah er Kirk zusammen in einer Ecke mit Captain T'Pul.
Diesmal redeten beide so leise, dass er nichts von dem verstand, was sie sagten,
aber es sah sehr eindringlich aus.
"Ich bin mir nicht sicher, ob ich wissen möchte, was sie da aushecken", sagte
McCoy und Riggs zuckte zusammen, da ihm gar nicht aufgefallen war, dass der Arzt
neben ihm saß. Der Reporter drehte seinen Kopf.
"Was können sie in unserer Lage schon tun?" fragte er.
"Ich weiß es nicht. Aber ich bin mir sicher, dass Jim etwas plant."
Riggs wurde einer Antwort enthoben, als Captain T'Pul ihre Stimme auf ein
Normalmaß hob.
"Sind Sie wirklich sicher, dass Sie das möchten?"
Kirk nickte bekräftigend. Die vulkanische Kommandantin brachte es fertig,
gleichzeitig skeptisch und emotionslos zu wirken.
"Also schön. Ich tue, was Sie wollen. Wann?"
"Jetzt." T'Pul nickte. Kurz darauf rief sie ihre Crew zusammen. Während Kirk
einigermaßen zufrieden wirkte, sahen das die unbeteiligten Menschen ganz anders.
McCoy erweckte den Eindruck, dicht vor dem Platzen zu stehen, kam aber nicht
dazu nachzufragen.
Die Vulkanier traten alle gleichzeitig an eine Wand und streckten ihre Hände
aus. Riggs runzelte unwillig die Stirn. Die Szene bot doch einen sonderbaren
Anblick.
"Was zum Teufel…" murmelte McCoy.
Dann erkannte Riggs, wie ein Anzeichen von Verstehen über seine Züge huschte.
"Jim, sie rufen doch nicht etwa…
"Doch, tun sie."
"Aber was…?"
Auch diesmal kam der Arzt nicht dazu, seine Frage zu beenden. Die Tür schwang
auf und die zwei Nausikaner kamen herein - jedenfalls nahm Riggs an, dass es die
gleichen waren. Eine individuelle Unterscheidung war für ihn praktisch
unmöglich. Sie sahen bedrohlich aus und gingen direkt auf Kirk zu.
"Du. Ja, du. Du bist Captain?"
Kirk nickte fast heiter. McCoy sah aus, als hätte er in eine besonders große und
saure Zitrone gebissen. Besorgt blickte er zu T'Pul herüber, deren Gesicht im
leuchtendsten Grün schimmerte, dann zu Kirk. Vermutlich versuchte er sich
auszumalen, wie Kirk aussehen würde, wenn die Nausikaner mit ihm fertig waren.
Völlig unvermittelt stürzte sich Captain T'Pul auf Kirk und schlug ihn nieder.
Kirk brach augenblicklich in die Knie, während die Wächter die Vulkanierin
zurück drängten. Ärgerlich nahmen die Nausikaner Kirk in ihre Mitte, schleiften
ihn hinter sich her und verschwanden wieder.
Kaum, dass sich die Tür geschlossen hatte, brach McCoy in Flüche aus, die selbst
einen orionschen Sklavenhändler noch hätten erblassen lassen - ein äußerst
passender Vergleich, wie Riggs konstatiert feststellte. Die Worte, die McCoy für
seinen vorgesetzten Offizier fand, waren alles andere als schmeichelhaft und
brachten ihm etliche indignierte Blicke der Vulkanier ein. Riggs aber glaubte
den Arzt mittlerweile gut genug zu kennen, um in seinen Tiraden ein Ausmaß für
seine Sorge zu erkennen. Schließlich ging selbst McCoy irgendwann die Luft auf
und er legte eine Pause ein. Danach war er ruhiger und wandte sich an die
Vulkanier.
"Wären Sie vielleicht so freundlich mir mitzuteilen, was Jim Ihnen gesagt hat
und was das eben sollte?"
"Wenn Captain Kirk gewollt hätte, dass Sie informiert sind, hätte er das wohl
selbst getan", mischte sich der Wissenschaftliche Offizier Stronn ein. T'Pul hob
aber beschwichtigend die Hand und ihr Untergebener verstummte augenblicklich.
"Captain Kirk hat mit Sicherheit nichts dagegen, wenn wir unsere Informationen
weitergeben. Sie, Dr. McCoy, sind über die vulkanischen Fähigkeiten zur
Gedankenverschmelzung informiert?"
McCoy nickte. Riggs aber fuhr unwirsch dazwischen:
"Er vielleicht, ich aber nicht. Bitte klären Sie mich auf."
T'Pul machte eine längere Pause. Dann fuhr sie fort:
"Es ist etwas, dass wir unter normalen Umständen nur ungern mit Außenseitern
diskutieren. Die Umstände sind aber nicht normal. Daher bin ich der Ansicht,
dass Sie ein Recht auf die Wahrheit haben. Allerdings kann ich nicht zu lassen,
dass Sie die Informationen, die ich Ihnen geben werde, für einen Ihrer Artikel
verwenden, Mr. Riggs."
"Ich verspreche Ihnen, dass ich alles Diesbezügliche unterlassen und nichts von
dem für meine Arbeit verwenden werde, was Sie mir anvertrauen. Ich möchte nur
endlich wissen, was los ist. Anscheinend ist die Vulkanische
Gedankenverschmelzung ja wohl keine rein vulkanische Angelegenheit, oder?
Immerhin ist Captain Kirk meiner Meinung nach ein Mensch."
"Das ist zwar richtig, allerdings liegt hier ein Sonderfall vor. Vulkanier
besitzen die Fähigkeit, ihren Geist mit dem einer anderen Person bei Kontakt zu
verbinden. In sehr seltenen Fällen ist eine Verbindung auch ohne physischen
Kontakt möglich. Offenbar hat Commander Spock vor kurzen eine solche Verbindung
mit Captain Kirk hergestellt. Mir war kein Fall bekannt, in dem ein Mensch
beteiligt gewesen wäre, aber ich habe keinen Grund, diese Information
anzuzweifeln. Die Verbindung ermöglichte Captain Kirk die erste Verteidigung der
Enterprise und Rettung des aldebaranischen Frachters. Jetzt nahm Captain Kirk
offenbar erneut die Präsenz von Commander Spock wahr. Tatsächlich ist er davon
überzeugt, dass er sich in der Zelle neben unserer befindet."
"Aha. Und was bringt uns das?"
"Die Wächter führen Commander Spock gerade zu einem Verhör. Der Captain ist der
Meinung, mit einem koordinierten Angriff die Angreifer überraschen zu können."
McCoy sah nicht so aus, als wäre er zufrieden.
"So ein Schwachsinn!" brummte er, aber nicht ganz überzeugend.
Riggs schaltete sich nun ein.
"Ich nehme an, dass Sie Kirk nicht wirklich niedergeschlagen haben, oder? Und
was haben Sie eigentlich getan, dass die Wachen plötzlich hier erschienen sind?"
Zur Überraschung des Reporters grinste McCoy schief.
"Das war ein weiterer vulkanischer Hokuspokus. Spock hat das auch mal
angewendet. Er hat einem Wächter telepathisch suggeriert, wir wären geflohen,
worauf dieser nachsehen kam. Ich nehme an, Sie haben etwas ähnliches getan?"
"Das ist korrekt", bestätigte T'Pul und ergänzte: "und natürlich habe ich
Captain Kirk keinen Schaden zugefügt. Wie Sie wissen, lehnen wir Vulkanier
Gewalt ab. Zudem ist der tätliche Angriff auf einen Starfleet-Offizier nicht
gestattet."
"Witzig", grummelte McCoy. "Wirklich, sehr witzig."
Für die Gefangenen begann abermals eine Zeit des Wartens, in der niemand sagen
konnte, ob Kirk Erfolg haben oder ob er gerade gefoltert werden würde. Wehmütig
dachte Riggs an seine Kameras, die ihm in seiner augenblicklichen Lage ungefähr
so viel nützen wie ein Magengeschwür.
Alle waren in eine Art Trance verfallen, eine Mischung aus Schlaf und Wachsein,
die keine wirkliche Erholung brachte und nur dazu diente, die Realität nicht mit
schonungsloser Klarheit wahrnehmen zu müssen.
Irgendwann jedoch setzen sich einige der Vulkanier auf und lauschten. Einige von
ihnen hatten ihre Zeit mit Meditation zugebracht oder es zumindest versucht.
Nach und nach wich der geistesabwesende Ausdruck in ihren Mienen einer hellen
Wachsamkeit.
"Können Sie etwas hören?" fragte Riggs schließlich.
T'Pul nickte zögernd.
"Die Geräuschkulisse hat sich verändert."
"In wie fern?"
"Aufgerechte Stimmen. Eine ferne Explosion."
Einige der Vulkanier, deren Gehör wesentlich besser war als ein menschliches,
nickten bekräftigend. McCoy konnte sich ein schiefes Grinsen nicht verkneifen
als er sah, wie sie diese so menschliche Geste adaptierten.
Riggs setzte an, eine weitere Frage zu stellen, als plötzlich eine weitere
Explosion die Wände wackeln ließ. Diese hier war so laut gewesen, dass selbst
ein fast Tauber sie nicht hätte überhören können. Kurz darauf krachte es
abermals und die Tür flog aus den Angeln.
Einige Sicherheitswächter der Enterprise standen in der Tür. McCoy erkannte
Smithers, den er erst vor kurzem wegen einer leichten Grippe behandelt hatte.
Der Lieutnant nickte dem Arzt zu, verteilte hastig einige Handphaser und
verschwand dann ebenso schnell wieder.
Kurz darauf stand der Arzt neben dem Reporter auf einem langestreckten Gang, von
dem weitere Türen abgingen. Die meisten von ihnen standen inzwischen offen,
heraus quollen verwirrt aussehende Crew-Mitglieder der Enterprise und
Gelassenheit ausstrahlende der Intrepid.
McCoy sah sich um und entdeckte schließlich Uhura, die sich systematisch an das
Ende des Ganges vorkämpfte, Sulu, Chekov und Scotty hintendrein. Alle sahen
etwas lädiert aus. Dem Arzt war es momentan egal, ihr Anblick war der schönste,
den er längere Zeit genossen hatte. Unbewusst griff er nach dem Reporter und
schleifte ihn durch die größtenteils statisch dastehende Menge hinter sich her
auf Uhuras Gruppe zu, die nun schon hinter einer Biegung verschwunden war. Riggs
verstand schließlich, was vor sich ging und drängte nun aus eigener Kraft
vorwärts. Endlich hatten sie sich durch die Ansammlung von Menschen, Vulkaniern
und sonstigen Personen gekämpft und das Ende des Ganges erreicht.
Dort sahen sie einen wesentlich kürzeren Flur, an dessen Ende eine Tür den Weg
versperrte. Uhura und Sulu werkelten daran herum und hatten schließlich Erfolg.
Gerade, als die große Eisentür aufschwang, bogen McCoy und Riggs um die Ecke.
"Uhura", rief McCoy und etwas atemlos.
Die Kommunikations-Offizierin drehte sich um, einen Phaser im Anschlag.
Erleichtert ließ sie ihn sinken, als sie McCoy erkannte.
"Dr. McCoy", rief sie erfreut. "Wie kommen Sie..?"
"Später", unterbrach sie Sulu.
Riggs fiel das Wesentliche wieder ein.
"Wie ist die Lage?"
"Unbekannt", sagte Uhura, fügte aber noch hinzu:
"Der Captain und Mr. Spock haben uns befreit. Wir haben dann die anderen Türen
geöffnet, wo die restliche Besatzung der Enterprise und der Intrepid eingesperrt
waren. Ein Zimmer enthielt auch Waffen und Kommunikatoren. Der Captain und Mr.
Spock waren aber zu schnell verschwunden und wir versuchen jetzt zuerst, hier
herauszukommen."
"Eine fabelhafte Idee", lobte McCoy.
Gemeinsam folgten sie dem Weg, der sie über mehrere Treppen und Gänge
systematisch nach oben führte. Schließlich, nach einer Ewigkeit, wie es Riggs
erschien, kamen sie in einer großen Halle an, durch die warmes Sonnenlicht
strömte. Sie befanden sich also tatsächlich auf einem Planeten, wo auch immer er
liegen mochte. Dann tauchte vor ihnen eine Gruppe von Menschen auf, die in
Starfleet-Uniformen gekleidet waren. Den Streifen nach zu urteilen ein Admiral,
ein Commodore, zwei Lieutnants und fünf Fähnriche. Einige Gesichter davon kamen
McCoy bekannt vor.
Ihre Freude über diese Erkenntnis währte allerdings nicht lange, da die
Neuankömmlinge Phaser in den Händen hielten und sie auf McCoy und die anderen
richten.
"Fallen lassen", befahl der Admiral.
"Aber...", begann McCoy, kam aber nicht weiter, als einer der Fähnriche auf ihn
zutrat und ihn mit der Kante des Phasers niederschlug. McCoy kannte den Mann, er
gehörte zu denen, die auf Sternenbasis 11 für die Gefallenen an Bord gekommen
waren.
McIntosh oder so ähnlich hieß er wohl, dachte McCoy düster, während er sich das
Blut aus dem Mundwinkel wischte. McIntosh sammelte alle Phaser ein.
"Was hat das zu bedeuten?" verlangte Uhura mit klarer Stimme zu wissen.
"Lieutnant Uhura, richtig?" fragte der Admiral und die Kommunikations-Offizierin
nickte.
"Ich bin Admiral Salazar. Oder besser gesagt war ich Admiral Salazar."
"War?"
"War", bekräftige Salazar. "Früher einmal habe ich an die Ideale von Starfleet
geglaubt."
"Und nun nicht mehr?" fragte Riggs.
"Sind Sie nicht dieser Reporter? Der den Namitz-Preis bekommen hat? Sie müssten
uns doch am besten verstehen können! Starfleet gibt sinnlos Geld für nichts und
wieder nichts aus. Wo sind die Erfolge? Keine! Während sich Klingonen und
Romulaner ausbreiten wie die Schmeißfliegen erforschen wir Quasare und Nebel."
"Was soll daran falsch sein?" fragte Chekov, der seine Zeit oft mit dieser
Arbeit verbrachte, wenn er Spock an der wissenschaftlichen Station vertrat.
"An und für sich nichts. Das ist aber keine Aufgabe für Starfleet! Die Flotte
ist nicht mehr das, was sie einmal war. Wird dieser Kurs fortgeführt, wird die
Förderation über kurz oder lang überrannt werden."
"Und Sie meinen, mit Morden an Unschuldigen daran etwas ändern zu können?"
Kirk war hinter Salazar aufgetaucht, ebenfalls mit einem Phaser in der Hand.
Salazar drehte den Kopf.
"Kirk. Sie sind der Schlimmste von allen. Haben unsere Verbündeten festgesetzt
und fast den ganzen Plan zerstört."
"Ich möchte sie ungern korrigieren, Sir, aber ich gedenke nicht, Ihren Plan nur
fast zu zerstören. Legen Sie die Waffen weg. Sofort!"
Zögernd kamen alle der Aufforderung nach. Doch nicht schnell genug. Einer der
Lieutnants stürzte sich auf Kirk, danach brach die Hölle los. McCoy hörte Kirk
noch "Jetzt Spock!" rufen, als ein weißliches Gas in den Raum strömte. Das war
das letzte, was er sah, bevor er - schon wieder - ohnmächtig wurde.
McCoy hörte das vertraute Zirpen und Piepen medizinischer Instrumente. Zu Hause,
Krankenstation. Dann überkam ihn das Gefühl, das irgendwas an diesem Gedanken
nicht stimmte. Richtig, das Gas. Langsam öffnete er die Augen und fand sich auf
der falschen Seite einer Diagnoseliege wieder. Als er nach und nach seine
Umgebung weiter aufnahm, erkannte er, dass er tatsächlich auf seiner eigenen
Krankenstation lag.
Er stemmte sich hoch und sah, dass sie geradezu überquoll von Leuten, die auf
Notbetten überall lagen, auf dem Gang, zwischen den Liegen, in seinem Büro...
Schwester Chapel bahnte sich einen Weg durch die Kranken auf ihn zu.
"Was zum Teufel..."
"Bleiben Sie ruhig liegen, Doktor."
"Aber was..."
"Liegen bleiben!
"Ja, Sir!", erwiderte McCoy säuerlich, dehnte das Sir betont und lies
sich auf die Liege zurück gleiten. Er erkannte viele bekannte Gesichter. Neben
ihm lag, einmal mehr, der Reporter. Aber fast alle waren bewusstlos. McCoy
brannte darauf, endlich zu wissen, was vor sich ging.
Chapel hielt sein Genörgel genau drei weitere Stunden aus, dann entließen
M'Benga und sie ihn in sein Quartier.
Von dort nutzte er sofort die Gelegenheit, die Brücke zu rufen, aber dort traf
er nur Uhura an.
Es sollte noch vier Tage dauern, bis er endlich Erklärungen erhielt.
Das Konferenzzimmer auf der Enterprise war voller als gewöhnlich. Neben den
Führungsoffizieren und der Brückencrew war auch Captain T'Pul anwesend, die
ihren Beraterstab mitgebracht hatte. Riggs stand in einer Ecke und machte sich
Notizen.
Kirk eröffnete die Sitzung. Er sah etwas lädiert aus, was allerdings von seiner
offenkundigen Freude überstrahlt wurde, wieder auf seinem eigenen Schiff zu
sein.
"Ich freue mich, dass alle gekommen sind. Da viele zweifellos noch Fragen habe,
sind Captain T'Pul und ich überein gekommen, dies hier zu klären. Die
Angelegenheit unterliegt der Geheimhaltung. Einige werden sich vermutlich
wundern, warum Mr. Riggs dennoch zu gegen ist. Nun, da er die Enterprise sowieso
in ein Filmstudio verwandelt hat und es vermutlich noch einige Monate dauern
wird, wirklich alle Kameras und Aufnahmegeräte zu entfernen, haben wir ihm
gestattetet, an der Besprechung teil zu nehmen. Allerdings hat er zugestimmt, in
seinem Artikel nichts über die als geheim klassifizierten Ereignisse verlauten
zu lassen." Kirk hielt inne und konnte sich ein leichtes Grinsen nicht
verkneifen. Riggs dagegen lächelte säuerlich.
Tatsächlich hatte Kirk ihn bei erstbester Gelegenheit beiseite genommen und ihm
nahe gelegt, jegliche Verbreitung von geheimen Informationen zu unterlassen,
wollte er keine Klage wegen Verletzung der Privatsphäre am Hals haben. Natürlich
wusste der Reporter nur zu gut, dass seine Kameras - insbesondere die, die sich
in Privat-Kabinen befanden - gegen alle guten Sitten und, was viel schlimmer war
- gegen die Legalität verstießen und damit seinem Ruf als Reporter erheblich
schaden konnten. Also hatte er Zähne knirschend zugestimmt.
Kirk fuhr fort:
"Bevor ich zu den Ereignissen auf Piratia komme, möchte ich Mr. Spock bitten zu
berichten, was nach Aufbruch der Enterprise vorgefallen ist."
McCoy schnaubte leise, als er hörte, wie Kirk den von ihm geprägten Namen für
den Planeten benutzte, auf dem sie gefangen gehalten worden waren.
Spock nickte kurz und griff dann den Faden auf.
"24,53 Stunden nach Verlassen der Raumstation geriet die Enterprise in einen
Hinterhalt. Die Falle war gut vorbereitet, da ausnahmslos alle der auf der
Station an Bord genommenen Crew-Mitglieder für die Gegenseite arbeiteten. Die
Sabotagen erstreckten sich bereits auf alle Bereiche, als wir auf ein von
Admiral Salazar kommandiertes Schiff stießen. Da er Angehöriger der
Sternenflotte war, gab es keinen Grund, an eine Intrige zu denken, daher
begrüßten wir den Admiral an Bord. Er brachte neben einigen Leuten auch Kanister
mit Nervengas mit. Mit dem Überraschungseffekt auf seiner Seite überwältigte er
die Personen unmittelbar in seiner Umgebung und leitete das Gas in das
Ventilationssystem. Als ich die List erkannte, war es fast zu spät. Da bei
Vulkaniern das Betäubungsmittel jedoch langsamer wirkt, gelang es mir noch, den
Hauptcomputer vor nicht autorisierten Zugriffen zu schützen. Dennoch brachte
Admiral Salazar die Enterprise fast mühelos in seine Gewalt."
Der Vulkanier sah bei diesem Eingeständnis fast etwas betreten aus. Er hatte
logisch gehandelt und wie schon bei der Notlandung der Galileo war es fast in
einem Desaster geendet. McCoy empfand in diesem Moment beinahe so etwas wie
Mitleid für den Vulkanier. Gleichzeitig war er sich sicher, dass Jim etwas
geahnt hätte, ebenso wie auf der Intrepid.
"Und wie ging es dann weiter?" fragte Riggs.
Kirk mischte sich ein.
"Der Rest ist eigentlich bekannt. Sie brachten die gesamte Crew nach Piratia und
fingen an, Spock zu verhören, insbesondere, was den Zugriff auf den
Hauptcomputer betraf - natürlich hatten sie damit keinen Erfolg. Ungefähr zur
selben Zeit brach die Intrepid auf und wurde gekapert, diesmal allerdings durch
Waffengewalt. Im Gefängnis dann wurde mir klar, dass sich auch die
Enterprise-Crew in Gefangenschaft befinden musste. Mit Hilfe von Captain
T'Pul und ihrer Besatzung gelang es mir, zur selben Zeit aus dem Raum geführt zu
werden wie Spock. Die Nausikaner hielten mich für bewusstlos, daher war der
Überraschungseffekt auf meiner Seite. Gemeinsam überwältigten wir die Wachen und
öffneten ein paar Räume. Danach gaben wir die Schlüssel weiter. Später
entdeckten wir das Belüftungssystem und in einem anderen Raum das Gas, das sie
verwendet hatten, um die Enterprise lahm zu legen. Spock bereitete eine nette
kleine Falle vor. Der Rest ist bekannt. Wir fanden nicht nur Piraten sondern
auch ehemalige Starfleet-Angehörige, die mit der Flotte gebrochen hatten."
"Kaum zu glauben, was sich abgespielt hat. Eines verstehe ich aber noch nicht.
Wieso ist Piratia nicht entdeckt worden? Ich dachte, die Sonne wäre erloschen",
warf McCoy ein.
"Die Sonne, die Sie meinen, Dr. McCoy, ist tatsächlich fast erloschen. Salazars
Gruppe verfügte über die von uns akquirierte Tarntechnologie und hat diese noch
weiterentwickelt. Sie haben es geschafft, einen ganzen Raumsektor abzuschirmen,
indem sie auf die Energie einer Sonne zurückgriffen. Eine faszinierende
Technologie, die mit Sicherheit noch untersucht werden wird."
"Was geschieht jetzt mit ihnen?"
"Wir bringen sie zur Erde. Andere werden dort entscheiden, wie weiter
vorgegangen wird."
Es folgten noch einige Diskussionen, die aber keine neuen Erkenntnisse brachten.
Langsam leerte sich der Raum. Schließlich blieben nur noch Kirk, Spock und Riggs
zurück. Riggs wartete darauf, dass auch der Vulkanier gehen würde, sah dann
aber, dass er da lange warten konnte. Also straffte er seine Gestalt, um sich
für das Kommende zu wappnen. Er ging auf die beiden Offiziere zu, die ihn beide
fragend ansahen.
"Ich würde gerne mit Captain Kirk unter vier Augen reden."
Spock hob eine Augenbraue.
"Wenn Sie mich entschuldigen, Captain..."
Kirk nickte und der Vulkanier verschwand gemessenen Schrittes.
Rigge holte tief Luft, sah dann Kirk tief in die Augen. Er erkannte dort tiefe
Schatten, ebenso sah er einige Blessuren, die mit neuer Medo-Haut bedeckt, aber
noch nicht vollständig regeneriert waren. Riggs wurde klar, das hinter Kirks
leichten Worten mehr, viel mehr gesteckt hatte.
"Ich...", begann er heiser und schalt sich dann einen Narren, dass es ihm
unmöglich erschien, mir Kirk vernünftig zu reden.
"Ich wollte Ihnen danken für das, was Sie getan haben."
Kirk runzelte die Stirn.
"Ich verstehe nicht..?"
"Ich meine nicht diese Sache, obwohl auch hier Dank angebracht wäre. Ich danke
Ihnen für das, was sie damals für Anne getan haben. Ich erkenne nun, dass Sie
ihr viel erspart haben."
Damit drehte er sich wortlos um und lies einen verblüfften Kirk zurück.
Als am nächsten Tag die Federation Times erschien, herrschte überall in
Starfleet eine Atmosphäre gespannter Erwartung. Die negative Haltung von Martin
Riggs war bekannt. Was würde er aus der Geschichte machen? In den eingeweihten
Kreisen war die Furcht sogar noch größer. Würde er sich an die Vereinbarung
halten und Stillschweigen bewahren?
Auch Kirk ging mit gemischten Gefühlten an sein Terminal und rief die aktuelle
Ausgabe auf. Auf der Titelseite prangte groß der Leitartikel:
"Ein Blick in Starfleet"
Verschwendung von Steuergeldern oder wichtige Institution?
Im Angesicht der Wirtschaftskrise fragen sich viele, wie es gerechtfertigt sein
kann, dass Starfleet von Steuergeldern finanziert wird, obwohl wir in
Friedenszeiten leben. Andere begründen die Existenz der Flotte mit der Bedrohung
durch Romulaner und Klingonen.
Beide Seiten haben Unrecht. Wir leben in Frieden und Wohlstand, aber Demokratie
und Freiheit sind nicht selbstverständlich. Sie zu erhalten heißt, einen
konstanten Kampf zu führen, einen Kampf, den wir Starfleet überlassen und am
liebsten vergessen.
Nicht nur Romulaner und Klingonen bedrohen unsere Gemeinschaft, auch und gerade
wir selbst tun es. Immer wieder tauchen Splittergruppen auf, die ihre Interessen
durchsetzen wollen.
Von der Öffentlichkeit großteils unbemerkt sorgen die zwölf Sternenschiffe der
Flotte dafür, dass der Rest von uns ruhig schlafen kann.
Um einen Einblick in die internen Abläufe zu erhalten, konnten wir die U.S.S.
Enterprise unter Captain James T. Kirk exklusiv bei einer Mission begleiten, bei
der ganz nebenbei das Verschwinden von Raumschiffen im Anzar-Sektor aufgeklärt
werden konnte.
Die Gruppe, die hauptsächlich aus orionschen Piraten bestand, war nicht nur für
zahlreiche Plünderungen von Frachtern und den Mord an deren Besatzungen
verantwortlich, es bestand auch ein geheimer Plan, Starfleet zu unterwandern,
der von der USS Enterprise in Zusammenarbeit mit der USS Intrepid vereitelt
werden konnte.
Das mutige Eingreifen der beiden Schiffe verhinderte, das..."
Das leiste Piepen des Interkoms riss Kirk von dem Artikel los. Uhura
erschien auf dem Bildschirm.
"Sir, Admiral Komack für Sie. Soll ich zu Ihnen durchstellen?"
"Ja, danke Uhura."
"Jim, wie haben Sie das angestellt?"
"Sir?"
"Ich habe gerade den Artikel gelesen. Die reinste Werbung für uns!"
Kirk fiel im ersten Moment nichts ein, was er darauf hätte sagen können.
Komack fuhr fort:
"Sie müssen mir irgendwann unbedingt erzählen, wie Sie das angestellt haben!
Vorerst sei Ihnen der Dank der Flotte gewiss. Die Federation Times hat
angefragt, ob es möglich wäre, die Enterprise in naher Zukunft erneut zu
begleiten..."
"Ich bin mir nicht sicher, ob das eine so gute Idee ist...?"
"Das war für Sie doch ein Kinderspiel. Sie haben Riggs nun auf Ihrer Seite und
positive Publicity müssen wir nutzen. Also seien sie gewappnet... Komack, Ende."
ENDE
Story by Zelda Scott, 2004
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Verletzung dieses Copyrights ist nicht beabsichtigt.
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