Die Irina-Briefe
Story von Nesabj
übersetzt von Zelda Scott



Liebe Irina 1

Sternzeit 3385,7 im Orbit von Altair 6


Liebe Irina,
es tut mir sehr leid, dass ich so lange gebraucht habe, Dir zu schreiben. Als ich endlich meine Befehle bekommen habe, musste ich mich sofort auf meinem Schiff melden und seitdem hatte ich keine Zeit mehr zum Luftholen. Irina, ich habe meine erste Wahl gekommen. Die Enterprise. Eigentlich war sie meine einzige Wahl. Jeder hat mir erzählt, dass es ein enormes Risiko ist, sich nur für das Flaggschiff von Starfleet zu bewerben, aber ich war immer jemand, der Risiken eingeht, wie Du ja nur zu gut weißt. Erinnerst Du Dich an die Zeit, wo wir uns aus den Akademie-Schlafsälen geschlichen haben, um uns die Mondfinsternis anzusehen? Ich weiß es ganz sicher noch und die Erinnerung lässt mich immer noch lächeln.

Wie Du Dir vorstellen kannst, war es ziemlich zermürbend, der letzte Kadett meiner Klasse zu sein, der seine Befehle erhielt, aber dieses Schiff war es wert, darauf zu warten. Wer hätte gedacht, dass Pavel Andreievitch Chekov, im Mittelfeld in seiner Akademieklasse und auch sonst immer ziemlich durchschnittlich in allem, sich selbst auf DEM Sternenschiff der Flotte wieder finden würde, über das am meisten geredet wird?

Aber ich bin nicht nur auf der Enterprise stationiert, ich bin außerdem Teil der BRÜCKEN CREW! Ich war weniger als zwei Wochen auf der Enteprise, als Captain Kirk mich während der Alpha Schicht zur Brücke rief. Ich hatte bis dahin als Hilfe des Beta-Schicht-Navigators gearbeitet und war sehr glücklich mit dieser Position. Plötzlich fand ich mich selbst auf der Brücke wieder mit Captain Kirk, der mit navigatorischen Problemen um sich warf. Ich nehme an, dass ich mich gut genug angestellt habe, weil ich seit dem der Alpha-Schicht-Navigator bin. Sie sagen, dass Captain Kirk ein Auge für verborgene Talente unter seiner Crew hat. Bescheidenheit verbietet mir mich zu fragen, welches Talent er in mir sehen mag. Wie auch immer, wie sie sagen in Russland, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Also bin ich hier, auf dem Schiff meiner Träume und diene unter dem Captain, den ich von allen in Starfleet am meisten bewundert habe.

So, Irina, wo ich also jetzt alles habe, was ich wollte, muss ich gestehen, dass ich mehr als nur ein bisschen nervös bin. Ich wache jeden Morgen auf und habe Angst, dass ich einen Fehler mache und dass ich das Schiff in sein Verderben stürze, gefangen in einer Gravitationsspalte. Oder dass ich mich bei einer Nachkommastelle vertue und uns alle in einer außerirdischen Sonne verbrenne. Der Albraum eines Navigators! Oder Starfleet entscheidet, dass der Posten eigentlich für jemand anderes gedacht war und ich werde auf irgendeinen Erzfrachter versetzt. Bis jetzt habe ich es geschafft, keine großen Fehler zu machen und der Captain ist ziemlich geduldig mit mir. Trotzdem will ich ihn um keinen Preis enttäuschen, also arbeite ich härter als je zuvor.

Ich hatte bis jetzt keine Zeit, Freundschaften zu schließen. Ich bemühe mich, meinen Job zu machen und mich nicht zu weit vorzuwagen, aber ich muss mit dem Vulkanischen Ersten Offizier arbeiten und es ist unmöglich, sich zurückzuhalten mit Mr. Spock als Deinem Boss. Er ist brillant, so schnell wie die Leuchtanzeige auf einem Computer und er vergisst nie etwas. Er erwartet von mir das gleiche Niveau, aber er ist niemals grausam oder ungeduldig mit mir. Ich stelle fest, dass ich Dinge schneller und besser tun kann, als ich es mir je vorgestellt habe. Mr. Spock ist der erste Vulkanier, mit dem ich einige Zeit verbracht habe. Ich weiß, dass Vulkanier keine Gefühle haben sollen, aber Mr. Spock erinnert mich an einen Russischen Winter: sehr kalt und frostig nach außen aber mit dem Versprechen eines Sommers irgendwo unterhalb der Oberfläche. Hier und wieder schaut etwas Wärme hinter der Vulkanischen Maske hervor. Vielleicht ist das nur meine romantische russische Seele, die sich das vorstellt, wie Du mir so oft auf der Akademie vorgeworfen hast, aber ich denke nicht.

Mein Nachbar am Steuer ist Hikaru Sulu. Er ist ein Akademie-Absolvent, einige Jahre älter als wir und ich denke, dass wir Freunde werden könnten, wenn je ich je die Zeit habe, mir Freunde zu suchen. Sulu ist ein großartiger Partner. Er hat mir über einige ziemlich kritische Momente geholfen und er ist in seinem Job richtig gut. Er ist sehr schnell und hat eine Vorstellungsgabe, die nur der des Captains nachsteht. Er fechtet und denkt in drei Dimensionen. Es heißt, fechten ist wie physisches Schach und sein Ruf besagt, dass Mr. Sulu mehr als nur ein paar Gegner am Steuer matt gesetzt hat.

Jeder (außer mir natürlich) ist in unseren leitenden Kommunikationsoffizier verliebt, Nyota Uhura. Sie ist fantastisch in ihrem Job und es ist einer der forderndsten auf dem Schiff. Sie steuert und organisiert den Fluss der Informationen zur und von der Enterprise und das alles mit einer großartigen Ruhe und Effizienz. Uhura ist schön sowohl außen als auch innen und hat die Stimme eines Engels. Wenn Du sie über die Schiffssysteme in mitten einer Krise hörst, fühlst Du irgendwie, dass alles gut gehen wird.

Ich bemühe mich, eine Art Routine zu entwickeln, aber auf diesem Schiff ist nichts Routine. Ich beginne zu verstehen, warum Captain Kirk von vielen auf der Akademie als Eigenbrötler angesehen wird. Er scheint seine eigenen Regeln aufzustellen. Ich bin kein Paragraphenreiter, wie Du weißt. Erinnerst Du Dich noch, als wir den Computer am Eingang der Schlafsäle manipuliert haben, um die Sperrzeit herauszuzögern? Das war großartig. Irina, wir waren ein tolles Team. Ich kann nichts dafür, aber ich wünschte, Du wärst auf der Akademie geblieben. Ich weiß, es war nicht das Richtige für Dich, aber ich vermisse Dich trotzdem.

Zu Captain Kirk: Ich weiß wirklich nicht, wie ich ihn beschreiben soll. Ich nehme an, dass erste, was man über ihn sagen kann, ist, dass er noch so jung ist. Er ist nur wenig mehr als zehn Jahre älter als ich und er ist bereits Captain der Enterprise. Ich kann mir nicht vorstellen, was das für zehn Jahre gewesen sein müssen. Die meiste Zeit ist er nett und geduldig mit einem wirklich guten Sinn für Humor, aber ich habe auch die andere Seite von ihm gesehen. Eine kalte und unbiegsame Seite, die vorwärts prescht ohne Rücksicht auf Verluste und dabei die Vorschriften ignoriert um das zu bekommen, was er will. Manchmal kann er einem etwas Angst einjagen. Trotzdem hat er bis jetzt nichts getan, was mich ihn weniger bewundern lässt. Und die Crew, die ihn weit besser kennt als ich, verehrt ihn geradezu.

Gerade jetzt befinden wir uns im Orbit um Altair 6. Der Captain, Mr. Spock und Dr. McCoy, unser Erster Medo-Offizier, sind gerade auf den Planeten gebeamt, um an den Einweihungszeremonien für den neuen Präsidenten teilzunehmen und wir warten darauf, dass sie sich melden. Das Schiff kam zwei Tage zu spät zur Zeremonie, weil wir einen Umweg über Vulkan genommen haben und ich denke, der Captain ist in Schwierigkeiten wegen der Verspätung. Auf unserem Weg zu Altair 6 haben wir den Kurs ständig geändert. Ich habe den Kurs zu Vulkan und dann zu Altair so oft neu berechnet, dass ich fast weltraumkrank geworden wäre. Ich denke, der Captain hat das Schiff aus eigenem Antrieb nach Vulkan umgeleitet und das hat einige der Lamettaträger von Starfleet ziemlich verärgert.

Ich habe keine Ahnung, was sich auf Vulkan abgespielt hat, aber es hat was zu tun mit Mr. Spocks Hochzeit. Der Captain, Dr. McCoy und Mr. Spock sind alle für die Zeremonie nach Vulkan gegangen, aber in der letzten Minute wurde die Hochzeit abgesagt. Ich habe gehört, dass es was damit zu tun hatte, dass der Captain irgendeinen Unfall auf dem Planeten hatte. Tatsächlich hieß es, er sei tot. Gedankt seien alle Bären in Russland, das stimmte nicht. Captain Kirk landete in der Krankenstation, aber niemand spricht darüber. Wie Du Dir vorstellen kannst, ist diese Geheimniskrämerei sehr schwer für jemanden, der so notorisch neugierig ist wie ich.

Wie dem auch sei, der Captain wurde aus der Krankenstation entlassen und wir waren mit Höchstgeschwindigkeit nach Altair 6 unterwegs. Es herrschte für die zwei Tage, die wir gebraucht haben, um dorthin zu kommen, eine ziemlich düstere Stimmung auf der Brücke. Der Captain schien mit irgendwas beschäftigt zu sein und Dr. McCoy, der übrigens ein richtig toller Kerl ist, war überhaupt kaum auf der Brücke. Normalerweise verbringt er viel Zeit hier oben. Er und Captain Kirk sind sehr gute Freunde. Seine Beziehung zu Mr. Spock ist schwerer zu verstehen, aber, obwohl sie eine Menge streiten, hast Du das Gefühl, dass das eine Art Spiel zwischen ihnen ist.

Es gab allerdings keine Spiele auf der Brücke auf dem Weg zu Altair 6. Die Atmosphäre war richtig anstrengend, sehr angespannt. Mr. Spock hat kaum etwas gesagt und ich denke, der Captain war noch nicht ganz darüber weg, was auch immer auf Vulkan passiert ist. Ich weiß nicht, warum ich das denke. Er hat auf mich einfach nicht wie der Alte gewirkt. Nun ja, ich kenne ihn ja kaum. Es ist vermutlich nur meine Einbildung.

Irina, ich kann das jetzt nicht fertig machen. Mir wurde befohlen, runter auf den Planeten zu gehen. Ich kann es kaum fassen. Auch wenn es vermutlich nur irgend so ein langweiliges Diplomatenzeug ist, bin ich wirklich aufgeregt. Ich war noch nie auf Altair 6 und ich werde mit der Kommandocrew auf dem Planeten sein. Ich werde Dir schreiben und erzählen, was passiert.

Bitte schreibe mir zurück so schnell wie möglich. Ich weiß, dass diese Nachrichten ewig brauchen, um zugestellt zu werden, aber ich möchte wirklich gerne wissen, wie es Dir ergangen ist, nachdem Du die Akademie verlassen hast. Ich weiß irgendwie, dass wir uns bald wieder sehen werden. Ich fühle es in meinen russischen Knochen.

Liebe Grüße

Pavel

Sternzeit 3388,9 im Orbit von Altair 6


Liebe Irina,

drei Tage sind seit meinem letzten Brief vergangen. Ich hatte bis jetzt keine Chance, zur Ruhe zu kommen und das hier fertig zu machen. Ich möchte den Brief von Altair 6 aus schicken, bevor wir auslaufen, weil wir auf dem Weg in tiefen Raum sind, um nach einem Kreuzer zu suchen, der sich bei Starfleet hätte melden müssen.

Irina, ich habe keine Ahnung, mit was für Leuten ich zusammen diene. Ich nehme an, dass ich etwas gewusst haben muss angesichts der Berühmtheit von Schiff und Captain. Sie haben sich bereits eine ziemliche Reputation im ersten Jahr ihrer Mission verschafft. Hinter dieser Reputation lauert die Wahrheit. James Kirk und seine Kommandocrew sind die rücksichtslosesten, waghalsigsten und Furcht einflößendsten Leute, die ich je getroffen habe. Ich weiß, ich wollte auf diesem Schiff sein aber jetzt bin ich nicht mehr so sicher, dass das der richtige Platz für mich ist. Irina, erinnerst Du Dich an das alte russische Sprichwort: "Sei vorsichtig, was Du Dir wünschst?" Nun, ich denke, einige dieser alten Sprichworte sind sehr weise.

Lass mich Dir erzählen, was auf Altair 6 passierte und vielleicht wirst Du dann sehen, was ich meine. Ich bin mit zwei Sicherheitswächtern auf den Planeten gebeamt. Ich dachte, ich würde an der Amtseinführung teilnehmen, stattdessen hat Mr. Spock uns auf dem Transportergelände empfangen. Er hat uns informiert, dass die Altairianer Captain Kirk inhaftiert haben. Sie haben ihn beschuldigt, die Amtseinführung ihres Präsidenten bewusst sabotiert zu haben.

Offensichtlich hat der Präsident sich geweigert, die Zeremonie ohne die Anwesenheit aller drei Föderationsschiffe durchzuführen. Da die Enterprise für mehrere Tage aufgehalten wurde, hat die Gegenpartei Einspruch gegen die Wahl erhoben. Die Wahl wurde für null und nichtig erklärt und der ganze Planet in Verwirrung gestürzt. Der Präsident tauchte unter und alle Altairianer gaben Captain Kirk und der Enterprise die Schuld an dem Chaos. Mr. Spock gab uns diese Details auf dem Weg zum Gefängnis. Er erschien mir plötzlich so kalt wie ein Sibirischer Eissturm. Ich frage mich, ob ich mir die Wärme auf der Brücke nur eingebildet habe.

Zahlreiche Fragen schossen mir durch den Kopf. Wie konnte Starfleet all das zulassen? Der Captain hat die Ankunft der Enterprise für mehrere Tage verzögert, das ist wahr, aber ihn zu beschuldigen, die Wahlen zu sabotieren erscheint mir ein bisschen extrem. Ich habe inzwischen heraus gefunden, dass ein hohes Tier von Vulkan namens T'Pau Admiral Komack in Verlegenheit gebracht hat und das der Admiral Captain Kirk dafür die Schuld gibt. Er hat Starfleet dazu überredet, angesichts des Verhaltens der Altairianer in die andere Richtung zu schauen. Politiker! Ich werde das Thema den Anwälten und Diplomaten überlassen. Wir in Starfleet führen das Gesetz aus, wir versuchen nicht, es zu verstehen.

Mr. Spock teilte mir mit, dass ich eine Erklärung gegenüber den öffentlichen Stellen abgehen müsse, dass er es gewesen war, der mir beim ersten Mal befohlen hat, den Kurs nach Vulkan zu ändern und nicht der Captain. Da das stimmt, habe ich kein Problem darin gesehen, diese Erklärung abzugeben. Das könnte helfen, die Behörden davon zu überzeugen, dass der Captain die Enterprise nicht aufgehalten hat, um die Altairianischen Wahlen zu beeinflussen.

Als wir im Gefängnis ankamen, mussten wir lange warten. Nach ungefähr zwei Stunden wurde Dr. McCoy zu uns in den Wartebereich geführt. Er hatte versucht, den Captain zu sehen, aber die Altairianer hatten es nicht gestattet. Dr. McCoy wollte, dass die Sicherheitswächter an der Zelle des Captains postiert werden, weil die Altairianischen Gefängnisse einen wirklich schlechten Ruf haben. Es heißt, dass immer mal wieder Gefangene spurlos verschwinden und ein Gefangener wie der Captain, der im Zentrum einer emotional aufgeladenen politischen Situation steckte, war in ziemlicher Gefahr. Dr. McCoy und Mr. Spock hatten eine private Unterhaltung. Der Doktor schien ärgerlich auf Mr. Spock zu sein, aber der Vulkanier blieb so ruhig. Ich konnte nicht anders als mich zu fragen, ob der Erste Offizier sich überhaupt um den Captain schert. Auf der Enterprise schienen sie sich gegenseitig zu mögen, aber Mr. Spock wirkte auf mich absolut unberührt von Captain Kirks Situation.

Nach einer weiteren Stunde kamen etliche Altairianer in unseren Raum. Einer von ihnen, ich denke, er war ein Anwalt, teilte uns mit, dass man den Captain in den Krankenflügel des Gefängnisses verlegt hatte. Der Doktor forderte, zum Captain gebracht zu werden, aber die Altairianer lehnten ab. Sie haben es auch abgelehnt, die Sicherheitswächter im Krankenflügel zu postieren. Der Doktor bestand darauf, dass Captain Kirk zu sehen. Mr. Spock war still. Dr. McCoy drohte, sich an das Föderationsrat zu wenden. Das schien zu dem Altairianischen Anwalt durchzudringen. Er verließ den Raum ohne einen weiteren Kommentar und kehrte wenige Minuten später zurück.

Dr. McCoy fragte ihn nach dem Captain aus und verlangte erneut, ihn zu sehen, aber der Altairianer bestand auf der Gültigkeit ihres Gesetzes. Er könne keine besonderen Zugeständnisse machen, nur weil Captain Kirk ein Starfleet Captain sei. Das hörte sich für mich ganz vernünftig an, aber das schien Dr. McCoy in Rage zu versetzen. Der Anwalt fuhr dann damit fort, meine Erklärung aufzuzeichnen. Ich bemühte mich, so klar wie möglich zu sein, aber die ganze Situation war sehr verwirrend. Als ich anfing, etwas von Mr. Spocks Hochzeit zu erzählen, fiel mir der Doktor ins Wort und sagte, ich würde mich irren. Er sagte, es hätte keine Hochzeit stattgefunden und dass das Schiff auf Anforderung von T'Pau nach Vulkan beordert worden wäre. Spock warf dem Doktor einen langen Blick zu, aber widersprach ihm nicht. Die Altairianer versuchten zu folgen, aber ich hatte den Wink verstanden und sagte nichts weiter.

Irina, ich muss gestehen, dass ich ein sehr selbstsüchtiges Gefühl der Verärgerung verspürte. Ich konnte nicht anders als sauer zu sein, dass sich meine Erlebnisse auf Altair 6 darauf beschränkten, in einem Gefängniswartesaal zu sitzen anstatt an einem diplomatischen Empfang teilzunehmen. Es gibt einige Sachen, auf die einen die Akademie nicht vorbereitet. All diese Kommando-Szenarios sind ja ganz hübsch, aber nichts auf der Akademie hat mich auf den bürokratischen Nonsens auf Altair 6 vorbereitet. Das ganze erschien mir wie ein einziges riesiges dummes Missverständnis. Das war, bis die Altairianer den Captain hereinbrachten. Bürokratie machte Platz für Wahnsinn.

Captain Kirk musste von zwei Altairianern gestützt werden, weil er nicht selbst laufen konnte. Er sah aus, als wäre er übel zusammen geschlagen worden. Seine Uniform war zerrissen und starrte vor Dreck. Sein Gesicht war geschwollen und er hielt seinen rechten Arm so, als wäre er gebrochen. Er sah außerdem aus, als wäre ihm schlecht. Er war bleich und sein Gesicht in Schweiß gebadet. Er sah uns an, aber sein Blick ging ins Leere. Die Altairianer platzierten ihn auf einem Stuhl und ließen Dr. McCoy nicht in seine Nähe. Captain Kirk zitterte so stark, dass er fast von seinem Stuhl fiel. Ich muss sagen, dass ich über die Behandlung des Captains sehr geschockt war, aber andere Kulturen haben andere Sitten. Das gehört zu den ersten Sachen, die wir auf der Akademie lernen.

Ich dachte, der Doktor kriegt einen Anfall. Er stritt sich mit den Altairianern herum, die ihn nicht in Captain Kirks Nähe ließen. Die Sicherheitswächter versuchten, den Captain zu helfen, aber auch sie wurden fern gehalten. Ich denke, die Altairianer argwöhnten, dass wir etwas versuchen würden, um den Captain von ihnen weg zu bekommen. Ich hielt das für sehr unwahrscheinlich. Nach allem waren wir immer noch Gäste auf dem Planeten und mussten uns als Starfleet Offiziere an ihre Gesetze halten. Das ist das, was sie uns auf der Akademie beigebracht haben. Ich dachte, wir würden gehen und unseren Fall vor dem Föderationsrat vortragen, ganz so, wie der Doktor das vorgeschlagen hatte. Dann erhaschte ich einen Blick auf Mr. Spock.

Irina, ich schwöre, ich denke mir das nicht aus. Unser vulkanischer Erster Offizier sah wütend aus, schuldbewusst und so, als würde er gleich jemanden umbringen, trotzdem hat sich nicht ein einziger Muskel in seinem Gesicht bewegt. Ich weiß, dass das nicht sein kann, trotzdem bin ich mir sicher, dass er diese Gefühle hatte. Captain Kirk muss auch etwas gespürt haben. Man konnte seine Stimme kaum verstehen, aber er sagte etwas zu Mr. Spock, das ihn zu Eis erstarren ließ. Es hörte sich so an, als sagte er Spock, er solle sich nicht schuldig fühlen, wegen dem, was mit ihm geschehen sei, aber ich bin nicht sicher. Ich kann mir nicht vorstellen, warum sich der Erste Offizier für die Schwierigkeiten des Captains verantwortlich fühlen sollte?

Danach wurde alles noch verrückter. Ich denke, ich hörte den Ersten Offizier etwas sagen, dass er dem Captain nicht erlauben würde, erneut zu sterben, aber das ergab keinen Sinn. Ohne Vorwarnung legte Mr. Spock seine Hände auf zwei Altairianer und sie brachen zusammen. Die zwei Sicherheitswächter sprangen zwei weitere Altairianer an. Irgendwie erhob sich der Captain aus seinem Stuhl. Er warf sich auf den letzten verbliebenen Altairianer, der sich gerade anschickte, Dr. McCoy mit seiner Faust niederzustrecken. Ich schäme mich etwas zuzugeben, dass ich nur da stand, aber ich konnte einfach nicht glauben, was ich da sah. Ein Starfleet Captain und sein Erster Offizier griffen die gesetzlichen Vertreter eines anderen Planeten an.

Mr. Spock legte einen Arm um den Captain um ihn zu stützen. Er sah aus, als wolle er ihn tragen, aber ich konnte sehen, dass der Captain darum kämpfte, alleine zu gehen. Er ist ein sehr sturer Mann. Der Erste Offizier befahl uns allen, ihm zu folgen. Wir rannten durch das Gefängnisgebäude, schleiften Captain Kirk mit und stießen verwirrte Leute aus unserem Weg, bis wir einen nicht abgeschirmten Bereich erreicht hatten. Mr. Spock befahr Mr. Scott, unserem Chefingenieur, uns alle zurück aufs Schiff zu beamen.

Sie beeilten sich, den Captain in die Krankenstation zu bringen. Ich warte immer noch auf ein Debriefing, aber als ich die Brücke rief, wurde mir gesagt, dass Mr. Scott das Kommando hätte und niemand da wäre, um mit mir zu reden. Was für ein Schiff ist das? Ich ging zur Krankenstation, wo ich wusste, dass ich den Doktor und Captain Kirk finden würde. Sie haben mich nicht rein gelassen. Offensichtlich war Mr. Spock auch da. Eine der Schwestern flüsterte, dass der Captain sowohl an Nebenwirkungen einer Verletzung litt, die er auf Vulkan erlitten hatte als auch an den Konsequenzen der Schläge auf Altair 6. Ich weiß, dass ich nur ein sehr untergeordneter Offizier bin, aber ich war mit ihnen auf Altair 6. Ich mag es nicht, einfach so im Dunkeln gelassen zu werden. Und ich denke, dass ich nicht gerne ein Teil von dem bin, was vorgefallen ist.

Captain Kirk scheint seine eigenen Regeln aufzustellen und seine Offiziere sind gewillt, ihn zu unterstützen und das Gesetz zu ignorieren. Er wurde auf Altair 6 rechtmäßig festgenommen und sein Erster Offizier hat ihn praktisch entführt, unterstützt und begünstigt durch die Sicherheitsabteilung und den ersten Medo-Offizier der Enterprise. Es tut mir leid, dass es ihm schlecht geht und ich hoffe, dass er sich bald erholt. Wenn er wieder gesund ist, denke ich darüber nach, mich auf ein anderes Schiff versetzen zu lassen. Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich hier reinpasse.

Ich werde erneut schreiben und Dir mitteilen, wofür ich mich entschieden habe. Für jetzt haben wir de Befehl bekommen, Altair 6 zu verlassen. Ich nehme an, dass der Förderationsrat die Wellten glätten wird, die wir zurück gelassen haben. Die Enterprise wird bald auf ihrem Weg sein, um nach einem vermissten Sternenschiff zu suchen. Commodore Matt Deckers Constellation ist überfällig, sich bei Starfleet zu melden. Commodore Decker hat einen guten Ruf als ein Commander, der nach den Regeln spielt. Vielleicht kann ich eine Feldversetzung erreichen. Ich halte Dich auf dem Laufenden.

Bitte schreibe mir und sage mir, wie es Dir ergangen ist.

Für immer Dein,

Pavel


Das ist das Ende der ersten Irina-Briefe. Insgesamt gibt es sieben Irina-Briefe, in denen Chekov seine Meinung lansam ändert. Es ist also noch genug übrig. :-)
Falls jemand den Rest lesen möchte, werde ich auch den nach und nach übersetzen und hier dann jeweils anhängen (bitte entsprechende Kommentare an mich bzw. ins Gästebuch).
Zelda Scott



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Story by Nesabj, Nesabj@comcast.net | Original Version ("The Irina Letters") in English | http://mywebpages.comcast.net/nesabj/
Übersetzung: Zelda Scott, http://www.sttos.de | Zelda.Scott@web.de