Der wahre McCoy
Story von Nesabj
übersetzt von Zelda Scott



An den meisten Tagen liebte Lieutnant Uhura, erster Kommunikationsoffizier an Bord der Enterprise, ihren Job. An den meisten Tagen. Aber nicht heute.

“Oh, Bruder, es geht schon wieder los”, dachte sie. „Mr. Spock, dieser Mann ruft uns erneut von dem Planeten. Das ist das sechste Mal in den vergangenen zwei Stunden, Sir.“ Sie bemühte sich, ihre Irritation aus ihrer Stimme herauszuhalten. „Er besteht darauf, dass er Dr. Leonard McCoy ist und verlangt, zum Captain durchgestellt zu werden. Tatsächlich bleibt er dabei, den Captain Jim zu nennen. Er hat keinen Ausweis, keine Versetzungspapiere und er weigert sich, sich einer DNA-Identifikation zu unterziehen. Vielleicht sollten Sie mit ihm sprechen, Sir?“

Der Vulkanier sah von dem Bericht, den er gerade überprüft hatte, auf. Spock analysierte gerade den Status der medizinischen Notfallversorgung, die in diesem Moment von dem Planeten Rigel Vier auf das Schiff verladen wurde. Die Störung überraschte ihn ein wenig, da Uhura normalerweise diese Art von Dingen selbst regelte. Offensichtlich war der Knabe  ungewöhnlich hartnäckig.

„Auf den Schirm, Lieutnant.“

Lieutnant Uhura bestätigte einen Knopf und legte einen Schalter um. Die Ansicht von Rigel Vier verblasste. Sie wurde ersetzt durch das Bild eines sehr dreckigen Mannes in ziviler Kleidung, die lose an seinem dünnen Körper hing. Mehr als nur der Ansatz eines Bartes verdunkelte die untere Hälfte seines Gesichts. Stahlblaue Augen retteten das Gesicht des Mannes davor, gewöhnlich auszusehen. Sie schienen den Schmutz auf dem haarigen Gesicht zu durchdringen, als er den Kom-Bildschirm anstarrte. Als er sprach, vibrierte die Brücke in einer schnarrenden Kombination aus einem langsamen Südstaatenakzents und einem ärgerlichen Wortschwall.

„Was ist das hier für ein Mist? Ich verlange, mit Jim zu sprechen. Sagen sie ihm, dass Leonard McCoy hier ist und mit ihm sprechen will. Zum x-ten Mal, ich … äh ... habe meine Versetzungspapiere, sagen wir mal, verloren, verdammt… und meinen Ausweis. Wie kann ich beweisen, wer ich bin, wenn Sie mich nicht mit der einzigen Person auf diesem verdammten Schiff sprechen lassen, die weiß, wer ich bin?“

Während er sprach, schien das Gesicht des Mannes unter dem Schmutz einen tiefen Rot-Ton anzunehmen.

“Wenn euer junger Captain zu sehr von sich selbst überzeugt ist, um mit mir zu sprechen, dann erinnert ihn einfach daran, dass ich sein neuer Doktor werden soll und ich weiß, wie man eine Untersuchung durchführt, die ihn dazu bringt zu bereuen, dass er nicht mit mir sprechen wollte. Er wird für eine Woche nicht in seinen verdammten Kommando-Sessel passen. Ich bin nicht durch die halbe Galaxis gereist, um mich diesem willkürlichen militärischen Unsinn auszusetzen.“

Spock drehte sich um, um den Kommunikationsoffizier anzusehen. In seinem normalerweise unbewegten Gesicht schien ein Muskel vor Ärger zu zucken. Diese Person konnte unmöglich ein Starfleet-Arzt sein. Spock hatte nicht vor, weitere Zeit in dieser Angelegenheit zu verschwenden. Die Enterprise und ihre Crew waren mit einer medizinischen Notfall-Mission betraut. Zeit war ein kritischer Faktor und dieser Mann eine ungewollte Ablenkung.

„Lieutnant Uhura, es ist im höchsten Maße unwahrscheinlich, dass der neue Erste Medo-Offizier der Enterprise fünf Tage zu früh und acht Lichtjahre von dem geplanten Treffpunkt entfernt auf Rigel Vier auftaucht. Wie sie angedeutet haben, verfügt diese Person über keinerlei Identifikation, über keine Papiere und er weigert sich, den Transporter zu benutzen, um einen DNA-Erkennungs-Scan durchzuführen. Und, so möchte ich hinzufügen, er scheint schwerlich die Art von Person zu sein, die der Captain als Nachfolger für Dr. Piper wählen würde. Ich glaube nicht, dass es weiterhin notwendig sein wird, seine Rufe entgegen zu nehmen. Sagen sie ihm ´nein´.“

“Nur nein, Sir?”

Spocks rechte Augenbraue schoss bis dicht unter die Haarlinie hoch. „Sie können diesem so genannten Doktor auch sagen, dass wir bereit sind, die Rigellianische Sicherheit zu rufen, wenn er mit seinen Belästigungen fort fährt. Ist das klar, Lieutnant?“

„Aye, Sir.“

Uhura seufzte sehr unprofessionell aber sehr verständlich.

„Mr. Spock, er entspricht ein bisschen der Beschreibung des Captains von Dr. McCoy. Wenn wir vielleicht den Captain rufen würden? Er kennt den Doktor persönlich. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass dieser Mann unser neuer Erster Medo-Offizier ist, aber warum sollte sich irgendjemand für einen Starfleet-Arzt ausgeben wollen? Es würde herauskommen, wenn er zum ersten Mal den Fuß in die Krankenstation setzt. Außerdem kannte er alle Namen.“

Spocks andere Augenbraue drohte, sich ihrem Gegenstück anzuschließen.

“Lieutnant, jeder, der Zugang zu den Kom-Kanälen hat, würde wissen, dass die Enterprise dabei ist, einen neuen Arzt an Bord zu nehmen und Captain Kirks Vorname ist ebenfalls kein Geheimnis. Da der Captain sich augenblicklich in seiner Kabine ausruht, werde ich ihn nicht stören, um ihn über eine Nervensäge zu befragen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur eine Besichtigung der Enterprise anstrebt.“

Uhura drehte sich wieder zu ihrem Pult herum und der Erste Offizier hörte sie dem Mann sagen, dass die Enterprise seine Rufe nicht länger entgegennehmen würde. Die anderen Brückenoffiziere taten ihr bestes, ihre Köpfe unten zu halten und sich auf ihre Aufgaben zu konzentrieren. Es kam nicht oft vor, dass sie einen frustrierten Vulkanier erleben konnten.

Mr. Spock fuhr mit der Beaufsichtigung der Ladevorgänge fort, aber er konnte Uhuras Worte nicht einfach so abtun. Sie war ein exzellenter Offizier. Ihre Einsicht in die menschliche Verhaltensweise hatte sich oft als wertvoll für ihn erwiesen und er hatte ihren Ansichten stets Bedeutung beigemessen. Eine weitere Einschätzung ergab jedoch, dass Spock sich korrekt verhalten hatte. Es war zwar richtig, dass sie einen Dr. McCoy aufgreifen würden, aber er konnte sich keinen Starfleet-Offizier vorstellen, der sich seinem neuen Schiff in dieser unprofessionellen Art präsentieren würde. Es war undenkbar, dass diese lästige und unprofessionelle Person „der beste Chirurg und Arzt in der ganzen Flotte“ sein konnte, wie Captain Kirk ihn beschrieben hatte.

Er war auf jeden Fall nicht willens, den Captain mit dieser Angelegenheit zu belästigen. Spock vermutete, dass Captain Kirk noch immer unter den Nachwirkungen ihrer unglücklichen Schwierigkeiten auf Delta Vega litt. Mr. Spock war nicht über alle Ereignisse auf dem verlassenen Planeten informiert, aber einige Tatsachen waren nicht wegzudiskutieren. Der Captain war auf die Enterprise zurückgekehrt, verletzt, sichtbar erschöpft und alleine. Er hatte Lieutnant Commander Mitchell auf dem Planeten zurückgelassen.

Tot.

Captain Kirk hatte einen versiegelten Bericht für Starfleet aufgezeichnet und sich geweigert, mit irgendeinem seiner Offiziere darüber zu sprechen.

Dr. Piper hatte den Captain auf leichten Dienst gesetzt, während der sich dieser von den Verletzungen, die er auf Delta Vega erlitten hatte, erholte. Selbst als er Vollzeit auf die Brücke zurückkehrte, hatte Spock den Eindruck, dass er physisch noch immer nicht vollständig wiederhergestellt war. Als der Erste Offizier ihn deswegen gefragt hatte, hatte der Captain dünn gelächelt und gesagt, „Ich nehme an, dass Menschen manchmal etwas länger als Vulkanier brauchen, um zu genesen. Es wird alles gut, Spock. Geben Sie mir nur etwas Zeit.“ Das schien mit dem überein zu stimmen, was Spock von der menschlichen physischen Gebrechlichkeit verstand. Und, nach ihrer Diskussion schien der Captain sich wieder zu sammeln. Bis heute.

Captain Kirk hatte die Brücke früh in dieser Schicht verlassen, gesagt, dass er sich etwas eingefangen hatte. Nachdem der Erste Offizier darauf bestanden hatte, dass die Schädlingsdetektoren keine weiteren Entitäten an Bord der Enterprise anzeigten, hatte Captain Kirk mit einem Achselzucken erklärt, dass es sich nur um eine Redensart für eine leichte Krankheit handelte. Mit einer weiteren Demonstration seiner mangelnden Vertrautheit mit menschlichen Verhaltensweisen frisch in seiner Erinnerung war Spock nicht geneigt, seinen Captain mit etwas zu stören, was mit ziemlicher Sicherheit nur ein übler Scherz irgendeiner Art war.

Lieutnant Uhuras Stimme unterbrach Spocks Gedanken.

„Ich hoffe, ich bin nicht anmaßend, Mr. Spock, aber ich wünschte wirklich, der echte Doktor McCoy wäre an Bord. Bevor sie sich auf Sternenbasis Elf beamte, schien Schwester Chapel schrecklich besorgt um Captain Kirk zu sein. Sie sagte, dass der Captain ihr seit Delta Vega krank erschienen sei. Sie sagte mir, dass sie sich nicht wohl fühlte, ihn an Bord ohne jegliches medizinisches Personal zurückzulassen. Dr. Piper musste ihr befehlen, sich dem Rest der medizinischen Crew der Enterprise auf Sternenbasis Elf anzuschließen. Christine sagte, dass, wenn die Station sich nicht in einem Code Vier Notfall befunden hätte, sie seinen Befehlen aus medizinischen Gründen widersprochen hätte.“

Daraufhin schien sich Mr. Spock in seinem Sitz zu versteifen. Schwester Chapels Kommentar schien seine eigenen Beobachtungen wiederzuspiegeln. Vielleicht hatte er den Captain erneut falsch gedeutet. Seine Bekanntschaft zu Captain Kirk war immer noch frisch genug,  dass er Schwierigkeiten hatte, das Verhalten seines vorgesetzten Offiziers einzuschätzen.

Es hatte auf Spock merkwürdig gewirkt, dass der Captain sich geweigert hatte, die Ereignisse auf Delta Vega zu diskutieren. Spock hatte sich darüber gewundert, besonders da Captain Kirk und Lieutnant Commander Mitchell alte und enge Freunde gewesen waren. Er war früher zu der Schlussfolgerung gelangt, dass alle Menschen ihre Trauer recht öffentlich ausdrückten. Nach einer ausführlichen Erwägung hatte der Erste Offizier mit Anerkennung festgestellt, dass Captain Kirks Antwort auf Verlust fast vulkanische Züge in ihrer Beherrschung zeigte. Jetzt fragte er sich, ob der Captain etwas verbarg anstatt es zu beherrschen.

Kirk hatte auf der Enterprise erst für einige Monate gedient und die Crew war immer noch dabei, sich an seinen Stil zu gewöhnen. Spock fand, dass sein neuer Captain ziemlich unterschiedlich von Captain Pike, seinem früheren kommandieren Offizier, war. Mit Captain Kirk sah sich Spock oft bemüht, nach einer versteckten Bedeutung zu suchen, die nicht immer offensichtlich war. Diese Suche hatte Spock dazu gebracht, einige faszinierende Fortschritte in seinen taktischen und in seinen Kommandofähigkeiten zu machen, aber es hatte auch zu einigen spektakulären Fehltritten geführt.

Der Vulkanier erinnerte sich mit einigem Unbehagen an den groben Fehler, den er gemacht hatte, als er seinen neuen kommandieren Offizier informiert hatte, dass kein Mensch einen zufrieden stellenden Sparring-Partner für einen Vulkanier abgeben konnte. Captain Kirk hatte gegrinst, in seinen Gy gewechselt und war in einer ziemlich unorthodoxen Weise damit fort gefahren, seinen Ersten Offizier drei von fünf Malen auf die Matte zu werfen. Als Mr. Spock versucht hatte, sich für seine Bemerkungen zu entschuldigen, hatte der Captain ihm gesagt, dass er sich niemals dafür entschuldigen sollte, Vertrauen in seine Fähigkeiten zu haben. Er sagte, dass das Weltall die umbringen würde, die an sich selbst zweifelten. Es war besser, falsch zu liegen als unsicher zu sein. Captain Pike hatte niemals etwas wie das zu ihm gesagt. Noch hätte Captain Pike die Beleidigung so leicht vergeben.

Spock dachte über ihre Situation nach. Vier Schiffstage zuvor hatte eine katastrophale Explosion Sternenbasis Elf erschüttert und über neunzig Fälle von schwerer Kühlmittelvergiftung hatten die Ressourcen der Station überfordert. Die Enterprise hatte als das sich am nächsten befindendliche Schiff auf den Notfall reagiert. Captain Kirk hatte jedem Mitglied des medizinischen Personals der Enterprise befohlen, im Krankenhaus zu helfen, während die meisten ihrer Ingenieure und Hilfspersonal herunter gebeamt waren, um bei der Reparatur der Sternenbasis zu helfen.

Da sich die Reserven des Krankenhauses schnell erschöpften, war auf Sternenbasis Elf Syntactic sehr schnell knapp geworden, das einzige Medikament, das vollständig wirkungsvoll gegen die Kühlmittelvergiftung wirkte. Die Enterprise war die logische Wahl, um die kurze Reise zu den Herstellungsanlagen auf Rigel Vier zu machen und neue Vorräte des Medikaments aufzunehmen. Captain Kirk entschied, die Crew der Enterprise auf der beschädigten Sternenbasis zu lassen. Dr. Piper hatte seine Besorgnis über den Mangel an medizinischem Personal an Bord der Enterprise ausgedrückt, aber der Captain hatte Pipers Einwände einfach übergangen. Die Enterprise befand sich augenblicklich im Orbit um diesen Planeten und nahm die Medizin und andere Vorräte auf, die die Sternenbasis zum Wiederaufbau benötigen würde.

Mr. Spock dachte darüber nach, dass es ironisch war, dass sie sich auf einer medizinischen Mission befanden. Die medizinische Abteilung der Enterprise war ohnehin bereits vor dem Notfall in Veränderung begriffen. Was auch immer auf Delta Vega passiert war, hatte Dr. Piper schwer erschüttert und er hatte sich entschlossen, sich früher als geplant in den Ruhestand zurückzuziehen. Captain Kirk schien von dieser Entscheidung nicht sonderlich überrascht. Er und Piper hatten sich nach den Ereignissen auf Delta Vega ein bisschen entfremdet. Captain Kirk stimmte Dr. Pipers vorzeitiger Pensionierung zu und schlug als seinen Nachfolger einen Arzt vor, den er bereits auf der Erde gekannt hatte. Dieser Arzt hatte sowohl Mitchells als auch das Leben des Captains einige Jahre zuvor gerettet und Captain Kirk hielt sehr viel von seinen Fähigkeiten. Leonard H. McCoy verfügte über eine exzellente berufliche Reputation, doch er hatte nie zuvor auf einem Starfleet-Schiff gedient. Der Captain hatte Spocks Besorgnis über die begrenzte militärische Erfahrung des neuen Arztes einfach abgetan.

„Ich vertraue McCoy, Spock“, hatte er gesagt. „Er hat das Herz und die Hände eines Heilers. Es gibt keinen talentierteren Arzt in der ganzen Flotte. Mehr als dass, er hat keine Angst, Autorität herauszufordern und er hat ein einzigartiges Talent, auf die Schwäche einer Person hinzuweisen. Ich brauche jemanden, der sich nicht scheut, mich herauszufordern, wenn er denkt, ich würde falsch liegen. Ich denke, er wird gut für die Enterprise sein.“ Die Stimme des Captains wurde weicher, „und für mich.“ Kirk hatte dem Vulkanier den Rücken zugedreht, der die Spannung in den Muskelsträngen in seinem Rücken bemerkte. Es herrschte Stille für einen Moment als keiner der Männer sicher war, wie er fortfahren sollte. Dann, unerklärbar, hatte Captain Kirk in sich hineingelacht. „Sie müssen vor McCoy auf der Hut sein, Spock. Seine Zunge kann so scharf wie sein Laser-Skalpell sein. Im Endeffekt aber ist er ein guter Mann und ein feiner Arzt. Ich denke, sie beide könnten Freunde sein.“

Daraufhin hob Spock eine Augebraue. Er wollte seinem Captain nicht widersprechen, aber dieser Doktor McCoy klang für seinen Geschmack zu undiszipliniert. Wie dem auch sei, er entschied, sich sein Urteil aufzuheben, bis sie Gelegenheit hatten, gemeinsam zu dienen.

Captain Kirk wusste sehr wohl, dass Dr. McCoy alles andere als begierig darauf war, eine Kariere an Bord eines Sternenschiffes zu beginnen, aber mit einer Kombination von Charme und Nachdruck hatte der Captain ihn davon überzeugt, den Auftrag anzunehmen. Uhura führte den Vorsitz über einen wahren Kommunikationssturm zwischen Starfleet, McCoy und der Enterprise mit ihrer gewöhnlichen Effizienz und Dr. McCoys Befehle kamen schnell herein. Er würde auf Arkturus mit einem geplanten Starfleet-Transporter eintreffen, Dr. Piper ablösen und seine Pflichten als Erster Medo-Offizier antreten.

Dieser Gedanke erinnerte Spock an die ziemlich unangenehmen Drohung des Mannes auf Rigel Vier. Es bestand einfach kein guter Grund, warum Dr. McCoy acht Lichtjahre von seinem geplanten Hafen auftauchen sollte, zu früh, ohne Papiere oder jegliche Form der Identifikation. Und da war auch keine Erklärung, die Spock einfallen würde, warum ein Starfleet-Arzt sich weigern sollte, den Transporter zu benutzen, um einen DNA-Scan durchzuführen. Diese Person auf Rigel Vier war eindeutig ein Schwindler. Die Enterprise hatte mehr als nur einige Scharlatane gesehen, die alle möglichen abwegigen Methoden ausprobiert hatten, um an Bord des Schiffes zu gelangen. Es war ein Grund des Stolzes für ihre Crew, dass keiner davon bis jetzt erfolgreich gewesen war. Spock bannte den Hochstapler aus seinem Gedächtnis und fuhr mit seiner Arbeit fort. Er hoffte, dass das Verladen der Vorräte in sechs Stunden beendet sein würde. Mit einer Achtzehn-Stunden-Reise zurück zur Station bei Warp fünf berechnete Spock, dass 98,6 Prozent der Verbrennungsopfer noch immer am Leben und in der Lage waren, von dem Syntactic zu profitieren.

Lieutnant Uhura verlangte erneut seine Aufmerksamkeit. „Mr. Spock. Es tut mir leid, ich weiß, dass Sie jegliche Antwort auf seine Rufe untersagt haben, aber diese Person, die behauptet, der neue Arzt zu sein, ist jetzt bereit, sich einem Transporter-Scan zu unterziehen. Aber nur an Bord der Enterprise.“ Sie war es sehr leid, dass ihre eigene Arbeit ständig unterbrochen wurde. Dennoch konnte sie noch immer nicht ganz das Gefühl abschütteln, dass dieser Mann genau der war, den Captain Kirk als „ein wenig exzentrisch und nicht sehr den Vorschriften entsprechend“ beschrieben hatte. „Es würde uns nicht viel Zeit kosten, den Scan durchzuführen und danach würden wir Gewissheit haben. Soll ich ihn auf den Schirm legen?“

Spock legte seinen Bericht mit einer übertrieben Sorgfalt beiseite. Er hielt in Gedanken inne, dann nickte er einmal. Er war sicher, dass es ein übler Scherz war, aber wie dem auch sei, er war sich ebenso der Tatsache bewusst, dass er manchmal Fehler in der Einschätzung des menschlichen Verhaltens machte. Uhura schien im Zweifel für den Mann zu sein. Es war unwahrscheinlich, dass er falsch lag, aber es kostete ihn wenig, dieser Person eine letzte Chance zu geben, ihre Position zu untermauern.

Die erstaunlich gedehnte Stimme füllte die Brücke. „Sagen Sie Jim, dass, wenn er darauf besteht, dass ich es tue. Ich werde den verdammten Transporter benutzen, aber ich will denselben benutzen wie er. Wenn er gut genug für den verdammten Captain der Enterprise ist, dann nehme ich an, dass ich das verfluchte Ding ausprobieren kann. Ich bin nicht durch die Hölle gegangen, um hierher zu kommen, nur um mich auf diesem Mitleid erregenden Planeten warten zu lassen. Ich nehme an, dass das irgend so ein verdammter militärischer Unsinn ist.“ Es herrschte eine Pause. Als er fort fuhr, war die Stimme des Mannes sogar noch ärgerlicher, als wenn das möglich überhaupt gewesen wäre. „Andererseits, wenn das Jims Idee von einem Witz ist, wird er dafür bezahlen. Ich setze ihn auf Diät, so fade, dass Salz dagegen würzig erscheint. Sein Fitness-Programm wird so hart sein, dass seine blauen Flecken blaue Flecken haben werden. Er wird sich in meiner Krankenstation Untersuchungen von Körperöffnungen gefallen lassen, die noch gar nicht erfunden worden sind.“ Uhura sah unbehaglich drein. Sie hatte kein Verständnis für Drohungen, besonders nicht gegen ihren Captain.

Spock hörte dem hart an Insubordination grenzenden Wortschwall mit Unglauben zu. Es war schlichtweg nicht möglich, dass ein Starfleet-Arzt so etwas sagen sollte. Er war ganz klar ein Betrüger, der versuchte, sich seinen Weg auf das Schiff zu bluffen, auf dem einen Weg oder dem anderen. Spock hatte keine Zweifel mehr. „Lieutnant, rufen sie den planetaren Sicherheitsdienst und sagen sie ihm, dass sie diesen Mann in Gewahrsam nehmen sollen wegen Nachahnung eines Starfleet-Offiziers.“ So. Dass sollte das Problem lösen.

Captain Kirks Beschreibung des neuen Ersten Medo-Offiziers war „blumig“ gewesen und für einen Moment hatte Lieutnant Uhura sich gefragt, ob sie diesen merkwürdigen Mann bei seinem Wort nehmen sollten, aber auch sie fand es unmöglich zu glauben, dass ein Senior-Offizier Captain Kirk in dieser Weise bedrohen sollte. Sie waren schon oft in einige Widrigkeiten verwickelt gewesen. Dieser Mann war nur eine mehr. Sie tat, wie ihr befohlen wurde und einige Minuten später konnte sie Mr. Spock mitteilen, dass der Mann festgenommen worden war. Die Brücken-Offiziere wandten sich wieder ihrer Arbeit zu. Sie alle würden froh sein, nach Sternenbasis Elf aufzubrechen. Uhura hoffte, dass sie rechtzeitig genug fertig werden würden, um den Kühlungsmittel-Opfern zu helfen und sie hoffte, dass der echte Doktor McCoy wie vereinbart auf Arkturus eintreffen würde.

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Dr. Leonard H. McCoy, hochgradig fähiger Arzt und Chirurg, jüngstes Mitglied des Starfleet-Krankenhauses auf der Erde und gerade angewiesen, den Posten als Erster Medo-Offizier an Bord der Enterprise zu übernehmen, fand sich selbst eingesperrt in einem Rigellianischen Gefängnis wieder. Es war das perfekte Ende einer perfekt miesen Woche. McCoy nahm an, dass wenn er vollständig ehrlich sein wollte, er selbst für einige seiner Schwierigkeiten verantwortlich war. Er hatte die autorisierten Beförderungsmittel umgangen und hatte sich einen Weg auf eine nicht sanktionierte Reise mit einem medizinischen Schiff, der Salk, erredet. Die Salk wurde von einem alten Kommilitonen von ihm befehligt und sie hatten ihre Zeit damit verbracht, sich über die seitdem vergangene Zeit auszutauschen. Seine Reise hatte ihn bis nach Rigel Vier gebracht, wo ein Händler ihm eine schnelle Passage nach Arkturus angeboten hatte.

Er hätte den Braten riechen sollen. Wann würde er endlich lernen, nicht so vertrauensselig zu sein? Vielleicht würde es ihm helfen, sich von dieser Schrulle zu befreien, nachdem er in einer Gasse ohne Gepäck, ohne Geld, ohne Ausweis und ohne Papiere aufgewacht war. Tatsächlich hatte er vermutlich Glück gehabt, überhaupt aufgewacht zu sein.

Zum Glück hatte der Händler ihm keinen ernsthaften Schaden zugeführt, außer seinem Stolz und seiner Geldbörse. Nun, er hatte diese sehr alte und sehr seltene Flasche Saurianischen Brandys gestohlen, die McCoy geplant hatte, mit seinem neuen kommandierenden Offizier zu teilen. McCoy hatte Kirk mit dieser speziellen Marke Gift in der Nacht vertraut gemacht, als sie Kirks Entlassung aus dem Krankenhaus gefeiert hatten. Vielleicht war es ganz gut so, dass sie gestohlen worden war. Nachdem Kirk ihm die kalte Schulter gezeigt hatte, bezweifelte McCoy, ob er jemals wieder einen Drink mit ihm nehmen wollte. Das war ganz sicher nicht der Empfang, den er erwartet hatte. Ausweis oder keinen Ausweis. Warum würde Jim nicht mal mit ihm sprechen wollen?

Als er sich selbst ohne Papiere oder Geld wieder gefunden hatte, hatte der Doktor sich bei dem Konsulat der Förderation gemeldet. McCoy hatte sich gescheut, sich einem ID-Transporter-Scan zu unterziehen und so waren sie nicht gewillt gewesen, irgendetwas für ihn zu tun. Die Salk hatte den Orbit bereits verlassen und es gab niemanden auf Rigel, der für ihn hätte bürgen können. Der Doktor hatte auch nicht viel Hilfe von der örtlichen Polizei erhalten. Er hatte sich zum Raumhafen mitnehmen lassen in der Hoffnung, seine medizinischen Dienste für eine Reise nach Arkturus eintauschen zu können, vielleicht bei einem Schiffseigner, der nicht so viele Skrupel gegenüber seiner Identifikation besaß wie Starfleet. Er war sich sicher gewesen, dass, sobald er mit Jim Kirk auf der Enterprise gesprochen hatte, sich all dieser Ausweis-Unsinn erledigt hätte. Auf dem Raumhafen war McCoy überrascht und erleichtert gewesen, dass tatsächlich die Enterprise sich im Orbit um diesen Planeten befand. Er hatte sogar mit dem Hafenmeister gesprochen und ihn überzeugt, das Kom-Gerät benutzen zu dürfen. Es hatte so ausgesehen, als wäre endlich einmal etwas richtig gelaufen. Das war, bis er nicht an diesem Vulkanier vorbei kam.

Zuerst die Frau an der Kommunikationsstation und dann dieser Eisberg von einem Ersten Offizier, Mr. Spock, bestanden darauf, dass McCoy ohne Ausweis und Starfleet-Papiere sich einem Transporter-DNA-Scan unterziehen müsse. Das hatte einen unangenehm bekannten Beigeschmack. Es schien, als würde jeder in der Galaxis wollen, dass er sich in seine Atome zerlegen ließ. Wenn er wirklich ehrlich war, dann konnte McCoy sich eingestehen, dass vielleicht, aber auch nur vielleicht, sie einen Grund hatten. Der Transporter-Scan war wirklich der einzige Identitätsbeweis, der nicht gefälscht werden konnte. Blut, Speichel, Retina-Scans, all dass konnte nachgemacht werden. Wenn eine Person seine oder ihre Identität ohne Zweifel nachweisen musste, war der Transporter der einzige Ausweg, der eine Person bis hin zu den Bestandteilen seiner Moleküle scannte. Das, soweit es McCoy betraf, war genau das Problem.

Er wusste, dass es Starfleet-Vorschriften gab, die darauf bestanden. Starfleet hatte Vorschriften für alles und jedes. McCoy hatte sich daran gewöhnt, die meisten von ihnen zu ignorieren. Aber in Wirklichkeit waren es nicht wirklich die Vorschriften, die ihm zu schaffen machten. Was ihn beunruhigte war die Tatsache, dass er den Transporter mit jeder Faser seines Seins hasste. Als Wissenschaftler und Arzt wusste McCoy, wie komplex der menschliche Körper war. Es fiel ihm schwer zu glauben, dass irgendeine verdammte Maschine ihn in jede einzelne Komponente seines Seins zerlegen und dann genau richtig wieder zusammensetzen konnte. McCoy konnte die leicht unwissenschaftliche Angst nicht abschütteln, dass irgendwann, wenn er durch den verdammten Transporter-Prozess lief, mit seinem Inneren nach außen materialisieren würde. Oder umgekehrt, als ein Stapel Knochen. Der Transporter war wirklich ein wichtiger Grund gewesen, warum es ihm widerstrebt hatte, Jim Kirk auf die Enterprise zu folgen. Auf der Erde war es ziemlich einfach, einen Shuttletrip zu organisieren, wenn er irgendwo hin musste. Auf der Enterprise würde es nicht so einfach sein.

Er nahm an, dass er etwas am Ziel vorbei geschossen war, als er Jim so bedroht hatte. Aber er war so verdammt wütend gewesen. Da war etwas an dieser kühlen vulkanischen Verhaltensweise, die ihn dazu gebracht hatte, sich wie ein Irrer aufzuführen. Er hatte einen Blick auf diesen Mr. Spock geworfen und sofort war sein Mund mit seinem Kopf davongerannt, wie seine Georgia-Großmutter immer zu sagen pflegte. Jim hatte ihm von diesem Vulkanier erzählt. Er hatte sogar gesagt, dass er dachte, sie könnten Freunde sein. Freunde! Es wäre einfacher, sich mit einem aldebaranischen Schleim-Wurm anzufreunden.

So, hier war er also, Dr. Leonard H. McCoy, Commander, MD, Ph.D. etc., etc., im Gefängnis sitzen gelassen. Was  für ein Mist. Warum in aller Welt hatte er der Versetzung auf die Enterprise in erster Linie zugestimmt? Er war noch nicht einmal an Bord dieses dämlichen Schiffes und er hasste es bereits. Er hatte sich sicherlich nicht um den Job gerissen. Er hatte ernsthaft überlegt, ihn abzulehnen. Es war nur wegen Jim Kirk, dass er den Job angenommen hatte. Der Junge hätte die Sterne davon überzeugen können, mit dem Leuchten aufzuhören, wenn er gewollt hätte. 

McCoy hatte etwas Besonderes in Jim Kirk gespürt von dem Moment an, in dem sie sich begegnet waren. Nun, vielleicht nicht vom ersten Moment an, da Jim Kirk die Augen geöffnet, krampfhaft den Unterleib umklammert hatte und damit fort gefahren war, sich über McCoys Schuhe zu erbrechen. Das war eine ziemlich normale Reaktion nach dem Erwachen aus dem Regenerationstank, aber der junge Lieutnant Commander war bestürzt gewesen. Er hatte sich überreich entschuldigt. Kirk hatte sogar versucht, die Schweinerei zu beseitigen. Erst, als er beinahe zusammengebrochen und nicht in der Lage war, sich selbst auf seinen immer noch wackligen Beinen aufrecht zu halten, hatte Jim Kirk zugestimmt, in sein Bett zurückzukehren und es dem medizinischen Personal zu überlassen. Da war etwas an dem Jungen gewesen. Grün wie Gras, zitternd und schwitzend von den Nachwirkungen der Regeneration, bestand er stur darauf, an alle anderen vor sich selbst zu denken. McCoy war von seiner Höflichkeit bewegt und von seiner Zähigkeit erstaunt worden.

Das war sicherlich weit von seiner Reaktion Kirks Freund Gary Mitchell gegenüber gewesen.  McCoy hatte die Geschichte gehört wie Mitchell Jim Kirks Leben gerettet hatte, aber das war vermutlich die einzig selbstlose Tat, die dieser Mann jemals vollbracht hatte. Alle Mitglieder des medizinischen Personals beschwerten sich über Mitchell. Er war arrogant und egozentrisch. Er hatte einen gemeinen Zug an sich, der ihn dazu brachte, die Schwäche eines anderen herauszufinden und sie auszunutzen. Wie er es bei McCoys Angst vor dem Transporter getan hatte.

McCoy hatte Mitchell tatsächliche diese Furcht anvertraut.  Der Doktor hatte diesen speziellen Fehler oft bereut. Sie hatten über merkwürdige Träume geredet, die oft eine Nebenwirkung der Regeneration waren. McCoy hatte aus Versehen erwähnt, dass er manchmal davon träumte, in einen Transporter-Unfall verwickelt zu sein. In seinem Traum materialisierte er mit seinen Knochen an der Außenseite seines Körpers. Mitchell hatte ihn gnadenlos verspottet und angefangen, ihn „Pille“*) zu nennen. McCoy hasste es, aber er konnte Mitchell nicht davon abhalten ohne ihm weitere Munition gegen ihn zu liefern. Eines Tages schließlich hatte er beschlossen, dass es genug war. Er ging zu Mitchells Raum, um ihn zu konfrontieren. Mitchell sah ihn nur von oben bis unten an und McCoy konnte das wage Gefühl nicht abschütteln, dass sein Patient genau wusste, was er dachte.

„Was ist los, Pille?“ hatte er gefragt. „Können Sie nicht ein bisschen gutartigen Spaß vertragen?“ Der unangenehme Klang von Mitchells Lachen hatte ihn frösteln lassen. Es war nichts Gutartiges darin gewesen. McCoy hatte sich entschieden, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und sich mit dem verdammten Spitznamen abzufinden. Nach allem würde Mitchell bald entlassen sein und seiner Wege gehen.

Zu seiner Bestürzung fing Jim Kirk ebenfalls an, ihn „Pille“ zu nennen. Als Kirk McCoy nach dem Namen fragte, faselte er etwas über Ärzte, die in alten Zeiten „Knochensäger“ genannt wurden. Der Doktor würde sicherlich nicht noch einmal seine Ängste einem anderen gegenüber offenbaren. Außerdem störte es ihn nicht so sehr, als Kirk Mitchells Spitznamen adaptierte. Wenn Kirk ihn „Pille“ nannte, gebrauchte er den Namen mit Zuneigung. Wenn Mitchell ihn „Pille“ nannte, was es eine Widerspiegelung seiner Grausamkeit.

Die einzige Person, die niemals die grausame Seite von Gary Mitchell sah, war Jim Kirk. Mitchell war wirklich vorsichtig mit seinem Verhalten seinem Freund gegenüber. Er schien Kirks Anerkennung zu benötigen, so zeigte er ihm nie die unerfreulichen Seiten seiner Persönlichkeit. Jim Kirk hatte diese Wirkung auf die meisten Leute. McCoy war sich, zynischer alter Knicker, der er war, bewusst, dass es sich selbst dabei ertappte, dem jungen Offizier gefallen zu wollen. Das bemerkenswerteste an der Sache war, dass es Kirk aufrichtig nicht bewusst war, wie die Menschen auf ihn reagierten. Er hätte ein manipulierbarer Bastard wie sein Freund Mitchell sein können. Er war es nicht. McCoy konnte sich keinen anderen Menschen vorstellen, der ihn mehr berührt hatte als Kirk. Als sich Kirk als der jüngste Captain in der Geschichte von Starfleet entpuppte, war McCoy kein bisschen überrascht gewesen. 

Der Doktor, der einen guten Zugang zu Starfleets Gerüchteküchen hatte, hatte von Gary Mitchells Tod auf Delta Vega gehört. Mitchell und Jim Kirk waren seit ihren Tagen auf der Akademie Freunde gewesen. Sie hatten zusammen auf der Farragut gedient und Mitchell hatte die Disrupterfeuerentladung abbekommen, die sie beide in McCoys Krankenhaus gebracht hatte. Kirk hatte McCoy gestanden, dass er sein Leben seinem Freund verdankte. McCoy wusste, dass Kirk Mitchells Verlust tief treffen würde. Also hatte McCoy, als Kirk sagte, er bräuchte ihn als Besatzungsmitglied auf der Enterprise, sich überzeugen lassen, obwohl er wusste, dass es wahrscheinlich eine schlechte Idee war.

McCoy dachte, dass der jüngste Captain von Starfleet einen Freund gebrauchen konnte. Irgendeinen Freund. Er konnte nicht einmal auf das verdammte Schiff gelangen. Jim würde nicht einmal mit ihm sprechen. McCoy fragte sich, was zum Teufel noch mal los war und ebenso, wie genau er sich aus dem Schlammassel, in dem er sich befand, zu befreien gedachte. Ohne Ausweispapiere konnte er nicht auf die Enterprise gelangen und er konnte auch nicht Heim kehren. Da er nicht für ewig auf Rigel festsitzen wollte, stimmte er schließlich dem polizeilichen Scan zu.

Die Mühlen der Bürokratie mahlten langsam und für einige Stunden geschah nichts. Er benutzte die Zeit, um über die Dummheit, Kirks Angebot anzunehmen, nachzudenken. Es sah so aus, als wäre seine Einschätzung des jungen Jim Kirk falsch gewesen. Der Lieutnant Commander, dem McCoy durch die Reha geholfen hatte, hätte seinen Ruf niemals abgelehnt. McCoy entschied sich zu tun, was er tun musste, um auf die Enterprise zu gelangen, nur um persönlich zu kündigen. Das  würde es Kirk zeigen. McCoy kochte. Er tobte. Er brachte sich selbst in einen Zustand rechtschaffenen Zornes. Er war so wütend, dass er das Geräusch der näher kommenden Schritte nicht hörte.

“Ich höre, Sie haben einem Scan zugestimmt?”

Es war der Rigellianische Polizist, der ihn in dieser Rattenfalle eingesperrt hatte.

“Was?” begann McCoy. “Da liegen Sie verdammt richtig. Lassen Sie uns die Sache hinter uns bringen, so dass ich diesen Vulkanier dazu bringen kann, mich an Bord der Enterprise zu lassen. Ich zeig’ s denen. Ich werde die kürzeste Schiffs-Kariere in der Geschichte der Starfleet haben. Ich kann es gar nicht abwarten, Jims Gesicht zu sehen, wenn ich kündige. Hah.“

Der Polizist zog seine Schlüsselkarte durch den Scanner, der die verschlossene Tür an Ort und Stelle hielt. Er dachte, dass das ein merkwürdiger Starfleet-Offizier war. Aber er hatte schon alle möglichen Sorten gesehen.

„Das wird kein bisschen wehtun“, sagte der Rigellianer mit einem unehrlichen Lächeln auf dem Gesicht.

“Versuchen Sie das gar nicht erst mit mir, Junge”, brummte der Doktor. „Wie es sich ergibt, bin ich ein Arzt. Ich lüge mit genau diesen Worten schon so lange, da lagen sie noch in den Windeln.“

Der Polizist, der die ganze Situation offenbar ziemlich amüsant fand, bedeutete ihm, dass der Doktor ihm folgen sollte. McCoy ging langsam hinter ihm her, eher wie ein Verbrecher, der seiner Hinrichtung entgegen sah. Er hielt direkt vor dem Transporter an, nahm einen tiefen Atemzug und zog sich selbst langsam auf die Stufen zur Plattform hoch.

“Irgendwelche letzten Worte?” fragte der Polizist.

“Seien Sie nur nicht so verdammt komisch. Lassen Sie es hinter uns bringen.“

Es dauerte nur wenige Sekunden, auf der Transporterplattform zu stehen und den Scan zu beenden. Der Doktor rematerialisierte und langsam, fast widerstrebend, fuhr er damit fort zu überprüfen, ob alle wichtigen Körperteile noch funktionsfähig waren. Er schickte einen stillen Dank an welche Gottheit auch immer über zerstreute Atome wachte.

"Dr. Leonard H. McCoy.” Die metallische Stimme des ID-Scanners bestätigte die Identität des Doktors.

„Hah! Endlich.“ McCoy triumphierte. “Lassen Sie mich hier raus. „Ich habe noch eine Rechnung mit dem Captain und dem Ersten Offizier der verdammten Blechbüchse im Orbit zu begleichen.“

Sein ehemaliger Wärter lächelte. „Nennen Sie sie besser nicht so in Gegenwart der Enterprise-Crew. Das ist ein ziemlich loyaler Haufen, habe ich mir sagen lassen. Ich habe gehört, dass sie Beleidigungen ihres Schiffes oder ihres Captains nicht freundlich aufnehmen.“

McCoy schnaubte verächtlich. „Ich finde es nur schade, dass ich nicht mehr da sein werde, wenn die nächsten Untersuchungen anstehen. Helfen Sie mir jetzt, Jim Kirk zu rufen oder nicht? Sie schicken mir besser ein Shuttle. Ein Trip durch diesen Transporter ist einer zu viel.“

Der Rigellianer dachte bei sich: “Der hier würde es nicht lange auf einem Sternenschiff aushalten. Es ist vermutlich gut, dass er kündigt.“ Er gestikulierte in Richtung der Kom-Station. „Ich werde versuchen, die Enterprise zu kontaktieren, aber Doktor, ich würde Ihnen raten, Ihre Einstellung zu ändern. Captains akzeptieren diese Art von Insubordination normalerweise nicht.“

Der Doktor dachte stumm das gleiche. „Hmpf. Ich frage mich, ob mein altes Büro im Starfleet Medizinzentrum noch frei ist?“ Er überlegte ernsthaft, aus dem Gefängnis hinauszugehen und zu versuchen, eine Passage zurück zur Erde zu finden, aber erst wollte er die Genugtuung haben, Jim Kirk ins Gesicht sagen, wohin er sich seinen Job stecken konnte.

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Exakt um 1600 übergab Mr. Spock das Kommando an die Beta-Schicht und überließ Mr. Sulu die Brücke, als er sie verließ. Es war eine ziemlich frustrierende Schicht gewesen. Er hatte aufgrund der vielen Unterbrechungen nicht soviel geschafft, wie er geplant hatte. Er hatte noch immer einen ziemlich großen Haufen Papierkram zu erledigen. Wie dem auch sei, das Verladen der medizinischen Vorräte kam gut voran und sie sollten in der Lage sein, den Orbit in weniger als zwei Stunden zu verlassen. Er erwog, direkt in seine Kabine zu gehen und dort zu arbeiten, aber er konnte Uhuras Besorgnis über Captain Kirk nicht einfach ignorieren. Er konnte die Aktualisierung ihrer Abflugszeit als Vorwand dazu benutzen, nach ihm zu sehen. Spock machte einen Umweg zum Quartier des Captains. Er signalisierte seine Gegenwart. Keine Antwort. Er wartete einen Moment und betätigte den Türsummer erneut. Erneut keine Antwort.

Merkwürdig. Wenn der Captain sein Quartier verlassen hatte, war es merkwürdig, dass er nicht auf die Brücke gekommen war. Spock ging zum nächsten Interkom an der Wand in der Nähe der Räume des Captains. „Computer, lokalisiere Captain Kirk.“ Die metallische Stimme des Computers antwortete augenblicklich. „Captain Kirk befindet sich in seinem Quartier.“

Das war sehr merkwürdig. Spock ging zur Tür des Captains zurück und betätigte den Summer zum dritten Mal. Immer noch keine Antwort. Spock dachte für einen Moment nach. Sein strikter Sinn für Privatsphäre hinderte ihn daran, die Verriegelung des Captains einfach so zu umgehen, aber er hatte keine andere Wahl. Er gab den Notfall-Code ein und trat ein. Das Licht war gedämpft und selbst der Vulkanier hatte Probleme, etwas zu erkennen, aber als sich seine Augen daran gewöhnten, sah Spock den Captain ausgestreckt auf seinem Bett liegen, offensichtlich schlafend. Er näherte sich dem Bett und legte seine Hand auf Kirks Schulter, um ihn wachzurütteln. Bestürzt stellte er fest, dass die Körpertemperatur des Captains anormal hoch für einen Menschen war. Schweiß durchnässte Kirks Uniform und Spock fühlte, wie sich die Muskeln des Captains unter seiner Hand verkrampfen. Das war kein normaler Schlaf. Sanft schüttelte er den Captain.

Zwischen klappernden Zählen antwortete der Captain schwach: „Was gibt es Spock? Irgendein Problem? Sind wir schon unterwegs?”

“Wir werden in weniger als zwei Stunden unterwegs sein. Wir werden rechtzeitig auf Sternenbasis Elf ankommen, um den meisten der betroffenen Personen zu helfen.“

Zwischen klapperenden Zählen antwortete der Captain: „Dr. Piper ist bestimmt schon das Syntactic ausgegangen. Es wird gut sein, auf der Station anzukommen.“

Spock konnte die Anstrengung in den Worten des Captains hören. „Sie sind krank, Sir.“

Captain Kirk setzte sich auf und versuchte, das Zittern, das ihn überfiel, zu beherrschen. „Ich bin OK. Es ist nur eine Grippe.” Er versuchte, seinem ersten Offizier zuzulächeln, aber es wurde zu einem Zusammenzucken. 

Spock ging zum Kom-Terminal auf dem Schreibtisch des Captains. Er brauchte Hilfe. Trotz den Versicherungen des Captains dachte er, dass die Symptome, die er beobachtet hatte, schlimmer waren als die einer simplen Grippe. Spock benachrichtige die Brücke. Obwohl kein medizinisches Personal an Bord war, gab es einige Crewmitglieder, die in Erster Hilfe ausgebildet waren. Sie konnten ihm helfen, sich um den Captain zu kümmern, bis das Schiff auf Sternenbasis Elf eintraf. Mr. Sulu antwortete prompt. Die normalerweise gelassene Stimme des Steuermanns war mit Besorgnis unterlegt, als er auf Spocks Hilfegesuch antwortete.

„Ich kann Ihnen sofort Hilfe schicken, Mr. Spock, aber ich war gerade dabei, sie zu rufen. Der Polizist auf Rigel Vier hat uns gerufen. Ich weiß, es ist schwer zu glauben, aber dieser Mann auf dem Planeten ist in der Tat Dr. McCoy. Es sieht so aus, als wäre ihm ein Missgeschick auf dem Weg nach Arkturus zugestoßen und seine Papiere gestohlen worden. Er hat sich einem Scan unterzogen und es besteht kein Zweifel an seiner Identität. Er verlangt, dass wir ein Shuttle für ihn schicken.“

Spock gestattete sich selbst einen Anflug von Verärgerung über die Anmaßung ihres neuen Ersten Medo-Offiziers. „Dieser Mann ist unmöglich. Sicherlich kann es dem Captain nicht ernst damit gewesen sein, ihn auf die Enterprise zu versetzen.“ Wie dem auch sei, er gestattete es nicht, dass seine Skepsis sichtbar wurde, als er Sulu antwortete.

„Bitte teilen sie ihm die Schwierigkeiten des Captains mit. Ich vertraue darauf, dass der Doktor sich nicht mehr weigern wird, an Bord zu beamen, wenn er von Captain Kirks Zustand in Kenntnis gesetzt wird.“

„Aye, Sir. Ich werde die Situation erklären.“

„Fassen Sie sich kurz, Mr. Sulu. Der Captain braucht sofort Hilfe.“

*****

Einige Minuten später summte es an der Tür. Spock öffnete die Tür des Captains und wurde von einem finster dreinblickenden Mann mit durchdringenden blauen Augen begrüßt. Er hatte sich weder umgezogen noch gewaschen seit seiner Inhaftierung und Spock fand es immer noch schwer zu glauben, dass diese verrufen aussehende Kreatur ihr neuer Arzt war. Wie dem auch sei, er gestattete es McCoy einzutreten, da sich der Zustand des Captains in der kurzen Zeit, seit Spock ihn gefunden hatte, verschlechtert hatte.

Die ersten Worte aus dem Mund des Doktors taten nichts, um Spocks Besorgnis zu lindern. „Sie müssen das Arschloch sein, das mich nicht mit Jim hat sprechen lassen. Warum haben Sie mir nicht gesagt, dass er krank ist? Ich dachte, er möchte nicht mit mir reden. Wenn ich gewusst hätte, dass er in Schwierigkeiten ist, hätte ich den verdammten Transporter-Scan gemacht und uns allen eine Menge Kopfschmerzen erspart“, knurrte der Doktor.

Mr. Spock war von diesem Angriff überrascht. „Ich, Sir, bin der Erste Offizier der Enterprise und Sie werden mich in einer angemessenen Art und Weise anreden. Dr. Leonard McCoy, nehme ich an?“

„Wer um Himmels willen denken Sie, dass ich bin? Der Klingonische Imperator? Gehen Sie mir jetzt aus dem Weg, sie spitzohrige Bedrohung. Jim braucht meine Hilfe.“ McCoy schoss an Spock vorbei. „Hallo Jim. Was hast Du Dir jetzt wieder angetan?” Spock war erstaunt über die Veränderung in dem Tonfall des Mannes, als er mit seinem Patienten sprach. McCoy klang sanft und besorgt. Ein ziemlicher Kontrast zu dem an Insubordination grenzenden Tonfall, den er gegenüber dem Ersten Offizier benutzt hatte.

Captain Kirk sah mit trübem Blick zu ihm auf. “McCoy, bist Du das? Was machst Du hier?” Er musterte den Doktor von oben bis unten. “Du siehst furchtbar aus.” Er hob seinen Kopf vom Bett hoch, um den Doktor zu begrüßen. Als er versuchte, sich aufzusetzen, nahm der Captain einen alarmierenden Grün-Ton an.  Seine Lippen zusammengepresst, umklammerte er seinen Unterleib und erbrach sich direkt über die Schuhe des Doktors.

McCoy lächelte, auch wenn seine Augen seine Besorgnis verrieten. „Du musst Dir wirklich dringend eine andere Art, hallo zu sagen, ausdenken, Jim. Das wird langsam alt. Oh, und übrigens, Du siehst selber furchtbar aus. Was hast Du vor?” Der Doktor legte eine Hand auf die Brust des Captains, als der sich abmühte, aus dem Bett zu kommen. Er dachte amüsiert, dass, obwohl Kirk jetzt ein Captain war, er es immer noch nötig fand, hinter sich aufzuräumen. „Ich kümmere mich darum. Bleib, wo Du bist. Leg Dich nur hin, jetzt.”

Zum Erstaunen des Doktors drehte sich Spock um und ging zur Hygienezelle. Er kam mit einem kleinen Eimer und einem Tuch wieder und schickte sich an, die Schweinerei zu beseitigen. McCoy schenkte dem Vulkanier einen langen Blick, als ob er seinen ersten Eindruck des Ersten Offiziers neu bewertete.

„Mr. Spock, gibt es ein Medikit in Jims Quartier? Es sieht so aus, als habe ich meinen… verlegt.“

Wortlos ging Spock zur Hygienezelle zurück. Er kehrte mit einem kleinen Kit wieder. Der Doktor öffnete es schnell und holte einen tragbaren Scanner hervor. Er fuhr mit dem surrenden Instrument den Körper des Captains entlang. McCoy las die Werte ab, runzelte die Stirn und sah dann wieder seinen Patienten an. „Wo zum Teufel ist das medizinische Personal an Bord dieses Schiffes hin, Jim? Du hast dir da was Schönes eingefangen. Ich bin mir anhand des Scans nicht ganz sicher, was es ist. Warum bist Du nicht in der Krankenstation?“

“Der Captain versicherte mir, dass er an einem Fall von Grippe leiden und keine Hilfe benötigen würde”, antwortete Spock.

„Und das haben Sie ihm geglaubt? Er würde Ihnen sagen, dass es ihm gut geht, wenn ihm seine Eingeweide um seine Knie baumeln würden. Wo sind denn jetzt die Ärzte? Wir müssen ihn zur Krankenstation schaffen. Jetzt.“

Spock schien tatsächlich ärgerlich, als er McCoy gestand, dass es auf der Enterprise kein medizinisches Personal gab. Er erklärte kurz den Notfall auf Sternenbasis Elf. McCoy sah grimmig aus. Er nahm an, dass der Captain an etwas weitaus schlimmeren als an einer Grippe litt. McCoy verschwieg seinen Verdacht, da er seinen Patienten nicht beunruhigen wollte. Der Doktor sagte nur. „Rufen Sie jemanden und sagen Sie ihnen, dass sie eine tragbare Liege hierher schaffen sollen.“

„Keine Trage, Spock. Ich kann gehen”, krächzte der Captain.

„Der Doktor und ich werden Ihnen helfen, Captain.“ Spock und McCoy tauschten einen Blick aus, der besagte, dass beide verstanden, dass der Captain nicht von seiner Crew gesehen werden wollte, wie er durch das Schiff getragen wurde. Beide Männer legten ihre Arme um den Captain und halfen ihm auf die Beine. Er schwankte und fand dann sein Gleichgewicht. Zusammen bahnten sich die drei langsam ihren Weg zur Krankenstation.

****

McCoy sah sich mit einem langen Blick in der Krankenstation um und gluckste mit Verärgerung angesichts ihres verlassenen Zustands und deutete auf eine Diagnoseliege. Zusammen trugen Mr. Spock und er halb den benommenen und schwitzenden Captain zu dem Bett. Mit einer Effektivität, die Spock nur schwer mit seinem verkrusteten Abbild in Verbindung bringen konnte,  schaltete der Doktor schnell die Diagnose-Scanner ein. Er führte einen medizinischen Trikorder über Captain Kirk, während er in sich hinein murmelte. Er wedelte Spock von der Diagnoseliege fort.

„Grippe, meine Güte. Ich gebe Dir gleich Grippe. Er sollte besser ohne Lizenz keine Medizin praktizieren. Spock, wer ist auf diesem verdammten Kahn der Wissenschaftsoffizier?“

Spock schien sich zu versteifen. „Ich bin der Wissenschaftsoffizier der Enterprise. Warum fragen Sie?“

Der Doktor schnauzte: „Weil Ihr Captain Chronomeningitis hat. Darum. Und es ist eine Art, die ich nie zuvor gesehen habe. Wir müssen uns ein Heilmittel herstellen. Und wir müssen uns beeilen. Die Krankheit verläuft tödlich, wenn Sie nicht innerhalb von 24 Stunden nach dem ersten Auftreten der Symptome behandelt wird. Wie lange ist er schon so?“

Der Vulkanier dachte nach. „Er hat heute Morgen zu Beginn der Alpha-Schicht über Beschwerden geklagt. Das wäre dann fast vor neun Stunden.“

„Wie ich Jim kenne, kam er vermutlich schon krank zur Brücke. Wir haben vielleicht zwölf Stunden, um eine Kultur anzulegen, herauszufinden, wie der Virus zu vernichten ist und ihm das Gegenmittel zu verabreichen. Und ich habe für eine lange Zeit nicht allein in einem Labor gearbeitet. Ich werde einige Hilfe gebrauchen und Sie haben sich gerade freiwillig gemeldet, Wissenschaftsoffizier Spock.“

„Sind Sie sicher, was Ihre Diagnose angeht, Doktor McCoy? Ist Chronomeningits nicht eine extrem seltene Krankheit?“

McCoy bellte zurück: “Lassen Sie uns einen Handel abschließen, Spock. Ich werde Ihnen nicht vorschreiben, wie Sie diesen Kahn befehligen sollen und Sie sagen mir nicht, wie ich meine Patienten behandeln soll.“ Er kontrollierte seinen medizinischen Trikorder und scannte damit den Captain zum zweiten Mal. Schnell und effektiv nahm er einige Blut- und Gewebeproben. „Ich muss ins Labor und herausfinden, wie genau der Virus aussieht, aber ich bin mir meiner Diagnose sicher. Rufen Sie jemanden, der auf ihn aufpasst und bewegen Sie dann Ihren Hintern in das Labor und helfen mir. Wir haben nicht viel Zeit.“ Der Doktor ging zur Seite des Captains zurück, tätschelte seinen Arm beruhigend und verließ den Raum, um zum medizinischen Labor zu gehen.

Der Erste Offizier rief die Brücke. Er erklärte Mr. Sulu die Situation und forderte Hilfe für die Krankenstation an. Sobald die Hilfe eintraf, eilte Spock zum Labor. Dort fand er Dr. McCoy bereits tief in die Verfahrensweisen versunken, die nötig waren, um Kulturen zu generieren, die dem Captain helfen würden.

„Wie kann ich Ihnen helfen, Doktor?“

„Sie können damit anfangen, dass Sie mir helfen, Kulturen aus Jims Blutproben anzulegen“, antwortete der Doktor, ohne seine Augen von dem Objektträger vor ihm zu wenden.

„Wissen Sie wie?“

“Positiv, Doktor”, antwortete der Wissenschaftsoffizier. Er ging zu dem Labortisch und stellte sich hinter Dr. McCoy. „Wie lange wird es dauen, bis wir Resultate erhalten?“

„Ich bin Arzt, kein Wahrsager, verdammt.“

„Ich denke, dass Ihre medizinischen Referenzen nicht länger in Frage stehen, Dr. McCoy“, antwortete Spock. „Was Letzteres anbetrifft, so ergibt sich auf einem Sternenschiff für derartige Talente wenig Bedarf.“

McCoy warf dem Vulkanier einen langen Blick zu, konnte aber in dessen ernstem Gesicht keine Anzeichen von Humor erkennen. „Verdammt“, dachte er. „Das könnte Spaß machen. Spock könnte sich als würdiger Gegner erweisen.”

“Hören Sie auf, Unsinn zu reden und fangen Sie an zu arbeiten Spock. Der Junge da hat keine Zeit zu verlieren.“

Verstört von dem Gedanken, dass er tatsächlich wertvolle Zeit verschwendet hatte, antwortete Mr. Spock: „Ich war lediglich wissbegierig, das mögliche Resultat unserer Suche nach einem Heilmittel unter den gegebenen Umständen und unter Berücksichtung der Zufallselemente zu ermitteln.“

“Nun Spock, ich kann die zufälligen Elemente nicht einkalkulieren. Manchmal, trotz all der uns zur Verfügung stehenden Wissenschaft, müssen wir auf etwas Glück hoffen.”

Spock antwortete nicht sofort. Als er es tat, sprach er so sanft, dass McCoy zuerst dachte, dass er nicht richtig gehört hätte. „Dann, Doktor, wünsche ich uns allen um des Captains Willen Glück.“,

McCoy sah zu dem Vulkanier hinüber, der sich über seine Aufgabe mit entschlossener Konzentration gebeugt hatte. „Es gibt etwas Besonders an Jim, dass es sogar ein Vulkanier sehen kann“, dachte er bei sich selbst.

“Sie sorgen sich um das, was mit ihm passiert, nicht wahr, Spock? Bemühen Sie sich nicht, es zu leugnen. Sie können versuchen, es hinter ihrer vulkanischen Fassade zu verstecken, aber ich kann Ihnen sagen, dass Sie besorgt sind. Das ist OK. Dann gehen Sie sorgfältig vor. Nehmen sie jetzt diese Kultur und vermischen Sie sie mit diesen vier Proben.

Spock sagte nichts. Er nahm lediglich die Objektträger von Dr. McCoy entgegen und widmete sich seiner Aufgabe. Zusammen arbeiteten die beiden Männer in Schweigen. Beide waren sich der Konsequenzen bewusst, sollten sie scheitern. Keiner von beiden hätte es zugegeben, aber eine widerstrebende gegenseitige Bewunderung begann sich zu entwickeln, als jeder dieselbe sorgfältige Professionalität in dem anderen Mann beobachtete.

Von Zeit zu Zeit verließ McCoy das Labor, um nach Captain Kirk zu sehen. Wenn er zurückkehrte, sah Spock ihn an. McCoy schüttelte jedes Mal seinen Kopf und sie kehrten an die Arbeit zurück. Etliche Stunden intensiver Konzentration schien nur wenig Resultate zu bringen. Sie arbeiteten weiter.

Einmal unterbrach McCoys Stimme die Stille. „Wissen Sie, Spock, Chronomeningitis wird normalerweise durch Einstiche in die Haut oder durch Bluttransfer übertragen. Es kann eine lange Inkubationszeit haben, aber es dauert selten mehr als 28 Tage, bevor es virulent wird. Ich habe seine medizinischen Unterlagen geprüft und er hatte keine Transfusion. Also muss es durch eine Hautperforation übertragen worden sein. Wurde Jim im letzten Monat verletzt?“

Spock antwortete, ohne von seiner Aufgabe aufzusehen. „Auf Delta Vega, Doktor. Er wurde schwer zusammengeschlagen.“

McCoy erinnerte sich an den Namen. „Delta Vega. Das ist dort, wo Mitchell starb, nicht wahr? Verdammt sei dieser Mann. Ich habe immer gewusst, dass er nichts als Ärger bringt. Wer hat Jim geschlagen? War noch jemand unten mit ihnen?“ Spock sage nichts und zum ersten Mal beharrte der Doktor nicht auf einer Antwort. Er hatte das Gefühl, dass das eine Geschichte war, der von Jim hören musste.

„Nun, da ich nie eine Art wie diese gesehen habe, nenne ich sei Veganische Chronomeningitis. Vielleicht mache ich sogar einen Artikel daraus.“

Spock hob vor Überraschung seine Augebraue. Hatte der Doktor ernsthaft vorgeschlagen, einen Artikel über die Krankheit zu schreiben, die Captain Kirk töten konnte? Er glaubte nicht, dass er jemals diesen Menschen verstehen würde. McCoy war sogar noch merkwürdiger als Spocks andere Schiffskameraden. Er beugte sich über seine Arbeit.

Das Labor war still bis auf das klirrende Geräusch von Metall auf Glas, als die zwei Wissenschaftler darum kämpften, die richtige Kombination zu finden, die die Krankheit, die Captain Kirk tötete, beseitigen konnte. Eine weitere Stunde verging und Spock begann zu befürchten, dass die Zeit nicht reichen würde. Das Grübeln des Vulkaniers wurde von einem triumphierenden Ausruf Dr. McCoys unterbrochen.

„Verdammt, bin ich gut! Wir haben es! Spock, wir haben Glück. Das wird den Virus vernichten.”

„Dr. McCoy, sind Sie sicher, dass Sie das Gegenmittel zu einer Abart einer Krankheit, die Ihnen komplett neu war, in sechs Stunden und 32 Minuten gefunden haben? Die Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses liegt bei 347.078 zu eins.“

„Zitieren Sie keine Wahrscheinlichkeiten. Sie verschwenden Zeit. Helfen Sie mir, dieses Ding erneut zu testen.“ Der Doktor händigte Spock einen Becher und einen Objektträger mit der Kultur aus. „Es hat drei von drei Malen bei mir funktioniert. Versuchen Sie es jetzt, Spock.“

Zu der Überraschung des Vulkaniers schien der Becher in der Tat das Gegenmittel zu der Krankheit des Captains zu enthalten. Mit einigen Justierung der Dosierung luden sie eine Hypospritze auf und nahmen sie dorthin mit, wo Captain Kirk lag, fiebrig, und ständig zwischen Bewusstsein und Bewusstlosigkeit hin und her driftend. Lieutnant Uhura und Mr. DeSalle standen nahe an der Diagnoseliege mit besorgtem Ausdruck auf ihren Gesichtern. Sie hatten sich um den Captain gekümmert, während der Doktor und Mr. Spock im Labor gearbeitet hatten. McCoy sah die Frage in ihren Augen und nickte. Schnell und effektiv verabreichte er die Hypospritze.

“Wir sollten einen Rückgang der Infektion in nur wenigen Momenten beobachten, wenn das hier wirkt”, flüsterte der Doktor. Er schien nicht laut reden zu vollen, als würde das die Heilung behindern.

„Ich habe keinen Zweifel an Ihrem Heilmittel, Doktor. Noch sollten Sie welche haben.“

„Warum, Mr. Spock. Das ist das erste Nette, was sie je zu mir gesagt haben. Ich hoffe, Sie machen keine Gewohnheit daraus.”

“Soll ich aus Ihrem Kommentar schließen, Dr. McCoy, dass Sie es vorziehen, in einer feindlichen Umgebung zu arbeiten? Das würde viele Ihrer Umgangsformen erklären.“

„MEINE Umgangsformen. Mit Ihren könnten Sie Feuer zu Eis erstarren lassen, Sie Vulkanischer Eisberg.“

„Da Sie sich selbst als Wissenschaftlicher betrachten, Doktor, finde ich es merkwürdig, Sie darauf hinweisen zu müssen, dass es auf Vulkan keine Eisberge gibt.“

„Warum Sie… Lassen Sie mich Ihnen von einigen Gefährten daheim in Georgia erzählen. Hießen Hatfielt. Sie haben es niemals gelernt, mit einem McCoy zu streiten. Sind nicht viele dieser Hatfiels übrig in Georgia.“

„Doktor McCoy, Ich kann nicht sehen, was…“

Eine schwache Stimme vom Diagnosebett unterbrach ihre Diskussion. „Gentlemen, ist das eine Art, sich in der Krankenstation zu verhalten?“

"Jim!"

"Captain."

“Wir haben lediglich…”

“Wie fühlst Du Dich Jim?“

Der Captain lächelte und kämpfte sich auf den Ellenbogen hoch. „Ist schon gut, Spock, Doktor. Danke Ihnen beiden. Ich fühle mich bereits viel besser. Wie schnell kann ich von hier raus? Ich habe ein Schiff zu befehligen.” Die Anstrengung, aufrecht zu sitzen, erschöpfte ihn und der Captain sank auf die Liege zurück. „Wie weit sind wir von Sternenbasis Elf entfernt? Der arme Piper braucht das Medikament.“ Er sah zu McCoy hoch. „Er wird wirklich überrascht sein, Dich zu sehen, Doktor.“

Dr. McCoy strich mit dem medizinischen Trikorder über den Captain und sah ihn an.

„Er wird es überstehen, Captain. Bleib, wo du bist. Und du gehst nirgendwohin, bis ich es dir sage. Du wirst wieder vollständig gesund, Jim, aber du musst dir Zeit lassen. Du hast uns einen schönen Schrecken eingejagt, aber dank deinem zahmen Vulkanier hier und dem besten Diagnostiker in Starfleet haben wir den Kampf gewonnen.“

Er legte eine Hand auf Kirks Handgelenk, teils, um den Puls des Captains zu fühlen, teils auch, weil er um die heilende Kraft einer Berührung wusste.

“Oh, eins noch, Jim. Diese Krankheit… Ich werde Sie Veganische Chronomeningitis nennen und sie ist übrigens nicht verschwunden. Diese kleinen Biester haben sich mit deinen roten Blutkörpern verbunden und ich kann sie nicht vollständig herausfiltern. Nicht, ohne dich zu töten. Also wirst du ein permanenter Überträger sein. Du kannst jemanden infizieren, wenn ihm Dein Blut injiziert wird. Sollte allerdings kein echtes Problem darstellen. Nicht, wenn nicht jemand auf diesem Schiff ein Vampir ist.“ Der Doktor sah Spock scharf an und grinste ein boshaftes Grinsen.

Was als Kichern des Captains begann wurde schnell ein voll ausgewachsenes Lachen. „Nun, Spock“, sagte er, den Doktor mit Zuneigung ansehend, „Es siehst so aus, dass Sie schließlich den wahren McCoy getroffen haben.“

Spock schickte sich an zu antworten, überlegte es sich dann aber offensichtlich anders.

Captain Kirk sah zu seinem neuen Erste Medo-Offizier hoch. „Das ist schon ein Anfang auf der Enterprise. Willkommen an Bord, Pille. Sorry… Leonhard.“

“Es ist OK, Jim. Du kannst mich Pille nennen. Ich denke, ich mag es, wenn es von Dir kommt.”

Der Captain war für einen Moment still und sein Gesicht schien sich zu verdunkeln. „Gary hat mir schließlich erzählt, wo der Name herkommt. Es tut mir wirklich leid. Ich hätte ihn nie benutzt, wenn ich gewusst hätte, was er wirklich bedeutet.“

„Macht nichts, Jim. Wirklich nicht. Du hast ihn immer auf eine nette Art und Weise benutzt. Und, ich denke, er kann uns dabei helfen, Gary in Erinnerung zu behalten. Er war nicht perfekt, aber ich weiß, er war Dein Freund.“

„Danke, Pille. Von uns beiden.“

Der Doktor drückte den Arm des Captains und zusammen gedachten sie Gary Mitchell.

Kirk lag auf seinem Bett mit geschlossenen Augen und für einen Moment dachte McCoy, er wäre eingeschlafen. Dann erhellte ein leichtes Lächeln sein Gesicht und er öffnete seine Augen. Er hob seinen Kopf, um auf McCoys Füße zu sehen. „Doktor, es tut mir wirklich leid um Deine Schuhe. Kann ich dich davon überzeugen, sie gegen ein paar reguläre Starfleet-Stiefel einzutauschen?“

McCoys Gedanken an eine Kündigung verblassten, als er mit Zuneigung den Mann auf der Diagnoseliege ansah. Er erinnerte sich genau daran, warum er in erster Linie zugestimmt hatte, mit ihm zu dienen. Das hieß aber nicht, dass er nicht einige Dinge regeln wollte.

„Nun Jim. Da gibt es einige Sachen, über die wir sprechen müssen, wenn ich auf diesem Kahn bleiben soll.“ Der Doktor sah seine Gelegenheit und nutzte sie. „Wenn dein spitzohriger Erster Offizier mich sofort mit dir hätte sprechen lassen, wärst du nicht so krank geworden. Ich wäre Stunden früher an Bord gewesen. Ich möchte Zugang, Jim. Ich muss dahin gehen können, wo ich möchte. Andernfalls musst du dir einen neuen Arzt suchen.“

Captain Kirk lächelte in sich hinein. Das war der Leonard McCoy, an den er sich erinnerte. Er scheute sich sicher nicht, seine Meinung zu sagen. Kirk dachte, dass das genau das war, was er brauchte. „Du hast gewonnen, Pille. Außerdem wäre es wirklich lästig, jemand anderen zu suchen. Besonders, seitdem du und Spock miteinander so gut auszukommen scheint. Er grinste. „Wenn es freier Zutritt ist, den du willst, dann sollst du freien Zutritt haben. Du kannst sogar auf der Brücke sein. Das ist ein Ort, an dem normalerweise kein Erster Medo-Offizier ist. Glücklich?“

„Nun“, sagte der Doktor gedehnt. „Glücklich wäre zu viel gesagt. Aber ich nehme an, ich könnte eventuell lernen, mich mit diesem Ort zu arrangieren.“

„Willkommen an Bord, Dr. McCoy“, antwortete der Captain. „Ich denke, dass das der Beginn einer interessanten Zeit für uns drei sein wird.“

Mr. Spock hatte da seine Zweifel, aber er beschloss weise, sie für sich zu behalten.

Dr. McCoy hatte stumm denselben Gedanken wie der Erst Offizier, aber auch er behielt ihn uncharakteristischerweise für sich. Und, vielleicht für das letzte Mal in einer Kariere, die mehrere gemeinsame Dekaden umspannen sollte, hatte Captain James T. Kirk das letzte Wort.

*)Anmerkung: im Original heißt Pille „Bones“ (=englisch für Knochen)


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Story by Nesabj, Nesabj@comcast.net | Original Version ("The Real McCoy") in English | http://mywebpages.comcast.net/nesabj/
Übersetzung: Zelda Scott, http://www.sttos.de | Zelda.Scott@web.de